Tim und Struppi: Die Zigarren des Pharaos [Rezension]

1932 begann Hergé die Arbeit an einem längeren Abenteuer, das zunächst den Titel „Aventures de Titin, reporter en Extrême-Orient“ (Deutsch: „Die Abenteuer von Tim, Reporter im fernen Orient“). Für die Veröffentlichung als Album wurde die Geschichte in zwei Teile aufgeteilt, „Die Zigarren des Pharaos“ und „Der blaue Lotos“. Das ließ sich sehr gut machen, da die Geschichten zwar aufeinander aufbauen, aber die Handlung am Ende von „Die Zigarren des Pharaos“ erst einmal abgeschlossen ist.

Handlung: Nach den vergangenen Abenteuern gönnt sich Tim etwas Urlaub in Form einer Mittelmeerkreuzfahrt. Auf dem Schiff begegnet er dem Ägyptologen Professor Philemon Siclone, der das Grab des Pharaos Kih-Oskh sucht. Dieser lädt ihn ein, sein Begleiter auf der Suche zu sein. Bevor das Schiff allerdings in Port Said anlegt, wird Tim wegen Drogenschmuggel verhaftet: sein Ruf ist ihm mal wieder vorausgeeilt und ein paar zwielichtige Gestalten versuchen, ihm etwas anzuhängen. Er entkommt und begleitet den Professor auf seiner Suche nach dem Grab. Sie werden auch fündig, allerdings stellt sich heraus, dass das Grab nur der Deckmantel für eine Bande von Schmugglern ist. Tim verschlägt es über das Rote Meer bis nach Arabien, und von dort nach Indien, wo er dem Boss der Bande dicht auf den Fersen ist.

Kritik: Hergé hat seine Form gefunden, das merkt man der Geschichte sehr deutlich an. Sie ist nicht mehr episodenhaft, sondern folgt einer durchgehenden Handlung bis zu ihrem Höhepunkt. Außerdem hatte der Zeichner sich mittlerweile ein Archiv zugelegt, aus dem er sich über die Gegenden, in die Tim reiste, informieren konnte. Die Bilder geben daher den Lokalkolorit sehr gut wieder.

Noch ein Talent Hergés kam in der Geschichte zur Ausprägung, nämlich das Potential von Figuren zu erkennen. In „Die Zigarren des Pharaos“ tauchen insgesamt vier Personen auf, die Tim von nun an auf seinem weiteren Weg begleiten würden. Die ersten beiden sind Schulze und Schultze (Original: Dupond et Dupont), die allerdings in der ersten schwarz-weißen Version der Geschichte noch X33 und X33a heißen. Sie sind die Polizisten, die Tim am Anfang der Geschichte noch verhaften wollen, sich allerdings in deren Verlauf zu wertvollen Verbündeten wandeln. Hergé erkannt das humoristische Potential des merkwürdigen Zwillingspaares und baute es weiter aus.

Die dritte (oder zweite, wie man es sehen will) Bereicherung von Tims „Familie“ ist der wortgewandte portugiesische Händler Oliveira de Figueira, der es schafft, selbst Tim entgegen dessen eigener Aussage lauter nutzlosen Kram anzudrehen. Er wird in einigen Folgeabenteuern dem Reporter zur Seite stehen, wenn es nötig ist.

Zuletzt wird noch ein Mann eingeführt, dessen Rolle zu Anfang noch gar nicht klar ist, und das, obwohl er selbst Boss einer Filmgesellschaft ist: Roberto Rastapopoulos. Er folgt auch einer bekannten Tradition im Geschichtenerzählen, nämlich der Erz-Nemesis. Sherlock Holmes hatte Professor Moriarty, und Tim eben Rastapopoulos – aber das sollte sich erst ergeben.

Ein paar andere Dinge sind allerdings nachträglich bei der Farbbearbeitung des Abenteuers eingefügt worden. So ist in der Neufassung der Kapitän des Schmugglerschiffs, das Tim, Struppi und Professor Siclone in Sarkophage eingesperrt an Bord nimmt, kein geringerer als Allan Thompson, der verbrecherische erste Offizier von Kapitän Haddock in dem Band „Die Krabbe mit den goldenen Scheren“. Zu einem geradezu schwerwiegenden Anachronismus kommt es in einer Szene, in der ein Scheich begeistert ist von Tims Anwesenheit und ihm freudestrahlend erklärt, er lese jedes Abenteuer – und ihm dann einen Tim-Comic präsentiert: „Reiseziel Mond“, der erst 20 Jahre später entstehen sollte. Wir sehen also: George Lucas ist nicht der erste, der sich erlaubte, seine Werke nach langer Zeit nochmal zu korrigieren und anzupassen. Dem heutigen Leser, der die Originalausgabe nicht kennt, fällt das nicht weiter auf (außer eventuell der Tatsache, dass das Cover von „Reiseziel Mond“ nicht in die Geschichte passt), und gerade die Szene mit Allan Thompson sorgt für mehr Geschlossenheit innerhalb der Welt von Tim.

Die Geschichte findet schließlich einen Endpunkt, im Gegensatz zu den späteren Doppelbänden, die mitten in der Geschichte abbrachen und auf die Fortsetzung verwiesen. So gibt es auch im Deutschen keinen Hinweis darauf, dass „Die Zigarren des Pharaos“ in „Der blaue Lotos“ fortgesetzt wird. Das bleibt der französischen Farbausgabe vorbehalten.

„Die Zigarren des Pharao“ – ein spannendes Abenteuer, das, wie Rastapopoulos in der Geschichte selbst meint, „die reinste Filmstory“ ist. Es hat Atmosphäre und fängt die Schauplätze sehr gut ein. Und Hergé war noch zu weiteren Steigerungen fähig, wie er mit dem nächsten Band bewies.

Tim und Struppi: Tim in Amerika [Rezension]

Nachdem Hergé sich in den Abenteuern „Im Lande der Sowjets“ und „Im Kongo“, die sein Reporter Tim zu bestreiten hatte, den Anweisungen seines Herausgebers Wallez beugte, konnte er nun, als er 1931 die Arbeiten an der dritten Geschichte begann endlich dem Reiseziel widmen, das er von Anfang an vorgesehen hatte: Amerika!

Inhalt: Tim reist nach Amerika, genauer gesagt nach Chicago. 1931 ist das Zeitalter der Prohibition und die Stadt fest in der Hand von Gangstergrößen wie Alphonse „Scarface Al“ Capone. Nachdem Tim ihm das Diamantengeschäft in Afrika vermasselt hat, passt es dem Verbrecherboss natürlich nicht, dass der Reporter in „seiner“ Stadt auftaucht und veranlasst dessen Tod. Von da an wird abwechselnd entweder Tim von den Gangster oder die Gangster von Tim gejagt. Seine Reise führt ihn dabei auch von Chicago in den Westen der USA, wo er auf den Stamm der Schwarzfuß-Indianer trifft.

Kritik: Wieder hat Hergé einen Schritt in seiner Entwicklung gemacht. Vermutlich lag das aber auch mit daran, dass ihm das Thema dieses Abenteuers nicht vorgegeben wurde, sondern am Herzen lag. So gibt er äußerst detailreich und akkurat den Stammesschmuck der Indianer wieder, auf die Tim im Verlauf seines Abenteuers trifft, wirft einen satirischen Blick auf die Gier des weißen Mannes nach Öl und spart dabei nicht mit Seitenhieben auf den ungebremsten Kapitalismus. So ziehen amerikanische Firmen beispielsweise innerhalb eines Tages nach einem Ölfund in einem Indianerreservat eine ganze Stadt hoch – einschließlich Vertreibung der Indianer durch die Nationalgarde. Insofern kann man diese Geschichte als Gegenpol zu „Im Lande der Sowjets“ betrachten. Für Hergé waren Kommunismus und Kapitalismus zwei Extreme, die für die Menschen gefährlich waren, seine persönliche Einstellung war irgendwo in der Mitte – und damals noch sehr pro-europäisch.

Die Episodenhaftigkeit nimmt in dieser Geschichte wiederum etwas ab und der rote Faden „Gangsterjagd“ tritt etwas mehr hervor, wenngleich auch an ein paar Stelle die Geschichte dadurch ihre Fortsetzung findet, dass einem der gefährlicheren Gangster im letzten Moment die Flucht vor der Polizei gelingt. Irgendwann ist im Album auch nicht mehr klar, warum Tim die Verfolgung der Gangster fortsetzt, jedenfalls nicht für eine Reportage. Überhaupt wird Tim in diesem Album zwar allenthalben als „Reporter“ bezeichnet, aber der Tätigkeit eines Reporters geht er nicht nach. Im Gegenteil, mit diesem Band hat endgültig seine zweite Karriere begonnen, die des „Abenteurers“.

Die Geschichte ist noch nicht ganz „rund“ und vor allem der Auftritt eines real existierenden Verbrechers wie Al Capone stellt ein Unikum dar. Dieser beschränkt sich jedoch auf den Anfang der Geschichte und man merkt, dass es ihn für den weiteren Fortgang nicht braucht. Hergés Geschichten funktionieren am Besten, wenn er Figuren einführt, die zwar an realen Personen orientiert sind, aber in ihrer Gesamtheit ganz der Phantasie des Autors entspringen. Und tatsächlich ist die Vorstellung, Tim würde nicht den notorischen (fiktiven) Gangsterboss Bobby Smiles in den Westen verfolgen, sondern stattdessen Al Capone, eine furchtbare, da es schlicht nicht funktionieren würde. Immerhin war Capone dafür bekannt, sich soweit aus den Verbrechen seiner „Untergebenen“ herauszuhalten, dass man ihm nichts nachweisen konnte. Leider wird der Leser am Ende der Geschichte aber im Unklaren gelassen, ob sich unter den 355 verhafteten Mitgliedern des Chicagoer Gangster-Syndikat auch Capone befindet.

„Tim in Amerika“ bildet zusammen mit „Im Lande der Sowjets“ und „Im Kongo“ sowas wie eine „Anfangstrilogie“. An deren Ende ist Hergé an einem Punkt angekommen, an dem er weiß, wie er seine weiteren Abenteuer gestalten muss. Lediglich ein sehr wichtiger Entwicklungsschritt fehlt noch, den wird er allerdings erst mit den Arbeiten am übernächsten Band machen. „In Amerika“ ist ein spannendes Abenteuer mit sozialkritischen Tönen, die allerdings manchmal noch etwas naiv daherkommen.

Tim und Struppi: Tim im Kongo [Rezension]

Nachdem Hergé die Fortsetzungsgeschichte „Tim im Lande der Sowjets“ beendet hatte, wollte er mit einer neuen Geschichte einem eigenen Anliegen folgen: Tim sollte nach Amerika reisen, sich für die Rechte der Indianer einsetzen und gegen die organisierte Kriminalität in Chicago kämpfen. Sein Herausgeber Norbert Wallez wollte davon nichts wissen. Die neue Geschichte sollte den Lesern des Petit VIngtième die belgische Kolonie Kongo – vormals Zaire, damals Belgisch-Kongo, heute Demokratische Republik Kongo – näherbringen. Um sich zu informieren, sammelte der Zeichner damals Zeitungen, Magazine und Prospekte, die das Leben in der Kolonie priesen – aber natürlich wieder nur aus einem sehr europäischen Blickwinkel.

Inhalt: Tim reist im Auftrag seiner Zeitung in den Kongo. Doch schon auf der Schifffahrt kommt es zu einem Zwischenfall – jemand ist hinter ihm her und versucht alles mögliche, den Reporter bei einem „Unfall“ sterben zu lassen. Sein Auftraggeber ist eine Größe unter den Verbrechern… Nebenbei erleben Tim und Struppi noch eine Reihe anderer Abenteuer.

Kritik: Obwohl dieses Album schon einen Schritt weiter ist als „Im Lande der Sowjets“, hat Hergé die wichtigste Entwicklung zu dem Zeitpunkt noch nicht gemacht, und die für die späteren Alben charakteristisch sein wird: die Authentizität. Er ließ sich zwar von Bildern und Prospekten inspirieren, informierte sich aber nicht wirklich über das Leben in Afrika. Insofern unterliefen ihm ein paar Schnitzer, etwa, als Tim in Afrika einen Kautschukbaum findet oder wenn die Einwohner des Kongo dem Bild entsprechen, das Europäer damals von den „Wilden“ hatte: Große Kinder, die Schwierigkeiten mit der Sprache des belgischen „Mutterlandes“ haben. Immerhin schickte Hergé Tim nicht freiwillig in den Kongo, was man daran merkt, dass er einen ganz besonderen Hintermann in die Geschichte einbaut: Al Capone, der sich das Geschäft mit Diamanten aus Afrika unter den Nagel reißen will. Damit legte er eine Spur nach Amerika in der Hoffnung, sie bald weiterverfolgen zu dürfen.

Von der Struktur her ist die Geschichte nicht ganz so episodenhaft wie „Im Lande der Sowjets“, und mit den Augen eines heutigen Europäers darf man sie gleich gar nicht lesen. Vieles von dem, was Tim tut, verband man damals mit einer Reise nach Afrika, etwa die Großwildjagd. Aus heutiger Sicht mag es geradezu barbarisch erscheinen, wenn Tim innerhalb eines Albums ein Krokodil, zehn Antilopen, einen Affen, zwei Schlangen, einen Elefanten, einen Büffel und ein Nashorn erlegt, aber in den 1930er Jahren waren das die Art Abenteuer, die man bei einem Afrikaaufenthalt erwartet hätte. Das einsetzende Umdenken zeigte sich bereits in den kolorierten Ausgaben der 1970er Jahre. Weil die Stelle, an der Tim ein Nashorn in die Luft sprengt, den skandinavischen und deutschen Verlegern zu hart war, wurde sie ersetzt durch eine Szene, in der das Tier am Ende mit dem Leben davonkommt.

In der deutschen Fassung wurden außerdem einige nicht ganz so glückliche Anpassungen vorgenommen. Während sich Hergé im Original darum bemühte, Begriffe und Namen aus dem Suaheli zu verwenden, wurden diese aus der deutschen Übersetzung weitgehend entfernt. Der Dorfmagier beispielsweise heißt im Original Muganga („der, der heilt“), im Deutschen „Tse Tse Gobar“. Der Geheimbund, dessen Mitglieder sich als Leoparden verkleiden und ihre Opfer mit falschen Leopardenkrallen töten, heißt Aniota (und diesen Bund gab es wirklich) im Original, auf Deutsch „Idi Oti“. Offenbar wurde hier der Übersetzer von der Vorstellung geleitet, dass Comics für Kinder auf Biegen und Brechen irgendwie ständig lustig zu sein haben.

Dafür gibt es in diesem Band eine Seltenheit zu sehen: Tim und sein Beruf. Zwar wird stets betont, Tim sei Reporter, aber so richtig zur Geltung kommt das nur in „Im Lande der Sowjets“ und „Im Kongo“. In beiden Geschichten sieht man Tim bei der Arbeit, wie er eine Reportage erstellt. Danach kommt das Abenteuer irgendwie immer zu Tim und er wird selbst zum Gegenstand mannigfaltiger Berichterstattung. Tim muss aber ein sehr guter Reporter sein, denn gleich zu Anfang des Abenteuers kommen die Repräsentanten einer amerikanischen, einer britischen und einer portugiesischen Zeitung zu ihm und überbieten sich gegenseitig bei dem Versuch, seine Reportage über den Kongo exklusiv zu erhalten.

Als Fazit kann man sagen, dass „Tim im Kongo“ nicht Hergés bestes Abenteuer ist, vor allem, da etliche späterer Geschichten eine gewisse Zeitlosigkeit haben und man auch bei der überarbeiteten – und kolorierten – Fassung nicht alle kolonialherrschaftlichen Anklänge entfernen konnte. Aber es ist ein kurzweiliges Abenteuer, das einen netten Einstieg in die Welt des „pfiffigen Reporters“, wie er eine Zeitlang im Deutschen genannt wurde, bieten kann.

ASTERIX – ein Phänomen

„Wir schreiben das Jahr 50 vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern erobert… Ganz Gallien?“

Nein, natürlich nicht. Und wenn der Spruch „Perlen vor die Säue werfen“ [oder wahlweise „Eulen nach Athen tragen“] auf etwas zutrifft, dann darauf, dass man noch erklären müsse, woher dieser Spruch stammt. Ob man ihn mag oder nicht, die Abenteuer von Asterix, dem Gallier, sind inzwischen schon so etwas wie ein Teil der europäischen Kultur geworden. Es dürfte kaum jemanden geben, der nicht zumindest schon mal von ihm gehört hat.

Die Geschichte von Asterix begann 1959, als der erste Teil von „Asterix der Gallier“ in der französischen Jugendzeitschrift „Pilote“ veröffentlicht wurde. Erfunden hatten den gallischen Krieger der Texter René Goscinny und der Zeichner Albert Uderzo (in den Alben kurz „Goscinny & Uderzo“ genannt). Die ersten Abenteuer wurden zuerst in „Pilote“ als Fortsetzungsgeschichte geschrieben, und dann als Album komplett nochmals veröffentlicht. Und im Verlauf der Zeit wurde Asterix ein großer Erfolg, auch international. Bereits 1965/66 erschienen die Abenteuer in Deutsch, allerdings noch als Bestandteil des vom Kauka-Verlag (von Verleger Rolf Kauka, dem Erfinder von Fix und Foxi) herausgebrachten Heftes „Lupo Modern“. Kauka jedoch drückte jedem vom Ausland gekauften Comic seinen persönlichen Stempel auf. So wurde Franquins Serie „Gaston“ zu „Jo-Jo“ [in der „Jo-Jo“-Gaston furchtbar stotterte] oder „Spirou und Fantasio“ zu „Pit und Pikkolo“ [und das ebenfalls in der Reihe auftauchende Marsupilami zu Kokomiko]. Die Gallier Asterix und Obelix wurden in der Bearbeitung zu den Germanen „Siggi und Babarras“, die sich in dem Dorf „Bonnhalla“ rechts des Rheins amerikanischen Besatzern entgegenstellen. Da die Handlung der Geschichten ähnliche Wandlungen erfuhren, so dass aus dem Kampf der Gallier gegen die Römer ein Abbild von „Stammtischmeinungen“ der konservativen Szene über die aktuelle Politik der 1960er Jahre wurde, und die Autoren ihr Werk so verfremdet sahen, entzogen sie dem Kauka-Verlag das Recht zum Abdruck.

Ab 1967 übernahm der Ehapa Verlag die Rechte, die er bis heute immer noch hat. Allerdings kam es bei der Veröffentlichung der bisher erschienenen Abenteuer zu einem Bruch in der Reihenfolge. Als 1968 die beiden ersten Alben erschienen, kam gerade der Zeichentrickfilm „Asterix und Kleopatra“ ins Kino. Und obwohl der dazugehörige Band eigentlich Nummer 6 der Reihe ist, wurde er als Nummer 2 veröffentlicht, als „Comic zum Film“. Damit nahm dummerweise auch die Handlung ein paar Logikbrüche hin, zum Beispiel, dass Idefix, Obelix‘ Hund bereits dabei ist, obwohl der erst in „Tour der France“ (Nr. 5, also genau ein Album vor „Kleopatra“) zum ersten Mal auftaucht, oder die Piraten, die beim Anblick der Gallier ihr Schiff aus Angst selbst versenken, obwohl die erste Begegnung mit ihnen in „Asterix als Gladiator“ (Nr. 4) stattfindet und sich mit „Tour de France“ erst zum Running Gang entwickelt.

In 32 Alben und einer Sonderausgabe erlebten die Gallier seither ihre Abenteuer. Seit dem Tod von Goscinny 1977 entwickelt Uderzo allein die Geschichten, die zwar zur Zeit des römischen Imperiums spielen und diese Epoche auch sehr getreu wiedergeben, aber immer auch Bezüge zur Gegenwart haben, etwa bei den Eigenarten der verschiedenen Völkern, die Asterix auf seinen Reisen kennenlernt. Manche Zitate aus der Serie [„Wir schreiben das Jahr 50 vor…“, „Die spinnen, die Römer!“, „Passierschein A 38“] haben sogar Eingang in den modernen Sprachgebrauch gefunden.

Um die Reihe entsprechend zu würdigen, wurde vom Ehapa Verlag im Jahr 2000 die „Gesamtausgabe“ herausgebracht. In einem großformatigen Buch mit Hardcover in blauer Lederoptik sind immer drei Alben abgedruckt. Vor den einzelnen Alben gibt es Seiten mit Informationen, wie das jeweilige Album entstand. Außerdem sind auch Kurzgeschichten rund um Asterix, die Goscinny und Uderzo erfunden haben, abgedruckt, etwa „Obelisc’h“, in der die beiden einen leibhaftigen Nachfahren von Obelix treffen und mit nach Paris in die Redaktion ihres Magazins nehmen.

Wohin die Reihe noch gehen wird, bleibt abzuwarten. Der bisher letzte Band, „Gallien in Gefahr“, der 2005 erschien, wurde etwas kontrovers betrachtet, zum einen, weil dort mit dem Auftauchen zweier außerirdischer Kulturen Science-Fiction-Elemente in die Serie eingebracht wurden, zum anderen, weil die in dem Abenteuer verarbeitete Allegorie einer Warnung vor der schleichenden Ersetzung Comics klassischer Machart durch japanische Mangas so nicht von jedem geteilt wurde. Weiters wurde bemängelt, dass die Handlung durch die Verwendung von einzelnen Bildern, die teilweise eine halbe bis eine ganze Seite einnahmen, gestreckt wurde. Auch dass sich Uderzo im Nachwort ausgerechnet vor Walt Disney, den er als „berühmten, wundervollen Druiden“ bezeichnet, der es ihm (Uderzo) ermöglichte, „in einen Kessel voll Zaubertrank“ zu fallen, verbeugt, wurde mit Befremden aufgenommen. Disney hatte das Zeichnen selbst bereits 1926 aufgegeben, überließ die Konzeption der Figuren anderen Künstlern und fungierte nur noch als Produzent und „Ideengeber“.

Uderzo selbst meinte, auf die Zukunft von Asterix angesprochen, dass er noch nicht am Ende sei und trotz seines Alters (er wurde am 25. April 2007 80 Jahre) gern noch ein Abenteuer zeichnen würde. Wir werden also sehen müssen, was die Zukunft dem Gallier aus der Vergangenheit bringen wird.

Die Wartezeit bis dahin kann die ASTERIX Gesamtausgabe verkürzen. Die ersten sechs Bände der Reihe (umfassend die Alben 1 bis 18) gibt es in einer Auktion, die noch bis zum 28. Oktober 2007 läuft:


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Monty Python’s Spamalot – Das Musical

„Once in every show there comes a song, that goes like this…“
(aus Monty Python’s Spamalot)

Den Film „Monty Python and the Holy Grail“ (deutsch: „Monty Pythons Die Ritter der Kokosnuss“) kennt man ja schon. Die Handlung in Kürze: Arthur, König der Briten, und seine Ritter der Tafelrunde werden von Gott beauftragt, den heiligen Gral zu finden. Und wie es sich für einen Film des Monty-Python-Team gehört, erleben sie dabei recht merkwürdige und für ein Ritterepos unübliche Abenteuer.

Dieser Film wurde von Eric Idle und John DuPrez in ein Musical umgearbeitet. Und ich muss zugeben, dass ich mich von der etwas kontroversen deutschen Kritik habe beeinflussen lassen, deren Tenor war, dass dieses Musical nicht wirklich notwendig gewesen sei. Gut, nach diesem Gesichtspunkt beurteilt: Welches Musical ist dann „notwendig“? Letztlich habe ich mich von der offiziellen Seite (www.montypythonsspamalot.com) überzeugen lassen und das Album gekauft. Was soll ich sagen? Ich bin begeistert. Natürlich muss man Englisch können, um dieses Musical richtig genießen zu können, denn die Texte sind teilweise so herrlich absurd, wie es sich für Monty Python gehört. Es ist nicht einfach „nur“ eine Musical-Variante eines bekannten Films, es ist eine völlig neue Version. Eric Idle, der das Buch geschrieben hat, liefert eine Musical-Parodie ab, die Seitenhiebe auf andere Produktionen und die „Musical-Szene“ generell austeilt. Das ganze Musical ist herrlich überzeichnet, etwa wenn die „Lady of the Lake“ ihre Cheerleaderinnen mitbringt oder das Lied „His Name is Lancelot“ im Discostil dargebracht wird.

Monty-Python-Fans werden einige „Klassiker“ wiedererkennen. Natürlich kommt das Lied „Knights of the Round Table“ aus dem Film vor, aber auch der „Finland-Song“ (von „Monty Pythons Sings“) oder „Always look on the Bright Side of Life“ (aus „Das Leben des Brian“). Sogar auf den „Lumberjack-Song“ (aus „Monty Python’s Flying Circus“) wird angespielt. Alle Lieder wurden natürlich neu arrangiert. Die neuen Lieder treffen hervorragend, etwa wenn Galahad und die „Lady of the Lake“ „Once in every Show“ anstimmen, in dem es darum geht, dass es in jedem Musical ein Lied gibt wie dieses, in dem die Stimmung hochgetrieben wird und jeder völlig übertrieben schauspielert. Genauso schön ist „Diva’s Lament (Whatever happened to my Part?)“, in dem sich die Diva darüber beschwert, dass sie im zweiten Akt kaum vorkommt und wohl mal ein Wort mit ihrem Agenten reden müsse. Arthur hat seine große Stunde, als er traurig feststellt „I’m all alone“, während Patsy, sein Diener und Pferdeersatz ihm klarzumachen versucht, dass er eben nicht allein sei. Die definitive Parodie auf die unterschwellige und manchmal mit dem Holzhammer aufgetragene Botschaft einiger Musicals ist aber das Lied „Find your Grail“, in dem es heißt, dass jeder seinen Gral finden müsse. Entsprechend ist die Auflösung des ganzen Plots im großen Finale gestaltet.

Einziges Manko der Show: sie ist in Englisch, wer nicht so fest ist in der Sprache, dem entgeht einiges an den Wortwitzen und von der Handlung sowieso. Man möchte sich fast wünschen, dass „Spamalot“ als nächstes in Stuttgart läuft, allerdings fürchte ich, dass eine deutsche Version kaum machbar ist. Also nehmen wir mit dem Original vorlieb, das ich nicht nur den Monty-Python-Fans, sondern jedem Parodie-Freund nur ans Herz legen kann.

Übrigens: auf der offiziellen Seite gibt es ein paar Videos, mit denen man sich einen Eindruck von der Show verschaffen kann. Die Show läuft zurzeit am Broadway, in Las Vegas und in London. Wer die Gelegenheit hat, sollte sie sich anschauen.

Monty Python’s Spamalot – als Download im iTunes-Store

Jubiläum: Perry Rhodan wird 2400

Anfang der 1990er Jahre, als sich der „STAR-TREK-Hype“ einem Höhepunkt näherte, gab es eine Scherzfrage, mit der man jeden STAR-TREK-Fan aufs Glatteis führen und ein wenig verwirren konnte: „Wie lautet der Titel der größten und langlebigsten Science-Fiction-Serie der Welt?“ Die Antwort des Fans wäre natürlich „Star Trek“ gewesen. Falsch! Die größte und langlebigste Science-Fiction-Serie der Welt ist „Perry Rhodan“. Am heutigen Freitag erscheint Band 2400 der Heftroman-Reihe.

Die Reihe erzählt die Abenteuer von Perry Rhodan, einem Astronauten, der am ersten Mondlandeprojekt teilnimmt. Angepeilt waren so ungefähr 50 Bände. Dass es sich anders entwickelte, konnte damals niemand ahnen. Die erste Folge erschien 1961 unter dem Titel „Unternehmen STARDUST“. Perry Rhodan und Reginald „Bully“ Bull sind Astronauten, die an Bord der STARDUST im Jahr 1971 den ersten Flug zum Mond unternehmen (gut, da hat man sich im Datum etwas geirrt, aber man bedenke, dass 1961 noch nicht absehbar war, wie schnell die Entwicklung gehen würde). Doch bei der Landung auf dem Erdtrabanten stürzt die Rakete beinahe ab. Der Grund: auf dem Mond ist ein außerirdisches Raumschiff havariert. Die Außerirdischen, ein Mann und eine Frau vom Planeten Arkon, Crest und Thora, sind den „Primitivlingen“ von der Erde zunächst feindlich gesonnen und misstrauisch, müssen jedoch schnell erkennen, dass sie ohne deren Hilfe nichts ausrichten können. Rhodan landet mit dem Beiboot des außerirdischen Raumschiffs in der Wüste Gobi auf der Erde und etabliert dort, zwischen den verfeindeten Weltmächten des kalten Krieges eingeklemmt, die „Dritte Macht“. Im weiteren Verlauf gelingt es ihm, die Menschheit zu einen und für den gemeinsamen Schritt ins All vorzubereiten.

Der erste Zyklus lief 49 Bände. Da der Erfolg der Reihe ungebrochen war, überlegte man sich, was man weiter tun könnte. Rhodan hatte die Erde geeint, das Rätsel um das geheimnisvolle Überwesen „ES“ gelöst und die Erde gegen Angriffe von außen verteidigt. Von ES hatten Perry Rhodan und seine Mitstreiter zudem noch die „Zelldusche“ erhalten, die sie für den Zeitraum von 74 Jahren nicht altern lassen würde. Zwischen Band  49 und 50 wurde ein Zeitsprung gemacht. Rhodan war nun im 21. Jahrhundert angekommen und Atlan taucht auf, ein Arkonide, der vor 10.000 Jahren auf die Erde gekommen war. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wird auch er ein Weggefährte Perry Rhodans.

Die Zyklen entwickelten sich seither unterschiedlich, aus den anfänglich 50 Bänden Umfang sind es später mal 100, mal mehr, mal weniger. Jeder Zyklus enthält einen großen Handlungsbogen, der Perry Rhodan weiter in die Zukunft bringt. Der Zyklus „Negasphäre“, der mit Band 2400 beginnt, ist der 33. innerhalb der Reihe. Er spielt bereits im Jahr 1346 Neuer Galaktischer Zeitrechnung, die im Jubiläumsband 1000 etabliert wurde. Das Jahr 3588 unserer Zeitrechnung entspricht dem Jahr 1 der neuen, damit finden die Ereignisse von Band 2400 im Jahr 4933 statt. Damit haben Perry Rhodan und seine Gefährten ein wahrhaft kosmisches Alter erreicht, das sie inzwischen nicht mehr nur der Zelldusche verdanken. Da es unpraktisch war, alle paar Jahrzehnte mal auf ES‘ Welt „Wanderer“ aufzutauchen, erhielten sie schließlich den „Zellaktivator“, der die gleiche Aufgabe wie die „Dusche“ erfüllte, nur eben permanent: wer ihn trug, wurde relativ unsterblich. War am Anfang mit der Übergabe des Zellaktivators noch die Frist von 20.000 Jahren verbunden, so wurde das Konzept später fallen gelassen.

Perry Rhodans Universum, oder „Perryversum“, wie es genannt wird, ist inzwischen so groß und die Handlung der Reihe so weitläufig, dass das „Quereinsteigen“ zwar schwierig, aber nicht unmöglich ist. Die Original-Heftromane mussten des Erfolges wegen in 5. Auflagen nachgedruckt werden, von denen allerdings neben der Erstauflage inzwischen nur noch die 5. regelmäßig erscheint.  Auch auf der offiziellen Seite der Serie, www.perry-rhodan.net, wird einem viel Hilfe angeboten. So gibt es eine Diashow über die Anfänge, kostenlose PDF-Dateien mit Informationen, sowie NATHAN, eine Art Kurzlexikon, das einem die wichtigsten Begriffe und Personen nahe bringt. Des weiteren gibt es einen Überblick über die Zyklen, ihre Handlung, Autoren und so weiter.

Anlässlich des Jubiläumsbands wurde eine eigene Homepage geschaltet (www.pr2400.de) und das Erscheinen mit allerlei Aktionen begleitet. So kann man sich auf dieser Seite den Roman kostenlos (!) als Hörbuch im mp3-Format herunterladen, es gibt Bilder, Wallpaper und verschiedene eBook-Händler bieten die Nr. 2400 ebenfalls kostenlos (!) an. Aber natürlich kann man das Heft auch, wie jede Ausgabe, als gedruckte Version am Kiosk erstehen.

Der Erfolg von Perry Rhodan, dem „ewigen Kosmonauten“, wie er einmal genannt wurde, ist ungebrochen. In diesem Sinne: herzlichen Glückwunsch und auf nochmal 2400 Bände!

Um nochmal auf die Scherzfrage vom Anfang zurück zu kommen: Das Spiel ging noch weiter. Nachdem der STAR-TREK-Fan einigermaßen geknickt darüber war, dass „Perry Rhodan“ früher erfunden wurde und immer noch läuft, stellte man dann die Frage: „Okay, aber wie lautet der Titel der langlebigsten TV-Science-Fiction-Serie?“ Nun gab der Fan meistens wieder „Star Trek“ als Antwort. Aber auch das war leider falsch, die langlebigste TV-Science-Fiction-Serie ist „Doctor Who“, der ja auch wieder stark im Kommen ist. STAR TREK wird sich noch ein wenig anstrengen müssen…

STAR WARS: Episode I – VI als Hörspiele

Wie angekündigt geht es nun weiter mit Hörspiel-Rezensionen. Heute möchte ich meinen Blick den STAR-WARS-Hörspielen zuwenden.

Wie ich schon in dem anderen Bericht angemerkt hatte, gab es in den 1970er und 1980er Jahren noch keine oder noch nicht so viele Videorekorder und die Zweitvermarktung von Kinofilmen für den Fernseher steckte noch in den Kinderschuhen. In dieser Zeit etablierte sich das „Hörspiel zum Film“, das in einigen Fällen parallel zum Film herauskam, meistens jedoch etwas später. Dabei wurde meistens die Original-Tonspur des Films verwendet und mit einem Erzähler ergänzt.

Mein persönliches erstes STAR-WARS-Hörspiel, das ich auch immer noch besitze, ist eine Langspielplatte mit dem Titel „Krieg der Sterne (The Story of Star Wars)“. Als Erzähler fungiert hier F. J. Steffens und der Text ist manchmal etwas eigenwillig, etwa wenn er R2D2s „Sprache“ als „Krks und Tschieps und Rks und Pieps“ bezeichnet oder Chewbacca als „Hundemensch“. Vielleicht entstand aber so die Inspiration für den „Möter“ aus Mel Brooks‘ „Spaceballs“.
Doch ansonsten ist es sehr stimmungsvoll, manchmal etwas übertreibend, etwa wenn die Explosion des Todessterns am Schluss als „Lichtball, wie ihn hundert Sonnen nicht erschaffen können“ beschrieben wird.
Um auf Schallplattenlänge zu kommen, musste natürlich einges des ursprünglich über 2 Stunden langen Filmes eingekürzt werden, aber das geschah sehr geschickt und fällt nicht weiter auf.

„Das Imperium schlägt zurück“, die Fortsetzung, erscheint mir manchmal so ein wenig wie das „Stiefkind“ der Reihe, denn so sehr ich auch gesucht habe, ich fand nie ein Hörspiel zu diesem Film. Mit einer Ausnahme: Ein Verlag für Kleinkind-Hörspiele (!!) adaptierte den Film zu einem „Lesen und Hören“-Erlebnis. Dabei wurde die Handlung auf 20 Minuten (!!!) gekürzt und von komplett anderen Sprechern aufgenommen. Dadurch kam es zu mancher Merkwürdigkeit, etwa als Darth Vader die Kopfgeldjäger ganz höflich als „meine Herren“ bezeichnet.

„Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ wurde wiederum bearbeitet, es handelt sich hierbei um eines jener „legendären“ Hörspiele mit Erzähler Volkert Kraeft. Legendär sind an diesen Hörspielen die Erzähltexte von Petra Schmidt-Decker, gepaart mit Volkert Kraefts mitreißender Art zu erzählen. So wird der Hörer gleich zu Beginn darüber aufgeklärt, worum es in der Geschichte geht: „Krieg! Krieg! Krieg! Krieg ist Kampf! Um Macht! Macht aber wird von Macht bestimmt, und über jedem, der sie besitzt, gibt es einen, der noch mehr hat; einen, der nicht genug bekommen kann; einen, dessen Größenwahn die Auslöschung der anderen fördert! Macht… positiv genutzt ist Macht Energie… Kraft… Bewegung… Negativ genutzt führt sie zur Unterdrückung… zum Kampf… zum Krieg. Dieser letzte Krieg, der Krieg in der Galaxis, ist der KRIEG DER STERNE…“. Da es auf Kassette erschien, war man nicht an die Grenzen einer Schallplatte gebunden und die Schnitte in der Handlung waren begrenzt.
Den kraftvollen Texten von Petra Schmidt-Decker verlieh Volkert Kraeft besondere Gestalt, beispielsweise als er bei der berühmten Speeder-Bike-Jagd mit Luke und Leia im Wald von Endor die Worte so schnell sprudeln lässt, dass man den Eindruck hat, er sitzt direkt hinter Luke auf dessen Speeder-Bike und moderiert live mit.

Im Rahmen der Neubearbeitung der ursprünglichen Trilogie und dem Erscheinen von Episode I bis VI machte sich nun WORTART auf, alle Filme neu als Hörspiel zu bearbeiten . Oliver Döring, der auch die Hörspielbearbeitung von „Labyrinth des Bösen“ machte, zeichnet für den Text verantwortlich, als Erzähler wurde Joachim Kerzel, der unter anderem Synchronsprecher von Jack Nicholson ist, verpflichtet. Im Gegensatz zu „Labyrinth des Bösen“, das auf 3 CDs verteilt ist, wurde jedoch hierbei ein Film auf eine CD gebannt. Bei maximal 80 Minuten Laufzeit bedeutet das zwangsweise, dass Dinge eingekürzt werden müssen. Zunächst betrifft das natürlich alle Passagen, die sehr visuell sind, wie etwa Raumschlachten. Daneben wurden kleine Nebenhandlungen entfernt, wie Han Solos Begegnung mit Greedo in Episode IV oder Solos und Chewies Schießerei mit dem imperialen Suchdroiden in Episode V (der Schnitt wurde hier so geschickt gemacht, dass es sich anhört, als würde Leia auf dem Display erkennen, dass es sich bei dem fremden Objekt um einen imperialen Suchdroiden handeln).

Der Text dieser Bearbeitung wurde mit viel Sachverstand angegangen, Namen von Personen und Bezeichnungen von Geräten oder Fahrzeugen, die im Film nicht ausdrücklich genannt werden aber den Fans bekannt sind, sind korrekt verwendet. Der Text beschreibt die Situationen, so weit es nötig ist und ist meiner Meinung nach nicht aufdringlich. Und da WORTART die ganze Serie herausgebracht hat, ist eine Kontinuität vorhanden, bis auf zwei Kleinigkeiten: die Titel. Episode I bis III wird vom Sprecher als „STAR WARS Episode…“ vorgestellt, das Cover von CD und CD-Box ist entsprechend gestaltet, Episode IV bis VI wird als „Krieg der Sterne. STAR WARS, Episode…“ bezeichnet und die Schriftzüge auf CD und CD-Box sind nach den alten Kinofilmen gestaltet.

Alles in allem ist die Bearbeitung sehr gelungen und wie ich schon in meiner Rezension von „Labyrinth des Bösen“ vermerkte, hoffe ich, dass das nur der Anfang einer Reihe sein wird, die noch kommt. Der Möglichkeiten gibt es viele („Schatten des Imperiums“, „Erben des Imperiums“ etc.)…

Hörspiel Box: Episode I-VI bei AMAZON.de

"Das Erbe der Kassetten-Kinder" von Annette Bastian

„Was bedeuten denn die drei Fragezeichen auf Eurer Karte? Man könnte ja meinen, dass Ihr Euren eigenen Fähigkeiten nicht traut?“
(Eine Reaktion auf die Visitenkarte des Detektiv-Trios „Die drei ???“)

Nachdem ich mit „Das Labyrinth des Bösen“ bereits eine Hörspielreihe rezensiert habe und es so aussieht, als könnten demnächst noch mehr Hörspiele dazukommen, möchte ich mich heute dem Phänomen „Hörspiel“ generell widmen, und das mit einer Rezension über ein Buch, das nicht nur Hörspiele, sondern auch ihre Anfangszeit und den ersten großen Erfolg unter die Lupe nimmt: „Das Erbe der Kassetten-Kinder“ von Annette Bastian. Leider ist die komplette Auflage des Buches inzwischen wohl ausverkauft, aber Einzelstücke gibt es immer noch hier und dort und wer eines findet, dem kann ich es nur empfehlen.

Wie der Titel schon sagt, geht es hierbei um so genannte „Jugend-Hörspiele“ der 1980er Jahre, und der Untertitel „…ein spezialgelagerter Sonderfall“ verrät dem Kenner, dass vorwiegend Hörspiele von EUROPA im Fokus der Autorin stehen (der Satz stammt aus einem Hörspiel der „Drei ???“, in dem Justus gebeten wird, sich unkompliziert auszudrücken). Doch bevor wir in die Welt von bestimmten Serien gezogen werden, erläutert die Autorin, dass sie selbst Kassetten-Kind ist und dass viele von diesen ein gemeinsames Schicksal teilen, nämlich dass sie sich irgendwann zu alt fühlten für die „Kinder-Hörspiele“. Also landeten die Hörspiele auf dem Flohmarkt – heute vermutlich bei eBay. Dann kam eine zeitlang nichts, bevor man sich an die Helden der Kindheit wieder erinnerte und die Schätze von damals wiederhaben wollte. Dazu machte sich Annette Bastian wiederum auf die Flohmärkte auf, um jenen Kindern, die sich nun „zu alt“ fühlten, ihre gesammelten Werke abzukaufen.

Als nächstes wird die Geschichte vom Aufstieg der Hörspiele nachvollzogen, die unmittelbar mit dem Erfolg des Kassettenrekorders zusammenhängt. Am Anfang gab es Hörspiele auf Langspielplatte, die hatten ihren Preis. Doch mit der billigeren Audio-Kassette wurde das Medium „Hörspiel“ massentauglich. Hinzu kommt, dass es zu dem Zeitpunkt, ab Ende der 1970er, die Videorekorder noch nicht so verbreitet waren und Hörspiele eigentlich die einzige Möglichkeit waren, Lieblingsgeschichten so oft wie möglich wieder zu erleben – und das noch dazu zu jedem gewünschten Zeitpunkt. So wurd es beinahe schon obligat, dass es Hörspiele zu gewissen Kinofilmen gab. Aber immer mehr gab es eigenständige Produktionen.

Zum richtigen Zeitpunkt dann kam eine Serie heraus, deren Erfolg bis heute ungebrochen ist: „Die drei ???“. Eigentlich eine Roman-Reihe des amerikanischen Autors Robert Arthur, wurde sie in den USA unter der „Schirmherrschaft“ von Alfred Hitchcock herausgegeben, der in den Roman auch persönlich auftauchte. In der deutschen Übersetzung der Bücher ging man sogar noch weiter: Immer wenn die Schrift kursiv wurde und am linken Rand das kleine Schwarz-Weiß-Bild von Hitchcock zu sehen war, sprach der Regisseur persönlich zum Leser mit so unvergesslichen eloquenten Kommentaren wie „Die Märchen der Gebrüder Grimm scheinen in Amerika nicht sonderlich gut bekannt zu sein. Wie steht’s denn mit Euch“ (aus „Der Superpapagei“) oder „Eine Anmerkung für alle, die nicht Englisch können: ‚Clock‘ ist das englische Wort für ‚Uhr‘.“ (aus „Der seltsame Wecker“). In der Hörspielfassung ging man soweit, dass die ganze Geschichte gar von Hitchcock persönlich in der Gestalt des Schauspielers Peter Pasetti erzählt wurde. Und das sogar nach dem Tod des realen Alfred Hitchcock am 29. April 1980.
Die Hauptfiguren sind die Jugendlichen Justus Jonas (Original „Jupiter Jones“), Peter Shaw (Original „Peter Crenshaw“) und Bob Andrews. Sie eröffnen mal eben so ein Detektivbüro und bieten ihre Dienste an. Leider wird, ganz im Gegensatz zur Buchreihe, in der Hörspielreihe nicht erzählt, wie die drei Detektive Alfred Hitchcock kennenlernten, aber er fungiert in den ersten Fällen hin und wieder als Auftraggeber oder vermittelt potentielle Kunden an sie.
Ein gelungener Marketing-Schachzug war die Übersetzung des Titels ins Deutsche, im Original lautet er recht einfach „The Three Investigators“, also „Die drei Detektive“. Im Deutschen wurde ihr Markenzeichen, das Fragezeichen, zum Titel, und mit „Die drei ???“ zog man allein dadurch schon Aufmerksamkeit auf die Bücher, weil sich jeder fragte, wie das wohl ausgesprochen wird („die drei Fragezeichen“? Oder vielleicht doch „die Drei-i-i???“, mit besonderer Fragebetonung, wegen der drei Satzzeichen?). Die Titel selbst waren am Anfang immer mit dem Namen der Reihe verbunden, also „Die drei ??? und der Karpatenhund“. In späteren Folgen sah man davon ab, einige Titel bestehen sogar nur noch aus einem Schlagwort (zum Beispiel „Toteninsel“ oder „Rufmord“).
In den vergangenen Jahren musste die Serie dann einige Änderungen mitmachen. Eine sehr große war die Neuproduktion der Hintergrundmusik, da EUROPA dem Komponisten Carsten Bohn jahrelang die Tantiemen vorenthalten hatte.
Die zweite große Änderung trat mit einem Streit zwischen BMG Miller und dem Verlag, der die „Drei ???“-Bücher in Deutschland verlegte, ein. Seither gibt es zwei Serien, die „Drei ???“ im Buch und eine Hörspielreihe mit dem Titel „DIE DR3I“.

Der zweite große Komplex des Buches geht um die „Konkurrenz aus dem eigenen Haus“: TKKG. Die Hörspiele entstanden nach der Buchreihe von Stefan Wolf, einem Pseudonym des Autors Rolf Kalmuczak, der leider am 10. März diesen Jahres verstorben ist.
Während die „Drei ???“ es meistens mit sehr gruseligen Fällen zu tun hatten, die auf den ersten Blick übernatürlich wirkten (Geisterschloss, schreiender Wecker, flüsternde Mumie), um am Schluss dann – mit der Ausnahme des so genannten „Bergmonsters“ – als Gaunerei entlarvt zu werden, waren es bei TKKG eher „bodenständige Fälle“ um Diebe, Hehler, Drogendealer, Epresser und ähnliche jenseits von Recht und Ordnung stehende Individuen. Auch spielte die Serie nicht in Amerika, sondern in einer namentlich nicht näher genannten Großstadt in Deutschland. Haupthelden sind die Teenager Tarzan (später Tim), Karl, Klößchen und Gabi – daher „T K K G“ -, Schüler einer Internatsschule. Während Tarzan und Klößchen „Interne“ sind (das heißt, sie wohnen auch im Internat), sind Karl und Gabi „Externe“. Und wie es der Zufall so will, ständig laufen den Vieren irgendwelche Verbrecher über den Weg.

Anhand von TKKG und auch im Vergleich zwischen TKKG und den „Drei ???“ macht die Autorin verschiedene Klischees aus, so dass in beiden Serien (und auch in anderen Reihen) mindestens eine Hauptfigur Waise, zumindest aber Halbwaise ist. Auch die Darstellung der Charaktere, die teils überzogenen „Gutmenschen“, die ihr Verhalten nie in Frage stellen, auf der einen und die „Bösewichte“ auf der anderen Seite. Die fragwürdige Darstellung von Minderheiten kommt genauso zur Sprache wie die Frage, warum in den „Fünf Freunden“, der Serie von Enid Blyton, die ja in England spielt, ein Amerikaner Deutsch mit deutlichem englischen Akzent spricht oder warum Timmy, der Hund der „Fünf Freunde“, immer nur auf zwei Arten bellt. Auch die grundlegende Frage wird gestellt, warum Kindern wie den „Fünf Freunden“, den „Drei ???“ oder auch „TKKG“ immer so spannende Sachen passieren, und warum beispielsweise die „Drei ???“ kaum Zeit in der Schule zu verbringen scheinen.

Ich habe hier die zwei Serien aus dem Buch herausgenommen, die ich selbst seinerzeit gehört und gelesen habe und die auch die Bekanntesten sind. Aber Annette Bastian wirft auch kritische Blicke auf „Fünf Freunde“, „Hui Buh“, „Hanni und Nanni“, „Funk Füchse“, „Detektiv Kolumbus und Sohn“, „Tom und Locke“, „Captain Blitz“, „Scotland Yard“ und mehr. Zuletzt geht sie dem Phänomen selbst nach und versucht zu enträtseln, warum ausgerechnet in Deutschland die Hörspiele so erfolgreich wurden, dass beispielsweise in Amerika seit den 1980er Jahren keine Bücher mehr von den „Drei ???“ geschrieben werden, ihr Ruhm in Deutschland aber ungebrochen fortbesteht.

Das Buch ist sehr lesenswert, da man einiges über „alte Bekannte“ erfährt und auch ein paar „Macher“ zu Wort kommen (wie beispielsweise Andreas Fröhlich, Darsteller und Sprecher von Bob Andrews in den „Drei ???“, der unter anderem auch für die deutsche Synchronisation der „Herr der Ringe“-Filmtrilogie verantwortlich war und dort selbst Gollum sprach). Leider gibt es das Buch bei vielen Händlern nicht mehr, aber wie gesagt, womöglich findet man noch Einzelstücke hier und da. Denn: Kassettenkinder sind überall. Der Beweis? Wer von den geneigten Lesern kann mir die Antwort auf die folgende Losung geben?

Dunkel ist die Nacht…

Über die „Drei ???“, respektive „DIE DR3I“ gibt es eine ausführliche und sehr schön gemachte Fanseite unter www.rocky-beach.com.

Noch mehr Informationen gibt es auf der Homepage zum Buch, http://www.kassettenkinder.de/.

„Das Erbe der Kassettenkinder“ bei AMAZON.de

"STAR WARS: Labyrinth des Bösen" von James Luceno

Obi-Wan: „Wenn ich nur etwas langsamer gewesen wäre…“
Anakin: „Meister, Eure Angst ist nur in Eurem Kopf!“
Obi-Wan: „Ach so, dann denkst Du also, dass ich ohne Kopf keine Angst mehr hätte?“
(aus Labyrinth des Bösen. Obi-Wan und Anakin diskutieren über ein riskantes Manöver von Anakin mit seinem Lichtschwert.)

Auf die Geschichte wurde ich aufmerksam, weil sie nicht nur als Roman erschienen ist, sondern auch als Hörspiel bearbeitet wurde. Sie schließt eine Lücke zwischen Episode 2 und Episode 3. In der Galaxis toben die Klon-Kriege, doch die Republik gewinnt langsam die Oberhand. Mit Cato Neimodia steht nun die Welt des Vizekönig Gunnray, einer der Anführer der Separatistenbewegung, vor dem Fall. Gunnray selbst ist auf seine Heimatwelt zurückgekehrt, um seine Besitztümer in Sicherheit zu bringen und Spuren zu verwischen. Letzteres gelingt ihm nur schlecht, denn Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker finden einen Stuhl, der sie auf die Spur der Separatistenführer bringt, die neben Count Dooku von einem Cyborg unterstützt werden. Sein Name: General Grievous…

Die Geschichte nimmt sich einiger ungeklärter Fragen an. Zum Beispiel der, wer die Klon-Armee in Auftrag gegeben hat, die die Republik so bereitwillig in ihrem Krieg benutzt. Wie wurde Grievous zu einem Cyborg? Wie kam es zum Angriff auf Coruscant (am Anfang von Episode 3)? Und warum hustet Grievous so furchtbar? Sogar auf das in Episode 3 erwähnte Training von Grievous, das er von Dooku erhielt, wird eingegangen. Die Geschichte fügt sich dabei nahtlos zwischen die zwei Episoden ein und widerspricht den Filmen nicht, im Gegensatz zu manch anderen Romanen. James Luceno hat ein würdiges „Bindeglied“ zwischen den zwei Filmen geschaffen, das natürlich offen endet, weil es ja an den Anfang von Episode 3 passen muss.

Die Hörspiele sind nochmal eine Klasse für sich. Die Geschichte ist in drei etwas über eine Stunde lange Teile aufgeteilt worden, damit ist sie insgesamt länger als ein STAR-WARS-Kinofilm. Sie sind die ersten STAR-WARS-Hörspiele, die nicht von einem Film stammen und können damit das Medium voll ausnutzen, was sie auch tun. Während es bei den Hörspielen zu den Filmen unerlässlich ist, dass der Erzähler dem Hörer die Szenerie ausführlich schildert, wird dieser hier nur spärlich und bei absoluter Notwendigkeit eingesetzt. Den Rest erklären die handelnden Figuren selbst, was für etwas mehr Tempo sorgt. Hervorzurheben ist ebenfalls, dass alle Synchronsprecher, die man schon von den Filmen kennt, hier zum Einsatz kommen und somit kein Bruch entsteht. Leider bleibt dadurch das Geheimnis um Darth Sidious keines, weil man sehr deutlich hört, wer hinter dem dunklen Lord steckt. Hier hätte man entweder die Stimme von Sidious verzerren (ähnlich wie es dann in Episode 3 geschah in der Szene zwischen Anakin und Sidious) oder für den Sidious-Part – wie bei der Synchronisation von Episode 1 – die Stimme von Bert Franzke nehmen müssen. Dieser Fauxpas stört das positive Gesamtbild eigentlich nicht, aber das muss jeder für sich entscheiden.

Natürlich wurden für das Hörspiel die original Toneffekte und die Musik von John Williams verwendet, anderenfalls wäre es nicht STAR WARS. Positiv fällt auf, dass die Titelmusik nur am Anfang der ersten CD gespielt wird, was den inneren Zusammenhalt der Geschichte fördert. Es sind eben nicht drei Teile, sondern drei Kapitel eines Teils. Als STAR-WARS-Fan kann man eigentlich nur sagen: Weiter so. Richtig interessant wäre es, wenn man sich dazu entschließen könnte, einen oder mehrere der Romane, die nach Episode 6 spielen, zu vertonen, natürlich auch mit den richtigen Sprechern (Hans Georg Panczak als Luke Skywalker, Susanna Bonaséwicz als Prinzessin Leia, Wolfgang Pampel als Han Solo und Joachim Tennstedt als C3PO). Mal sehen, was die Zukunft bringt.

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Labyrinth des Bösen, Teil 1

Labyrinth des Bösen, Teil 2

Labyrinth des Bösen, Teil 3

Star Wars. Labyrinth des Bösen. – Der Roman von James Luceno

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„Labyrinth des Bösen“ – Der Roman


"Der Arschloch-Faktor" von Robert I. Sutton

Stellen Sie sich folgende Situation vor: In einer Besprechung in Ihrem Kollegenkreis wird über ein Projekt diskutiert. Im Verlauf der Diskussion reißt einer Ihrer Kollegen immer häufiger das Wort an sich, kommentiert alles und jeden und je mehr er das tut, desto unsachlicher und persönlicher werden seine Kommentare, die sich immer mehr in Attacken verwandeln. Als er Ihnen auch noch Versagen vorwirft, wird es Ihnen zu viel und sie widersprechen heftig. Das lässt er jedoch nicht gelten, egal was sie vorbringen, Ihre Arbeit wird durch Aussagen von ihm in ein schlechtes Licht gestellt, so dass jede Art einer sachlichen Diskussion endgültig unmöglich geworden ist. Verstärkt wird das ganze dadurch, dass sich nun zwei Lager bilden: diejenigen, die Ihnen beipflichten, dass alle Kritik Ihres Kollegen unsachlich seien und diejenigen, die nun ebenfalls auf Ihnen herumhacken und das teilweise in sarkastischen, verletzenden Witzen verbergen. Man beschließt also, die Besprechung zu beenden und am anderen Tag fortzusetzen, wenn sich die Gemüter etwas beruhigt haben. Sie selbst verlassen die Diskussion mit einem gemischten Gefühl, da die Attacken des Kollgen Sie ungerechtfertigt ziemlich dumm dastanden ließen, aber sie hoffen, dass Sie Ihren Standpunkt gut vortragen konnten. Am nächsten Morgen dann rufen Sie Ihre eMails ab. Siehe da, der Kollege hat Ihnen geschrieben. In einer Hass- und Schmähtirade teilt er Ihnen auf unterstem Niveau und absichtlich zutiefst verletzend mit, für wie „jämmerlich“ und „armselig“ er Sie hält. Ob dieses unerwarteten Angriffs fallen Sie in ihren Stuhl zurück und denken sich verzweifelt: „Mein Gott, was für ein Arschloch!“
Gibt es einen Menschen, dem Sie ein solches Verhalten zutrauen? Dann willkommen in der Welt der Arschlöcher, denen Robert Sutton den Kampf angesagt hat. In seinem Buch „Der Arschloch-Faktor“ beschreibt Sutton nicht nur Beispiele, sondern er zeigt auch Merkmale auf, an denen man Arschlöcher erkennt, stellt klar, welchen Schaden sie anrichten und wie man ihnen begegnen sollte.
Der Ursprung des Buches liegt in einer Anfrage einer Zeitung ob er, Sutton, Mangement-Professor aus Stanford, nicht einen Beitrag für eine Kolumne mit dem Titel „Breakthrough Ideas“ („Bahnbrechende Ideen“) hätte. Er schlug einen Text mit dem Titel „The No-Asshole-Rule“ vor, wobei er eigentlich damit rechnete, das dieser allein wegen des Titels schon abgelehnt werden würde. So deutliche Worte sind in den USA nämlich eigentlich nicht üblich, vor allen Dingen nicht, wenn sie mit einem Schimpfwort auf den Punkt gebracht werden. Sutton irrte sich, sein Text wurde gedruckt und etwas Merkwürdiges geschah: Während er auf seine üblichen Texte über erfolgreiches Management immer nur ein paar Antworten bekam, wurde er hier von einer wahren Flut vom eMails überrollt. Unzählige Menschen berichteten ihm, wie sie unter den Leuten zu leiden hatten, die Sutton zurecht mit dem einzig wahren Begriff bedachte: Arschlöcher.
Also arbeitete er weiter, suchte Statistiken und konnte somit mit Zahlen belegen, was jeder, der unter einem Arschloch zu leiden hat, schon ahnte: Arschlöcher schaden der unmittelbaren Umgebung, ihrer Arbeitsgruppe, ja, der ganzen Firma. Sie provozierten von ihrem Umfeld bestimmte Verhaltensformen, die die Effizienz eines Unternehmens beeinträchtigten und die Kreativität töteten.
Sutton verlangt in seinem Buch aber nicht, dass die Mitarbeiter einer Firma alle „Ja-Sager“ sein sollten. Diskussionen, ja Streitgespräche müsse es geben, um Ideen auszutauschen. Allerdings ging es hierbei um die Sache, und nicht um Personen. Bei Arschlöchern jedoch ist es umgekehrt: Sie halten ihre Ideen für die besten und betrachten jeden, der nicht ihrer Meinung ist, als Feind, der bekämpft werden muss.
In dem Buch wird herausgearbeitet, mit welchen Methoden die Arschlöcher arbeiten, sei es, dass sie in der Öffentlichkeit Freundlichkeit heucheln und ihre „Gegner“ im Privaten herunterputzen, eMail-Hasstiraden verfassen oder die Arbeit anderer grundsätzlich mies machen. Es wird klargestellt, welchen schlechten Einfluss sie haben und dass sie, wenn sie die entsprechende Macht haben, sich bevorzugt mit Klonen ihrer selbst umgeben, so dass eine Gruppe oder Firma sich plötzlich einer Arschloch-Invasion gegenübersieht, der nur schwer Einhalt zu gebieten ist. Sutton gibt Tipps, wie man Arschlöchern am besten beikommt und wie wichtig es ist, dass diese nicht an Macht gewinnen.
Doch Sutton ist nicht so blauäugig, die Welt nur in „Arschlöcher“ und „Nicht-Arschlöcher“ einzuteilen. Im Gegenteil, ihm ist es bewusst, dass jeder Mensch ein Arschloch sein kann, sogar er selbst. Er nennt Menschen, die unter bestimmten Situationen oder nur bei manchen Gelegenheiten Arschlöcher sind, „temporäre Arschlöcher“ und fordert dazu auf, an sich selbst zu arbeiten. Er gibt gleichzeitig zu, dass das sehr schwer ist und auch ihm nicht immer gelingt.
Er geht sogar darauf ein, dass es „amtliche Arschlöcher“ gibt, die große Erfolge verbuchen (wie der Apple-Gründer Steve Jobs, bei dem man bei Google 134.000 Treffer erhält, wenn man die Suchbegriffe „Steve Jobs“ und „asshole“ kombiniert), warnt aber gleichzeitig davor, dass ein erfolgreiches Arschloch in einer Firma so gefährlich sein kann, als würde sie ihre Energie von einem Atomreaktor des Typs „Tschernobyl“ beziehen, der auf dem Firmenparkplatz steht. Es kann sehr lange gut gehen, aber wenn ungünstige Faktoren zusammenkommen, wird sich ein Super-GAU ereignen. Zusammenfassend warnt Sutton davor, den Arschlöchern zu viel Macht zu geben und sie damit für ihr menschenverachtendes Verhalten auch noch zu belohnen.

Robert Suttons Buch ist in einem frechen Ton geschrieben und er bringt die Dinge auf den Punkt. Obwohl er primär Lektüren für Entscheidungsträger (Manager etc.) schreibt, kann dieses Buch von jedem gelesen werden, der mit Arschlöchern zu tun hat, da es zwar auch Statistiken und Bewertungen zitiert, aber nicht in einer komplizierten „Manager-Sprache“ verfasst ist. Wünschenswert wäre es, wenn es auch von einigen Arschlöchern gelesen würde, denn wie heißt es im Text so schön: „Zu erkennen, dass man ein Arschloch ist, ist der erste Schritt.“
Mehr Informationen gibt es auch auf Robert Suttons Homepage: www.bobsutton.net

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