COVID-19 / CORONA: Noch mehr Medien und das Virus

Photo by Fusion Medical Animation on Unsplash
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Corona-Virus - Photo by Fusion Medical Animation on Unsplash
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Merkwürdig, wenn Schweizer ihr Regierungssystem über den grünen Klee loben und dann kritische Anmerkungen kommen, dass zum Beispiel die Beteiligung an den Volksabstimmungen eher mau ist, dass manche Abstimmungsfragen sehr holzschnittartig sind und dass generell mit sehr viel Populismus gearbeitet wird, bekommt man als Deutscher gerne mal um die Ohren geschlagen, man solle sich gefälligst nicht in die inneren Angelegenheiten der Schweiz mischen. Umgekehrt scheint es manchen Schweizern ein innerer Reichsparteitag zu sein, es „den Deutschen“ mal so richtig zu zeigen. Mal so richtig abledern über die doofen Untertanen aus dem Norden. Und damit das ganze ein (vermeintliches) Gewicht bekommt, nimmt die Schweizer NZZ gerne mal deutsche Gastautoren mit ins Boot. Und die haben Glück, dass es ein Schweizer Boot ist und kein syrisches und dass man auch nicht auf dem Mittelmeer unterwegs ist, sonst könnte man zwischen die Frontex geraten.

Vor kurzem durfte Susanne Gaschke die Kulturbereicherin spielen und den deutschen Untertanengeist so richtig bloßstellen. Alle sind sich einig in Deutschland im Duckmausern… ne, eigentlich ist Deutschland ja tiiiiiiief gespalten und Freunde reden nicht mehr miteinander… ja, was denn jetzt? Beim Lesen ihrer Glosse kann einen das Gefühl beschleichen, dass sich zwei Persönlichkeiten der Autorin einen Wettstreit darin liefern, wer den absurdesten Superlativ abliefern kann, während gleichzeitig aus den Vollen und aus der hauseigenen Phrasenmanufaktur geschöpft wird.

Da ich hier – wie schon mehrfach erwähnt – wegen den Leistungsschutzrecht für Presseverleger keine Presseerzeugnisse verlinke, bin ich froh, dass ich das auch nicht muss, den Jürn Kruse hat sich den Artikel von Susanne Gaschke angetan, damit wir das nicht müssen. Seine Einschätzung gibt es drüben bei Übermedien: „Susanne Gaschke fragt sich, ob Corona der neue Hitler ist„.

Und gerade heute wurde ja eine große Meldung herausgegeben – oder ein neues „Ermächtigungsgesetz“ im „Kontaktsperren-Totalitarismus“, um im Duktus des o. g. Artikels zu bleiben. Es ging darum, ob und wie man ein paar von den Sperren zurücknehmen könne. In den letzten Tagen ging dabei immer wieder ein Name um: Leopoldina. Er wurde Synonym für ein möglichst schnelles „Zurück zum Normalen“. Lockerung des momentanen Zustands. Und obwohl unter diesem Namen keine konkreten Zeitansätze genannt werden, bringen sie dennoch andere – der Zeitansatz lautet „jetzt“.

Dahinter steckt eine Studie, die viele immer wieder gegen das Robert-Koch-Institut in Stellung bringen und versuchen, die Politik unter Druck zu setzen. Bei den Riffreportern hat man sich die Chronologie der Ereignisse angeschaut, was die Studie genau sagt, was nicht und was aber dafür andere sagen. Außerdem gibt es einen hochinteressanten Blick darauf, wer mit den Machern der Studie alles verbandelt ist. Der Artikel findet sich hier: „Streeck, Laschet, StoryMachine: Schnelle Daten, pünktlich geliefert„.

Last but not least – um Shakespeare zu zitieren – möchte ich einen Artikel empfehlen, der die Frage aufwirft, ob man beim TV-Ableger eines großen deutschen Boulevard-Schmierblatts den Kopf tatsächlich so tief im eigenen Enddarm stecken hat, wie es den Anschein macht oder ob das gar nicht geht, da er viel zu tief im Enddarm der amerikanischen Regierung steckt. Ja, der Videoableger der Papieranhäufung mit den GROSSEN Buchstaben hat tatsächlich ein Interview mit Mike Pompeo, seineszeichen Außenminister der US of A. Herausgekommen ist ein Meisterstück an Unterwürfigkeit, das seinesgleichen sucht. Mehr darüber im BildBlog genau hier: „Schoßhund-Fragen sind bei ‚Bild‘ Chefsache„.

Über Thorsten Reimnitz 868 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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