Wem gehört der Müll?

Im Landkreis Sigmaringen spielt sich gerade etwas ab, das als „Provinzposse“ zu bezeichnen zu einfach wäre. Immerhin hat es mich auf eine wichtige Frage gebracht: Wem gehört eigentlich der Müll?

Es hat alles damit angefangen, dass ein privater Entsorgungsbetrieb aus Ehingen in Pfullendorf, Bad Saulgau, Mengen und Sigmaringen Flugblätter verteilen ließ. Auf diesen Flugblättern bietet dieser Betrieb seine Dienste an bei der Entsorgung von Altpapier. Man muss einfach nur das Formular ausfüllen und an die Firma schicken, innerhalb von vier Wochen erhält man dann eine blaue Tonne, in die man sein Altpapier geben kann und die von der Firma geleert wird. Das Schöne: Alles kostenlos. Die Tonne kostet nichts, man muss sie nur, wenn man sie nicht mehr braucht, zurückgeben (zum Beispiel bei einem Umzug). Das Abholen, das in Abständen von vier Wochen erfolgen soll, kostet auch nichts. Für mich persönlich erschien das ideal. Denn wie war die Situation bisher? Ich sammle mein Altpapier, bis es einen rechten Stapel ergibt, dann packe ich es in mein Auto und fahre zum Wertstoffhof, um es dort – sortiert nach Papier und Pappe – in große Container zu füllen. Zwar gab es in der Nähe meiner Wohnung früher mal einen Papiercontainer, doch dieser wurde abgebaut, weil er immer so vermüllt war. Da der Werstoffhof im Gewerbegebiet am Stadtrand liegt, ist das mit dem hinlaufen so eine Sache, vor allem, wenn man mehrere Kilo Altpapier dabei hat.

An dieser Politik hat mich vor allem die Tatsache geärgert, dass die Container in der Stadt so rigoros abgebaut wurden. Damit wurden dann auch all jene abgestraft, die diese Container nicht vermüllt haben. Aber gut, das Angebot des privaten Entsorgungsbetriebs schien das alles wieder wett zu machen.

Auf Nachfrage einiger Reporter, wie sich das denn rechne, sagte der Leiter des Betriebs, die Tonnen und die Abholung werden über den Verkauf des Altpapiers finanziert. Kein Bürger gehe irgendeine Verpflichtung ein. Natürlich nicht, schließlich wird in dem Flugblatt dick und breit – und ohne Kleingedrucktes – die kostenlose Bereitstellung der Tonne und die kostenlose Abholung versprochen. Würde man im Nachhinein doch Gebühren erheben, wäre das Vertragsbruch.

Leider ist das Vorhaben dem Landkreis Sigmaringen ein Dorn im Auge. Logisch, wenn man mit dem Verkauf von Altpapier genügend Geld machen kann, dass man den Bürgern den Service kostenlos anbieten kann, geht dem Landkreis etwas durch die Lappen. Und man wehrt sich. Das Abfallwirtschaftsgesetz, so heißt es aus Sigmaringen, verpflichte den Bürger quasi dazu, sein Altpapier beim Kreis abzugeben.

Wie bitte?

Also, Moment mal. Vollziehen wir es mal nach: Ich kaufe Papier in einer Papierwarenhandlung (okay, meistens im Supermarkt, aber das tut jetzt nichts zur Sache). Dadurch, dass ich das Papier mit Geld bezahle, wird es mein Eigentum. Ich kann damit machen, was ich will – solange ich damit nicht die Rechte anderer verletze (zum Beispiel das Papier bei einem Bankübefall zu verwenden, indem ich die Botschaft „Geld her – und keine Polizei!“ darauf schreibe). Ich kann darauf malen, schreiben, drucken, Papierflieger basteln, einen Origami-Kurs belegen… was auch immer. Bis zu dem Zeitpunkt, da ich des Papiers überdrüssig bin, zum Beispiel, weil der Papierflieger nicht fliegt, der Ausdruck verschmiert ist oder der Elefant, den ich falten wollte, so überhaupt nicht nach Elefant aussieht (eigentlich ähnelt er keiner lebenden Kreatur, ich bin nunmal nicht so talentiert beim Papierfalten). Was tue ich nun mit dem Papier? Ich sammle es, um es dem Papier-Recycling zuzuführen. Irgendwann, wenn der Haufen groß genug ist, fahre ich damit zum Werstoffhof und werfe es in den Container.

Und jetzt die Preisfrage: Ab wann verwirke ich mein Eigentum an dem Papier? Anders herum gefragt: Wann ist das Papier kein Papier mehr, sondern „Altpapier“? Ist es das bereits in jenem Moment, da ich aus freien Stücken die Entscheidung treffe, das Papier nicht mehr zu nutzen, sondern es zu entsorgen? Oder ab dem Zeitpunkt, da es bei mir in der Wohnung auf dem Sammelstapel liegt? Oder doch erst dann, wenn ich es in den Container werfe?

Nächste Frage: Wenn ich mein Eigentum am Papier bereits mit der Absicht, es zu entsorgen oder mit der Sammlung zur Entsorgung aufgebe, und es „quasi automatisch“ Eigentum des Landkreises wird – warum zum Teufel lagert der Landkreis dann sein Altpapier in meiner Küche? Können die ihr Zeug nicht aufräumen?

Wenn ich aber das Eigentum an den Papier erst in dem Moment verliere, da ich es in den Container werfe – dann ist es doch mein freies Recht darüber zu bestimmen, in welchen Container ich es werfe. Wenn ich alten Krempel zu verkaufen habe, kann ich ja auch entscheiden, ob ich das bei eBay tue oder auf dem Flohmarkt.

So, und jetzt noch etwas verdrehter: Unser Leben wird begleitet von vielen so genannten „konkludenten Handlungen“. Das sind Handlungen, die eine rechtliche Konsequenz mit sich ziehen, obwohl dabei kein Wort gesprochen wird, denn sie sind eindeutig und von jedermann zu erkennen. Bestes Beispiel: Ich gehe Papier kaufen, diesmal im Supermarkt, weil es im Papierwarenladen zu teuer ist. Ich nehme mir eine Packung aus dem Regal und gehe damit zur Kasse. Eigentlich müsste ich zur Kassiererin sagen: „Ich möchte das Eigentum an dieser Packung Papier erwerben.“, worauf sie sagen müsste: „Wenn Sie mir 2 Euro geben, kommt ein Kaufvertrag zustande.“ Dann wieder ich: „Hier sind 10 Euro, bitte geben Sie mir das überzählige Geld heraus.“ Dann müssten wir einen Handschlag oder sowas machen, um den Vertrag zu besiegeln. Natürlich ist das alles zu aufwändig, deswegen kommt der Vertrag durch konkludente Handlungen zustande: Ich lege das Papier auf das Laufband an der Kasse und signalisiere damit, dass ich es kaufen will. Die Kassiererin sagt mir den Preis, und wenn ich ihr mehr Geld gebe als der Preis ist, ist logisch, dass ich das Restgeld gerne wiederhaben möchte (es sei denn, ich sage was anderes).

Wo ist aber die konkludente Handlung beim Altpapier? Beim Hausmüll sind die Grenzen sehr direkt, denn sobald ich etwas in den Abfalleimer werfe, kommt es mit anderem Müll zusammen und wird kontaminiert. Aber das Altpapier bleibt, wie es ist. Im Gegenteil, während der Müll nicht wiederverwendet werden kann und irgendwie entsorgt werden muss, ist das Altpapier ein Rohstoff. Ein Rohstoff, mit dem sich offenbar gute Gewinne erwirtschaften lassen.

Unabhängig von der Begriffsdefinition steht immer noch die Frage nach dem Eigentum immer noch im Raum. Wenn jemand aus der Mülltonne vom Nachbarn etwas herausnimmt, ist das Diebstahl. Aber wer ist der Geschädigte?

Der Kreis Sigmaringen jedenfalls macht in der Sache mit dem privaten Entsorgungsunternehmen „Bedenken“ geltend und prüft rechtliche Schritte – bis hin zur Schadensersatzforderung. Das jedoch muss man mir erklären: Welcher „Schaden“ ist denn entstanden? Sollte sich herausstellen, dass das Angebot des Privatunternehmers unzulässig ist, dann hat doch nur er den Schaden, denn er hat sich die Flugblattaktion was kosten lassen. Der Landkreis hat keinen Schaden, denn nach eigenen Auskünften soll deren Konzept für eine Papierabholung erst 2008 (!!) stehen. Zurzeit gebe es eine europaweite Ausschreibung für Entsorgungsunternehmen. Und der Landkreise weist darauf hin, dass eine Entsorgung über ein Privatunternehmen nicht kostenfrei sei, weil Defizite, die durch fehlende Erlöse beim Altpapier entstünden, auf die Müllgebühren umgelegt werden müssten. Das verstehe ich nicht: Wenn ein Privatunternehmer eine Dienstleistung anbietet und sich dabei eventuell verkalkuliert, kann er dieses Defizit doch nicht der Allgemeinheit aufdrücken. Vermutlich möchte Landrat Dirk Gaerte uns mit diesen, seinen Worten „sanft“ darauf vorbereiten, dass mit der Lösung, die 2008 kommen soll, eine Erhöhung der Müllgebühren ansteht. Diese Lösung wird – so entnehme ich es den Worten des Kreispolitikers – übrigens nur das Altpapier betreffen. Denn im Gegensatz zu dem privaten Entsorgungsunternehmen, bei dem man sowohl Papier als auch Kartonagen in die Tonne hätte geben können, wird vom Kreis aus nur das Papier abgeholt. Kartons darf man weiterhin abgeben.

Merkwürdig. Immer wird nach „dem Markt“ gerufen, der ja angeblich alles selbst regeln kann. Und in bestimmten Situationen dann wieder nicht. Oder besser gesagt, in unbestimmten Situationen. Denn ein Muster lässt sich nicht erkennen.

Ich bin gespannt, was uns 2008 erwartet. Bis dahin darf ich noch ein paar Mal zum Werstoffhof fahren… und wem gehört jetzt das Altpapier eigentlich?

Schlaganfall – ein Notfall

Als Mitarbeiter im Rettungsdienst fallen einem manchmal Dinge auf, die einem Laien nicht so auffallen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, natürlich kann ein Laie einen Notfall schwer einschätzen und es gibt immer noch die Mentalität, man will „keine Mühe machen“, weswegen ein Notruf verzögert wird oder gar ganz unterbleibt.

Bei einigen Notfällen kann das fatal sein, denn hier wird wertvolle Zeit verschenkt, die kein noch so qualifizierter Arzt wieder aufholen kann. Einer dieser Notfälle ist der Schlaganfall. Seit einiger Zeit wird eine Kampagne gefahren unter dem Motto „Schlaganfall – es ist ein Notfall. Handeln Sie rasch!“ Das ist im Prinzip richtig, leider ist es so, dass ein Schlaganfall sich unter Umständen sehr unspezifisch zeigt. Die Alarmzeichen, halbseitige Körperlähmung, Bewusstlosigkeit oder Verlust des Sprachvermögens, müssen nicht immer oder nicht immer voll ausgebildet sein.

Um hier Abhilfe zu schaffen und vor allem medizinischen Laien eine Entscheidungshilfe in die Hand zu geben, kursiert nun ein Text im Internet, der per eMail verbreitet wird. Als ich das mitbekam, fand ich die Idee gut. Wir alle kriegen doch tagtäglich so viel Spam und auch diese vermaledeiten Kettenbriefe („schicke diese Mail an 10 Leute, damit Du ewige Glückseligkeit erfährst“), da kann man das Netz doch auch mal für etwas Sinnvolles nutzen. Da ich nicht weiß, von wem der ursprüngliche Text stammt, möchte ich die Tipps mit eigenen Worten wiedergeben und jeden, der dies liest, auffordern, es weiterzuleiten, sei es als Link auf diesen Eintrag oder indem er den Text kopiert und als eMail weiterschickt (an möglichst viele Leute), und darum bittet, sich kurz die Zeit zu nehmen, den Text zu lesen und die Tipps im Hinterkopf zu behalten.

Unter einem Schlaganfall versteht man den Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn. Dadurch wird ein Teil des Gehirns von der Blutversorgung abgeschnitten und die Gehirnzellen drohen abzusterben. Schwere Hirnschäden sind die Folge, die im Höchstfall zum Tod führen können.

Zeit ist daher der wichtigste Faktor. Innerhalb von drei Stunden muss der Betroffene in einem speziellen Zentrum, einer so genannten „Schlaganfall-Einheit“ (Stroke Unit) behandelt werden – je früher, desto besser. Wenn eine Person also von plötzlichem Unwohlsein befallen wird, zittrig ist oder sogar hinfällt, kann man mit Hilfe folgender Fragen einen Anhaltspunkt finden:

  • Die Person zum Lächeln auffordern.
  • Die Person bitten, einen einfachen Satz zu sagen (z.B. „Die Sonne scheint seit heute Morgen.“)
  • Die Person bitten, beide Arme zu heben.
  • Die Person bitten, die Zunge heraus zu strecken.

Sollte der oder die Betroffene auch nur mit einem dieser Punkte – oder gar mehreren! – Schwierigkeiten haben, ist sofort ein Notruf zu veranlassen (Telefonnummer 112 in den meisten Gegenden Deutschlands) und dem Disponent am Telefon genau beschreiben, was vorgefallen ist. Dabei ist wichtig, dass nicht untertrieben wird – es gilt: Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig!

Zum Schluss noch zwei Dinge: Erstens, die drei Stunden sind die Höchstgrenze. Sie dürfen nicht zu der Ansicht verleiten „drei Stunden sind lang, wir haben ja noch Zeit…“. Denn eine „Stroke Unit“ gibt es nicht in jedem Krankenhaus und innerhalb der drei Stunden muss die Behandlung begonnen werden. Dazu sind vorher aber noch eingehende Tests erforderlich. Also nochmal: Je früher, desto besser!

Und zweitens, was sehe ich bei den oben beschriebenen Fragen bei einem Schlaganfall-Betroffenen?

  • Lächeln: Die Person verzieht das Gesicht oder es bewegt sich nur ein Mundwinkel, während der andere hängt – sie bringt einfach kein richtiges Lächeln zustande.
  • Sprechen: Die Person spricht verwaschen, lispelt plötzlich, lallt oder stockt bei einzelnen Worten und muss lange nachdenken.
  • Arme heben: Ein Arm kann nicht so hoch gehoben werden wie der andere oder gar nicht bewegt werden, oder beide Arme können nicht oder kaum bewegt werden.
  • Zunge herausstrecken: Statt die Zunge gerade heraus zu strecken, krümmt sich diese oder windet sich von einer Seite zur anderen.

Wie gesagt, trifft auch nur eines der Symptome zu, ist Hilfe zu holen. Alles weitere veranlasst dann der Rettungsdienst.

Schlaganfall – es ist ein Notfall. Handeln Sie rasch!