Die Welt ist kompliziert – und das ist auch gut so

Bei den Krautreportern gibt es einen sehr guten Text über die Komplexität der Welt und was Journalismus tun kann, um Vereinfachungen entgegen zu wirken. Es handelt sich um die deutsche Übersetzung eines Textes von Amanda Ripley und Texte wie dieser sind der Grund, weswegen ich gerne einen monatlichen Beitrag zahle, um die Krautreporter zu unterstützen. Dieser spezielle Text ist allerdings auch für Nicht-Abonnenten zu lesen:

Die Welt ist kompliziert – und das ist auch gut so“ bei den Krautreportern

Aus der Abteilung „Den Schuss nicht gehört…“

Schwimmerin

Schwimmerin

Neulich war ich mal wieder auf einer Online-Dating-Plattform unterwegs. Unter den weiblichen Profilen, die ich mir ansah, ist mir eines aufgefallen, denn darin stand wie folgt:



Was ich mag:

* Strandspaziergänge
* Sonnenuntergänge
* Mit Freunden unterwegs sein
* Große, gut gebaute Männer

Was ich hasse:

* Unehrlichkeit
* Unpünktlichkeit
* Oberflächlichkeit

Aha…

Disclaimer: Der Autor dieser Zeilen ist 1,72 m groß.

YouTube, wir müssen reden… schon wieder! – Nacktheit und Pornographie

Epic Fail: Freediver Girl Doris hat Probleme mit einem Regenschirm. Screenshot von ihrem YouTube-Video.

Screenshot von YouTube: Der Kanal von Freediving Girl Doris ist gelöscht.
Screenshot von YouTube: Der Kanal von Freediving Girl Doris ist gelöscht.

Eine Frage an die geneigte Leserin, den geneigten Leser: Wer wusste, dass der erste Pilotfilm, mit dem Jim Hensons „Muppet Show“ beworben werden sollte, den Titel „Sex & Violence“ trug? Ja, richtig, so hieß er. Um es genau zu nehmen, er hieß „The Muppet Show – Sex & Violence“. Ja, „Sex und Gewalt“. Und was kam heraus? Die Sendung beginnt mit einem steinernen Schriftzug „Sex and Violence“, dazu verkündet ein Sprecher: „Ladies und Gentlemen, wir präsentieren das Ende von Sex und Gewalt im Fernsehen!“ Auftritt Crazy Harry, der den Schriftzug in die Luft sprengt.

Das ganze wurde also für einen Gag so aufbereitet, vermutlich weil Jim Henson genau wusste, dass er damit maximale Aufmerksamkeit erregen konnte. Es hat also eine sehr lange Tradition, dass man mit Titeln falsche Erwartungen schürt, die dann ganz anders aufgelöst werden. In dem Fall eben für einen Gag.

Das Problem ist, dass manche Menschen nur die Überschrift lesen und sich – wenn es um etwas geht, das sie emotional berührt – echauffieren. Wenn dann einer anderer genauer hinsieht, stellt man fest, dass davon nichts übrig bleibt. Das gibt es bei Artikelüberschriften oder bei Titeln von Videos auf YouTube. Und da sind wir beim Thema. Algorithmen sind nämlich auch so ein bisschen wie Leute, die nur die Überschrift lesen. Die Algorithmen von YouTube machen da keine Ausnahme. Wenn ein Video also einen scheinbar eindeutigen Titel trägt, kann das Ärger geben, auch wenn im Video selbst sich das ganze als Werbemasche oder Gag herausstellt. Das Problem ist nur: So ein Irrtum kann bei YouTube schwerwiegende Konsequenzen haben und bis zum Löschen des eigenen Kanals führen. Und das ist Freediver Girl Doris passiert.

Epic Fail: Freediver Girl Doris hat Probleme mit einem Regenschirm. Screenshot von ihrem YouTube-Video.
Epic Fail: Freediver Girl Doris hat Probleme mit einem Regenschirm. Screenshot von ihrem YouTube-Video.

Wie der Nickname sagt, handelt es sich bei Doris um eine Apnoetaucherin, die in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Videos von ihren Apnoetauchgängen gepostet hat. Sie war im Meer unterwegs oder im Pool oder im Y-40, dem tiefsten Tauchpool Europas, der in Norditalien steht. Die Videos waren unterschiedlich, oft zeigten sie Doris beim Apnoetauchen, wie sie eine bestimmte Tiefe erreichte oder eine bestimmte Zeit. Da sie Wissenschaftlerin ist, nutzte sie ihre Fanbasis auch, um aufzurufen, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Es gab ein paar Videos mit Challenges zu diesem Thema. Und dann gab es Gag-Videos. Doris versuchte beispielsweise, einen Schirm unter Wasser aufzuspannen, was ihr nur leidlich gelang. Eines ihrer Videos beinhaltete eine besondere Herausforderung: Ein Striptease. OH! STRIPTEASE! ERREGUNG! AUFRUHR! Na ja, oder auch nicht. Was geschah in dem Video? Doris hatte über ihren Badeanzug noch Kleidung angezogen, tauchte in die Tiefe und versuchte, sich innerhalb eines Atemzugs dieser Kleidung zu entledigen. Das ist alles. Es gibt kein Video, das wirklich mehr nackte Haut zeigt als sie in ihrem Badeanzug oder Bikini (letzterer ist auf dem Bild über diesem Absatz zu sehen).

Seit irgendwann Anfang Dezember ist Doris‘ Kanal verschwunden. Wer ihn über die Stichwortsuche sucht, findet ihn nicht mehr, wer den Link noch hat, landet auf einer Seite, die so aussieht wie der Screenshot ganz oben. Der Kanal wurde gelöscht wegen „wiederholter oder schwerwiegender Verstöße gegen die YouTube-Richtlinie zu Nacktheit oder pornographischen Inhalten“. Was ist da passiert? Es gibt mehrere Möglichkeiten:

  1. Der Algorithmus hat von allein eines ihrer Videos, das das Wort „Striptease“ im Titel trägt, gefunden, dann noch andere entdeckt und ihren Kanal an das System weitergemeldet, das den Kanal automatisch gelöscht hat.
  2. Menschen, die entweder Doris oder ihr Engagement im Bezug auf den Klimawandel nicht leiden können oder auch nur die Video-Überschriften gelesen haben, haben mit Absicht Videos gemeldet, worauf das System den Kanal löschte.¹

Freediver Girl Doris im Badeanzug - auch nicht mehr nackte Haut zu sehen. Bild: YouTube Screenshot
Freediver Girl Doris im Badeanzug – auch nicht mehr nackte Haut zu sehen. Bild: YouTube Screenshot

Wie gesagt, es gab nicht mehr nackte Haut zu sehen als in anderen Videos, in denen Menschen Badekleidung tragen, auch. Irgendwas oder irgendwer hat also das System getriggert, das daraufhin eine Entscheidung getroffen hat. Und das ist höchst problematisch. Auf Twitter hat Doris geschrieben, dass sie selbst nicht weiß, was passiert ist. Und das passt zur nicht vorhandenen Kommunikation von YouTube. Anstatt erstmal die Leute anzuhören und sie Stellung beziehen lassen, werden sofort Tatsachen geschaffen. Eine Beschwerdestelle gibt es nicht. Und wenn einem das Konto gelöscht wurde, hat man ja überhaupt keine Möglichkeit mehr, direkt mit YouTube in Kontakt zu treten. Außer man richtet ein neues Konto ein und versucht irgendwie mit dem Support Kontakt aufzunehmen, was auch nicht funktioniert (falls Ihr das nicht glaubt: Versucht mal, auf der Webseite von YouTube eine eMail-Adresse zu finden, an die man schreiben kann – irgendeine eMail-Adresse).

Was auch noch wesentlich ist: Es gibt keine Möglichkeit für die Fans eines Kanals, mit YouTube Kontakt aufzunehmen und denen zu schreiben, dass hier ein Irrtum vorliegt. Die einzige Möglichkeit ist das, was ich hier tue. Es wird nichts bringen, fürchte ich, ich möchte es aber dennoch tun. Warum? Ganz einfach: Weil das die Situation ist, die schon mal beschrieben wurde. Vor einiger Zeit wurde aus irgendwelchen Gründen ein Konto eines bekannten YouTubers mit vielen Abonnenten gekündigt. Der YouTuber hatte die entsprechende Reichweite und die Abonnenten sind auf die Barrikaden gegangen, was letztlich dazu führte, dass YouTube den Kanal wieder herstellte. Damals hieß es dann, ja, der kann das machen, aber was ist, wenn das jemanden passiert, der nicht so viel Reichweite hat? Wir wussten damals schon die Antwort: Gar nichts wird passieren. Und so ist es: Der Kanal von Freediver Girl Doris ist immer noch im Limbus verschwunden. Seit über einem Monat.

Das war der Grund für diesen Artikel. Vielleicht tauchen – Pointe nicht beabsichtigt – noch ein paar mehr auf, die die Probleme ansprechen mit dem Meldesystem. Dass echte Menschen sich die Videos anschauen sollen, bevor ein Konto gelöscht wird. Dass man mit dem Kontoinhaber erstmal Kontakt aufnimmt und ihm Gelegenheit gibt, Stellung zu beziehen. Dass Konten nicht gelöscht, sondern erstmal „auf Eis“ gelegt werden, bis dieser Prozess abgeschlossen ist. Ja, das macht alles etwas komplizierter. Aber viel freundlicher für die Produzenten, die schließlich die Inhalte herstellen, wegen derer man auf YouTube kommt.

Alternativen zu Videoplattformen jetzt mal allgemein gesprochen sind schwierig. Denn YouTube ist nun mal die Nummer 1, und wenn man Videos auf der eigenen Seite hostet, kommt man einfach nicht auf die Reichweite, zumindest nicht als „Einzelproduzent“. Ich weiß das, ich habe es mit dem Taucherblog „FlatFluteDivers“ mal versucht, aber wieder verworfen. Man muss mindestens zu mehreren sein und die Seite entsprechend bewerben können. Die Seite müsste ständig neues liefern. Man müsste einen Verbund aufmachen. Und wer steckt schon Zeit und Mühe in ein unbekanntes Projekt, wenn es auf der „großen“ Seite so viel einfacher ist? Ja, YouTube bietet einen gewissen Komfort, den man nicht so einfach einholen kann.

Und was wäre die Lösung? YouTube müsste was tun. Ob sie was tun können oder wollen, weiß ich nicht. Immerhin gab es beim Thema „Urheberrechtlich geschützte Musik“ ja schon Verbesserungen zugunsten der Videoproduzenten. Vielleicht tut sich irgendwann hier auch was. Oder wir warten bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

Bis dahin bleiben Kanäle wie der von Doris und einigen anderen wohl verschwunden, während man sich fragt, wie genau da gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen wurde. Und falls jetzt jemand sagt: „Ja, ein Bikini zeigt ja schon viel nackte Haut.“ Das mag sein, aber es gibt genug Videos auf YouTube, in denen ebenfalls Frauen in Bikinis zu sehen sind, und die wurden nicht gelöscht. Da sich Doris – wie bereits erwähnt – auch politisch engagiert, ist es durchaus nicht unwahrscheinlich, dass ihr Kanal einfach nur gemeldet wurde, um ihr eins auszuwischen. Sie mag zwar nur eine Stimme unter vielen sein, die sich für Maßnahmen gegen den Klimawandel engagieren, aber jede verstummte Stimme spricht nicht mehr gegen die „Lüge!“-Brüller an, die versuchen, den Diskurs zu kapern. Außerdem gibt es Menschen, die sich einfach toll fühlen, wenn sie das Projekt eines anderen, das ihnen nicht passt, kaputt machen können.

 

CONCLUSIO: YouTube bietet viel Komfort, aber wie auch schon der Götz von Berlichingen wusste: „Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten!“ Gerade der Umstand, dass es nahezu unmöglich ist, mit irgendjemanden bei YouTube in Kontakt zu treten, macht es sehr schwierig. Genau aus diesem Grund sollten vor einer Löschung eines Kontos mehrere Stufen zwischengeschaltet sein, die einem Kontoinhaber die Möglichkeit geben, zu Vorwürfen Stellung zu beziehen. Juristisch gesehen macht YouTube natürlich alles richtig, die Nutzer befinden sich auf der Plattform dieses Anbieters und der hat das Recht, Leute auszuschließen, aus welchen Gründen auch immer. Genauso wie ich das Recht habe, Leute hier auszuschließen und es bei einigen Trollen auch schon tun musste. Aber hier habe ich mich persönlich davon überzeugt, dass der Troll ein echter Troll ist und das auch öffentlich kommuniziert. Von YouTubes Seite kommt nichts außer Standardphrasen.

 

 

¹ Es gibt bei jedem Video die Möglichkeit „Melden“. Wenn ein User diese anklickt, wird ihm eine Liste präsentiert, warum er das Video melden möchte, es sind so Stichworte wie „Rechteverletzung“, „Kindesmissbrauch“ oder „Spam“ dabei. Ganz oben auf der Liste: „Pornographische Inhalte“. Klickt man diesen Punkt an, kann man noch differenzieren: „Eindeutige sexuelle Handlungen“, „Nacktheit“, „Anzügliches Material aber ohne Nacktheit“, „Video mit Minderjährigen“, „Titel oder Beschreibung ist unangemessen“ und „Pornographische Inhalte anderer Art“. Gerade der Punkt „Anzügliches Material aber ohne Nacktheit“ ist sehr unspezifisch und kann für vieles benutzt werden.

 

Der Eurovision Song Contest 2016 – Ein Spiegel für die deutsche Gesellschaft

Bild: phan.pro / Diorama: Miniaturwunderland Hamburg

Bild: phan.pro / Diorama: Miniaturwunderland Hamburg
Bild: phan.pro / Diorama: Miniaturwunderland Hamburg

Sie müssen unterscheiden zwischen „Wollern“, „Nicht-Wollern“ und „Nicht-Könnern“. Die „Woller“ wissen alles, die „Nicht-Woller“ wissen alles besser und die „Nicht-Könner“ wissen alles am besten!
– V.I.N.Cent in „Das schwarze Loch“

Disclaimer

Ja, dieser Beitrag hängt seit über einem Jahr in der „Development Hell“ fest. Und das, obwohl er leider die ganze Zeit über aktuell geblieben ist. Je näher die Bundestagswahl 2017 rückte, desto aktueller wurde er, obwohl in der Zwischenzeit ein ein weiterer Eurovision Song Contest stattgefunden hat. Also dachte ich mir, okay, ich hau ihn noch raus, denn so langsam nervt es, wenn selbsternannte Patriotismusexperten auf allen Kanälen etwas von „Leitkultur“ blöken und meinen, alles sei doch so gut und schön. Nein, ist es nicht. Ein bekannter deutscher (!!) Dichter sagte mal: „Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.“ Und ein Teil dieses Schattens spiegelt sich ausgerechnet in einem Sängerwettstreit wieder.

Und das ganze erfuhr 2016 meine Aufmerksamkeit, obwohl der ESC des Jahres gar nicht so mein Interesse geweckt hatte. Gesehen habe ich ihn mehr oder minder zufällig und nicht vollständig. Doch die Teile, die ich tatsächlich live gesehen habe, machten mich neugierig, zeigten sie doch, wie unverkrampft das Ausrichterland Schweden mit der ganzen Veranstaltung umging und mit dem Parodie-Lied „Love Love, Peace Peace“ , bei dem es um den „perfekten“ ESC-Song geht, den meiner Meinung nach besten Beitrag des Abends ablieferte. Ich habe mir dann die anderen Beiträge mehr oder minder vollständig angesehen und ganz ehrlich, ich fand kein Lied, das meinem Geschmack nach besonders hervorstach. Wenn man die Lieder nacheinander einfach irgendwo im Radio gespielt hätte, wären sie jedem Dudelfunk würdig gewesen. Hätte man mich aber gefragt, welches Lied davon das beste sei, hätte ich mit beredtem Schweigen geantwortet. Ich kann nur ein Lied hervorheben, allerdings im negativen Sinne, denn der niederländische Beitrag hat mir nicht gefallen. Das liegt aber daran, dass Countrymusik generell nicht mein Fall ist und ein Countrysong sehr viel anstellen muss, um mir zu gefallen*. Bei mir hätte es demzufolge 25 Gewinner und einen Verlierer gegeben. Wenn die Niederländer beim ESC trotz meiner gegenteiligen Meinung gewonnen hätten, wäre das ein Drama gewesen? Nein. Warum sollte es? Achso, ja, weil Deutschland nicht gewonnen hätte – so wie es an jenen verhängnisvollen Samstag Abend des Jahres 2016 geschehen ist. Und oh man…

Nun, da sich der Vorhang der Nacht von der Bühne hebt, kann das Spiel beginnen, das uns vom Drama einer Kultur berichtet…**

Deutsche Leidkultur

Seit dem Moment, als feststand, dass Jamala aus der Ukraine den ESC 2016 gewonnen hat, wurde das Internet, ganz besonders die sozialen Medien, mit Heulen und Zähneklappern geflutet. Ich gebe mal ein paar Zitate wieder (Namen gekürzt, eventuelle Rechtschreibfehler aus dem Original übernommen):

Wir können hinschicken, wen wir wollen. Die Deutschen werden eben nicht gemocht.
– Gabi C.

Deutschland wird schon lange ignoriert , egal wer da singt. Deutschland ist nur gut wenn es ums bezahlen geht und jeden Highopie¹ ins Land lassen .
– Petra M. H.

Den letzten Platz hat sie unserer Kanzlerin zu verdanken. Europa hasst Deutschland, eindeutiger geht es nicht.
– Carsten C.

Danke Frau Merkel , das sie die ganze Welt gegen Deutschland gebracht haben , das schaffte nicht einmal der A….²
– Jürgen H.

Wobei ich mich frage was Australien mit der EU zu tun hat
– Stefanie H.

wir werden es auch nicht mehr anschauen.
– Angela K., stellvertretend für viele Postings mit gleichem oder ähnlichem Inhalt

Warum bezahlt Deutschland weiter wenn wir eh letzter werden? Das Geld könnte in Deutschland sinnvoller verwendet werden.
– Karin B.

Die Frage ist, warum ist Australien dabei?? Hab ich was verpasst, ist Australien in der EU???
– A. J.

Es gab aber auch andere Stimmen, zum Beispiel solche, die dem Jammern mit Humor begegnen:

Wir haben in den letzten 60 Jahren beim ESC 2 mal gewonnen das liegt bestimmt auch daran weil Frau Merkel vor 61 jahren geboren wurde ! (…)
Die Merkel ist auch drann Schuld das es Pfingsten so kalt geworden ist .
– Heinz S.

Hat was von DSDS (Deutschland sucht den Sündenbock) 😉
– Irene F.

Oder die auf Lücken in der Argumentation aufmerksam machten:

Wenn alles so Politisch sein soll beim ESC, dann wundert es mich das Australien so viele Punkte von Ihren „Europäischen Nachbarn“ bekommen haben…
– La K.

Sorry soll jetzt jedes mal Deutschland gewinnen oder wie !!!
– Rosaria M.

Einerseits sagen, dass alles politisch manipuliert wäre und im gleichen Atemzug darüber beschweren, dass wir vom Nachbarland keine Punkte bekommen haben. Finde den Fehler.
– Sabine M.

Quellen: [1], [2], [3]

Da rieb ich mir verwundert die Augen und fragte mich: „Hä?“ Aus einem Wettstreit mit Musik wird eine internationale Affaire, wenn nicht gar eine internationale Verschwörung gemacht. Wenn jemand in diesen Tagen ein Beispiel dafür gesucht hätte, was „typisch deutsch“ sei, dann wäre er hier fündig geworden. Lauter Menschen, die ganz genau wussten, dass es nur einen Grund gab, warum Deutschland verloren hat und der hatte natürlich nichts damit zu tun, dass anderen der deutsche Beitrag nicht gefallen hat. Neeeeein, alles abgekartet! Man mag die Deutschen nicht und Merkel ist schuld. Was anderes kommt überhaupt nicht in Frage. Ernsthaft? In dieser Diskussion – oder sagen wir lieber, in dieser Disziplin des „Sätze in die Welt husten“ – offenbaren sich ein paar gesellschaftliche Probleme. Mann kann die Reaktion auf den ESC also durchaus als Spiegel der Gesellschaft sehen.

„Europa hasst Deutschland“

Bei einigen Menschen herrscht ein Fehlverständnis dafür, was bei solchen Wettbewerben passiert. Die Aussage „Europa hasst Deutschland“ basiert auf gleich zwei grundsätzlichen Irrtümern, nämlich dass es sowohl ein Europa, als auch ein Deutschland gäbe, also eine homogene Masse von Menschen, die alle von nur einem Gedanken geleitet werden. … Merkwürdig wird es auch, wenn Menschen die Kanzlerin (und vornehmlich ihre Asylpolitik) verantwortlich gemacht werden, gleichzeitig aber betont wird, dass Deutschland ja nie gewinnen würde. Mal ganz davon abgesehen, dass das nicht stimmt, ist das ein Widerspruch in sich: Die letzten Male kann nicht die Asylpolitik der Kanzlerin verantwortlich gewesen sein, da sich die Situation gerade mit den Flüchtenden aus Syrien erst zwischen dem ESC davor und diesem überhaupt so verschärft hat.

„Das hat der deutsche Beitrag nicht verdient!“

Direkt in Zusammenhang mit der ersten Aussage ist immer wieder zu hören, dass die deutsche Sängerin es nicht verdient hätte, ganz hinten zu landen und es wird immer wieder als Beweis dafür herangezogen, dass die Abstimmung in dieser Art aus ganz anderen Gründen erfolgt sein muss. Das kann man schon als Verblendung sehen, denn es gab durchaus kritikwürdiges am deutschen Beitrag. Das Kostüm zum Beispiel, das ja schon sehr speziell ist. Ja, es ist ein Sängerwettbewerb, aber der erste Eindruck bei der Show entsteht nun mal visuell. Aber auch wenn wir solche Dinge außer acht lassen, gibt es Punkte, die einem hätten negativ auffallen können. Ich habe noch ganz genau im Kopf, was ich dachte, als Jamie-Lee ihren Auftritt hatte: „Meine Güte, bei der liegen ja die Nerven blank!“ Sowas ist sicherlich nicht nur mir aufgefallen. Und es gab sicherlich noch ein paar mehr, denen die Performance und / oder das Lied nicht gefallen hat. Manchmal trifft man halt den Nerv vieler Menschen mit einem Lied (man denke nur an Lena Mayer-Landruths nicht ganz gewöhnliches Englisch, das ihr aber offensichtlich Sympathiepunkte gebracht hat), und dann halt auch wieder nicht.

„Australien!? Wieso Australien???“

Jetzt kommt der interessante Brückenschlag zum heutigen Wahltag, und das Stichwort lautet „Fake News“. Gerade in den letzten Wochen haben sich reihenweise Falschmeldungen verbreitet, und sie kamen zur Hauptsache aus dem rechten Eck. Aber wieso wurden die so weiter verbreitet? Beim ESC gab es eine Fraktion, die sich lautstark über die Teilnahme von Australien aufregte, das ja gar nicht „in der EU“ sei. Nun, zunächst einmal ist der Eurovision Song Contest nicht nur EU-Mitgliedern vorbehalten (sonst dürften Länder wie die Schweiz oder die ganzen osteuropäischen Staaten ja auch nicht teilnehmen), aber hier wird schon ein Faktor klar: Es wird nicht mehr differenziert. Europa, EU, alles das gleiche. So gesehen ist es ja schon ein Wunder, dass diese Leute wissen, dass Australien auf der anderen Seite des Globus liegt. Und dann kommen die Kommentare: „Wieso ist Australien dabei?????³“ Gleich wird sich aufgeregt, denn noch ein Konkurrent verringert ja die Chance, dass die glorreiche deutsche Nation den Endsie… äh, ich meine, dass Deutschland den ESC gewinnt (etwas ähnliches erlebt man bei jeder Fußballweltmeisterschaft, da wird tatsächlich die Aussage getroffen, dass Deutschland den Titel so viel leichter erringen könnte, wenn nicht so viele andere Nationen teilnehmen würden).

Wie wäre es, wenn man statt sich gleich aufzuregen vielleicht mal nachdenkt? Australien liegt nicht in Europa, das ist richtig, aber vielleicht gibt es ja einen Grund, warum das Land am ESC teilnimmt? Respektive, vielleicht gibt es ja einen anderen Grund als den, Deutschland auf die letzten Plätze verdrängen zu wollen? Und nach ungefähr dreißig Sekunden Recherche habe ich auch schon die Antwort gefunden: „Australien trat 2015 laut Aussage der EBU als einmaliger Jubiläumsgast an und war direkt für das Finale qualifiziert. Seit 2016 nimmt Australien als assoziiertes Mitglied der EBU, entgegen vorheriger Aussagen, weiter am Wettbewerb teil. Es ist jedoch eine Qualifikation über eines der Semifinale nötig.[4][5][6] Sollte Australien gewinnen, würde der ESC aber nicht in Australien, sondern in einem europäischen Partnerland ausgetragen, das der verantwortliche Sender SBS frei wählen kann.“ So steht es in der Wikipedia. Alles ganz unspektakulär.

Aber man skandalisiert lieber. Man hält nicht inne, man fragt nicht: „Kann das sein? Was für Fakten gibt es?“ Ganz besonders, wenn man sich in eine Opferrolle begeben kann. Ja, immer die anderen. Es heißt ja: „Viel Feind, viel Ehr.“ Blöder Spruch. Er differenziert nicht, denn Feinde kann man sich auch schaffen, indem man einfach ein unerträgliches A*****ch ist. Der Spruch wird aber meist verwendet, um die eigene Position zu rechtfertigen. Alles, damit man selbst sich nicht ändern muss.

„Kennst Du den Faust?“ – „Den Doktor?“º

Tja, und wohin soll dieser Text jetzt gehen? Ich weiß es nicht. Es ist eine Beobachtung, die ich gemacht habe und die mich frustriert. Dieses Beispiel eines harmlosen Sängerwettbewerbs zeigt, wie verbissen manche, die hier leben, sind. Es wird immer die ganz große Nummer draus. Wenn man aber mit Logik daran geht, bleibt etwas zurück, das einfach nur noch lächerlich ist. Aha, alle anderen Nationen „hassen“ also „die Deutschen“. Und sie zahlen es „den Deutschen“ heim, indem sie sie nicht den ESC gewinnen lassen. Wow. Auf sowas muss man erstmal kommen. Beziehungsweise, lieber nicht. Die gleichen Leute reden dann gerne von der deutschen Kultur, wobei sie eine mehr Schlecht- als Rechtschreibung an den Tag legen, dass es einem Goethe oder Schiller gegraust hätte.

Ich würde jetzt gern was Schlaues schreiben. Einen einfachen Vorschlag zur Lösung dieses Problems. Aber den gibt es nicht. Es gibt nur die Lösung, zurückzutreten und versuchen, die Verschränkungen und Zusammenhänge zu erkennen. Und sich nicht gleich von der Skandalisierung packen zu lassen, stattdessen zu schauen, was es für harte Fakten gibt. Aber was rede ich? Es kriegen ja noch nicht einmal gestandene Journalisten hin, ein Zitat richtig einzuordnen. Nein, Peter Altmaier hat NICHT gesagt, man solle nicht wählen gehen. Aber selbst der Deutschlandfunk ist unfähig, das zu durchblicken.

Die Quittung für all das, das Verkürzen, das Nicht-Nachdenken, das Skandalisieren, das Sich-zum-Opfer-stilisieren, die werden wir heute Abend kriegen.

 


*= Lily Allens „It’s not fair“ wäre ein Beispiel eines Liedes im Countrystil, das mir gefällt, aber hauptsächlich deswegen, weil es die teilweise sehr spießig-konservativen Countrysongs auf die Schippe nimmt, indem hier eine Frau sehr deutlich davon singt, dass sie es nicht fair findet, dass ihr Freund beim Sex immer schneller fertig ist als sie.

**= Vorwort aus dem Lied „MfG“ von den Fanta 4, eigentlich die Eröffnung der deutschen Version der Show „Son & Lumière“ bei der Sphinx und den Pyramiden von Gizeh in Ägypten.

¹ = Vermutlich meint die Dame „Heiopei“.

² = Abkürzung „A….“ so im Originaltext geschrieben. Nach dem Motto, keiner soll merken, dass hier Angela Merkel wegen eines Sängerwettstreits mit Hitler verglichen wird.

³ = Terry Pratchett schreibt in einem seiner Bücher, dass fünf Ausrufezeichen ein sicheres Zeichen dafür seien, dass der Schreiber seine Unterhose auf dem Kopf trage. Auch wenn ich mir das nicht vorstellen möchte, denke ich, dass diese Aussage auch für andere im Überfluss verwendete Satzzeichen gilt.

º = Aus Goethes „Faust: Eine Tragödie“, „Vorspiel im Himmel“

Hate Speech als Zwei-Klassen-System

Wer Hass selbst heute im großen Maßstab erlebt – und das werden täglich mehr normale Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die den Mund aufmachen – steht meist komplett alleine da. Das ist die Realität Deutschlands im Jahr 2017.

Gerald Hensel schreibt für Übermedien in dem Beitrag „Dunja Hayali und der kuratierte Hass“ über Hayalis Antwort an einen Troll, die groß in den Medien die Runde machte. Hayali wurde für ihre Antwort gefeiert, Hensel gibt jedoch zu bedenken, dass die meisten, die von Internet-Trollen mit Hate Speech belästigt (und mehr als belästigt) werden, ziemlich allein dastehen. Hayali steht schon in der breiten Öffentlichkeit und ihre Kollegen haben dafür gesorgt, dass noch mehr Öffentlichkeit erzeugt wird. Das meiste an Hate Speech bekommen aber Privatpersonen ab, die nicht die große Öffentlichkeit erreichen und mit (Mord-)Drohungen ziemlich allein dastehen.

Ein lesenswerter Beitrag, der das Weltbild wieder ein wenig zurecht rückt.

 

Gewinner gesucht! Die Jagd nach den 90 Millionen Euro geht weiter

Zusätzlicher Jackpot in der Gewinnklasse 2 von 20 Millionen Euro. Bild: Westdeutsche Lotterie GmbH & Co. OHG
Zusätzlicher Jackpot in der Gewinnklasse 2 von 20 Millionen Euro. Bild: Westdeutsche Lotterie GmbH & Co. OHG

In 17 europäischen Ländern gab es letzte Woche die Jagd nach dem Jackpot: Mit 90 Millionen Euro war der Eurojackpot in der Gewinnklasse 1 bis zum Rand gefüllt. Mehr geht nicht. Zwei Spielteilnehmer aus Bayern und Finnland konnten bei der Ziehung am letzten Freitag in Helsinki die Gewinnklasse 2 treffen. Bei den Gewinnzahlen 1, 10, 20, 43 und 44 sowie den beiden Eurozahlen 6 und 9 fehlte den beiden Tippern jeweils eine weitere richtige Eurozahl zum Knacken des Jackpots. In der Gewinnklasse 2 wurden die beiden Spielteilnehmer jeweils zum 4-fachen Millionär. Die genaue Gewinnsumme lautet:

4.079.856,90 Euro.

Seit nunmehr 10 Ziehungen ist die Gewinnklasse 1 unbesetzt. Die Rekordsumme von 90 Mio. Euro wartet weiterhin auf einen oder mehrere Gewinner!Diese Woche wird es jetzt aber noch spannender!Der Pott läuft über. Auf Grund der Deckelung der Gewinnklasse 1 bei 90 Millionen Euro bildet sich ein zweiter Jackpot in der Gewinnklasse 2. Zusätzliche 20 Millionen Euro stehen hier zur Ausspielung!

Dazu Andreas Kötter, Chairman der Eurojackpot-Kooperation: „Jetzt wird es noch einfacher Millionär zu werden! Mit einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 1 zu rund 6 Millionen bietet sich zur kommenden Ziehung eine so in Deutschland fast einmalige Gewinnkonstellation. Die zweite Gewinnklasse zu treffen ist rund 16-mal einfacher.“

Die europäischen Tipper können auch diese Woche noch den Traum vom Jackpot-Gewinn träumen. Den bisher höchsten deutschen Lotteriegewinn gab es Ende Juli 2016. Ein Hesse räumte – ebenfalls bei Eurojackpot – rund 84,8 Millionen Euro ab. Im Mai 2015 war der Eurojackpot zum ersten Mal auf 90 Millionen Euro angewachsen. Damals wurde der Jackpot auch nicht gleich beim ersten Versuch geknackt. Es kam – wie jetzt auch – zu einem Überlauf des Jackpots in die Gewinnklasse 2. In der zweiten Ziehung mit den 90 Millionen Euro in der obersten Gewinnklasse in Folge ging der Jackpot dann nach Tschechien.

Wer sich diese außergewöhnliche Gewinnkonstellation nicht entgehen lassen will, kann bis kommenden Freitag, den 14. Oktober 2016 seinen Tipp in einer Lotto-Annahmestelle oder unter www.eurojackpot.de abgeben.

Quelle: Westdeutsche Lotterie GmbH & Co. OHG

hr produziert „Tatort – Die Show“ und „StarStarSpace“ für „funk“

Die Serie "StarStarSpace" von "Coldmirror" startet ab dem 30.9. auf YouTube  Foto: hr/Kathrin Fricke
Die Serie „StarStarSpace“ von „Coldmirror“ startet ab dem 30.9. auf YouTube
Foto: hr/Kathrin Fricke

Mit dem Start von „funk“, dem Jungen Angebot von ARD und ZDF, liefert der Hessische Rundfunk (hr) neben weiteren Landesrundfunkanstalten der ARD vom 1. Oktober an eigene Inhalte, die für die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen auf den unterschiedlichsten Plattformen ausgespielt werden: Ob Facebook, YouTube, Instagram oder Snapchat. Ergänzt wird das Angebot über die „funk“-App (go.funk.net/app) und die „funk“-Webseite (funk.net). Der hr produziert für „funk“ zukünftig die Web-Formate „Tatort – Die Show“ und „StarStarSpace“.

„Tatort – Die Show“
Seit dem 25. September geht „Tatort – Die Show“ sonntags nach jedem „Tatort“ live an den Start. Moderiert wird sie im Wechsel von YOU FM-Moderator Daniel Boschmann und KiKA-Moderatorin Jessica Lange. Das Konzept der Show, die am 12. Oktober 2014 zum hr-„Tatort“ „Im Schmerz geboren“ ihre Premiere feierte, bleibt bestehen: Schräg und chaotisch wird weiter kontrovers über den Krimi diskutiert. Mit dabei sind Schauspieler aus dem „Tatort“, Experten, prominente Fans und die Community, denn „Tatort – Die Show“ lebt von der Meinung der User und läuft live auf Facebook und YouTube. Die erste Showfolge der wöchentliche Serie lief am 25. September nach dem Münsteraner „Tatort“ „Feierstunde“ erfolgreich an: Über 500.000 Personen wurden auf Facebook mit dem Livestream erreicht und auch bei ONE (ehemals Einsfestival), dort wird die Show zeitversetzt um 23.15 Uhr gezeigt, hatte sie 350.000 Zuschauer.

„StarStarSpace“
Zusammen mit der YouTuberin Coldmirror wird der hr die animierte Serie „StarStarSpace“ produzieren. Das Format parodiert Filme und Serien, die die Worte „Star“ oder „Space“ im Titel haben, und viele weitere Science-Fiction-Klassiker. Start der Serie ist am heutigen Donnerstag, 29. September, auf dem YouTube-Kanal von Coldmirror.

„funk“, das Content-Netzwerk von ARD und ZDF
Informieren, Orientieren und Unterhalten das alles will „funk“, das Content Netzwerk von ARD und ZDF. Die Online Inhalte richten sich an 14 bis 29 Jährige. Die Formate finden auf YouTube, Facebook, Snapchat, Instagram und weiteren sozialen Plattformen statt. Die Nutzer können in der „funk“-App (go.funk.net/app) internationale Lizenzserien ansehen. Die Inhalte sind zudem auf funk.net verfügbar und werbefrei. funk startet am 1. Oktober 2016 mit über 40 Online Formaten. Neue kommen kontinuierlich hinzu. Die Inhalte werden in den Redaktionen von ARD und ZDF in ganz Deutschland und gemeinsam mit vielen Partnern entwickelt. Die Fäden laufen in der Zentrale von funk in Mainz zusammen. Als Content Netzwerk bietet funk auch Nachwuchstalenten eine Plattform.

ARD und ZDF sind gemeinsam Träger und gleichberechtigte rundfunkrechtliche Veranstalter des Angebots. Die Federführung obliegt dem Südwestrundfunk (SWR).

Quelle: Hessischer Rundfunk

ARD und ZDF starten funk: Das Content-Netzwerk kommt am 1. Oktober 2016 mit über 40 Online-Formaten

Eine AnalyseLange tat sich hier nichts, genauso wie im Videokanal des „Phantastischen Projekts“, was mit Stress und einem gewissen Zeitmangel zu tun hatte. Die Rückkehr zu einigermaßen regelmäßigen Artikeln sollte eigentlich im Oktober geschehen, doch dann bekam ich eine eMail mit einer Pressemitteilung, die ich auch einem merkwürdigen Grund nicht ignorieren konnte. Daher beschloss ich, den Dornröschenschlaf mit sofortiger Wirkung zu beenden. Doch was genau war das für eine eMail?

Die Mitteilung lautete: „funk startet am 1. Oktober 2016“. Sie kam vom Hessischen Rundfunk. Vor ein paar Tagen hatte ich da was gelesen, von dem aber nicht viel hängen geblieben war. Irgendwas mit „junger Zielgruppe“. Und tatsächlich: Heute wurde in Berlin vorgestellt, was seit über einem Jahr unter dem Arbeitstitel „Junges Angebot von ARD und ZDF“ entstanden ist. Das Ergebnis ist ein Content-Netzwerk mit bekannten und neuen Webvideo-Akteuren, die im Auftrag von funk neue Inhalte und Formate entwickeln. funk startet mit über 40 Online-Formaten, die sich nicht nach klassischen Genres sortieren lassen, sondern drei Nutzerbedürfnissen entsprechen: Informieren, Orientieren und Unterhalten.

funk entwickelt und produziert Online-Formate für 14- bis 29-Jährige. Dabei stehen die Protagonisten und deren Inhalte im Vordergrund. NutzerInnen können über den jeweiligen Kanal dem Protagonisten direkt ihr Feedback geben. YouTube, Facebook, Snapchat und Instagram werden dabei formatspezifisch genutzt. Ergänzt wird das Angebot über die funk App (go.funk.net/app) und die funk Webseite (funk.net). In der funk App sind zum Start internationale Lizenzserien wie „The Aliens“, „Banana“ und „Hoff the Record“ verfügbar. Sämtliche Inhalte sind werbefrei. Auf der Website können alle Video-Inhalte zudem in einem unabhängigen Player abgerufen werden.

Im Mittelpunkt des funk Angebots stehen die Protagonisten und deren Formate. Beispielsweise baut Heimwerker-King Fynn Kliemann einen alten Bauernhof in Niedersachsen in sein „Kliemannsland“ (https://goo.gl/SVxQvx) um und hat so einen neuen YouTube-Kanal (https://goo.gl/SPrwO9) geschaffen. Zuschauer können neben diesem Hauptkanal auch auf weiteren Präsenzen wie Facebook (https://goo.gl/8L2vDK), Instagram (https://goo.gl/9lz6wU) und Twitter (https://goo.gl/SVNvTi) die Entwicklung des Formates verfolgen.

Dem gleichen Prinzip folgen andere Formate: Beim „Y-Kollektiv“, einer Gruppe von zehn Reportern, geht es in Facebook-Reportagen um Themen wie Massentierhaltung oder das Leben von illegalen Flüchtlingen in Europa ‒ alles nah, real und persönlich (Facebook-Seite: https://goo.gl/gWnOPL). Für das investigative Format „Jäger & Sammler“ (Facebook-Seite: https://goo.gl/17ERHo) recherchieren Nemi El-Hassan, Friedemann Karig und Ronja von Rönne Hintergründe zu politischen und gesellschaftlichen Themen, wie der identitären Bewegung oder der Prepper-Szene. Die Macher der funk Webserie „Wishlist“ kennen viele NutzerInnen als „Vivi & Denny“ und „Hello Chrissy“ auf YouTube (YouTube-Kanal: https://goo.gl/RBP3LI). Die YouTuberin Coldmirror parodiert in ihrer neuen, animierten Webserie „STARSTARSPACE“ alles, was mit Star und Space zu tun hat (YouTube-Kanal: https://goo.gl/myqKaN). Aus dem Bereich Comedy sind unter anderem Katjana Gerz und Florentin Will mit „Gute Arbeit Originals“ (Facebook-Seite: https://goo.gl/gW6dCe) und Schlecky Silberstein mit dem „Bohemian Browser Ballett“ (Facebook-Seite: https://goo.gl/FmI37e) dabei.

„Es ist schön zu sehen, wie viele unterschiedliche Formate zu funk gehören und wie viele kreative Menschen dabei sind“, so funk Geschäftsführer Florian Hager. Seine Stellvertreterin Sophie Burkhardt ergänzt: „funk wird von guten Ideen leben, von interessanten Protagonistinnen und Protagonisten und dem Mut, Neues auszuprobieren.“

Die Intendanten von ARD und ZDF sehen viele Chancen in dem neuen Projekt. Für die ARD-Vorsitzende Karola Wille ist funk eine Möglichkeit, Talente zu entwickeln: „Wir wollen einen Raum schaffen für junge Kreative, für Innovation, für Experimente.“ ZDF-Intendant Thomas Bellut betont die neuen Möglichkeiten im Netz: „Wir können Formate ins Netz bringen, die junge Menschen interessieren und sie dort zeigen, wo sie medial unterwegs sind.“ Der Intendant der federführenden Landesrundfunkanstalt SWR, Peter Boudgoust erhofft sich auch Effekte für die Öffentlich-Rechtlichen insgesamt: „Es wurde und wird weiterhin viel Grundlagenarbeit geleistet, sowohl technisch als auch rechtlich und produktionell. Von dieser Aufbauarbeit können wir als Öffentlich-Rechtliche schon heute profitieren.“

Persönliche Einschätzung

Bei aller Behäbigkeit, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer vorgeworfen wird, muss ich doch sagen, dass dieses Projekt irgendwie interessant klingt. Da muss ich allerdings gleich ein paar Abstriche machen, was das Wissen um die Materie betrifft: Das PDF der Pressemitteilung ist eine mittlere Katastrophe. Anstatt einfach den Text zu präsentieren, wurde dieser mit allen HTML-Formateinstellungen (also <h1> und dergleichen für Überschriften,  <a href=…> für Links, es ist sogar eine Scripteinbettung dabei) wiedergegeben. Das macht bei einem Format, das für die „Generation Computer“ sein soll nicht unbedingt einen guten Eindruck. Und auch ob ein Format namens „Tatort – Die Show“ das Zielpublikum im entsprechenden Alter erreicht… ich weiß ja nicht so recht. Aber okay, erstmal Respekt für die Entscheidung, sowas zu machen. Wenn funk gestartet ist, muss man sehen, ob sich die Erwartungen der Beteiligten erfüllen.