Aus aktuellem Anlass: Attentatspornografie mit BILD TV

Als ich noch in die Schule ging, war ich Mitglied der dortigen Schülerzeitung. Und wie es so ist, wenn man Teenager ist, so langsam beginnt man die Welt um sich herum anders zu begreifen als vorher. Zum Beispiel wurde mir unter anderem durch die Werke von Günter Wallraff bewusst, dass die so genannte BILD-„Zeitung“ kein harmloses Quatschblatt ist, das halt ab und zu mal übertreibt und hauptsächlich als Unterhaltung anzusehen ist, sondern dass dort Menschen hauptberuflich wahre Ereignisse in ihren Berichten verdrehen und verfälschen und so auch schon Existenzen vernichtet haben.

Da ich selbst in meiner Kindheit in einem Haushalt aufwuchs, in dem in den 1970er Jahren diese „Zeitung“ jeden Tag auf dem Wohnzimmertisch lag, hatte ich auch ein paar unangenehme Erinnerungen, denn das, was ich als Kind dort las, machte mir Angst. Später begriff ich, dass das natürlich die Absicht der Schreiberlinge dieses Pamphlets war. Es ging nie darum, Fakten zu vermitteln, sondern Emotionen. Sehr genau wurde vorgeschrieben, was man zu empfinden hatte. Person X böse. Habt Angst vor Minderheit Z! Politiker Y gut. Und falls sich jemand fragt, wer das Fundament für die Verschwörungsmythoswirrwutzis (zumindest mit)gelegt hat, die der Gesellschaft heute so Probleme machen, der findet auch hier die Antwort: Wie selbstverständlich hat die so genannte BILD-„Zeitung“ wirrsten Unsinn als wahre Tatsachen verkauft. Ich erinnere mich noch an die Schlagzeilen anlässlich der „Planetenparade“, die irgendwann in den 1970ern stattfand. Bei diesem Ereignis stehen alle Planeten unseres Sonnensystems in einer Reihe hintereinander, wie Perlen auf einer Schnur. Da die Umlaufzeiten der einzelnen Planeten sehr unterschiedlich sind, kommt so ein Ereignis nur sehr selten vor. Und wenn man es genau nimmt, passt das Bild nicht so richtig, denn wirklich „direkt hintereinander“ standen die Planeten wohl nur bei einem Ereignis im Jahr 1128, bei allen anderen Paraden waren sie „dicht zusammen“ (und wer sich mit Astronomie beschäftigt, der weiß, dass „dicht zusammen“ in astronomischen Maßstäben immer noch verdammt weit von einander entfernt ist). In BILD gab es damals mehrere Artikel, an die ich mich noch gut erinnern kann, weil sie darüber spekulierten, was das Ereignis bedeuten könnte: ERDBEBEN!! FLUTEN!! KATASTROPHEN!! UND WAS NOCH??? Denn wenn die Planeten alle so dicht zusammen sind, dann beeinflussen sie sich gegenseitig!! Wer’s nicht glaubt, der soll doch das BILD-Horoskop lesen, da wird ja auch davon berichtet, wie die Planeten das Leben der Menschen beeinflussen!!1 Gewaltige Kräfte wirken auf die Erde ein und wer weiß, was dann passiert.

Naja, BILD hätte nur mal ernsthafte Astronomen fragen müssen, dann hätten sie gewusst, was passiert: Nichts. Auch wenn die Planeten so nah zusammen kamen wie schon lange nicht mehr, waren sie doch immer noch weit genug von einander entfernt, als dass sie sich beeinträchtigen könnten. Aber das gab halt keine schmissige Schlagzeile. Wobei das doch mal nett wäre, ein Schlagzeile im Stil von: ASTRONOMEN SICHER: „PLANETENPARADE“ WIRD UNSER LEBEN NICHT BEEINTRÄCHTIGEN! ALLES WIRD SO SEIN WIE IMMER!

Gesellschaftlich absolut inakzeptabler Journalist (Symbolbild).
Photo by Andrés Gómez on Unsplash

Regelmäßig wurde damals auch von Außerirdischen berichtet, die die Erde besuchten und sogar Lebenstipps gaben. In einem Bericht sollen die Außerirdischen einem Zeugen zugerufen haben: „Was als Krebs bekannt ist, kommt von den Zähnen.“ Raffiniert, was? Eine Aussage, die konkret genug erscheint, so dass sie wirklich eine Hilfe sein könnte, auf der anderen Seite aber wiederum zu vage ist, als dass man irgendwas damit anfangen könnte. Natürlich alles Unsinn, wer sich ernsthaft damit beschäftigt weiß, dass es „den Krebs“ nicht gibt, sondern dass unter diesem Begriff viele unterschiedliche Tumorerkrankungen zusammengefasst sind. Deren Ursachen sind genauso unterschiedlich. Aber unabhängig davon blieb natürlich bei manchen Menschen eines hängen: Außerirdische haben die Erde besucht und sind real. Wundert sich da noch jemand, dass die übelsten Verschwörungsmythen, die eigentlich manchmal eine ganz gute Science-Fiction-Geschichte ergeben würden, als Wahrheit in den entsprechenden Kreisen verbreitet werden? Der YouTuber „Bücheronkel“ nimmt es regelmäßig auf sich, solche wirren Geschichten zu lesen und satirisch einzuordnen, zum Beispiel, wenn „Trump und die Außerirdischen … weltweit Kinder [retten]“ (Video vom Bücheronkel, hier Video bei der GWUP mit weiterführenden Links).

Dass dieser Quatsch Schaden anrichtet und angerichtet hat, ist eine Sache. Es gibt aber noch etwas, das wesentlich dunkler ist – sozusagen die dunkle Seite der dunklen Seite der Macht. Deswegen darf in dieser Aufzählung natürlich Heinrich Bölls berühmtes Werk „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (Untertitel: „Wie Gewalt entsteht und wohin sie führen kann“) nicht vergessen werden, das die bekannte Vorbemerkung enthält:

Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der Bild-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.

Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharina Blum, dtv Verlagsgesellschaft, 1. Edition (1. Januar 1976), ISBN 978-3423011501

Böll hat die Methoden dieser „Zeitung“, die er selbst am eigenen Leib erfahren musste, in seinem Roman dargestellt. Günter Wallraff hat in späteren Büchern (die Trilogie „Der Aufmacher – Der Mann, der bei BILD Hans Esser war“, „Zeugen der Anklage“ und „Das BILD-Handbuch“) bestätigt, dass es sich hierbei nicht um Versehen oder schlampige Arbeitsweisen handelt, sondern um Vorsatz. Es werden eben nicht nur hanebüchene Geschichten geschrieben, sondern tatsächliche Ereignisse verdreht und zurechtgebogen, um einem widerwärtigen Narrativ zu folgen. Es wird ein Feind ausgemacht und eine Geschichte dazu erzählt. Wenn die Fakten nicht passend, werden diese entweder passend interpretiert oder auch einfach erfunden.

Daher darf last but not least genauso natürlich eines der bekanntesten Zitate in dem Zusammenhang nicht fehlen:

Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.

Max Goldt über die Bildzeitung, Mein Nachbar und der Zynismus, in: Der Krapfen auf dem Sims, Alexander Fest Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-8286-0156-1, Seite 14

Warum schreibe ich das aber alles? Ganz einfach: Als ich damals alle diese Texte über die Arbeitsmethoden dieser „Zeitung“ las und mich daran erinnerte, wie real für mich als junger Jugendlicher die absurden Ängste waren, die in den Artikeln geschürt wurden, da verfiel ich der Illusion, dass das irgendwann ja mal vorbei sein muss. Wie kann es sein, dass ein Schmierblatt permanent das Leben und die Existenz von Menschen in den Dreck zieht und / oder vernichtet und ungeschoren davon kommt? Als ich älter wurde, in den 1980er Jahren, zeichnete sich die kommende Informationsgesellschaft bereits ab und auch in meinem Freundeskreis herrschte die Hoffnung, dass die Gesellschaft sich weiterentwickelt und sich derartiges von selbst erledigt.

Als vor einigen Jahren das „BILDblog“ gegründet wurde, war das ein erstes Zeichen, das sich das Thema nicht nur nicht „erledigt“ hatte, sondern immer noch relevant war. Die Reaktion einiger Redakteure der BILD-„Zeitung“ sprach dann auch Bände, denn trotz aller Beweise des Gegenteils wurde stramm behauptet, in den Artikeln dieses Machwerks würde nicht gelogen. Und jetzt geht es leider weiter. BILD macht ab morgen Fernsehen. Oder besser gesagt, „Fernsehen“, um im Bild zu bleiben (Pointe durchaus nicht unbeabsichtigt). Wir laufen damit tatsächlich Gefahr, anstatt einer fortgeschrittenen Gesellschaft, die vielleicht auch mal wieder zivile Diskurse über Meinungsverschiedenheiten führt, die deutsche Variante der amerikanischen Dreckschleuder „Fox News“ zu kriegen. Wie schlimm es ist und wieviel schlimmer es noch kommen wird, berichten Mats Schönauer und Moritz Tschermak bei Übermedien unter dem Titel: „Das kommt dabei heraus, wenn ‚Bild‘ Fernsehen macht„. Es handelt sich dabei um einen Auszug aus ihrem Buch „Ohne Rücksicht auf Verluste – Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet“. Und mit einem Zitat aus diesem Buch möchte ich diesen Artikel beenden:

Das hat sie offensichtlich nicht daran gehindert, heute mit dem „Todesdrama bei Familie Jauch“ aufzumachen und um den bigotten Zusatz „Traurige Weihnachten für den TV-Liebling“ zu ergänzen. Mit Verlauf: Ich verbringe kein trauriges Weihnachten, aber insbesondere meine Frau und unsere Kinder sind über Ihre Berichterstattung traurig, entsetzt und sehr wütend. Mit dieser Art widerlichen Voyeurismus knüpfen Sie an die dunkelsten Zeiten der BILD an, die ich inzwischen für überwunden hielt.

Günther Jauch in einem Brief an BILD-Chefredakteur Julian Reichelt, zitiert nach Mats Schönauer, Moritz Tschermak: Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet, Kiepenheuer und Witsch 2021, ISBN 978-3462053548, Seite 8

Nicht nur Sie, Herr Jauch, ich hatte auch gedacht, dass diese Zeiten überwunden seien. Stattdessen haben wir den Rückwärtsgang eingelegt und fahren mit Karacho darauf zu. Helft bitte mit, die Notbremse zu ziehen, bevor wir an die Wand fahren. Klärt darüber auf, was passiert. Der Artikel bei Übermedien ist dabei eine Hilfe, das dazugehörige Buch natürlich auch, genauso wie das BILDblog.

Das Buch von Mats Schönauer und Moritz Tschernak kann man hier bestellen: Ki-Wi Verlag (das ist kein Affiliate-Link, er führt direkt zur Seite des Verlags Kiepenheuer und Witsch – der Betreiber dieser Webseite erhält dafür nichts… außer vielleicht ein paar Karmapunkten, falls Ihr an dergleichen glaubt).

Hier nochmal alle relevanten Links:


1= Bevor es zum Aufschrei kommt, nein, die Verbindung zwischen den Katastrophen, die die „Planetenparade“ angeblich verursachen soll und dem täglichen Horoskop in der BILD-„Zeitung“ hat nicht die „Zeitung“ selbst hergestellt. Das habe ich hier als Witz geschrieben, denn es ist völlig gleich. Die Horoskope solcher Tageszeitungen werden nicht „ermittelt“ (oder wie auch immer die Astrologen auf ihre ständig falschen Vorhersagen kommen), die saugt sich eine Schreibkraft aus den Fingern.

Alfred Biolek’s Fliegender Zirkus

Der bekannte Talkmaster und Fernsehmacher Alfred „Bio“ Biolek ist heute verstorben. Ich möchte ihm in diesem kleinen Blog etwas Platz einräumen, denn er hat Anfang der 1970er Jahre etwas Erstaunliches geschafft: Er hat Monty Python nach Deutschland geholt. Damit war er der erste, das das gemacht hat, lange bevor die „Pythons“ sich an die Produktion von Kinofilmen wagten.

Die Produktion war die deutsche Version von „Monty Python’s Flying Circus“ und wurde entsprechend „Monty Pythons Fliegender Zirkus“ genannt. Graham Chapman, Terry Jones, John Cleese, Terry Gilliam und Eric Idle schrieben für zwei spezielle Folgen neue Sketche, völlig unabhängig von der englischen Originalserie. Für die erste dieser Folgen wurden die Sketche ins Deutsche übersetzt. Da aber die „Pythons“ auch die deutsche Fassung spielen sollten, griff man zu einem ungewöhnlichen Mittel. In einer Jubiläumssendung Jahre später beschrieb John Cleese, dass man den Comediens die deutschen Texte vorsprach und sie sprachen sie nach. „Wie Papageien“, so sagte Cleese, ohne dass sie genau wussten, was einzelne Worte oder auch Sätze bedeuten. Das merkt man manchmal, denn neben dem starken englischen Akzent hört man häufiger mal die falsche Betonung. Mein persönliches Highlight ist der Sketch mit den amerikanischen Touristen in Bayern, die ein sehr traditionelles Gasthaus besuchen. Vor jedem Gang treten zwei Ankündiger in bayerischer Tracht (Eric Idle und Graham Chapman) auf, die von traditioneller Musik begleitet werden und Sprüche bringen wie: „Wir haben die Karte übergeben in Bavaria – ja, in Bavaria, wo die Bäume aus Holz sind.“ oder „Wir haben sie (die Touristen) nass gemacht in Bavaria – ja, in Bavaria, und jetzt haben sie Schiss.“

Das Schloss von Arrgh aus dem Film „Die Ritter der Kokosnuss“ – Photo by Marleen Mulder-Wieske on Unsplash

Biolek ist in dieser Episode auch zu sehen und zu hören, zum einen spricht er den Kommentar zu einer ungewöhnlichen Olympiade (mit Disziplinen wie „Marathon der Blasenschwachen“ oder „200m-Brustschwimmen für Nichtschwimmer“) und er spielt einen Arzt in der Ärzteversion von Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“.

Anlässlich des Todes von Alfred Biolek wollte ich das nur mal angemerkt haben. Über alle anderen Erfolge des Fernsehmachers haben andere schon genug geschrieben. Natürlich kannte ich ihn von klein auf vom Fernsehen. Wieder einer „von damals“, der seinen letzten Auftritt gehabt hat.

RIP.

PHAN.PRO 153: STAR WARS – Die letzten Jedi | Eine Allegorie auf toxisches Fantum

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https://youtu.be/yqhJ9pHGU4c

Die Episode 8 der STAR-WARS-Reihe ist das, was man gemeinhin „kontrovers“ nennt. Teilweise wurden sowohl der Regisseur als auch die Schauspieler vom toxischen Teil der STAR-WARS-Fans heftig angegangen, was ein wenig tragikomisch ist, denn in diesem Film gibt einen Handlungsstrang, der von diesen toxischen Fans erzählt. Diesen Handlungsstrang wollen wir uns hier mal ansehen.

Flash Gordon – Die Hörspielreihe (1981 – 1982?)

Man kann ja nicht sagen, dass Heikedine Körting, die Chefin von EUROPA Hörspiele nicht umtriebig war. Neben Hörspielkultserien wie „Die drei ???“, „TKKG“ oder „Fünf Freunde“ produzierte sie für das Label noch Serien zu Kinofilmen, zum Beispiel „James Bond“ und „A Nightmare on Elm Street“ (!). Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle die Hörspiele von Flash Gordon, die im Zug des Filmes von Dino DeLaurentiis erschienen.

Tatsächlich hatte es zuvor schon Mitte der 1970er Jahre Flash-Gordon-Hörspiele gegeben. Aber erst mit dem Kinofilm nahm das richtig Fahrt auf. EUROPA war das Meisterstück gelungen, nicht nur die Rechte an der Handlung zum Flash-Gordon-Film und dessen Titellied (!) zu erwerben, sondern auch die Rechte für eine Fortführung der Reihe, basierend auf den Comics von Alex Raymond. So sind insgesamt 10 Folgen entstanden, bevor die Reihe endete, ohne die Handlung zu einem Ende zu bringen. Schauen wir mal kurz drüber.

Photo by mayte wisniewski on Unsplash
  1. Flash Gordon – Der Superstar im Reich der Sterne: Diese Folge deckt die Handlung des Kinofilms ab – Flash Gordon, Doktor Zarkov und Dale Arden fliegen nach Mongo, treffen auf Barin und Vultan und mit ihrer Hilfe stürzen sie den Imperator Ming. Ming verschwindet durch die magische Kraft seines Rings. Am Ende des Hörspiels fällt Flash auf, dass jemand den Ring mitgenommen haben muss.
  2. Mings Rückkehr: Diese Folge dient als unmittelbare Fortsetzung der Kinofilmhandlung – Ming kehrt mit der Hilfe seines magischen Rings zurück. Flash und seine Gefährten setzen alles daran, den Ring zu zerstören, um Ming eine erneute Rückkehr zu verwehren. Zwei Dinge sind in diesem Hörspiel interessant, zum einen wird der von F. J. Steffens gesprochene Magier, der Ming mit Hilfe des Rings zurückholt, als „klein, grün und mit Ohren wie ein Esel“ beschrieben – was so grob dem Aussehen von Yoda aus „Star Wars“ entspricht. Zum anderen ist die Verräterin, die Mings Ring an sich bringt und so dessen Rückkehr erst ermöglicht, eine Person mit Namen Gräfin Sonja. Dabei handelt es sich um eine Figur, die im dritten Flash-Gordon-Serial von 1940 eingeführt wurde, dort ist sie eine Spionin für Ming in Barins Palast. Die Episode wurde geschrieben von H. G. Francis, der sich unter anderem einen Namen als Autor der Science-Fiction-Reihe „Perry Rhodan“ machte.
  3. Die Sklavenjäger des Ming: Flash Gordon und seine Gefährten sind auf der Flucht vor Ming. Unterschlupf finden sie bei Barin in Arboria (oder auf Arboria?). Aber auch hier sind sie vor Nachstellungen nicht sicher. Doktor Zarkov wird zudem von einem wilden Tier (einem wilden Eichhörnchen!) gebissen und muss zur Behandlung ins Eisland Frigia.
  4. Sieg über tödliche Gefahren: Ming hält Flash Gordon für tot und streckt seine Klauen nach Arboria aus. Sein Ziel: Er will das Kind von Barin und Aura, also seinen Enkel, in seine Hand bekommen. Flash hat allerhand zu tun, um das zu verhindern. Schließlich erfährt Ming jedoch, dass sein Todfeind noch lebt und Gordon beschließt, Arboria zu verlassen, um Barin, Aura und ihren Sohn nicht in Gefahr zu bringen.
  5. Die Verräterin aus dem ewigen Eis: Flash Gordon und Dale Arden gehen in den Norden, ins Königreich Frigia. Die Herrscherin hier ist Königin Fria, eine glühende Anhängerin von Ming. Flash muss also seine wahren Ansichten vor ihr verbergen, während es gleichzeitig darum geht, einen geheimnisvollen Attentäter zu überführen. Außerdem treffen er und Dale Arden Doktor Zarkov wieder.
  6. Brukka, der Feuergott: Auch im hohen Norden findet Flash keine Ruhe – Dale und Zarkov sind in die Hände der Riesen gefallen, die einem unheimlichen Wesen, dem „Feuergott“ dienen. Flash und Fria müssen zusammenarbeiten, um die Freunde zu retten.
  7. Das grüne Ungeheuer: Ein riesiges Tentakelmonster bedroht Frigia. Flash, Dale, Zarkov, Fria und ein Team machen sich auf, es zu bekämpfen. Dabei kommt es allerdings zum Konflikt zwischen Fria und Dale, der Grund ist – wie es damals so üblich war – natürlich Flash. Am Ende des Hörspiels sehen Flash und seine Freunde ein, dass sie Frigia verlassen müssen, während Fria Rache schwört und vorhat, Ming einzuschalten.
  8. Flucht zur Erde: Der Verrat von Fria kommt gleich am Anfang der Episode zum Tragen, Dale wird von Ming entführt, um Flash Gordon in eine Falle zu locken. Außerdem plant Ming einen Angriff auf die Erde. Flash hat nicht mehr sehr viel Zeit, doch dann macht er die Zeit zu seinem Verbündeten. Am Ende dieser Episode wird Ming (offenbar) hinters Licht geführt und dazu gebracht, sein eigenes Raumschiff zu sprengen, was das erneute Ende des Diktators bedeutet. Oder tut es das?
  9. Die Bestie aus dem Weltall: Zurück auf der Erde werden Flash Gordon, Dale Arden und Doktor Zarkov Zeuge merkwürdiger Ereignisse. Ein amerikanisches Schiff wird von amerikanischen Flugzeugen beschossen. Die Besatzung des Schiffes macht einen merkwürdigen Eindruck. Schließlich stellen unsere Helden fest, dass diese unter dem Einfluss eines fremden Wesens stehen, das Menschen als Wirtskörper für die Eiablage braucht.
  10. Das Tor des Unheils: Flash Gordon goes „Stargate“ – und das lange bevor es „Stargate“ überhaupt gab. Auf der Erde wird ein Teleportertor errichtet. Das Gegenstück dazu steht auf Mongo und wie Flash und seine Gefährten von Königin Fria erfahren, wurde Ming in Folge 8 wohl doch nicht in die Luft gesprengt, er lebt und will jetzt die Erde erobern. Flash gelingt es, das Teleportertor zu sprengen…

…doch dann war es vorbei. Folge 10 war die letzte der Reihe, schnörkellos wurde sie beendet, ohne die Erzählstränge zu einem Ende zu bringen. Es gibt Gerüchte, dass noch weitere Hörspiele produziert wurden, aber die Verkäufe wohl soweit zurückgegangen waren, dass sich eine Veröffentlichung nicht mehr gelohnt habe. Ob es diese Produktionen wirklich gegeben hat, weiß ich nicht (und selbst wenn, stellt sich immer noch die Frage, wie weit fortgeschritten die Produktion schon war – waren die Folgen wirklich schon fertig produziert, oder befanden sie sich noch in einer Vorstufe?). Auf jeden Fall schienen EUROPA die Verkaufszahlen von „Flash Gordon“ nicht mehr zu passen und man zog den Stecker.

Die Qualität der Hörspiele, die allesamt aus der Feder von besagtem H.G. Fancis stammen, ist unterschiedlich, aber meiner Meinung nach ist kein „Totalversager“ dabei. Was aus heutiger Sicht so ein bisschen merkwürdig wirkt, ist diese ständige Eifersüchtelei zwischen den verschiedensten weiblichen Figuren, die sich allesamt um Flash streiten. Davon abgesehen hat die Serie sehr spannende Momente.

Natürlich – wie man das von einer EUROPA-Produktion erwartet – wirkten auch hochkarätige Sprecher mit: Horst Frank, ein bekannter Schauspieler und Charakterdarsteller mit markanter Stimme, war der Erzähler. Flash Gordon wurde von Lutz Mackensy gesprochen, den man ungefähr zur gleichen Zeit im Fernsehen in der Serie „Der Androjäger“ sehen konnte und der später Horatio Caine in der deutschen Version von „CSI: MIAMI“ seine Stimme lieh. Doktor Zarkov (diesmal ohne Vornamen) bekam seine Bassstimme von Gottfried Kramer, der in der Hörspielreihe von „Tim und Struppi“ bei Maritim Kapitän Haddock sprach. Heidi Schaffrath war die Sprecherin von Dale Arden, deren ebenfalls markante Stimme in vielen Hörspielen, Synchronrollen und anderen Audioproduktionen zu hören war. Und last but not least Jürgen Thorman, der Imperator Ming nicht nur im Hörspiel, sondern auch im Kinofilm sprach (er ist übrigens der einzige Sprecher, der aus der Kinofilmproduktion in die Hörspielreihe wechselte1).

Die Musik stammte aus dem Archiv von EUROPA, deswegen hörte man auch so viele Melodien, die man zum Beispiel auch von den „Drei ???“ kannte. Einzig das Titellied, eine Coverversion von „Flash“ von Queen, blieb natürlich dieser Reihe vorbehalten.

H.G. Francis hat sich bei der Bearbeitung des Stoffes „Flash Gordon“, teilweise sehr exakt an die Vorlagen von Alex Raymond gehalten. Dabei sind ein paar Dinge mit reingerutscht, die heute natürlich etwas merkwürdig antiquiert wirken. Sagen wir es mal so, den Bechdel-Test würden wahrscheinlich nicht alle Folgen so ganz bestehen. Würde man so eine Reihe heute produzieren, müsste man da mehr überarbeiten und vor allem für mehr Konsistenz sorgen. Raymond hat eben, das habe ich auch schon geschrieben, eher spontan gearbeitet.

So verbreiten diese Hörspiele heute einen gewissen Hauch von Nostalgie.


1= Interessanterweise hat man in der deutschen Variante des Films noch mehr den Bezug zu „Star Wars“ hergestellt. Man findet fast alle Synchronsprecher von Hauptfiguren aus dem einen auch im anderen Film, nämlich Hans-Georg Panczak (Luke Skywalker / Flash Gordon), Wolfgang Pampel (Han Solo / Prinz Vultan), Heinz Petruo (Darth Vader / Klytus) und Frank Glaubrecht (Prinz Barin / Lando Calrissian).

Flash Gordon (1980)

Auch wenn es aus deutscher Perspektive so gewirkt hat, aber Flash Gordon war nie wirklich so ganz weg. Wie ich in den anderen Artikeln schon schrieb, lief die Comicserie munter weiter. Nach den Serials der 1930/40er Jahre wurden noch weitere Serien – diesmal fürs Fernsehen – produziert. Außerdem wurden die Serials zunächst zu Filmen umgearbeitet, dann aber ebenfalls im Fernsehen ausgestrahlt. Damit sie nicht mit der laufenden Fernsehserie „Flash Gordon“ verwechselt wurden, erhielten sie eine neue Titelergänzung, nämlich das Wort „Space Soldiers“. Das erste Serial hieß damit also vollständig „Flash Gordon – Space Soldiers‘ Adventures on Planet Mongo“, das zweite „Flash Gordon – Space Soldiers‘ Trip to Planet Mars“ und das dritte „Flash Gordon – Space Soldiers conquer the Universe“.

Eigentlich war es dann George Lucas, der Flash Gordon zurück auf die große Leinwand bringen wollte. Aber er konnte die Rechte nicht erwerben und schrieb daher „Star Wars“. In „Star Wars“ sieht man schon die Inspirationen, die Lucas eindeutig aus den alten Serials bekam. Am deutlichsten ist das zu sehen an dem Vorspann mit der davonfliegenden Schrift, das wurde nämlich bereits in „Flash Gordon conquers the Univers“ und in dem 1939 erschienenen Serial „Buck Rogers“ gemacht. Aber der Erfolg von Lucas‘ Film führte dazu, dass Ende der 1980er Jahre wieder ein Kinofilm mit Flash in Angriff genommen wurde, produziert von Dino DeLaurtentiis.

Photo by Philippe Van Doninck on Unsplash

Die Handlung: Der Mond gerät langsam aus seiner Bahn und nähert sich der Erde. Das verursacht eine Reihe von Naturkatastrophen auf dem Planeten. Niemand außer dem ehemaligen NASA-Wissenschaftler Doktor Hans (sic!) Zarkov hat eine Erklärung, und dessen Erklärung klingt arg weit hergeholt: Eine außerirdische Macht greift die Erde an. Er baut eine Rakete, doch Munson, sein Assistent, weigert sich, einzusteigen und läuft davon. Zufällig macht aber ein kleines Flugzeug eine Notladung bei seinem – besser gesagt, in seinem – Labor. An Bord befinden sich der Football-Spieler Flash Gordon (Quarterback bei den New York Jets) und die Reiseleiterin Dale Arden. Zarkov zwingt sie unter Waffengewalt in seine Rakete, da er jemanden braucht, der mit ihm die Kontrollen bedient.

Eigentlich will er Gordon gehen lassen1, damit er der Welt berichtet, dass Zarkov unterwegs ist, den Angriff abzuwehren, aber ersterer versucht, den Doktor zu überwältigen. In dem Handgemenge prallt Zarkov gegen den Startknopf und die Rakete fliegt mit allen drei an Bord ins All.

Sie geraten in ein fremdes Kraftfeld, den „imperialen Vortex2„, in dem die seltsame Welt Mongo liegt, dem Herrschaftsbereich von Ming dem Gnadenlosen. Kaum gelandet werden sie auch schon dem Herrscher vorgeführt, in dessen Palast gerade eine Audienz stattfindet. Flash macht eine unbedachte Bemerkung, dass er Ming für einen „armen Irren“ hält. Ein Roboter gibt sie sofort an den Diktator weiter. Ming will Dale Arden für sich als „Kaiserin der Stunde“, Zarkov soll umprogrammiert werden und in der Geheimpolizei arbeiten und Flash soll hingerichtet werden. Die Hinrichtung findet auch statt, aber Mings Tochter Aura hat Gefallen an dem Erdenmann gefunden und funkt dazwischen. Sie bringt Flash zu ihrem Geliebten, Prinz Barin von den Baummenschen. Hier erlebt der Erdling einige Abenteuer und bringt schließlich einige Bewohner Mongos gegen Ming auf.

„Flash Gordon“ ist ein besonderes Erlebnis als Film. Die Ästhetik ist sehr den Comics von Alex Raymond angepasst, die Handlung in gewisser Hinsicht allerdings in die Gegenwart geholt. Es ist nun also kein fremder Planet / Komet mehr, der sich der Erde nähert, sondern Ming, der „seine geistigen Kräfte“ auf den Erdmond projiziert. Außerdem sind ein paar Figuren dazugekommen, die der Comic (und die Serials) nicht kannten: Klytus beispielsweise, die linke Hand des Imperators. Es ist fast ein Witz, aber Klytus wurde eindeutig von Darth Vader aus „Star Wars“ inspiriert, auch er trägt eine Maske und… nunja, ist die linke Hand eines Imperators. Allerdings hat Klytus‘ Maske ein bewegliches Kinnstück, bei dem man ihn reden sieht. So gesehen hat also ein Film, der von „Flash Gordon“ inspiriert wurde, wiederum einen Film über Flash Gordon inspiriert.

General Kala, die Kommandantin der Palastwache, stammt ebenfalls nicht aus den Comics. Ansonsten treffen wir Prinzessin Aura, Prinz Barin und Prinz Vultan von den Falkenmenschen wieder. Der Film folgt den Ereignissen aus Comic und Serial „so ungefähr“, Flash begegnet Barin, beide werden zu Vultan in seine schwebende Stadt gebracht, von dort aus geht es quasi zum Angriff auf Mings Palast. Das ganze wird mit passendem Pathos und – wie schon erwähnt – mit passender Kulisse und passenden Kostümen erzählt.

Zwei neue Elemente der Handlung, die ich besonders raffiniert finde, sind Zarkovs Tragödie und Mings Versuch, Flash auf seine Seite zu ziehen. Zarkovs Tragödie besteht darin, dass dieser erfährt, dass er genau das Falsche gemacht hat. Der Angriff auf die Erde war kein wirklicher Angriff, sondern nur ein Test. Hätten die Erdbewohner es für Naturkatastrophen gehalten, wäre alles gestoppt worden und sie wären verschont geblieben. Da Zarkov aber bewiesen hat, dass die Bewohner der Erde fähig sind, Raketen zu bauen und ihm – Ming – gefährlich werden können, muss die Erde vernichtet werden.

Der Versuch Mings, Flash auf seine Seite zu ziehen, geschieht, nachdem der Imperator die flüchtigen Erdenmenschen in Vultans Stadt gestellt hat. Er bietet Flash ein Königreich an. Nicht irgendein Königreich, sondern die Erde! Ming geht davon aus, dass die Erdenmenschen leicht zu regieren sind, nachdem sie kurz vor der Vernichtung standen. Flash lehnt natürlich ab.

Am Ende gibt es da noch etwas, das ich schon als Kind nicht verstanden habe, aber da war ich wohl eindeutig Captain-Future-geschädigt. Als der Angriff auf Mings Palast beginnt, stellt Flash eine Uhr ein, auf dem man sehen kann, wieviel Zeit der Erde noch bleibt. Mir stellten sich dabei zwei Fragen: Erstens, woher weiß Flash, wieviel Zeit der Erde noch bleibt? Und zweitens: Zeit noch bleibt bis was genau passiert? Und hier spielt meine Erfahrung von „Captain Future“ eine Rolle, dort wurde nämlich erklärt (Lernen durch Science Fiction, yeah!), dass es eine Grenze gibt, wenn sich zwei Himmelskörper einander nähern. Wird diese so genannte Roche-Grenze unterschritten, bricht der kleinere Himmelskörper unter der Einwirkung der Gezeitenkräfte des größeren auseinander. Da der kleinere Himmelskörper aber davor schon zusammengestaucht wird, kann man nicht „den einen“ Punkt ausmachen, ab dem dieser Himmelskörper auseinanderbricht, er fängt bei Annäherung quasi an zu zerbröseln, bevor seine Stabilität den Gezeitenkräften nicht mehr standhält und er ganz auseinanderfällt. Würde der Mond sich der Erde nähern, wäre die Roche-Grenze rechnerisch irgendwo zwischen 18.000 und 9.000 Kilometer von der Erde entfernt (der Mond ist normalerweise zwischen 350.000 und 400.000 Kilometer entfernt3). Da der Mond aber ein relativ unflexibles Stück Felsen ist, würden schon vor der Roche-Grenze große Stücke aus ihm herausbrechen, mit der gleichen Geschwindigkeit auf die Erde zustürzen und dort große Verwüstungen verursachen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Gezeitenkräfte des sich nähernden Mondes natürlich auch Auswirkungen auf die Erde hätten. Man muss es den Drehbuchautoren anrechnen, dass sie etwas neues in die Geschichte einbrachten (statt dieser „Komet / Planet, der sich der Erde nähert“-Geschichte), aber die Idee mit dem sich nähernden Mond war wohl nicht ganz zu Ende gedacht. Haben die sich vorstellt, dass nichts passiert, solange sich Mond und Erde nicht berühren? Das Gegenteil wäre der Fall, auch wenn der Mond kurz vor der Roche-Grenze wieder „umkehrt“, würden die Trümmerstücke auf der Erde großen Schaden anrichten. Außerdem hätte sich die Masse des Mondes reduziert und damit auch die Balance, in der sich Erde und Mond derzeit befinden.

Vermutlich denke ich zu viel drüber nach. Aber sowas hat mich tatsächlich damals schon beschäftigt. Meinen Spaß an dem Film hat es nicht getrübt.

Eine Sache noch: Flash Gordon kommt, wie ich auch schon bemerkte, aus einer recht rassistischen Vergangenheit. In diesem Film ist davon bis auf die Namensgebung allerdings nichts mehr übrig. Ming der Gnadenlose wird nicht als Asiate dargestellt, der Schauspieler, der ihn spielt, ist der Schwede Max von Sydow. Er hat zwar – wie in den Comics – eine Glatze und die Augenbrauen sind geschminkt, um Ming ein leicht teuflisches Aussehen, aber mehr ist da nicht. In späteren Inkarnationen hat man Ming sogar grüne Hautfarbe gegeben, um ihn völlig außerirdisch wirken zu lassen.

Der Film „Flash Gordon“ war eindeutig darauf hingearbeitet, dass er eine Fortsetzung erhalten sollte. Der Darsteller von Prinz Vultan, Brian Blessed, hat bei einer Convention gesagt, der zweite Teil sollte der Handlung des Serials von 1938 folgen und Flash gegen Ming und Azura, die Königin der Magie, kämpfen. Ming wiederum sollte durch seine eigenen magischen Kräfte überleben. Am Ende des Films wurde er von Gordon schwer verletzt, so dass er seinen eigenen magischen Ring gegen sich selbst richtete und sich scheinbar auflöste. In der allerletzten Szene vor dem Abspann, während schon der Schriftzug „The End“ eingeblendet ist, sieht man allerdings, wie eine fremde Hand den Ring aufhebt. Neben dem „The End“ erscheint ein Fragezeichen und man hört Mings Lachen. Dann beginnt der Abspann. Eigentlich ist es schade, dass es nie zu einer offiziellen Fortsetzung kam. Die Gründe, die die Fortsetzung verhinderten, werden je nach Quelle unterschiedlich angegeben.

Und last but not least: die Filmmusik. Die geniale Musik von „Flash Gordon“ stammt von Brian May, dem Komponist von Queen. Auch ohne den Film dürften viele Leute das von Freddie Mercury gesungene „Flash! A-haaa!“ des Titelliedes kennen. Es war ein genialer Schachzug, den Soundtrack von einer Rockgruppe schreiben und singen zu lassen und so für noch mehr Verbreitung zu sorgen.

Der Film feierte dieses Jahr sein 40jähriges Jubiläum. Und jetzt fühle ich mich alt. Deswegen möchte ich diesen Artikel jetzt beenden, denn alte Menschen müssen früh ins Bett. Mir gefällt der Film, was mit Euch ist, weiß ich nicht, ich kann mich nicht um alles kümmern.


1= Zarkov will Gordon gehen lassen, weil Dale leichter ist. Wenn man es genau bedenkt, eigentlich eine logische Entscheidung.

2= Im deutschen wird „kaiserliche Galaxis“ daraus. Ein „Vortex“ ist schlicht und ergreifend ein Wirbel und so wie es aussieht, sollte es sich dabei tatsächlich weder um ein fremdes Sonnensystem noch um eine Galaxis handeln, sondern um etwas, mit dem Ming in der Lage ist, durch das Weltall zu „reisen“.

3= Alle Werte gerundet.

Flash Gordon erobert das Universum (Flash Gordon conquers the Universe, 1940)

Im Artikel über das erste Serial habe ich positiv angemerkt, dass der Rassismus, der im Originalcomic zweifelsohne vorhanden ist, zurückgefahren wurde. Man sah zwar die Anklänge an das Original noch, aber nicht in der drastischen Form. Gleichzeitig waren die Serials mehr auf Abenteuer und Spaß auf, als auf alles andere. Das änderte sich mit dem dritten Serial, denn die Situation der Welt hatte sich geändert.

Die Handlung: Die Erde wird erschüttert durch Unruhen, Kriege und Gerüchten über noch größere Kriege, die da kommen sollen. Mitten hinein in diese Lage kommt noch eine Pandemie, Menschen, die plötzlich an einer rätselhaften Krankheit sterben. Da die Toten einen purpurnen Fleck auf der Stirn haben, nennt man die Krankheit den „Purpur-Tod“ (Original: „purple death“). Doktor Zarkov, unterstützt von Flash Gordon und Dale Arden, unternimmt erneut eigene Forschungsarbeiten, die diesmal aber von den Wissenschaftlern der Erde unterstützt wird. Zarkov vermutet, dass die Krankheit aus dem Weltraum kommt und auf einem Erkundungsflug mit seinem Raumschiff stellen sie fest, dass die Theorie stimmt. Sie bringen ein Raumschiff auf, dass einen mysteriösen Staub in die Erdatmosphäre entlässt. Als sie diesem folgen, stellen sie fest, dass es vom Planeten Mongo kommt. Dort gelandet erfahren sie die schlechte Nachricht: Ming ist wieder zurück und er hat ein Terrorregime errichtet. Seine Feinde lässt er in Todeslager („concentration camps“ – sic!) sperren, besonders rebellische Menschen werden mit dem so genannten „Todesstaub“ in „Staubkammern“ („dust chambers“) hingerichtet. Gerade hat einer von Mings perfiden Wissenschaftlern den Todesstaub noch raffinierter gemacht: Er bringt nicht einfach alle Menschen um, sondern nur die von hohem Intellekt. Die tumben, einfachen, die eher nicht rebellieren und leichter zu kontrollieren sind, bleiben am Leben, damit sie als Sklaven dienen können.

Auf Mongo hat sich ein Widerstand gebildet, bestehend aus den Königreichen Arboria von Prinz Barin und dem Königreich Frigia unter Königin Freya. Zusammen mit ihnen will Flash Gordon alles unternehmen, um Ming ein für allemal zu stürzen.

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Es ist das Jahr 1940. Ursprünglich war die Stimmung in den USA mal, in dem seit 1939 stattfindenden Krieg in Europa neutral zu bleiben. Doch mit dem Vordringen von Nazi-Deutschland kam immer mehr die Meinung auf, dass man die Alliierten zumindest moralisch unterstützen müsste. In diesen Zeiten kamen auch immer mehr Filme und Comics auf, die bei Licht betrachtet als Propaganda eingestuft werden müssen. „Flash Gordon erobert das Universum“ ist eindeutig so ein Werk. Die Begriffe, die benutzt werden, sind deutlich („concentration camp“ oder auch „dust chamber“, das phonetisch an „gas chamber“ erinnert), sowie Mings Attitüde, zum Herrscher des Universums zu werden. Überhaupt, auch seine ganze Ausstattung – im Artikel über den Comic Flash Gordon habe ich eine mir heute unbekannte Quelle zitiert, die sagte, wenn Raymond den Comic zehn Jahre später erfunden hätte, würden die Bösewichte nicht wie Asiaten aussehen, sondern wie Deutsche. In diesem Serial sehen wir das deutlich, selbst Ming trägt eine Uniform, die an Preußen erinnert, einschließlich Hut mit Federbusch. Und noch etwas – Ming nennt seine Soldaten jetzt „Sturmtruppen“.

In seinem Wahn sagte Ming doch, ER sei das Universum. Nun, dann kann ich hiermit vermelden: Flash Gordon hat das Universum erobert.

Doktor Zarkov versucht in letzter Sekunde den Titel des Serials noch so zu erklären, dass es nicht allzu gewalttätig klingt

Auch die Handlung und andere Personen strotzen nur so von Anspielungen. Prinz Barin und seine Gefolgsleute von Arboria sollen eindeutig Engländer sein, sie sehen aus, als seien sie geradewegs einen Robin-Hood-Film entsprungen. Und da in den Produktionen Requisiten und Kostüme gerne mal wiederverwendet wurden, kann das sogar sein, die Arborianer tragen die bekannten Kostüme mit Strumpfhosen (!) und die dreieckigen Hüte mit Feder dran („Jägerhut“ / „woodsman hat“). Manche sind sogar mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Die Frigianer hingegen stehen für die Russen, in ihrem Königreich ist ewiger Winter und sie tragen Pelze und Fellmützen.

Zuletzt ist da natürlich Flash Gordon, der als Sinnbild für die Amerikaner steht. Das kann man sogar sehr direkt sehen, denn Gordon und seine Freunde greifen erst in den Konflikt auf Mongo ein, als die Erde betroffen ist. So war es auch mit Amerika.

Das Serial umfasst zwölf Episoden, die erste kam am 3. März 1940 in die Kinos. Nachdem alle zwölf Episoden gezeigt worden waren, dauerte es allerdings noch bis zum Jahr 1941, bevor Amerika in den Zweiten Weltkrieg eingriff.

Was in dem Serial noch auffällt, ist der Umstand, dass einige Schauspieler ausgetauscht worden sind. Nachdem Prinzessin Aura, Mings Tochter, im zweiten Serial gar keine Rolle spielte, wurde sie hier von einer anderen Schauspielerin dargestellt. Dale Arden und Prinz Barin hatten ebenfalls andere Darsteller. Dafür blieb es bei der Besetzung von Flash Gordon, Doktor Zarkov und Imperator Ming.

Zur deutschen Synchronisation gibt es zu sagen, dass diese nicht im Zuge der Synchro mit den ersten beiden Serials stattfand, und das aus Gründen. Es verhält sich so ähnlich wie mit der Star-Trek-Nazi-Episode „Schablonen der Gewalt“ („Patterns of Force“), auch wenn die Nazi-Symbolik bei Flash Gordon nicht ganz so deutlich ist. Da man aber befürchtete, dass ein jüngeres Publikum das nicht verstehen würde, ließ man es einfach weg. Erst als die ganze Serie umgeschnitten wurde fürs Privatfernsehen (also rund 10 Jahre später), machte man sich an die Übersetzung des noch verbliebenen Serials. Dabei wurde lediglich der Synchronsprecher von Flash Gordon beibehalten, alle anderen wiederkehrenden Rollen wurden neu besetzt.

Leider findet man im Internet zu der deutschen Synchronisation von „Flash Gordon erobert das Universum“ so gut wie nichts, deswegen kann ich dazu weiter nichts sagen. Für mich bietet das Serial einen spannenden Einblick in die Welt der 1940er Jahre und wie reale Ereignisse direkten Einfluss auf Filmhandlungen nahmen. Die Handlung für sich genommen bringt den Pathos nochmal zu Höhenflügen, da es einige Figuren gibt, die bereit sind, fröhlich den Tod zu erleiden, wenn es nur hilft, den Diktator zu stürzen.

Serial 3 war das letzte Flash-Gordon-Serial, das in dieser Form produziert wurde. In den USA war Flash nicht totzukriegen, aber wie ich schon erwähnte, der Sprung nach Europa war schwierig. In Deutschland wurden nach dem Krieg ein paar Comics unter dem Titel „Blitz Gordon“ veröffentlicht, aber das war’s dann erstmal.

Flash Gordon nahm hier erst Fahrt auf, als der Kinofilm kam…

Flash Gordons Flug zum Mars (Flash Gordon’s Trip to Mars, 1938)

In den 1980er Jahren wurden im Rahmen von „Opas Weltraumkino“ die ersten beiden Flash-Gordon-Serials meistens direkt hintereinander ausgestrahlt. Das heißt, kaum war das eine mit seiner Episode 13 beendet, fing das zweite mit Episode 1 an. In die Kinos kam es damals 1938, zwei Jahre nach dem ersten, um an dessen Erfolg anzuschließen.

Die Handlung: Die schließt direkt an die Serie 1 an, Flash Gordon, Dale Arden und Doktor Zarkov sind auf dem Rückweg von Mongo zur Erde. Nach ihrer Landung werden sie von der Öffentlichkeit frenetisch gefeiert, da sie ja die Erde gerettet haben. Zarkov hält ein paar Vorträge über die Möglichkeit von Leben auf fremden Planeten, aber im Lauf der Zeit übernehmen andere Dinge die Schlagzeilen des Planeten. Es häufen sich nämlich immer mehr Naturkatastrophen, worauf sich die Wissenschaftler der Welt keinen Reim machen können. Sie diskutieren und debattieren, lediglich Zarkov hält sich zurück und verfolgt eine eigene Theorie.

Dem Reporter Happy Hapgood kommt es komisch vor, dass man nichts von Zarkov hört und macht diesen ausfindig. Tatsächlich ist er auf die Ursache der Naturkatastrophen gekommen, von einem anderen Planeten aus wird ein Energiestrahl ausgeschickt, der Nitron1 aus der Erdatmosphäre absaugt und damit das Gleichgewicht außer Balance bringt. Zarkov vermutet, dass der Energiestrahl von Mongo kommt (womit sich die Frage stellt, wo sich Mongo derzeit befindet, offenbar ja noch im Sonnensystem). Er rüstet seine Rakete auf und macht sich mit Dale Arden und Flash Gordon auf den Weg in den Weltraum.

Als sie die Stratosphäre erreichen, stellen sie fest, dass Happy Hapgood als blinder Passagier mit an Bord gekommen ist und sie nun begleiten muss. Als zweite Überraschung muss Zarkov erkennen, dass der Energiestrahl nicht von Mongo, sondern vom Planeten Mars kommt. Sie lenken ihr Schiff dorthin und finden verschiedenes heraus. Herrscherin des Mars ist Azura, die Königin der Magie. Ming, dem Feuer nichts anhaben kann (so ist er dem Feuertempel entkommen), ist auf den Mars geflohen und hat sie beschwatzt, ihm zu helfen. Sein Plan ist erstmal, Rache an der Erde zu nehmen. Das tut er mit der Nitronlampe. Ein Nebeneffekt ist, dass aus dem gewonnenen Nitron Waffen hergestellt werden können. Um Herrscherin über den Planeten Mars zu werden, hat Azura den rechtmäßigen Herrscher, König Clay, von seinem Thron verjagt und ihn und seine Gefolgsleute in „tönerne Menschen“ verwandelt. Flash Gordon und die Seinen nehmen den Kampf gegen Ming und Azura auf und versuchen, König Clay zu seinem Recht zu verhelfen. Unerwartete Unterstützung erhalten sie dabei durch den von Mongo gekommenen Prinz Barin.

Das muss an der Zusammensetzung der Atemluft in diesen Höhlen liegen. Dadurch wird Fleisch in Ton verwandelt.

Eine wissenschaftliche Erklärung von Doktor Zarkov, die so viele Fragen aufwirft

An der Handlung merkt man schon, dass speziell in diesem Serial Science Fiction und Fantasy ganz stark gemischt sind. Auf der einen Seite sind da Doktor Zarkov und auch Ming, die mit (pseudo)wissenschaftlichen Methoden arbeiten, auf der anderen Seite ist da Azura, die zaubern und Menschen eben auch mal in Kreaturen aus Ton verwandeln kann. Beide Richtungen sind aber eindeutig in Richtung Fantasy geschrieben. So kann Azura zwar zaubern, aber auch Zarkov kann eigentlich alles mit Hilfe der Wissenschaft bewerkstelligen. So gelingt es ihm zum Beispiel binnen kürzester Zeit in Mings Labor aus einer kleinen Probe Nitron eine Waffe herzustellen, die einen Lähmungsstrahl ausschickt. Hierbei kommt es zu einem – aus heutiger Sicht – lustigen Dialog. Zarkov zeigt Flash einen Glaskolben, der die letzten Reste von Nitron (hier in flüssiger Form) enthält. Dann drückt er Flash den Kolben in die Hand und fragt, ob er das „prickelnde Stechen“ fühlt. Als Flash bejaht, sagt Zarkov, das sei Radioaktivität. Realistisch betrachtet: Würde Flash die Radioaktivität in den Kolben in Form von „prickelndem Stechen“ auf der Haut fühlen, würde es wahrscheinlich nicht lange gehen und er und Zarkov würden an der Strahlenkrankheit sterben.

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In einer anderen Szene sehen wir ein Beispiel für den Alltagsrassismus in den USA der Zeit. Vermutlich hat sich keiner der Beteiligten irgendwas dabei gedacht, diese Szene so mit in das Serial aufzunehmen, aber wenn man sie sich heute im Original anschaut, lässt sie einen zusammenzucken.

Wovon rede ich? In der ersten Episode versucht Happy Hapgood rauszukriegen, wo Zarkov und Gordon sind. Dazu klingelt er bei Zarkovs Wohnung. Ein Diener macht auf, ein Afroamerikaner in weißer Dienstbotenkleidung. In der deutschen Version kam es mir etwas komisch vor, weil man sehr deutlich sieht, dass die Lippenbewegungen überhaupt nicht zum Text passen und der Synchronsprecher an manchen Stellen sehr langsam sprechen muss. Wenn man sich die Originalfassung ansieht, wird auch klar, warum – der Diener wird als stereotyper, tumber [N-Wort2]-Boy dargestellt. Er redet ungelenk und als Happy zu ihm sagt, er habe ein Telegramm vom Botschafter von Mesopotamien, da kann er mit dem Namen so gar nichts anfangen3.

Wo wir gerade von Stereotypen reden: Azura, die Königin der Magie, fällt da so ein bisschen heraus. Dale Arden war im ersten Serial hauptsächlich die „Frau in Not“ („damsel in distress“), die sich retten lassen musste. Azura ist die eigentliche Herrscherin des Mars und wagt es schließlich auch, sich Ming entgegenzustellen. Dale bleibt hingegen wieder etwas eindimensional, tatkräftig unterstützt in dieser Serie von Happy Hapgood, der so ein bisschen die Rolle des Nebendarstellers, der für die Lacher zuständig ist („comic relief“), einnimmt.

An einer anderen Stelle läuft die Handlung auf einmal etwas aus dem Ruder. Wir lernen im Verlauf der Geschichte die so genannten „Baummenschen vom Mars“ kennen, die – der Name sagt es – auf Bäumen leben und eine primitive, archaische Kultur zu haben scheinen. So wissen sie zum Beispiel nicht, was eine Kamera ist. Als Hapgood einen Schrein der Baumleute fotografiert und Azura aus der Ferne den Schrein zerstört, beschuldigen sie Happy, mit seinem „Zauberkasten“ an der Zerstörung Schuld zu sein. Die Baumleute scheinen auch sonst keine Technologie zu haben. Aber ziemlich am Ende des Serials, als Ming die Macht über den Mars übernommen hat, da schickt er Bomber mit Nitron und Waffen zu den Baummenschen, damit diese gegen König Clay und die tönernen Menschen kämpfen. Wie können die Baumleute mit Raumschiffen und modernen Waffen umgehen können sollen, wird irgendwie nicht beantwortet.

Trotz all diesen Schwächen, die daher kommen, dass man manche Dinge in den 1930er Jahren einfach noch nicht wusste, ist es wieder eine spannende Abenteuergeschichte. Außerdem – und das habe ich bei der Besprechung des ersten Serials noch gar nicht erwähnt – ist alles so wunderschön pathetisch. Die Spezialeffekte haben sich wieder etwas weiterentwickelt, sehr schön zu sehen bei dem Effekt mit der „Lichtbrücke“, bei der die Figuren die Distanz zwischen zwei Gebäuden quasi auf einem „soliden Laserstrahl“ überwinden.

Wegen des großen Erfolgs der ersten Serie gönnte man dieser ein bisschen Zuschlag: Statt 13 hat diese sogar insgesamt 15 Folgen. Damit kommt man auf eine Komplettlaufzeit von 299 Minuten (gegenüber 245 Minuten beim Serial 1).


1= Ein Element namens „Nitron“ gibt es nicht, weder in der Atmosphäre, noch anderswo. Es wird in verschiedenen Texten darüber spekuliert, ob die Autoren ursprünglich „Nitrogen“ (Stickstoff) meinten, dann aber dachten, dass das nicht genug nach Science Fiction klang. Auch wenn es das Element selber nicht gibt, hat es doch einen Anklang an die Realität, wie wir mittlerweile schmerzlich erfahren haben: Bringt man die Zusammensetzung der Erdatmosphäre aus dem Gleichgewicht, gerät die Natur aus dem Gleichgewicht.

2= Nein, ich werde das Wort hier nicht ausschreiben. Falls das jemanden stört: Komm damit klar!

3= Wobei sich hier die Frage stellt, wie viele weiße Amerikaner damals etwas mit dem Wort „Mesopotamien“ anfangen konnten.

Flash Gordons Abenteuer auf dem Planeten Mongo (Flash Gordon, 1936)

Eine Eidechse

Im deutschen Fernsehen gibt es ab und zu übergreifende Themen, die verwendet werden, um dem Zuschauer klar zu machen, dass etwas irgendwie zusammengehört. Oder zumindest gab es das mal. Zum Beispiel in den 1980er Jahren, da gab es eine übergreifende Themenreihe, die man in den dritten Fernsehprogrammen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als „Opas Weltraumkino“ bezeichnete. Unter dieser Reihe liefen Serien wie „Flash Gordon“ und „Buck Rogers“ aus den 1930er Jahren. Im Rahmen dieser Reihen habe ich die verschiedenen Serials gesehen und mich gewundert, warum mein Opa die nicht kannte. Dass „Opas Weltraumkino“ nicht wörtlich zu nehmen war, habe ich damals nicht verstanden. Hey, ich war gerade mal 11 Jahre alt!

Gehen wir zurück in diese Zeit. Anhand der Zeitleiste kann man sich Flash Gordons kometenhaften (Pointe beabsichtigt) Aufstieg vorstellen. Es war der 7. Januar 1934, als der Comic zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Und am 6. April 1936, etwas mehr als nur zwei Jahre später fand die Premiere der ersten Folge des ersten Flash-Gordon-Serials statt. Das Kino war damals noch etwas anders als heute, es gab kein Fernsehen. Vieles von dem, was das Fernsehen später ausmachen sollte, wurde im Kino gezeigt: Nachrichten, Werbung und eben auch Serien bzw. „Serials“. Diese boten eine ganz andere Möglichkeit als abendfüllende Spielfilme. Man konnte längere Geschichten erzählen und vom finanziellen Standpunkt aus gesehen hatte man eine Möglichkeit, die Menschen immer wieder ins Kino zu locken. Gerade bei den Serials war das so, das Publikum wollte ja wissen, wie es jetzt weitergeht. Das wurde dann auch ziemlich auf die Spitze getrieben durch die Cliffhanger, die jede Episode beendeten. Der Held befand sich in einer aussichtslosen Lage und man musste die nächste Folge anschauen, um zu erfahren, wie er sich befreit.

Dabei entstand das Konzept der „falschen Spur“. Etwas weniger romantisiert könnte man auch sagen: Das Publikum wurde angelogen. Das Ende einer Episode entsprach nämlich nicht immer dem Anfang der nächsten. Gerne wurde mal eine Gefahr mit dazu eingebaut, über die man in der nächsten Folge einfach hinwegsah.

Ein kleines Beispiel: Im zweiten Flash-Gordon-Serial kommt es zu einer Situation, als Gordon zwei feindliche Raumschiffe aufhalten will. Es gelingt ihm, eines der Schiffe zu übernehmen, doch dessen Waffen versagen. Flash will aber das andere auch außer Gefecht setzen, also kommt er auf die Idee, das eine Raumschiff in das anderen reinfliegen zu lassen. Natürlich hat er vor, im letzten Moment abzuspringen. Am Ende einer Episode sehen wir, wie er das Schiff auf Kurs bringt, sich ein Fallschirmcape schnappt und abspringen will. Doch was ist das? Die Tür klemmt! Flash versucht verzweifelt, diese zu öffnen, doch das klappt nicht. Die Raumschiffe stoßen zusammen, Flash ist noch drin und… Fortsetzung folgt!

Die neue Episode beginnt mit einem „Was bisher geschah“ und setzt einige Momente vor dem Crash wieder mit der Handlung an: Flash, der den Kurs den einen Raumschiff setzt, sich ein Fallschirmcape schnappt und aussteigen will. Doch was ist das? Die Tür klemmt! Flash versucht verzweifelt, diese zu öffnen. Zuerst geht es nicht, doch dann zieht Flash seine Laserkanone und schießt die Tür auf. Im letzten Moment gelingt ihm der Absprung, dann prallen die Raumschiffe aufeinander.

Eine Eidechse
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Von der Handlung her deckt das Serial die ersten Folgen des Comics ab, allerdings wurden hier schon Verbesserungen vorgenommen. Es beginnt mit dem fremden Planeten, der auf die Erde zurast und mit ihr zu kollidieren droht. Die erste Änderung, die wir sehen, ist der Umstand, dass Flash Gordon als der Sohn des Wissenschaftlers Professor Gordon vorgestellt wird. Daher weiß er später auch, wer Doktor Zarkov ist. Aber der Reihe nach: Der Planet bedroht die Erde, Flash Gordon und Dale Arden sind auf einem Transkontinentalflug und müssen mit dem Fallschirm abspringen (diesmal überlässt Flash Dale den Fallschirm allerdings und hält sich an ihr fest). Sie landen auf dem Grundstück von Doktor Zarkov, der in dieser Version den Vornamen „Alexis“ hat (vermutlich ist den Autoren aufgefallen, dass Zarkov eher russisch klingt, Hans aber deutsch). Zarkov ist allerdings nicht über seiner Arbeit wahnsinnig geworden, nur sehr misstrauisch, vor allem als er erfährt, dass er Professor Gordons Sohn vor sich hat. Er zwingt Flash und Dale auch nicht, ihn zu begleiten, sondern sie kommen freiwillig mit, um die Erde zu retten. Zarkovs Ziel ist auch nicht, den fremden Planeten durch einen Zusammenstoß aus der Bahn zu werfen, sondern auf ihm zu landen. Zarkov hat nämlich festgestellt, dass es Energieanzeigen von dieser Welt gibt, sie muss also bewohnt sein! Vielleicht kann man mit den Bewohnern Kontakt aufnehmen und die vorhandene Energie nutzen, um die Bahn des Planeten zu ändern.

Sie fliegen also los und machen eine raue Landung (allerdings keine Bruchlandung wie im Comic) und werden von Mings Soldaten gefangen genommen. Im Gegensatz zum Comic wird Zarkov ebenfalls in die Hauptstadt des „Gnadenlosen“ gebracht. Ming sieht tatsächlich seinem Comicvorbild sehr ähnlich, da für das Serial allerdings jede Menge Sets aus anderen Produktionen wiederverwendet wurden, ist die Szenerie ein ziemlicher Mix aus allem Möglichen. Mings Palast wirkt eher europäisch, manchmal leicht orientalisch.

Wie sehr wiederverwendet wurde, sieht man aber deutlich in einer Szene, die in einer späteren Folge spielt und in der Ming Dale, die unter Drogen steht, heiraten will. Die Hochzeit findet in einem Zeremoniensaal statt, in dem sich die große Statue des Gottes Tao (in der deutschen Synchronisation wurde daraus „Tehu“) befindet. In den Comics ähnelt diese einer Buddha-Statue, im Serial ist es ganz eindeutig die Figur eines ägyptischen Pharaos. Das liegt daran, dass sie aus der Produktion des Films „The Mummy“ übernommen wurde.

Zurück zur Handlung. Ebenfalls im Kontrast zum Comic wird im Serial die ganze Situation erklärt. Dass sich Mongo auf Kollision mit der Erde befindet, ist kein Zufall, Ming macht das mit Absicht, um die Erde zu zerstören. Er hat dabei offensichtlich auch die Macht, die Zerstörung von Mongo zu verhindern. Während der ganzen Serie gerät nie aus dem Fokus, dass die Erde in Gefahr ist. Ungefähr im letzten Drittel, als Zarkov per Funk mit der Erde Kontakt aufnimmt, erfahren wir dann, dass die Wissenschaftler der Welt vor einem Rätsel stehen: Der Planet, der auf so geheimnisvolle Weise im Sonnensystem aufgetaucht ist und auf die Erde zusteuerte, hat auf genauso geheimnisvolle Weise den Kurs geändert.

Flash Gordon und seine Freunde finden auf Mongo Verbündete, wie Thun, den Löwenmenschen oder Barin, den rechtmäßigen Herrscher von Mongo, später auch Mings Tochter Aura. Die Geschichte wird tatsächlich mit dem „Sense of Wonder“ eines Jules Verne erzählt, zum Beispiel, wenn die Stadt des Falkenmenschen Vultan auf einem Kraftfeld schwebt, das von einem Atomofen in Gang gehalten wird. Und in diesen Atomofen muss man regelmäßig Brennmaterial nachschaufeln, was Sklaven erledigen. Und was genau muss man da nachschaufeln? Keine Ahnung, Atome vermutlich.

Endlich gelingt es ihnen, Ming zu überwinden, doch damit er nicht gefangen genommen wird, begibt er sich in den Feuertempel des Gottes Tao / Tehu. Von dort, so sagt der Hohepriester, gibt es kein Zurück.

Flash und seine Freunde machen Zarkovs Rakete wieder startklar und fliegen zurück zur Erde.

Sie ruft nach Fleisch! Davon kann sie genug kriegen, wenn sie will!

Vultan von den Falkenmenschen versteht Dales Ausruf „Flash!“ ganz offensichtlich falsch…

Wie ich schon schrieb, wurde im Serial der Rassismus etwas zurückgeschraubt. Da die Serie in Schwarz-Weiß gedreht wurde, wäre der Unterschied in der Hautfarbe sicherlich auch schlecht zu erkennen gewesen, selbst wenn die Bewohner von Mongo die gelbe Haut aus den Comics gehabt hätten. Mir wäre auch nicht aufgefallen – auch nicht in der englischen Originalfassung – dass im Serial irgendwelche rassistischen Bezeichnungen gefallen wären. Bei der englischen Fassung kann es allerdings sein, dass ich die Bezeichnung, wenn sie gefallen ist, vielleicht auch nicht verstanden habe, das will ich nicht ausschließen. Tatsächlich wurden bei der deutschen Synchronisation ein paar Anpassungen gemacht, möglicherweise hat man auch sowas entschärft.

Die deutsche Synchronisation hat zum Beispiel die Bezeichnungen für Zukunftstechnologie, die man in den 1930er Jahren noch nicht kannte, angepasst. Flash Gordon fliegt nämlich eigentlich nicht in einem Raumschiff („space ship“), sondern im „rocket ship“. In späteren Serials kommt noch die Bezeichnung „strato sled“ („Strato(sphären)schlitten“) dazu. In diesem ersten Serial wurde auch das „Was bisher geschah“, das jede Episode einleitet, geändert. Im Original wurde einfach ein Text eingeblendet und vorgelesen, in der deutschen Fassung machte man sich die Mühe, diesen Text mit Ausschnitten aus den vorigen Episoden zu unterlegen.

An dieser Stelle muss ich noch darauf aufmerksam machen, dass es zwei (!) deutsche Fassungen gibt. Die eine hält sich strikt an das Original und wurde Anfang der 1980er Jahre im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausgestrahlt. Die zweite wurde ungefähr zehn Jahre später von irgendeinem Privatsender verwurstet, und das auf die schlimmste Weise. Okay, man muss den Leuten zugute halten, dass sie das fehlende dritte Serial auch noch synchronisierten, aber sie verhackstückten die ganze Serie, um jede Episode auf eine Mindestlänge von einer halben Stunde zu bringen. Im Original war eine Episode zwischen 20 und 25 Minuten lang. Das Verhackstücken führte nun dazu, dass natürlich die ganzen Cliffhanger weggschnitten wurden, weil die Folgen neu zusammenschnitten waren. Dadurch gerieten die Titel der einzelnen Folgen durcheinander und irgendwann stimmte nichts mehr (die Episode „Der Kampf mit dem Feuerdrachen“ bezieht sich auf einen Kampf, der im Neuschnitt der Serie erst ein paar Folgen später stattfindet). Im zweiten Serial wurde eine halbe Episode einfach weggekürzt und durch Erzählertext ersetzt. Und überhaupt findet in der Version eine Trennung nach Serials überhaupt nicht statt. Es wurde einfach der Vorspann von Serial 1 vor jede Folge geschnitten. Jedes Serial hat aber einen eigenen Vorspann, außerdem wechseln die Schauspieler (Prinzessin Aura ist beispielsweise im Serial 2 gar nicht dabei, wird aber auf diese Weise im Vorspann genannt, in Serial 3 haben die Schauspieler von Aura und Dale gewechselt, im Vorspann werden aber immer noch die alten genannt).

Es ist daher hoch anzurechnen, dass es mittlerweile ein DVD-Set gibt, in dem die Serie in alter – originaler – Form restauriert wurde und es wieder passt.

Das hatte Serial hat einen gewissen Charme, auch wenn man die Modelle erkennt, mit denen gearbeitet wurde oder deutlich sieht, wann Puppen anstatt von Schauspielern verwendet wurden. Auf der anderen Seite ist es ein faszinierender Einblick in die Tricktechnik von damals. Man muss sich vorstellen, wie gebannt die Zuschauer in den 1930er Jahren gewesen sein dürften, als sie auf der Leinwand sahen, wie ein Mensch mit einem anderen Menschen über einen Bildschirm spricht. Heute ist sowas ganz normal.

Das Serial hatte seinerzeit großen Erfolg, so dass (natürlich) eine Fortsetzung produziert wurde. Die schaue ich mir beim nächsten Mal an.