Neue Studie belegt: Leute glauben alles, was sie im Internet lesen

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Kleine Frage zum Einstieg: Warum sind Sie hier gelandet? Hat Sie die Frage neugierig gemacht? Ging es um den Erkenntnisgewinn? Oder sind Sie mit der festen Überzeugung hier eingetroffen, den Autor zu widerlegen? Egal wie, eines gleich vorweg: Es gibt keine Studie, die belegt, dass Leute alles glauben, was sie im Internet lesen. Aber mit dem, was Leute im Internet lesen und Studien gibt es ein Problem. Oder zwei.

In den Zeiten von Corona tauchen wieder einmal verstärkt Memes und Behauptungen in den sozialen Medien auf, die manchmal als die „Pest des Internes“ bezeichnet werden. Es sind kleine Beiträge, die schmissige, griffige Aussagen enthalten und vorgeblich zum Nachdenken anregen wollen. Nur ist das oft leider ein vorgeschobener Grund, eigentlich wollen diese Memes und Beiträge dem Leser ihre Meinung überbügeln. Nicht selten wird dabei auf Studien verwiesen ohne diese allerdings zu benennen. Als Beispiel nehmen wir einfach mal meine provokante Überschrift: „Studien beweisen: Leute glauben alles, was sie im Internet lesen“. Da könnte man noch was schönes dazuschreiben, um damit ein Kopfnicken bei denen zu provozieren, die „es ja schon immer wussten“. Man kommt sich dabei so schön kritisch vor, denn „Studien“ haben es ja bewiesen. Wissenschaftlich auch noch.

Wenn man den Behauptungen allerdings auf den Grund zu gehen versucht, kriegt man meistens Probleme, besagte Studien überhaupt zu finden. So kann jemand den Inhalt einer Aussage nicht widerlegen, wenn er die Studie, auf die sich berufen wird, nicht mal findet. Das gehört natürlich zur Strategie dieser Aussagen dazu, sie wollen keinen kritischen Beitrag leisten, sie gaukeln Wissenschaftlichkeit vor, indem sie sich auf „Studien“ berufen und obwohl sie behaupten, nur „kritisch zu hinterfragen“, möchten sie selbst bitte gar nicht kritisch hinterfragt werden.

Im Zuge solcher Memes und Behauptungen kam es immer mehr auf, genau diese Quellen einzufordern. Keine Quellen – unglaubwürdig, der Trend setzt sich langsam durch, zu langsam, fürchte ich. Aber immerhin kam es dazu. Und das war die Stunde, in der die Meme- und Beitragsersteller zurückschlugen. Seit einiger Zeit beobachte ich einen neuen Trend.

Hier wird eine schmissige Aussage getätigt und direkt auf eine Studie verwiesen. Alles in Butter demnach? Nein, nicht ganz. Offenbar verlassen sich einige der Ersteller solcher Aussagen darauf, dass schon keiner sich die Mühe macht, die entsprechende Studie wirklich zu lesen. Das Problem ist, dass solche Studien (und oft handelt es sich um Bachelor-, Master- oder Doktorarbeiten) in spezialwissenschaftlichem Jargon geschrieben sind, viele Tabellen beinhalten, Zahlen und Ergebnisse präsentieren. Das kostet Zeit und man muss sich wirklich reinarbeiten. Die Zeit hat natürlich nicht jeder.

Wenn sich aber kaum jemand die Mühe macht, solche Studien zu lesen, wird auch kaum jemandem auffallen, dass in diesen schmissigen Beiträgen Aussagen gemacht werden, die durch die angegebene Studie überhaupt nicht unterstützt werden. Erst vor ein paar Tagen ging etwas herum, in dem behauptet wurde, das Tragen von Gesichtsmasken sei so schädlich, dass Probanden einer Studie die Masken nur 30 Minuten tragen durften. Wenn man sich die Studie aber durchlas, stellte man fest, dass die behauptete Schädlichkeit mitnichten nachgewiesen wurde und die 30 Minuten daher kamen, dass man das Ausgangsmaterial der Masken testen wollte. Die Durchführenden der Studie befürchteten, dass durch die Feuchtigkeit in der Ausatemluft die Materialeigenschaften der Masken verändert werden. Da die Feuchtigkeit der Ausatemluft aber von sehr individuellen Bedingungen abhängt, hätte sich bei jedem Probanden das Material unterschiedlich verändert und das Testergebnis verfälscht. Mit der Beschränkung auf 30 Minuten wollte man dem vorbeugen. Das ist alles.

Wir sind bei den Behauptern also mittlerweile von „ich sage, das ist wissenschaftlich erwiesen, nenne aber keine Quelle“ zu „ich sage, das ist wissenschaftlich erwiesen, hier ist eine Quelle, die überhaupt nicht das aussagt, was ich sagen“ gekommen. Nur weil jemand eine Quelle angibt, ist das noch lange kein Grund, von Seriösität auszugehen.

Wenn man aber keine Zeit hat, sich selbst durch alles durchzuackern, was einem da so präsentiert wird, sind Seiten wie Mimikama umso wichtiger. Die Geschichte mit der schädlichen Maske haben sie hier aufgegriffen (allerdings nicht wegen den 30 Minuten, sondern wegen der Aussage über die Schädlichkeit generell), und auch sonst fahren sie in den Zeiten von Corona Sonderschichten, um so schnell wie möglich alle diese Falschinformationen, die gestreut werden, zu entlarven. Und weil ihre Arbeit so wichtig ist, kann man sie unterstützen, über PayPal, Steady oder Patreon. Also, schauen Sie sich das mal an und überlegen Sie sich, ob Sie vielleicht den einen oder anderen Euro übrig haben.

Die Arbeit ist schon immer wertvoll gewesen, jetzt allerdings umso mehr!

Über Thorsten Reimnitz 868 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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