STAR WARS Episode VII: Das Erwachen der Macht – Rezension

Photo by Simon Zhu on Unsplash
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Vorbemerkung: In „Das Erwachen der Macht“ passiert einiges, das man nicht unbedingt wissen möchte, bevor man den Film gesehen hat, wenn man sich die Spannung nicht verderben lassen möchte. Deswegen werde ich die allgemeine Rezension so unkonkret lassen, wie es geht. Bei einigen Punkten füge ich Zahlen an, die auf Fußnoten verweisen. Für diese Fußnoten gilt: SPOILER! Hier werde ich konkret benennen, um was es geht und auch Handlungsverläufe verraten. Also soll keiner sagen, ich hätte ihn nicht gewarnt. In diesem Sinne, hier ist die eigentliche Rezension:

Es war einmal vor langer Zeit in einer Galaxis weit, weit von hier entfernt: Rund 30 Jahre nach der Zerstörung des zweiten Todessterns ist die Galaxis nicht ruhiger geworden. Luke Skywalker ist verschwunden und wird verzweifelt von seiner Schwester gesucht. Der Grund seines Verschwindens: Er hat versucht, den Jedi-Orden neu aufzubauen, doch einer seiner Schüler wurde zur dunklen Seite der Macht verführt. Daraufhin hat er das Unterrichten aufgegeben und sich auf die Suche nach dem ersten Jedi-Tempel gemacht.

In der Galaxis gibt es zwei Großmächte, die sich gegenüber stehen: Die neue Republik und die „Erste Ordnung“, die aus den Trümmern des Imperiums entstanden ist. Anführer ist der mysteriöse Snoke, sein Handlanger ist Kylo Ren, Lukes ehemaliger Schüler. Dazwischen steht der „Widerstand“, eine Kämpfergruppe, die von General Leia Organa angeführt wird und die versucht, die Erste Ordnung in die Schranken zu verweisen. Doch das wird immer schwieriger, zumal die „Erste Ordnung“ ihre neue Basis, die „Starkiller Base“, in Betrieb genommen hat. Dazu wurde ein ganzer Planet zu einer riesigen Hyperraumkanone umgebaut.

Hinzu kommt, dass Kylo Ren genauso wie Leia Luke Skywalker finden möchte. Er ist besessen von Darth Vader und will dessen „Werk“ vollenden: den letzten der Jedi zu töten. Einer der besten Piloten des Widerstands, Poe Dameron, hat nun endlich einen Hinweis auf Skywalkers Aufenthaltsort gefunden, ein Chip, den er in einem Dorf auf der Wüstenwelt Jakku ausgehändigt bekommt. Doch die Erste Ordnung ist ihm schon auf den Fersen, das Dorf wird von Sturmtruppen erobert, Damerons X-Wing schwer beschädigt und er so am Starten gehindert. Bevor er festgenommen wird, kann Poe den Chip seinem Astro-Droiden BB-8 übergeben und schickt ihn weg. Die Bevölkerung des Dorfes wird von den Sturmtruppen hingeschlachtet. Lediglich ein Truppler eröffnet nicht das Feuer: FN-2187, der zuvor einen Kameraden sterben sah und nun Zweifel an seiner Aufgabe bekommt. Obwohl ihn die Sturmtruppler-Kapitänin Phasma zurechtweist und zur Konditionierung schickt, will er bei der Drecksarbeit für die Erste Ordnung nicht mehr mitmachen. Kurzerhand holt er Poe Dameron unter einem Vorwand aus dem Inhaftierungsblock von Kylos Sternzerstörer und überredet ihn dazu, einen TIE-Jäger zu stehlen, um zu entkommen. Der TIE wird jedoch angeschossen und stürzt auf Jakku ab. FN-2187, der kurz zuvor von Dameron den Namen „Fin“ bekommen hat, ist mitten in der Wüste auf sich allein gestellt. Er läuft los und findet eine Siedlung. Dort trifft er auf die Schrottsammlerin Rey, die ihrerseits in der Zwischenzeit BB-8 aufgegriffen hat. Doch die Erste Ordnung ist nicht weit…

„Es machte den Kossalflug in weniger als vierzehn Parsec!“ – „Zwölf!“

Ich bin ein Star-Wars-Fan schon seit der Zeit, als die Filme noch den Titel „Krieg der Sterne“ trugen. Ich habe damals mit den Comics das erste „Expanded Universe“ verfolgt und später mit den Romanen von Timothy Zahn und den neuen Comics auch das zweite „Expanded Universe“ verfolgt, das nun ebenfalls für ungültig erklärt wurde. Der Schritt war zwar radikal, aber durchaus richtig, den in diesem Universum gab es ein paar Handlungsstränge, die nicht sehr gut gelungen waren (zum Beispiel kam plötzlich der Imperator wieder zurück, wobei es sich herausstellt, dass er vor seinem Tod einen Klonkörper geschaffen hatte und seine Seele einfach in diesen transferierte). Außerdem hatten die Drehbuchautoren Lawrence Kasdan, Michael Arndt und J.J. Abrams so völlig freie Hand beim Entwerfen der Geschichte für die neue Trilogie, ohne sich mit allzu viel bereits geschriebenem beschäftigen zu müssen.

Und um es kurz zu machen: Ich bin begeistert von dem Film. Zwar kann man sehr viel wiedererkennen in der Handlung, aber es gibt auch viel Neues und es werden neue Wege beschritten. So wird zum Beispiel der Hintergrund von Kylo Ren genauer beleuchtet [1], anstatt ein Geheimnis daraus zu machen. Außerdem verhält sich tatsächlich mal keine Figur „idiotisch“.

Photo by Simon Zhu on Unsplash
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Oha, ein Bruch. Ja, was ist das denn? Ich weiß ja nicht, warum Sie auf diesen Artikel gekommen sind, denn ich habe ihn definitiv erst im Mai 2019 beendet, das heißt, wortwörtlich Jahre nachdem ich ihn begonnen habe. Komische Sache, was? Die ganze Zeit war dieser Artikel unvollendet geblieben, obwohl ich ihn veröffentlichen wollte, und zwar unmittelbar nachdem ich den Film gesehen hatte. Ich habe es nicht getan. Das lag allerdings nicht daran, dass ich meine Meinung über den Film geändert hätte.

NEIN!

Ich finde die Sequel-Trilogie immer noch gut und zu dem Zeitpunkt, da ich dies schreibe, freue ich mich auf Episode IX. So!

Nein, diese Kritik habe ich nicht mehr fortgesetzt zu schreiben, weil ich mich selbst nicht unter Druck setzen wollte. Ich habe „Das Erwachen der Macht“ direkt am Erstveröffentlichungstag gesehen und mich direkt noch rangesetzt, diesen Artikel zu schreiben. Dann hörte ich auf, weil ich die Filmpremiere mit einem Besuch im Europa-Park verband. Und es gab noch anderes zu sehen und zu erleben. Damit blieb die Kritik erstmal unvollendet, selbst als die Fortsetzung „Die letzten Jedi“ ins Kino kam.

Ohne es anfänglich im Sinn gehab zu haben, habe ich damit aber etwas getan, von dem ich finde dass sich so mancher Kritiker eine Scheibe abschneiden kann: Abstand gewinnen! Wirken lassen! Wieder Zuschauer sein! Ich sehe viele Kritiker – manchmal möchte ich auch „so genannte“ Kritiker schreiben -, die den Film verrissen haben und offenbar sicherstellen wollten, dass andere ihn auch schlecht finden, ohne ihn gesehen zu haben. Das gleiche gilt mittlerweile für „Die letzten Jedi“. Und ja, tatsächlich gibt es Menschen, die jetzt (knapp sieben Monate vor der Premiere!) schon wissen, dass auch Episode XI („Der Aufstieg Skywalkers“) schlecht sein wird. In einem Essay kam dann eine interessante Frage auf:

„Kann man einen Film auf eine falsche Weise sehen?“

Diese Frage würde ich mittlerweile mit „ja“ beantworten. Und damit sind wir beim Problem der „professionellen Kritiker“ – beziehungsweise auch denjenigen, die sich für sowas halten. Ich war ja ein begeisterter Fan von Doug Walker, den „Nostalgia Critic“ von Channel Awesome. Doch je länger ich mir die Reihe anschaue, desto weniger gefällt mir, was da getan wird. Seine Kritiken arten mittlerweile in Parodien aus und potenzieren so das Problem, das am Anfang der Serie nicht so ganz offensichtlich war: Der Zwang, sich auf Teufel-komm-raus über einen Film lustig machen zu müssen. Hinzu kommt der Zeitdruck, wie der Name verrät, hat der „Nostalgia Critic“ mal angefangen, indem er alte Filme verarbeitet hat, die der Erinnerung vielleicht nicht so ganz standhalten und heute eher merkwürdig wirken. Der zeitliche Abstand war groß genug und es gab keinen Zwang, sich einen ganz bestimmten Film vorzuknöpfen, wenn es noch nicht genug Ideen dazu gab.

Doch nun ist das anders: Der „Nostalgia Critic“ nimmt sich Filme vor, kaum dass sie ins Kino gekommen sind und unterliegt damit dem Druck, den ich erwähnte. Er muss nun irgendwas finden, über das er sich lustig machen kann. In die gleiche Kerbe schlägt übrigens die Reihe „Everything Wrong about“ (vom Kanal Cinema Sins), die angeblich Filme auf Filmfehler untersucht und diese präsentiert. Dabei nehmen sie es nicht so ganz genau und behaupten schon mal Dinge, die so im Film gar nicht vorkamen (wer sich darüber informieren will, der YouTuber Shaun hat verschiedene Machwerke von Cinema Sins auseinander genommen („Mad Max„, „The Empire Strikes Backund viele andere). Dass es tatsächlich viele Zuschauer dieser Videos gibt, die diesen – in meinen Augen schlechten – Parodieversuch für bare Münze und als Kritik nehmen und deswegen Filme schlecht finden, ohne sie gesehen zu haben, wird dabei mit der Ausrede „Ist doch alles nur Spaß!“ abgetan. Nein, denn wenn ich mir diese Videos anschaue, stelle ich fest, dass sie eigentlich immer weniger lustig und eigentlich nur noch boshaft sind.

Und was ich ebenso erschreckend finde, sind die radikalen Reaktionen und die Selbstüberschätzung von manchen. Die neuen Star-Wars-Filme hatten ihr Publikum und Leute finden sie gut. Dann kommt jemand daher, dem der Film nicht gefallen hat. Das ist noch legitim. Was dann folgt, allerdings nicht mehr: „Mir hat das nicht gefallen, also ist der Film schlecht!“ – „Disney schuldet den Fans eine Entschuldigung!“ – „Die Fans wollen [dies und das, siehe Fußnote 2] nicht!“

Wie arrogant und überheblich ist das denn? Eine Person, der etwas nicht gefallen hat, bildet sich ein, für „die Fans“ sprechen zu können? „Die Fans“ von Star Wars gibt es doch überhaupt nicht! Fans sind eine ungemein heterogene Gruppe, da sind alle möglichen Typen dabei. Und eben auch Leute, denen die neuen Star-Wars-Filme gefallen. Sogar Leute, denen die Prequels gefallen haben. Aber denen spricht man das Recht auf eine Meinung ab, die seien halt keine „wahren“ Fans.

Ach so?

„Wahre“ Fans… vielleicht auch „reine“ Fans? Klingt für mich wie ein Kult. Das Wort „Fan“ kommt ja ursprünglich von „fanatic“, also „Fanatiker“. Und bei manchen scheint das wirklich zu stimmen. Leider sind diejenigen, die in „wahre“ und „falsche“ Fans unterscheiden, sehr laut und sehr hartnäckig. Alles, was sie in Bezug auf Star Wars hören, wird sofort in deren Sinn interpretiert. Als Disney ankündigte, die eigentlich aufgegebene letzte Staffel von „Star Wars – The Clone Wars“ doch noch zu produzieren, wurden sofort Stimmen laut, die spekulierten, dass das Disneys Entschuldigung bei „den Fans“ sei für „Die letzten Jedi“.

Als der Trailer für „Der Aufstieg Skywalkers“ rauskam, war sofort das Geschrei groß, das könne ja nichts werden. „Dead on Arrival“ schrieb jemand, obwohl wir nicht die Spur einer Ahnung haben, was die genaue Handlung von Episode IX sein wird. Ich bedauere diese Menschen, denn sie werden nie diese Aufregung spüren wie ich sie spürte, als der Trailer ins Dunkel abblendete, es totenstill wurde… und auf einmal das Lachen des Imperators zu hören war. Ja, ich freue mich auf den Film.

Das Wort „Fanatiker“ leitet sich etymologisch von dem lateinischen „fanaticus“ ab, was wörtlich übersetzt „wahnsinnig, aber göttlich inspiriert“ bedeutet. Schade, dass es so viele „Fans“ gibt, die den Teil mit „göttlich inspiriert“ irgendwie total vermissen lassen und sich lieber dem puren Wahnsinn hingeben.

Niemand muss eine Geschichte oder einen Film mögen. Aber dann ist man halt jemand, dem etwas nicht gefällt. Man ist nicht der Sprecher für „die Fans“ oder berechtigt, eine Entschuldigung zu fordern.

Mir zum Beispiel hat der Asterix-Band „Gallien in Gefahr“ nicht gefallen. Ich fand weder die Idee zur, noch die Absicht hinter der Geschichte gut. Aber deswegen erwarte ich nicht, dass sich Uderzo persönlich bei mir dafür entschuldigt.

Können wir uns bitte wieder wie zivilisierte Menschen benehmen?

Die Fußnoten

[1] Kylo Ren ist der Sohn von Han Solo und Leia Organa. Das gibt dem Umstand, dass ausgerechnet Luke mit seiner Ausbildung versagt hat, eine besonders tragische Note und erklärt sehr gut seine Bessessenheit von Darth Vader, der ja sein Großvater ist. Muss ich das hier hinschreiben? Ja, diese Fußnote stammt noch aus den ursprünglichen Teil. Ich lass das mal da.

[2] Hier kann man verschiedene Dinge aufzählen, starke Frauenrollen, Reys Herkunft als „Nobody“, Luke, der sich von der Macht abgetrennt hat…

Über Thorsten Reimnitz 852 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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