Flash Gordons Abenteuer auf dem Planeten Mongo (Flash Gordon, 1936)

Im deutschen Fernsehen gibt es ab und zu übergreifende Themen, die verwendet werden, um dem Zuschauer klar zu machen, dass etwas irgendwie zusammengehört. Oder zumindest gab es das mal. Zum Beispiel in den 1980er Jahren, da gab es eine übergreifende Themenreihe, die man in den dritten Fernsehprogrammen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als „Opas Weltraumkino“ bezeichnete. Unter dieser Reihe liefen Serien wie „Flash Gordon“ und „Buck Rogers“ aus den 1930er Jahren. Im Rahmen dieser Reihen habe ich die verschiedenen Serials gesehen und mich gewundert, warum mein Opa die nicht kannte. Dass „Opas Weltraumkino“ nicht wörtlich zu nehmen war, habe ich damals nicht verstanden. Hey, ich war gerade mal 11 Jahre alt!

Gehen wir zurück in diese Zeit. Anhand der Zeitleiste kann man sich Flash Gordons kometenhaften (Pointe beabsichtigt) Aufstieg vorstellen. Es war der 7. Januar 1934, als der Comic zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Und am 6. April 1936, etwas mehr als nur zwei Jahre später fand die Premiere der ersten Folge des ersten Flash-Gordon-Serials statt. Das Kino war damals noch etwas anders als heute, es gab kein Fernsehen. Vieles von dem, was das Fernsehen später ausmachen sollte, wurde im Kino gezeigt: Nachrichten, Werbung und eben auch Serien bzw. „Serials“. Diese boten eine ganz andere Möglichkeit als abendfüllende Spielfilme. Man konnte längere Geschichten erzählen und vom finanziellen Standpunkt aus gesehen hatte man eine Möglichkeit, die Menschen immer wieder ins Kino zu locken. Gerade bei den Serials war das so, das Publikum wollte ja wissen, wie es jetzt weitergeht. Das wurde dann auch ziemlich auf die Spitze getrieben durch die Cliffhanger, die jede Episode beendeten. Der Held befand sich in einer aussichtslosen Lage und man musste die nächste Folge anschauen, um zu erfahren, wie er sich befreit.

Dabei entstand das Konzept der „falschen Spur“. Etwas weniger romantisiert könnte man auch sagen: Das Publikum wurde angelogen. Das Ende einer Episode entsprach nämlich nicht immer dem Anfang der nächsten. Gerne wurde mal eine Gefahr mit dazu eingebaut, über die man in der nächsten Folge einfach hinwegsah.

Ein kleines Beispiel: Im zweiten Flash-Gordon-Serial kommt es zu einer Situation, als Gordon zwei feindliche Raumschiffe aufhalten will. Es gelingt ihm, eines der Schiffe zu übernehmen, doch dessen Waffen versagen. Flash will aber das andere auch außer Gefecht setzen, also kommt er auf die Idee, das eine Raumschiff in das anderen reinfliegen zu lassen. Natürlich hat er vor, im letzten Moment abzuspringen. Am Ende einer Episode sehen wir, wie er das Schiff auf Kurs bringt, sich ein Fallschirmcape schnappt und abspringen will. Doch was ist das? Die Tür klemmt! Flash versucht verzweifelt, diese zu öffnen, doch das klappt nicht. Die Raumschiffe stoßen zusammen, Flash ist noch drin und… Fortsetzung folgt!

Die neue Episode beginnt mit einem „Was bisher geschah“ und setzt einige Momente vor dem Crash wieder mit der Handlung an: Flash, der den Kurs den einen Raumschiff setzt, sich ein Fallschirmcape schnappt und aussteigen will. Doch was ist das? Die Tür klemmt! Flash versucht verzweifelt, diese zu öffnen. Zuerst geht es nicht, doch dann zieht Flash seine Laserkanone und schießt die Tür auf. Im letzten Moment gelingt ihm der Absprung, dann prallen die Raumschiffe aufeinander.

Eine Eidechse
Photo by Alexis Antonio on Unsplash

Von der Handlung her deckt das Serial die ersten Folgen des Comics ab, allerdings wurden hier schon Verbesserungen vorgenommen. Es beginnt mit dem fremden Planeten, der auf die Erde zurast und mit ihr zu kollidieren droht. Die erste Änderung, die wir sehen, ist der Umstand, dass Flash Gordon als der Sohn des Wissenschaftlers Professor Gordon vorgestellt wird. Daher weiß er später auch, wer Doktor Zarkov ist. Aber der Reihe nach: Der Planet bedroht die Erde, Flash Gordon und Dale Arden sind auf einem Transkontinentalflug und müssen mit dem Fallschirm abspringen (diesmal überlässt Flash Dale den Fallschirm allerdings und hält sich an ihr fest). Sie landen auf dem Grundstück von Doktor Zarkov, der in dieser Version den Vornamen „Alexis“ hat (vermutlich ist den Autoren aufgefallen, dass Zarkov eher russisch klingt, Hans aber deutsch). Zarkov ist allerdings nicht über seiner Arbeit wahnsinnig geworden, nur sehr misstrauisch, vor allem als er erfährt, dass er Professor Gordons Sohn vor sich hat. Er zwingt Flash und Dale auch nicht, ihn zu begleiten, sondern sie kommen freiwillig mit, um die Erde zu retten. Zarkovs Ziel ist auch nicht, den fremden Planeten durch einen Zusammenstoß aus der Bahn zu werfen, sondern auf ihm zu landen. Zarkov hat nämlich festgestellt, dass es Energieanzeigen von dieser Welt gibt, sie muss also bewohnt sein! Vielleicht kann man mit den Bewohnern Kontakt aufnehmen und die vorhandene Energie nutzen, um die Bahn des Planeten zu ändern.

Sie fliegen also los und machen eine raue Landung (allerdings keine Bruchlandung wie im Comic) und werden von Mings Soldaten gefangen genommen. Im Gegensatz zum Comic wird Zarkov ebenfalls in die Hauptstadt des „Gnadenlosen“ gebracht. Ming sieht tatsächlich seinem Comicvorbild sehr ähnlich, da für das Serial allerdings jede Menge Sets aus anderen Produktionen wiederverwendet wurden, ist die Szenerie ein ziemlicher Mix aus allem Möglichen. Mings Palast wirkt eher europäisch, manchmal leicht orientalisch.

Wie sehr wiederverwendet wurde, sieht man aber deutlich in einer Szene, die in einer späteren Folge spielt und in der Ming Dale, die unter Drogen steht, heiraten will. Die Hochzeit findet in einem Zeremoniensaal statt, in dem sich die große Statue des Gottes Tao (in der deutschen Synchronisation wurde daraus „Tehu“) befindet. In den Comics ähnelt diese einer Buddha-Statue, im Serial ist es ganz eindeutig die Figur eines ägyptischen Pharaos. Das liegt daran, dass sie aus der Produktion des Films „The Mummy“ übernommen wurde.

Zurück zur Handlung. Ebenfalls im Kontrast zum Comic wird im Serial die ganze Situation erklärt. Dass sich Mongo auf Kollision mit der Erde befindet, ist kein Zufall, Ming macht das mit Absicht, um die Erde zu zerstören. Er hat dabei offensichtlich auch die Macht, die Zerstörung von Mongo zu verhindern. Während der ganzen Serie gerät nie aus dem Fokus, dass die Erde in Gefahr ist. Ungefähr im letzten Drittel, als Zarkov per Funk mit der Erde Kontakt aufnimmt, erfahren wir dann, dass die Wissenschaftler der Welt vor einem Rätsel stehen: Der Planet, der auf so geheimnisvolle Weise im Sonnensystem aufgetaucht ist und auf die Erde zusteuerte, hat auf genauso geheimnisvolle Weise den Kurs geändert.

Flash Gordon und seine Freunde finden auf Mongo Verbündete, wie Thun, den Löwenmenschen oder Barin, den rechtmäßigen Herrscher von Mongo, später auch Mings Tochter Aura. Die Geschichte wird tatsächlich mit dem „Sense of Wonder“ eines Jules Verne erzählt, zum Beispiel, wenn die Stadt des Falkenmenschen Vultan auf einem Kraftfeld schwebt, das von einem Atomofen in Gang gehalten wird. Und in diesen Atomofen muss man regelmäßig Brennmaterial nachschaufeln, was Sklaven erledigen. Und was genau muss man da nachschaufeln? Keine Ahnung, Atome vermutlich.

Endlich gelingt es ihnen, Ming zu überwinden, doch damit er nicht gefangen genommen wird, begibt er sich in den Feuertempel des Gottes Tao / Tehu. Von dort, so sagt der Hohepriester, gibt es kein Zurück.

Flash und seine Freunde machen Zarkovs Rakete wieder startklar und fliegen zurück zur Erde.

Sie ruft nach Fleisch! Davon kann sie genug kriegen, wenn sie will!

Vultan von den Falkenmenschen versteht Dales Ausruf „Flash!“ ganz offensichtlich falsch…

Wie ich schon schrieb, wurde im Serial der Rassismus etwas zurückgeschraubt. Da die Serie in Schwarz-Weiß gedreht wurde, wäre der Unterschied in der Hautfarbe sicherlich auch schlecht zu erkennen gewesen, selbst wenn die Bewohner von Mongo die gelbe Haut aus den Comics gehabt hätten. Mir wäre auch nicht aufgefallen – auch nicht in der englischen Originalfassung – dass im Serial irgendwelche rassistischen Bezeichnungen gefallen wären. Bei der englischen Fassung kann es allerdings sein, dass ich die Bezeichnung, wenn sie gefallen ist, vielleicht auch nicht verstanden habe, das will ich nicht ausschließen. Tatsächlich wurden bei der deutschen Synchronisation ein paar Anpassungen gemacht, möglicherweise hat man auch sowas entschärft.

Die deutsche Synchronisation hat zum Beispiel die Bezeichnungen für Zukunftstechnologie, die man in den 1930er Jahren noch nicht kannte, angepasst. Flash Gordon fliegt nämlich eigentlich nicht in einem Raumschiff („space ship“), sondern im „rocket ship“. In späteren Serials kommt noch die Bezeichnung „strato sled“ („Strato(sphären)schlitten“) dazu. In diesem ersten Serial wurde auch das „Was bisher geschah“, das jede Episode einleitet, geändert. Im Original wurde einfach ein Text eingeblendet und vorgelesen, in der deutschen Fassung machte man sich die Mühe, diesen Text mit Ausschnitten aus den vorigen Episoden zu unterlegen.

An dieser Stelle muss ich noch darauf aufmerksam machen, dass es zwei (!) deutsche Fassungen gibt. Die eine hält sich strikt an das Original und wurde Anfang der 1980er Jahre im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausgestrahlt. Die zweite wurde ungefähr zehn Jahre später von irgendeinem Privatsender verwurstet, und das auf die schlimmste Weise. Okay, man muss den Leuten zugute halten, dass sie das fehlende dritte Serial auch noch synchronisierten, aber sie verhackstückten die ganze Serie, um jede Episode auf eine Mindestlänge von einer halben Stunde zu bringen. Im Original war eine Episode zwischen 20 und 25 Minuten lang. Das Verhackstücken führte nun dazu, dass natürlich die ganzen Cliffhanger weggschnitten wurden, weil die Folgen neu zusammenschnitten waren. Dadurch gerieten die Titel der einzelnen Folgen durcheinander und irgendwann stimmte nichts mehr (die Episode „Der Kampf mit dem Feuerdrachen“ bezieht sich auf einen Kampf, der im Neuschnitt der Serie erst ein paar Folgen später stattfindet). Im zweiten Serial wurde eine halbe Episode einfach weggekürzt und durch Erzählertext ersetzt. Und überhaupt findet in der Version eine Trennung nach Serials überhaupt nicht statt. Es wurde einfach der Vorspann von Serial 1 vor jede Folge geschnitten. Jedes Serial hat aber einen eigenen Vorspann, außerdem wechseln die Schauspieler (Prinzessin Aura ist beispielsweise im Serial 2 gar nicht dabei, wird aber auf diese Weise im Vorspann genannt, in Serial 3 haben die Schauspieler von Aura und Dale gewechselt, im Vorspann werden aber immer noch die alten genannt).

Es ist daher hoch anzurechnen, dass es mittlerweile ein DVD-Set gibt, in dem die Serie in alter – originaler – Form restauriert wurde und es wieder passt.

Das hatte Serial hat einen gewissen Charme, auch wenn man die Modelle erkennt, mit denen gearbeitet wurde oder deutlich sieht, wann Puppen anstatt von Schauspielern verwendet wurden. Auf der anderen Seite ist es ein faszinierender Einblick in die Tricktechnik von damals. Man muss sich vorstellen, wie gebannt die Zuschauer in den 1930er Jahren gewesen sein dürften, als sie auf der Leinwand sahen, wie ein Mensch mit einem anderen Menschen über einen Bildschirm spricht. Heute ist sowas ganz normal.

Das Serial hatte seinerzeit großen Erfolg, so dass (natürlich) eine Fortsetzung produziert wurde. Die schaue ich mir beim nächsten Mal an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.