So. Jan 17th, 2021

In den 1980er Jahren wurden im Rahmen von „Opas Weltraumkino“ die ersten beiden Flash-Gordon-Serials meistens direkt hintereinander ausgestrahlt. Das heißt, kaum war das eine mit seiner Episode 13 beendet, fing das zweite mit Episode 1 an. In die Kinos kam es damals 1938, zwei Jahre nach dem ersten, um an dessen Erfolg anzuschließen.

Die Handlung: Die schließt direkt an die Serie 1 an, Flash Gordon, Dale Arden und Doktor Zarkov sind auf dem Rückweg von Mongo zur Erde. Nach ihrer Landung werden sie von der Öffentlichkeit frenetisch gefeiert, da sie ja die Erde gerettet haben. Zarkov hält ein paar Vorträge über die Möglichkeit von Leben auf fremden Planeten, aber im Lauf der Zeit übernehmen andere Dinge die Schlagzeilen des Planeten. Es häufen sich nämlich immer mehr Naturkatastrophen, worauf sich die Wissenschaftler der Welt keinen Reim machen können. Sie diskutieren und debattieren, lediglich Zarkov hält sich zurück und verfolgt eine eigene Theorie.

Dem Reporter Happy Hapgood kommt es komisch vor, dass man nichts von Zarkov hört und macht diesen ausfindig. Tatsächlich ist er auf die Ursache der Naturkatastrophen gekommen, von einem anderen Planeten aus wird ein Energiestrahl ausgeschickt, der Nitron1 aus der Erdatmosphäre absaugt und damit das Gleichgewicht außer Balance bringt. Zarkov vermutet, dass der Energiestrahl von Mongo kommt (womit sich die Frage stellt, wo sich Mongo derzeit befindet, offenbar ja noch im Sonnensystem). Er rüstet seine Rakete auf und macht sich mit Dale Arden und Flash Gordon auf den Weg in den Weltraum.

Als sie die Stratosphäre erreichen, stellen sie fest, dass Happy Hapgood als blinder Passagier mit an Bord gekommen ist und sie nun begleiten muss. Als zweite Überraschung muss Zarkov erkennen, dass der Energiestrahl nicht von Mongo, sondern vom Planeten Mars kommt. Sie lenken ihr Schiff dorthin und finden verschiedenes heraus. Herrscherin des Mars ist Azura, die Königin der Magie. Ming, dem Feuer nichts anhaben kann (so ist er dem Feuertempel entkommen), ist auf den Mars geflohen und hat sie beschwatzt, ihm zu helfen. Sein Plan ist erstmal, Rache an der Erde zu nehmen. Das tut er mit der Nitronlampe. Ein Nebeneffekt ist, dass aus dem gewonnenen Nitron Waffen hergestellt werden können. Um Herrscherin über den Planeten Mars zu werden, hat Azura den rechtmäßigen Herrscher, König Clay, von seinem Thron verjagt und ihn und seine Gefolgsleute in „tönerne Menschen“ verwandelt. Flash Gordon und die Seinen nehmen den Kampf gegen Ming und Azura auf und versuchen, König Clay zu seinem Recht zu verhelfen. Unerwartete Unterstützung erhalten sie dabei durch den von Mongo gekommenen Prinz Barin.

Das muss an der Zusammensetzung der Atemluft in diesen Höhlen liegen. Dadurch wird Fleisch in Ton verwandelt.

Eine wissenschaftliche Erklärung von Doktor Zarkov, die so viele Fragen aufwirft

An der Handlung merkt man schon, dass speziell in diesem Serial Science Fiction und Fantasy ganz stark gemischt sind. Auf der einen Seite sind da Doktor Zarkov und auch Ming, die mit (pseudo)wissenschaftlichen Methoden arbeiten, auf der anderen Seite ist da Azura, die zaubern und Menschen eben auch mal in Kreaturen aus Ton verwandeln kann. Beide Richtungen sind aber eindeutig in Richtung Fantasy geschrieben. So kann Azura zwar zaubern, aber auch Zarkov kann eigentlich alles mit Hilfe der Wissenschaft bewerkstelligen. So gelingt es ihm zum Beispiel binnen kürzester Zeit in Mings Labor aus einer kleinen Probe Nitron eine Waffe herzustellen, die einen Lähmungsstrahl ausschickt. Hierbei kommt es zu einem – aus heutiger Sicht – lustigen Dialog. Zarkov zeigt Flash einen Glaskolben, der die letzten Reste von Nitron (hier in flüssiger Form) enthält. Dann drückt er Flash den Kolben in die Hand und fragt, ob er das „prickelnde Stechen“ fühlt. Als Flash bejaht, sagt Zarkov, das sei Radioaktivität. Realistisch betrachtet: Würde Flash die Radioaktivität in den Kolben in Form von „prickelndem Stechen“ auf der Haut fühlen, würde es wahrscheinlich nicht lange gehen und er und Zarkov würden an der Strahlenkrankheit sterben.

Photo by Patrick Perkins on Unsplash

In einer anderen Szene sehen wir ein Beispiel für den Alltagsrassismus in den USA der Zeit. Vermutlich hat sich keiner der Beteiligten irgendwas dabei gedacht, diese Szene so mit in das Serial aufzunehmen, aber wenn man sie sich heute im Original anschaut, lässt sie einen zusammenzucken.

Wovon rede ich? In der ersten Episode versucht Happy Hapgood rauszukriegen, wo Zarkov und Gordon sind. Dazu klingelt er bei Zarkovs Wohnung. Ein Diener macht auf, ein Afroamerikaner in weißer Dienstbotenkleidung. In der deutschen Version kam es mir etwas komisch vor, weil man sehr deutlich sieht, dass die Lippenbewegungen überhaupt nicht zum Text passen und der Synchronsprecher an manchen Stellen sehr langsam sprechen muss. Wenn man sich die Originalfassung ansieht, wird auch klar, warum – der Diener wird als stereotyper, tumber [N-Wort2]-Boy dargestellt. Er redet ungelenk und als Happy zu ihm sagt, er habe ein Telegramm vom Botschafter von Mesopotamien, da kann er mit dem Namen so gar nichts anfangen3.

Wo wir gerade von Stereotypen reden: Azura, die Königin der Magie, fällt da so ein bisschen heraus. Dale Arden war im ersten Serial hauptsächlich die „Frau in Not“ („damsel in distress“), die sich retten lassen musste. Azura ist die eigentliche Herrscherin des Mars und wagt es schließlich auch, sich Ming entgegenzustellen. Dale bleibt hingegen wieder etwas eindimensional, tatkräftig unterstützt in dieser Serie von Happy Hapgood, der so ein bisschen die Rolle des Nebendarstellers, der für die Lacher zuständig ist („comic relief“), einnimmt.

An einer anderen Stelle läuft die Handlung auf einmal etwas aus dem Ruder. Wir lernen im Verlauf der Geschichte die so genannten „Baummenschen vom Mars“ kennen, die – der Name sagt es – auf Bäumen leben und eine primitive, archaische Kultur zu haben scheinen. So wissen sie zum Beispiel nicht, was eine Kamera ist. Als Hapgood einen Schrein der Baumleute fotografiert und Azura aus der Ferne den Schrein zerstört, beschuldigen sie Happy, mit seinem „Zauberkasten“ an der Zerstörung Schuld zu sein. Die Baumleute scheinen auch sonst keine Technologie zu haben. Aber ziemlich am Ende des Serials, als Ming die Macht über den Mars übernommen hat, da schickt er Bomber mit Nitron und Waffen zu den Baummenschen, damit diese gegen König Clay und die tönernen Menschen kämpfen. Wie können die Baumleute mit Raumschiffen und modernen Waffen umgehen können sollen, wird irgendwie nicht beantwortet.

Trotz all diesen Schwächen, die daher kommen, dass man manche Dinge in den 1930er Jahren einfach noch nicht wusste, ist es wieder eine spannende Abenteuergeschichte. Außerdem – und das habe ich bei der Besprechung des ersten Serials noch gar nicht erwähnt – ist alles so wunderschön pathetisch. Die Spezialeffekte haben sich wieder etwas weiterentwickelt, sehr schön zu sehen bei dem Effekt mit der „Lichtbrücke“, bei der die Figuren die Distanz zwischen zwei Gebäuden quasi auf einem „soliden Laserstrahl“ überwinden.

Wegen des großen Erfolgs der ersten Serie gönnte man dieser ein bisschen Zuschlag: Statt 13 hat diese sogar insgesamt 15 Folgen. Damit kommt man auf eine Komplettlaufzeit von 299 Minuten (gegenüber 245 Minuten beim Serial 1).


1= Ein Element namens „Nitron“ gibt es nicht, weder in der Atmosphäre, noch anderswo. Es wird in verschiedenen Texten darüber spekuliert, ob die Autoren ursprünglich „Nitrogen“ (Stickstoff) meinten, dann aber dachten, dass das nicht genug nach Science Fiction klang. Auch wenn es das Element selber nicht gibt, hat es doch einen Anklang an die Realität, wie wir mittlerweile schmerzlich erfahren haben: Bringt man die Zusammensetzung der Erdatmosphäre aus dem Gleichgewicht, gerät die Natur aus dem Gleichgewicht.

2= Nein, ich werde das Wort hier nicht ausschreiben. Falls das jemanden stört: Komm damit klar!

3= Wobei sich hier die Frage stellt, wie viele weiße Amerikaner damals etwas mit dem Wort „Mesopotamien“ anfangen konnten.

Von Thorsten Reimnitz

Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.