So. Jan 24th, 2021

Auch wenn es aus deutscher Perspektive so gewirkt hat, aber Flash Gordon war nie wirklich so ganz weg. Wie ich in den anderen Artikeln schon schrieb, lief die Comicserie munter weiter. Nach den Serials der 1930/40er Jahre wurden noch weitere Serien – diesmal fürs Fernsehen – produziert. Außerdem wurden die Serials zunächst zu Filmen umgearbeitet, dann aber ebenfalls im Fernsehen ausgestrahlt. Damit sie nicht mit der laufenden Fernsehserie „Flash Gordon“ verwechselt wurden, erhielten sie eine neue Titelergänzung, nämlich das Wort „Space Soldiers“. Das erste Serial hieß damit also vollständig „Flash Gordon – Space Soldiers‘ Adventures on Planet Mongo“, das zweite „Flash Gordon – Space Soldiers‘ Trip to Planet Mars“ und das dritte „Flash Gordon – Space Soldiers conquer the Universe“.

Eigentlich war es dann George Lucas, der Flash Gordon zurück auf die große Leinwand bringen wollte. Aber er konnte die Rechte nicht erwerben und schrieb daher „Star Wars“. In „Star Wars“ sieht man schon die Inspirationen, die Lucas eindeutig aus den alten Serials bekam. Am deutlichsten ist das zu sehen an dem Vorspann mit der davonfliegenden Schrift, das wurde nämlich bereits in „Flash Gordon conquers the Univers“ und in dem 1939 erschienenen Serial „Buck Rogers“ gemacht. Aber der Erfolg von Lucas‘ Film führte dazu, dass Ende der 1980er Jahre wieder ein Kinofilm mit Flash in Angriff genommen wurde, produziert von Dino DeLaurtentiis.

Photo by Philippe Van Doninck on Unsplash

Die Handlung: Der Mond gerät langsam aus seiner Bahn und nähert sich der Erde. Das verursacht eine Reihe von Naturkatastrophen auf dem Planeten. Niemand außer dem ehemaligen NASA-Wissenschaftler Doktor Hans (sic!) Zarkov hat eine Erklärung, und dessen Erklärung klingt arg weit hergeholt: Eine außerirdische Macht greift die Erde an. Er baut eine Rakete, doch Munson, sein Assistent, weigert sich, einzusteigen und läuft davon. Zufällig macht aber ein kleines Flugzeug eine Notladung bei seinem – besser gesagt, in seinem – Labor. An Bord befinden sich der Football-Spieler Flash Gordon (Quarterback bei den New York Jets) und die Reiseleiterin Dale Arden. Zarkov zwingt sie unter Waffengewalt in seine Rakete, da er jemanden braucht, der mit ihm die Kontrollen bedient.

Eigentlich will er Gordon gehen lassen1, damit er der Welt berichtet, dass Zarkov unterwegs ist, den Angriff abzuwehren, aber ersterer versucht, den Doktor zu überwältigen. In dem Handgemenge prallt Zarkov gegen den Startknopf und die Rakete fliegt mit allen drei an Bord ins All.

Sie geraten in ein fremdes Kraftfeld, den „imperialen Vortex2„, in dem die seltsame Welt Mongo liegt, dem Herrschaftsbereich von Ming dem Gnadenlosen. Kaum gelandet werden sie auch schon dem Herrscher vorgeführt, in dessen Palast gerade eine Audienz stattfindet. Flash macht eine unbedachte Bemerkung, dass er Ming für einen „armen Irren“ hält. Ein Roboter gibt sie sofort an den Diktator weiter. Ming will Dale Arden für sich als „Kaiserin der Stunde“, Zarkov soll umprogrammiert werden und in der Geheimpolizei arbeiten und Flash soll hingerichtet werden. Die Hinrichtung findet auch statt, aber Mings Tochter Aura hat Gefallen an dem Erdenmann gefunden und funkt dazwischen. Sie bringt Flash zu ihrem Geliebten, Prinz Barin von den Baummenschen. Hier erlebt der Erdling einige Abenteuer und bringt schließlich einige Bewohner Mongos gegen Ming auf.

„Flash Gordon“ ist ein besonderes Erlebnis als Film. Die Ästhetik ist sehr den Comics von Alex Raymond angepasst, die Handlung in gewisser Hinsicht allerdings in die Gegenwart geholt. Es ist nun also kein fremder Planet / Komet mehr, der sich der Erde nähert, sondern Ming, der „seine geistigen Kräfte“ auf den Erdmond projiziert. Außerdem sind ein paar Figuren dazugekommen, die der Comic (und die Serials) nicht kannten: Klytus beispielsweise, die linke Hand des Imperators. Es ist fast ein Witz, aber Klytus wurde eindeutig von Darth Vader aus „Star Wars“ inspiriert, auch er trägt eine Maske und… nunja, ist die linke Hand eines Imperators. Allerdings hat Klytus‘ Maske ein bewegliches Kinnstück, bei dem man ihn reden sieht. So gesehen hat also ein Film, der von „Flash Gordon“ inspiriert wurde, wiederum einen Film über Flash Gordon inspiriert.

General Kala, die Kommandantin der Palastwache, stammt ebenfalls nicht aus den Comics. Ansonsten treffen wir Prinzessin Aura, Prinz Barin und Prinz Vultan von den Falkenmenschen wieder. Der Film folgt den Ereignissen aus Comic und Serial „so ungefähr“, Flash begegnet Barin, beide werden zu Vultan in seine schwebende Stadt gebracht, von dort aus geht es quasi zum Angriff auf Mings Palast. Das ganze wird mit passendem Pathos und – wie schon erwähnt – mit passender Kulisse und passenden Kostümen erzählt.

Zwei neue Elemente der Handlung, die ich besonders raffiniert finde, sind Zarkovs Tragödie und Mings Versuch, Flash auf seine Seite zu ziehen. Zarkovs Tragödie besteht darin, dass dieser erfährt, dass er genau das Falsche gemacht hat. Der Angriff auf die Erde war kein wirklicher Angriff, sondern nur ein Test. Hätten die Erdbewohner es für Naturkatastrophen gehalten, wäre alles gestoppt worden und sie wären verschont geblieben. Da Zarkov aber bewiesen hat, dass die Bewohner der Erde fähig sind, Raketen zu bauen und ihm – Ming – gefährlich werden können, muss die Erde vernichtet werden.

Der Versuch Mings, Flash auf seine Seite zu ziehen, geschieht, nachdem der Imperator die flüchtigen Erdenmenschen in Vultans Stadt gestellt hat. Er bietet Flash ein Königreich an. Nicht irgendein Königreich, sondern die Erde! Ming geht davon aus, dass die Erdenmenschen leicht zu regieren sind, nachdem sie kurz vor der Vernichtung standen. Flash lehnt natürlich ab.

Am Ende gibt es da noch etwas, das ich schon als Kind nicht verstanden habe, aber da war ich wohl eindeutig Captain-Future-geschädigt. Als der Angriff auf Mings Palast beginnt, stellt Flash eine Uhr ein, auf dem man sehen kann, wieviel Zeit der Erde noch bleibt. Mir stellten sich dabei zwei Fragen: Erstens, woher weiß Flash, wieviel Zeit der Erde noch bleibt? Und zweitens: Zeit noch bleibt bis was genau passiert? Und hier spielt meine Erfahrung von „Captain Future“ eine Rolle, dort wurde nämlich erklärt (Lernen durch Science Fiction, yeah!), dass es eine Grenze gibt, wenn sich zwei Himmelskörper einander nähern. Wird diese so genannte Roche-Grenze unterschritten, bricht der kleinere Himmelskörper unter der Einwirkung der Gezeitenkräfte des größeren auseinander. Da der kleinere Himmelskörper aber davor schon zusammengestaucht wird, kann man nicht „den einen“ Punkt ausmachen, ab dem dieser Himmelskörper auseinanderbricht, er fängt bei Annäherung quasi an zu zerbröseln, bevor seine Stabilität den Gezeitenkräften nicht mehr standhält und er ganz auseinanderfällt. Würde der Mond sich der Erde nähern, wäre die Roche-Grenze rechnerisch irgendwo zwischen 18.000 und 9.000 Kilometer von der Erde entfernt (der Mond ist normalerweise zwischen 350.000 und 400.000 Kilometer entfernt3). Da der Mond aber ein relativ unflexibles Stück Felsen ist, würden schon vor der Roche-Grenze große Stücke aus ihm herausbrechen, mit der gleichen Geschwindigkeit auf die Erde zustürzen und dort große Verwüstungen verursachen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Gezeitenkräfte des sich nähernden Mondes natürlich auch Auswirkungen auf die Erde hätten. Man muss es den Drehbuchautoren anrechnen, dass sie etwas neues in die Geschichte einbrachten (statt dieser „Komet / Planet, der sich der Erde nähert“-Geschichte), aber die Idee mit dem sich nähernden Mond war wohl nicht ganz zu Ende gedacht. Haben die sich vorstellt, dass nichts passiert, solange sich Mond und Erde nicht berühren? Das Gegenteil wäre der Fall, auch wenn der Mond kurz vor der Roche-Grenze wieder „umkehrt“, würden die Trümmerstücke auf der Erde großen Schaden anrichten. Außerdem hätte sich die Masse des Mondes reduziert und damit auch die Balance, in der sich Erde und Mond derzeit befinden.

Vermutlich denke ich zu viel drüber nach. Aber sowas hat mich tatsächlich damals schon beschäftigt. Meinen Spaß an dem Film hat es nicht getrübt.

Eine Sache noch: Flash Gordon kommt, wie ich auch schon bemerkte, aus einer recht rassistischen Vergangenheit. In diesem Film ist davon bis auf die Namensgebung allerdings nichts mehr übrig. Ming der Gnadenlose wird nicht als Asiate dargestellt, der Schauspieler, der ihn spielt, ist der Schwede Max von Sydow. Er hat zwar – wie in den Comics – eine Glatze und die Augenbrauen sind geschminkt, um Ming ein leicht teuflisches Aussehen, aber mehr ist da nicht. In späteren Inkarnationen hat man Ming sogar grüne Hautfarbe gegeben, um ihn völlig außerirdisch wirken zu lassen.

Der Film „Flash Gordon“ war eindeutig darauf hingearbeitet, dass er eine Fortsetzung erhalten sollte. Der Darsteller von Prinz Vultan, Brian Blessed, hat bei einer Convention gesagt, der zweite Teil sollte der Handlung des Serials von 1938 folgen und Flash gegen Ming und Azura, die Königin der Magie, kämpfen. Ming wiederum sollte durch seine eigenen magischen Kräfte überleben. Am Ende des Films wurde er von Gordon schwer verletzt, so dass er seinen eigenen magischen Ring gegen sich selbst richtete und sich scheinbar auflöste. In der allerletzten Szene vor dem Abspann, während schon der Schriftzug „The End“ eingeblendet ist, sieht man allerdings, wie eine fremde Hand den Ring aufhebt. Neben dem „The End“ erscheint ein Fragezeichen und man hört Mings Lachen. Dann beginnt der Abspann. Eigentlich ist es schade, dass es nie zu einer offiziellen Fortsetzung kam. Die Gründe, die die Fortsetzung verhinderten, werden je nach Quelle unterschiedlich angegeben.

Und last but not least: die Filmmusik. Die geniale Musik von „Flash Gordon“ stammt von Brian May, dem Komponist von Queen. Auch ohne den Film dürften viele Leute das von Freddie Mercury gesungene „Flash! A-haaa!“ des Titelliedes kennen. Es war ein genialer Schachzug, den Soundtrack von einer Rockgruppe schreiben und singen zu lassen und so für noch mehr Verbreitung zu sorgen.

Der Film feierte dieses Jahr sein 40jähriges Jubiläum. Und jetzt fühle ich mich alt. Deswegen möchte ich diesen Artikel jetzt beenden, denn alte Menschen müssen früh ins Bett. Mir gefällt der Film, was mit Euch ist, weiß ich nicht, ich kann mich nicht um alles kümmern.


1= Zarkov will Gordon gehen lassen, weil Dale leichter ist. Wenn man es genau bedenkt, eigentlich eine logische Entscheidung.

2= Im deutschen wird „kaiserliche Galaxis“ daraus. Ein „Vortex“ ist schlicht und ergreifend ein Wirbel und so wie es aussieht, sollte es sich dabei tatsächlich weder um ein fremdes Sonnensystem noch um eine Galaxis handeln, sondern um etwas, mit dem Ming in der Lage ist, durch das Weltall zu „reisen“.

3= Alle Werte gerundet.

Von Thorsten Reimnitz

Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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