So. Jan 24th, 2021

Man kann ja nicht sagen, dass Heikedine Körting, die Chefin von EUROPA Hörspiele nicht umtriebig war. Neben Hörspielkultserien wie „Die drei ???“, „TKKG“ oder „Fünf Freunde“ produzierte sie für das Label noch Serien zu Kinofilmen, zum Beispiel „James Bond“ und „A Nightmare on Elm Street“ (!). Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle die Hörspiele von Flash Gordon, die im Zug des Filmes von Dino DeLaurentiis erschienen.

Tatsächlich hatte es zuvor schon Mitte der 1970er Jahre Flash-Gordon-Hörspiele gegeben. Aber erst mit dem Kinofilm nahm das richtig Fahrt auf. EUROPA war das Meisterstück gelungen, nicht nur die Rechte an der Handlung zum Flash-Gordon-Film und dessen Titellied (!) zu erwerben, sondern auch die Rechte für eine Fortführung der Reihe, basierend auf den Comics von Alex Raymond. So sind insgesamt 10 Folgen entstanden, bevor die Reihe endete, ohne die Handlung zu einem Ende zu bringen. Schauen wir mal kurz drüber.

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  1. Flash Gordon – Der Superstar im Reich der Sterne: Diese Folge deckt die Handlung des Kinofilms ab – Flash Gordon, Doktor Zarkov und Dale Arden fliegen nach Mongo, treffen auf Barin und Vultan und mit ihrer Hilfe stürzen sie den Imperator Ming. Ming verschwindet durch die magische Kraft seines Rings. Am Ende des Hörspiels fällt Flash auf, dass jemand den Ring mitgenommen haben muss.
  2. Mings Rückkehr: Diese Folge dient als unmittelbare Fortsetzung der Kinofilmhandlung – Ming kehrt mit der Hilfe seines magischen Rings zurück. Flash und seine Gefährten setzen alles daran, den Ring zu zerstören, um Ming eine erneute Rückkehr zu verwehren. Zwei Dinge sind in diesem Hörspiel interessant, zum einen wird der von F. J. Steffens gesprochene Magier, der Ming mit Hilfe des Rings zurückholt, als „klein, grün und mit Ohren wie ein Esel“ beschrieben – was so grob dem Aussehen von Yoda aus „Star Wars“ entspricht. Zum anderen ist die Verräterin, die Mings Ring an sich bringt und so dessen Rückkehr erst ermöglicht, eine Person mit Namen Gräfin Sonja. Dabei handelt es sich um eine Figur, die im dritten Flash-Gordon-Serial von 1940 eingeführt wurde, dort ist sie eine Spionin für Ming in Barins Palast. Die Episode wurde geschrieben von H. G. Francis, der sich unter anderem einen Namen als Autor der Science-Fiction-Reihe „Perry Rhodan“ machte.
  3. Die Sklavenjäger des Ming: Flash Gordon und seine Gefährten sind auf der Flucht vor Ming. Unterschlupf finden sie bei Barin in Arboria (oder auf Arboria?). Aber auch hier sind sie vor Nachstellungen nicht sicher. Doktor Zarkov wird zudem von einem wilden Tier (einem wilden Eichhörnchen!) gebissen und muss zur Behandlung ins Eisland Frigia.
  4. Sieg über tödliche Gefahren: Ming hält Flash Gordon für tot und streckt seine Klauen nach Arboria aus. Sein Ziel: Er will das Kind von Barin und Aura, also seinen Enkel, in seine Hand bekommen. Flash hat allerhand zu tun, um das zu verhindern. Schließlich erfährt Ming jedoch, dass sein Todfeind noch lebt und Gordon beschließt, Arboria zu verlassen, um Barin, Aura und ihren Sohn nicht in Gefahr zu bringen.
  5. Die Verräterin aus dem ewigen Eis: Flash Gordon und Dale Arden gehen in den Norden, ins Königreich Frigia. Die Herrscherin hier ist Königin Fria, eine glühende Anhängerin von Ming. Flash muss also seine wahren Ansichten vor ihr verbergen, während es gleichzeitig darum geht, einen geheimnisvollen Attentäter zu überführen. Außerdem treffen er und Dale Arden Doktor Zarkov wieder.
  6. Brukka, der Feuergott: Auch im hohen Norden findet Flash keine Ruhe – Dale und Zarkov sind in die Hände der Riesen gefallen, die einem unheimlichen Wesen, dem „Feuergott“ dienen. Flash und Fria müssen zusammenarbeiten, um die Freunde zu retten.
  7. Das grüne Ungeheuer: Ein riesiges Tentakelmonster bedroht Frigia. Flash, Dale, Zarkov, Fria und ein Team machen sich auf, es zu bekämpfen. Dabei kommt es allerdings zum Konflikt zwischen Fria und Dale, der Grund ist – wie es damals so üblich war – natürlich Flash. Am Ende des Hörspiels sehen Flash und seine Freunde ein, dass sie Frigia verlassen müssen, während Fria Rache schwört und vorhat, Ming einzuschalten.
  8. Flucht zur Erde: Der Verrat von Fria kommt gleich am Anfang der Episode zum Tragen, Dale wird von Ming entführt, um Flash Gordon in eine Falle zu locken. Außerdem plant Ming einen Angriff auf die Erde. Flash hat nicht mehr sehr viel Zeit, doch dann macht er die Zeit zu seinem Verbündeten. Am Ende dieser Episode wird Ming (offenbar) hinters Licht geführt und dazu gebracht, sein eigenes Raumschiff zu sprengen, was das erneute Ende des Diktators bedeutet. Oder tut es das?
  9. Die Bestie aus dem Weltall: Zurück auf der Erde werden Flash Gordon, Dale Arden und Doktor Zarkov Zeuge merkwürdiger Ereignisse. Ein amerikanisches Schiff wird von amerikanischen Flugzeugen beschossen. Die Besatzung des Schiffes macht einen merkwürdigen Eindruck. Schließlich stellen unsere Helden fest, dass diese unter dem Einfluss eines fremden Wesens stehen, das Menschen als Wirtskörper für die Eiablage braucht.
  10. Das Tor des Unheils: Flash Gordon goes „Stargate“ – und das lange bevor es „Stargate“ überhaupt gab. Auf der Erde wird ein Teleportertor errichtet. Das Gegenstück dazu steht auf Mongo und wie Flash und seine Gefährten von Königin Fria erfahren, wurde Ming in Folge 8 wohl doch nicht in die Luft gesprengt, er lebt und will jetzt die Erde erobern. Flash gelingt es, das Teleportertor zu sprengen…

…doch dann war es vorbei. Folge 10 war die letzte der Reihe, schnörkellos wurde sie beendet, ohne die Erzählstränge zu einem Ende zu bringen. Es gibt Gerüchte, dass noch weitere Hörspiele produziert wurden, aber die Verkäufe wohl soweit zurückgegangen waren, dass sich eine Veröffentlichung nicht mehr gelohnt habe. Ob es diese Produktionen wirklich gegeben hat, weiß ich nicht (und selbst wenn, stellt sich immer noch die Frage, wie weit fortgeschritten die Produktion schon war – waren die Folgen wirklich schon fertig produziert, oder befanden sie sich noch in einer Vorstufe?). Auf jeden Fall schienen EUROPA die Verkaufszahlen von „Flash Gordon“ nicht mehr zu passen und man zog den Stecker.

Die Qualität der Hörspiele, die allesamt aus der Feder von besagtem H.G. Fancis stammen, ist unterschiedlich, aber meiner Meinung nach ist kein „Totalversager“ dabei. Was aus heutiger Sicht so ein bisschen merkwürdig wirkt, ist diese ständige Eifersüchtelei zwischen den verschiedensten weiblichen Figuren, die sich allesamt um Flash streiten. Davon abgesehen hat die Serie sehr spannende Momente.

Natürlich – wie man das von einer EUROPA-Produktion erwartet – wirkten auch hochkarätige Sprecher mit: Horst Frank, ein bekannter Schauspieler und Charakterdarsteller mit markanter Stimme, war der Erzähler. Flash Gordon wurde von Lutz Mackensy gesprochen, den man ungefähr zur gleichen Zeit im Fernsehen in der Serie „Der Androjäger“ sehen konnte und der später Horatio Caine in der deutschen Version von „CSI: MIAMI“ seine Stimme lieh. Doktor Zarkov (diesmal ohne Vornamen) bekam seine Bassstimme von Gottfried Kramer, der in der Hörspielreihe von „Tim und Struppi“ bei Maritim Kapitän Haddock sprach. Heidi Schaffrath war die Sprecherin von Dale Arden, deren ebenfalls markante Stimme in vielen Hörspielen, Synchronrollen und anderen Audioproduktionen zu hören war. Und last but not least Jürgen Thorman, der Imperator Ming nicht nur im Hörspiel, sondern auch im Kinofilm sprach (er ist übrigens der einzige Sprecher, der aus der Kinofilmproduktion in die Hörspielreihe wechselte1).

Die Musik stammte aus dem Archiv von EUROPA, deswegen hörte man auch so viele Melodien, die man zum Beispiel auch von den „Drei ???“ kannte. Einzig das Titellied, eine Coverversion von „Flash“ von Queen, blieb natürlich dieser Reihe vorbehalten.

H.G. Francis hat sich bei der Bearbeitung des Stoffes „Flash Gordon“, teilweise sehr exakt an die Vorlagen von Alex Raymond gehalten. Dabei sind ein paar Dinge mit reingerutscht, die heute natürlich etwas merkwürdig antiquiert wirken. Sagen wir es mal so, den Bechdel-Test würden wahrscheinlich nicht alle Folgen so ganz bestehen. Würde man so eine Reihe heute produzieren, müsste man da mehr überarbeiten und vor allem für mehr Konsistenz sorgen. Raymond hat eben, das habe ich auch schon geschrieben, eher spontan gearbeitet.

So verbreiten diese Hörspiele heute einen gewissen Hauch von Nostalgie.


1= Interessanterweise hat man in der deutschen Variante des Films noch mehr den Bezug zu „Star Wars“ hergestellt. Man findet fast alle Synchronsprecher von Hauptfiguren aus dem einen auch im anderen Film, nämlich Hans-Georg Panczak (Luke Skywalker / Flash Gordon), Wolfgang Pampel (Han Solo / Prinz Vultan), Heinz Petruo (Darth Vader / Klytus) und Frank Glaubrecht (Prinz Barin / Lando Calrissian).

Von Thorsten Reimnitz

Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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