So. Apr 18th, 2021

Im Artikel über das erste Serial habe ich positiv angemerkt, dass der Rassismus, der im Originalcomic zweifelsohne vorhanden ist, zurückgefahren wurde. Man sah zwar die Anklänge an das Original noch, aber nicht in der drastischen Form. Gleichzeitig waren die Serials mehr auf Abenteuer und Spaß auf, als auf alles andere. Das änderte sich mit dem dritten Serial, denn die Situation der Welt hatte sich geändert.

Die Handlung: Die Erde wird erschüttert durch Unruhen, Kriege und Gerüchten über noch größere Kriege, die da kommen sollen. Mitten hinein in diese Lage kommt noch eine Pandemie, Menschen, die plötzlich an einer rätselhaften Krankheit sterben. Da die Toten einen purpurnen Fleck auf der Stirn haben, nennt man die Krankheit den „Purpur-Tod“ (Original: „purple death“). Doktor Zarkov, unterstützt von Flash Gordon und Dale Arden, unternimmt erneut eigene Forschungsarbeiten, die diesmal aber von den Wissenschaftlern der Erde unterstützt wird. Zarkov vermutet, dass die Krankheit aus dem Weltraum kommt und auf einem Erkundungsflug mit seinem Raumschiff stellen sie fest, dass die Theorie stimmt. Sie bringen ein Raumschiff auf, dass einen mysteriösen Staub in die Erdatmosphäre entlässt. Als sie diesem folgen, stellen sie fest, dass es vom Planeten Mongo kommt. Dort gelandet erfahren sie die schlechte Nachricht: Ming ist wieder zurück und er hat ein Terrorregime errichtet. Seine Feinde lässt er in Todeslager („concentration camps“ – sic!) sperren, besonders rebellische Menschen werden mit dem so genannten „Todesstaub“ in „Staubkammern“ („dust chambers“) hingerichtet. Gerade hat einer von Mings perfiden Wissenschaftlern den Todesstaub noch raffinierter gemacht: Er bringt nicht einfach alle Menschen um, sondern nur die von hohem Intellekt. Die tumben, einfachen, die eher nicht rebellieren und leichter zu kontrollieren sind, bleiben am Leben, damit sie als Sklaven dienen können.

Auf Mongo hat sich ein Widerstand gebildet, bestehend aus den Königreichen Arboria von Prinz Barin und dem Königreich Frigia unter Königin Freya. Zusammen mit ihnen will Flash Gordon alles unternehmen, um Ming ein für allemal zu stürzen.

Photo by Mert Kahveci on Unsplash

Es ist das Jahr 1940. Ursprünglich war die Stimmung in den USA mal, in dem seit 1939 stattfindenden Krieg in Europa neutral zu bleiben. Doch mit dem Vordringen von Nazi-Deutschland kam immer mehr die Meinung auf, dass man die Alliierten zumindest moralisch unterstützen müsste. In diesen Zeiten kamen auch immer mehr Filme und Comics auf, die bei Licht betrachtet als Propaganda eingestuft werden müssen. „Flash Gordon erobert das Universum“ ist eindeutig so ein Werk. Die Begriffe, die benutzt werden, sind deutlich („concentration camp“ oder auch „dust chamber“, das phonetisch an „gas chamber“ erinnert), sowie Mings Attitüde, zum Herrscher des Universums zu werden. Überhaupt, auch seine ganze Ausstattung – im Artikel über den Comic Flash Gordon habe ich eine mir heute unbekannte Quelle zitiert, die sagte, wenn Raymond den Comic zehn Jahre später erfunden hätte, würden die Bösewichte nicht wie Asiaten aussehen, sondern wie Deutsche. In diesem Serial sehen wir das deutlich, selbst Ming trägt eine Uniform, die an Preußen erinnert, einschließlich Hut mit Federbusch. Und noch etwas – Ming nennt seine Soldaten jetzt „Sturmtruppen“.

In seinem Wahn sagte Ming doch, ER sei das Universum. Nun, dann kann ich hiermit vermelden: Flash Gordon hat das Universum erobert.

Doktor Zarkov versucht in letzter Sekunde den Titel des Serials noch so zu erklären, dass es nicht allzu gewalttätig klingt

Auch die Handlung und andere Personen strotzen nur so von Anspielungen. Prinz Barin und seine Gefolgsleute von Arboria sollen eindeutig Engländer sein, sie sehen aus, als seien sie geradewegs einen Robin-Hood-Film entsprungen. Und da in den Produktionen Requisiten und Kostüme gerne mal wiederverwendet wurden, kann das sogar sein, die Arborianer tragen die bekannten Kostüme mit Strumpfhosen (!) und die dreieckigen Hüte mit Feder dran („Jägerhut“ / „woodsman hat“). Manche sind sogar mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Die Frigianer hingegen stehen für die Russen, in ihrem Königreich ist ewiger Winter und sie tragen Pelze und Fellmützen.

Zuletzt ist da natürlich Flash Gordon, der als Sinnbild für die Amerikaner steht. Das kann man sogar sehr direkt sehen, denn Gordon und seine Freunde greifen erst in den Konflikt auf Mongo ein, als die Erde betroffen ist. So war es auch mit Amerika.

Das Serial umfasst zwölf Episoden, die erste kam am 3. März 1940 in die Kinos. Nachdem alle zwölf Episoden gezeigt worden waren, dauerte es allerdings noch bis zum Jahr 1941, bevor Amerika in den Zweiten Weltkrieg eingriff.

Was in dem Serial noch auffällt, ist der Umstand, dass einige Schauspieler ausgetauscht worden sind. Nachdem Prinzessin Aura, Mings Tochter, im zweiten Serial gar keine Rolle spielte, wurde sie hier von einer anderen Schauspielerin dargestellt. Dale Arden und Prinz Barin hatten ebenfalls andere Darsteller. Dafür blieb es bei der Besetzung von Flash Gordon, Doktor Zarkov und Imperator Ming.

Zur deutschen Synchronisation gibt es zu sagen, dass diese nicht im Zuge der Synchro mit den ersten beiden Serials stattfand, und das aus Gründen. Es verhält sich so ähnlich wie mit der Star-Trek-Nazi-Episode „Schablonen der Gewalt“ („Patterns of Force“), auch wenn die Nazi-Symbolik bei Flash Gordon nicht ganz so deutlich ist. Da man aber befürchtete, dass ein jüngeres Publikum das nicht verstehen würde, ließ man es einfach weg. Erst als die ganze Serie umgeschnitten wurde fürs Privatfernsehen (also rund 10 Jahre später), machte man sich an die Übersetzung des noch verbliebenen Serials. Dabei wurde lediglich der Synchronsprecher von Flash Gordon beibehalten, alle anderen wiederkehrenden Rollen wurden neu besetzt.

Leider findet man im Internet zu der deutschen Synchronisation von „Flash Gordon erobert das Universum“ so gut wie nichts, deswegen kann ich dazu weiter nichts sagen. Für mich bietet das Serial einen spannenden Einblick in die Welt der 1940er Jahre und wie reale Ereignisse direkten Einfluss auf Filmhandlungen nahmen. Die Handlung für sich genommen bringt den Pathos nochmal zu Höhenflügen, da es einige Figuren gibt, die bereit sind, fröhlich den Tod zu erleiden, wenn es nur hilft, den Diktator zu stürzen.

Serial 3 war das letzte Flash-Gordon-Serial, das in dieser Form produziert wurde. In den USA war Flash nicht totzukriegen, aber wie ich schon erwähnte, der Sprung nach Europa war schwierig. In Deutschland wurden nach dem Krieg ein paar Comics unter dem Titel „Blitz Gordon“ veröffentlicht, aber das war’s dann erstmal.

Flash Gordon nahm hier erst Fahrt auf, als der Kinofilm kam…

Von Thorsten Reimnitz

Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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