CSI: Miami – Staffel 6 beginnt

Horatio Caine und sein Team von Spurenermittlern sind wieder zurück am Tatort in Miami. Als erste der drei CSI-Serien darf „CSI: Miami“ heute in eine neue Runde starten und die sechste Staffel in deutscher Erstausstrahlung beginnen. Der Titel der Episode ist „Blutlinie“. Bis nächste Woche werden die anderen beiden Serien nachziehen.

Die fünfte Staffel hatte für das Team einiges an Aufregung gebracht, angefangen von Caines und Delkos eigenmächtiger Reise nach Brasilien über die Schießerei, in der Delko schwer verletzt wurde, bis hin zu Ryan Wolfes Entlassung.

Wegen des Autoren-Streiks in den USA im letzten Herbst ist diese Staffel nur 21 Folgen lang und wird wohl mit ein paar überraschenden Episoden aufwarten.

Tatü – Tata: „112…“ – wer rettet wen, und warum?

Es gab ja schon Serien im Fernsehen, die einen richtig positiven Effekt hatten. Ein Musterbeispiel, was das betrifft, ist die amerikanische Serie „Emergency!“, die bei uns in Deutschland unter dem Titel „Notruf Kalifornien“ lief. Im Pilotfilm der Serie wurde der Kampf um die Ausbildung des Rettungsdienstpersonals thematisiert, es wurde beispielhaft erklärt, wie es zum Beruf des „Paramedics“ kam, und in den weiteren Folgen wurden Feuerwehr und Rettungsdienst bei der Arbeit gezeigt. Die Serie hat in Amerika viel dazu beigetragen, dass die Bevölkerung über die Strukturen der Rettungsdienste und deren Arbeit aufgeklärt wurden. Alle Fälle, die in der Serie gezeigt wurden, hatten reale Vorbilder, sie waren dem Wachenbuch einer „richtigen“ Feuerwache entnommen und unter Beratung von Experten fürs Fernsehen realisiert worden. Es hatte dazu geführt, dass die amerikanische Bevölkerung wusste, wer denn kommt, wenn man den Notruf wählt. Als die Serie eine Auszeichnung erhielt, wurde ein Zuseher, der kurz darauf einen Herzinfarkt erlitt, mit den Worten zitiert: „Ich wusste, wenn ich die 911 [den amerikanischen Notruf] wähle, dann kommen die Paramedics und helfen mir.“

In Deutschland haben wir dafür kein so glückliches Händchen, wie es scheint. Und das ist teilweise verheerend, denn tatsächlich ziehen etliche Bevölkerungsteile ihr Weltbild aus fiktiven Serien. Nehmen wir zum Beispiel Für alle Fälle Stefanie, eine Krankenhausserie um eine Pflegerin, bei der mehrfach die Darstellerin ausgetauscht, die jeweilige Figur aber immer (des Serientitels wegen) „Stefanie“ hieß. Diese Krankenschwester arbeitet mal auf Station, mal im OP, mal auf Intensiv – und das meistens innerhalb einer Folge. Und es wurde gern das Klischee bedient, dass Krankenschwestern immer mit Ärzten anbandeln. In der Tat gehen Angehörige der Gruppe der medizinischen Berufe viel häufiger Beziehungen mit Angehörigen dieser Gruppe ein, als das bei anderen Berufssparten der Fall ist, aber das weniger romantische, als mehr pragmatische Ursachen: die verkorksten Arbeitszeiten werden von einem Partner, der im gleichen oder ähnlichen Beruf arbeitet eher toleriert, die besondere Situation des Berufs besser verstanden. Außerdem verbringt man viel Zeit am Arbeitsplatz, ist sogar Nachts dort – soziale Kontakt außerhalb des eigenen Berufsfelds sind da schwierig.

Zu neuen Höhen, zumindest was den Rettungsdienst betrifft, wollte sich Medicopter 117 aufschwingen, landete allerdings umso unterirdischer. Hauptsache, es kracht und zischt – mehr war da nicht drin. Absoluter Tiefpunkt aus meiner Sicht war die Episode „Nasses Grab“, die in weiten Teilen aus James Camerons Kinospektakel „The Abyss“ abgeschrieben worden war – und zwar schlecht!

Nun schwingt man sich erneut auf, eine Rettungsserie zu starten: 112 – Sie retten Dein Leben (Eintrag beim Fernsehlexikon hier). Neu an dem Konzept: Sie läuft täglich Montags bis Freitags und dauert nur 25 Minuten pro Episode. Ich möchte hier einen kritischen Blick auf diese Serie werfen, aus der Sichtweise eines Menschen, der sich in dem Metier auskennt. Der Vollständigkeit halber – bevor Fragen aufkommen – möchte ich hinzufügen, dass ich seit 17 Jahren im Rettungsdienst arbeite, davon 12 Jahre als Rettungsassistent. Zunächst sehen wir uns mal an, woran es „medizinischen Serien“ in Deutschland bisher eigentlich meistens krankte:

  • Durcheinander von Bezeichnungen

Statt sich genau zu informieren, glauben manche Autoren scheinbar lieber an das, was sie zu wissen glauben. Da ist vom „Sanka“ die Rede, wenn ein Rettungswagen gemeint ist („Sanka“ ist eine Verballhornung einer Abkürzung für „Sanitätskraftfahrzeug“ und wird schon seit Jahren nicht mehr verwendet), von „Sanitätern“, „Notfallsanitätern“ oder gar „Rettungshelfer“, wenn eigentlich ein Rettungsassistent gemeint ist („Sanitäter“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung in Deutschland, und „Rettungshelfer“ ist die unterste Ausbildungsstufe im Rettungsdienst)… und so weiter. Klar, dem Zuschauer fällt sowas nicht auf, er weiß es ja nicht besser. Aber etwas mehr Akuratesse täten den Drehbüchern gut.

  • Absolute Ahnungslosigkeit im medizinischen Bereich

Manche Autoren scheinen – wenn überhaupt – lediglich ein medizinisches Nachschlagewerk zur Verfügung zu haben, um ihre Skripte zu schreiben. Niemand scheint ihnen zu erklären, wie das wirklich läuft, dass Ärzte zum Beispiel aufgrund eines isolierten Symptoms niemals innerhalb von Sekunden eine Diagnose stellen, schon gar nicht, wenn es sich um eine schwere Erkrankung handelt. Ganz besonders beliebt ist auch der „erwachende Reanimationspatient“ – in der Realität ein absolutes Unding, da man darauf achtet, dass solche Patienten eben nicht aufwachen.

  • Absolute Ahnungslosigkeit, was Abläufe betrifft

Wie geht man an einen Notfall heran? Ganz egal – hauptsache, der Held sieht gut aus. Da ich selbst auch schreibe, ist mir natürlich klar, dass die Realität sich manchmal unter der Dramatik einer Geschichte wegducken muss – aber die Realität deswegen zum Kriechgang zu verdammen?

  • Klischees und Konter-Klischees

Die Klischees habe ich weiter oben schon mal angesprochen. Es gibt dann noch Autoren, die offenbar der Ansicht sind, dass es bereits kein Klischee mehr darstellt, wenn man einfach die Rollen tauscht, also statt der Krankenschwester, die sich einen Arzt angeln will, nun einen Pfleger nimmt, der hinter einer Ärztin her ist. Genauso häufig wird auch gerne eine Frau in eine Führungsrolle gesetzt, einfach weil das gerade modern ist – und man das der Figur leider zu deutlich anmerkt, wenn sie den unsichtbaren Schriftzug auf der Stirn trägt: „Eigentlich hätte ich ein Mann sein sollen…“

  • Medizin für Vollidioten

Vor allem in älteren Serien gab es die Unart, den Ärzten Texte zu schreiben, in denen sich diese gegenseitig ihre Diagnosen erklärt haben. Gerade so, als ob ein Arzt nicht wüsste, dass eine „Apendizitis“ umgangssprachlich „Blinddarmentzündung“ genannt wird. Das wäre an sich noch nichts schlimmes, bei den „CSI“-Serien wird es auch immer noch praktiziert, um den Zuschauer nicht im Unwissen zu lassen. Aber bei manchen dieser Texte war es wirklich schlimm und teilweise überflüssig.

Kommen wir also nun zu „112 – Sie retten Dein Leben“. Eine sehr schöne Einschätzung der Serie gibt Michael Reufsteck im „Fernsehlexikon“ unter dem Titel „08/15 – Sie retten deinen Sendeplatz auch nicht„. Ich möchte mich der medizinischen und der handlungstechnischen Ebene zuwenden und heute die erste Folge unter die Lupe nehmen, die gestern lief. Danach soll es noch weitergehen, da jede Episode aber nur 25 Minuten lang ist, werde ich vielleicht wochenweise darüber schreiben. Ich weiß aber nicht, wie lange ich das durchhalte, vielleicht tut mein Gehirn bald so weh, dass ich es aufgebe.

Die einzelnen Folgen tragen offensichtlich keine Titel (ich habe zumindest keinen solchen entdeckt), deswegen gibt es als Angabe nur eine Nummer und den Tag der Ausstrahlung.

112 – Sie retten Dein Leben / Folge 1, 25. August 2008

  • Plotlöcher

Konzept: Ist es nicht eigentlich die Aufgabe der ersten Episode, den Zuschauer so weit in das Geschehen einzuführen, dass er versteht, worum es geht? Offenbar soll das besondere dieser Serie sein, dass Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei unter einem Dach organisiert sind und zusammenarbeiten. Das habe ich aber aus dieser ersten Episode nicht erfahren, lediglich aus der Pressemitteilung dazu. Überhaupt wurden von den Figuren nur ein paar vorgestellt, was an der beschränkten Zeit lag. Vielleicht hätte man doch eine Doppelfolge als Pilotfilm machen sollen? Insofern kann man über das Team noch nicht so viel sagen, außer, dass der Sohn vom Polizeichef von allen anderen aufgezogen wird, weil er „der Kleine“ ist.

Blinde Disponentin: Da bleibt abzuwarten, ob man in der Serie noch erfährt, wie das mit ihrer Erblindung war. Wenn Sie von Geburt an blind war, ist ihre Rolle völlig unrealistisch, denn um als Disponent bei Feuerwehr und Rettungsdienst zu arbeiten, muss man zuvor Berufserfahrung im Einsatz gesammelt haben. Und blinde Mitarbeiter gibt es im Fahrdienst des Rettungsdienstes nicht, weil es einfach nicht geht.

  • Notfall-Kokolores

Einsatztaktik: Ein (vermutlicher) Verkehrsunfall wird gemeldet. Die Disponentin entsendet laut ihrer Durchsage einen Rettungswagen (RTW), einen Einsatzleitwagen (ELW) und ein weiteres Fahrzeug, dessen Bezeichnung nicht zu verstehen ist, weil in dem Moment die dramatische Musik immer lauter wird. Wohlwollend kann man ihr zugute halten, dass die unverständliche Bezeichnung kein Fahrzeug, sondern einen ganzen Zug meint, denn es rücken wesentlich mehr Fahrzeuge aus: zwei Polizeifahrzeuge, ein Rettungswagen, ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF), ein Einsaltzleitwagen, ein Vorausrüstwagen (VRW), eine Drehleiter mit Korb (DLK) und ein Fahrzeug mit einer Hebebühne.

Hubschrauber: Der Hubschrauber wird nachalarmiert, allerdings ist mir nicht ganz klar geworden, wie dieser besetzt ist. In der Szene macht es den Eindruck, als wäre er nur mit Pilot besetzt zum Notfallort geflogen – und das wäre Blödsinn.

Eigenschutz: Es ist nicht actiontauglich, ich weiß, aber es gibt bei der Notfallrettung eine in Stein gemeißelte Regel – „Eigenschutz geht vor!“ Natürlich hätte der Wagen jederzeit abstürzen können, aber trotzdem hätte er zuerst abgesichert werden müssen. Das Manöver, die Notärztin von der Hebebühne aus über den Abhang in das lediglich mit einem einzelnen Stahlseil gesicherte Auto abzuseilen, ist hochgefährlich – und wenn dabei etwas passiert, ist der Einsatzleiter dran. Der kann seinen Hut nehmen. Keiner – außer vielleicht ein paar unter Adrenalin stehenden übereifrigen – riskiert seine Gesundheit oder sein Leben in einem solchen Einsatz leichtfertig. Aber das Thema „Eigenschutz“ war schon bei dem geistigen Tiefflieger „Medicopter 117“ immer so eine Sache gewesen.

Notfallmedizinisches: Anweisung der Ärztin: „Mach den Koffer auf!“ Der „Koffer“ ist eine Notfalltasche. Als die Ärztin kurz darauf der Patientin in die Augen leuchten will, um die Pupillenfunktion zu kontrollieren, sieht man deutlich, dass sie daneben leuchtet. Dann wird es „Wischi-Waschi“, die Ärztin will ein „stabilisierendes Mittel“ geben, damit die Patientin die Rettung übersteht. Ein „stabilisierendes Mittel“ in diesem Sinne gibt es nicht. Nachdem die Rettung geglückt ist, wird von einem „Tropf“ geredet, diese Bezeichnung verwendet man im medizinischen Personal eigentlich nicht mehr, es heißt einfach „Infusion“. Und als die Patientin beim Hubschrauber auf der Trage liegt, ist der Stifneck, die stabilisierende Halskrause, verrutscht – so sehr, dass diese den Kopf wenden kann, was der Stifneck eigentlich verhindern soll.

Kapazitätsprobleme: Als der Sohn der Patientin gefunden ist, will dieser natürlich mit seiner Mutter im Hubschrauber mitfliegen und fragt den Polizisten, der ihn gefunden hat, ob er auch mitkommt, was dieser bejaht. Moment mal? Also, Patientin, Notarzt, Flug-Rettungsassistent, Pilot, das Kind – und der Polizist? Ist das ein Großraumhubschrauber?

Also, dieser erste Eindruck ist kein guter und etliche meiner Befürchtungen haben sich bestätigt. Ich lasse mich gern eines besseren belehren, deswegen werde ich mir noch die weiteren Folgen ansehen – wie lange ich es aushalte, bleibt abzuwarten. Bislang scheint es sich dabei nur um eine weitere tägliche Serie zu handeln, bei der „Realismus“ mit „ä“ geschrieben wird. Oder um es etwas blumiger zu sagen:

Wenn „Emergency!“ der edle Champagner unter den Rettungs-Serien ist, dann ist „112 – Sie retten Dein Leben“ ein Glas Ahoj-Brause, bei dem man allerdings sowohl das Wasser als auch die Brause vergessen hat und das Glas zudem schmutzig ist.

UPDATE: Ein genauerer Blick auf weitere Folgen dieser Serie hier: „‚112 – Sie retten dein Leben‘ – Eine genauere Kritik„.

UPDATE 2: Die neueste Entwicklung, was „112..“ betrifft, gibt es hier: „‚112…‘ zum Vierten: Sie rettet nun keiner„. Deswegen sind die Kommentare unten in diesem Beitrag geschlossen.