Agent im Wiedereingliederungsprogramm: Sean Connery ist (mal wieder) James Bond

1971: Der Tod seiner Ehefrau hat Bond offenbar doch stärker mitgenommen, als man später vermuten möchte. In den zwei Jahren seitdem sie von einem Querschläger getroffen wurde, als Blofeld auf Bond schießen ließ, ist er wiederum um neun Jahre gealtert. Die zwei Jahre hat er offenbar im Wiedereingliederungsprogramm des MI-6 verbracht. Außerdem hat er den Mörder seiner Frau gejagt, um ihn zur Strecke zu bringen. Nun endlich hat er eine heiße Spur.

DIAMANTENFIEBER

Nachdem Bond Blofeld endgültig erledigt hat, wird er auf eine seiner Meinung nach „ziemlich simple Schmuggelaffäre“ angesetzt, Diamanten, die aus afrikanischen Minen verschwinden, aber nicht auf dem Markt auftauchen. Dazu nimmt er die Identität des Schmugglers Peter Franks an und trifft sich mit der Kontaktperson Tiffany Case in Amsterdam, von wo aus eine große Menge Diamanten nach Amerika zu bringen ist. Allerdings scheint etwas großes bevorzustehen, denn nachdem sie ihre Aufgabe erledigt haben, werden alle am Schmuggel Beteiligten nach und nach von dem Killerpärchen Mr. Wint und Mr. Kidd umgebracht. Die Fäden laufen offenbar im Penthouse des Milliardärs Willard Whyte in Las Vegas zusammen, der ein Weltraumforschungsprogramm betreibt. Tatsächlich sollen die Diamanten einem besonderen Zweck dienen, doch dahinter steckt nicht Whyte…

  • Synchronisation

Da Gerd Günter Hoffmann sowohl George Lazenby als auch Sean Connery sprach – wie auch in diesem Film -, war ein Übergang nicht notwendig. Im Original aber schon, und wenn man genau hinhört, wird man feststellen, dass Connery in den ersten Szenen, in denen man sein Gesicht nicht sieht, versucht, wie Lazenby zu klingen. Erst als er ganz ins Bild kommt und seinen berühmten Satz „My name is Bond, James Bond.“ sagen darf, klingt er wieder wie er selbst. In der Eingangsszene gingen leider ein paar Wortspielchen verloren, die sich nicht übersetzen lassen. Der Mann in dem Kasino sagt beispielsweise „Hit me!“, bevor er von Bond niedergeschlagen wird. „Hit“ ist eine Ansage beim „Black Jack“, die hier aber natürlich als Gag verarbeitet wurde (bedeutet wörtlich übersetzt „Schlag mich!“). Leider konnte diese Doppeldeutigkeit nicht übertragen werden, die deutsche Synchro „Reicht mir!“ ist aber sogar falsch: „Hit me!“ bedeutet, dass man noch eine Karte haben möchte, nicht, dass man genug hat.

Ein weiteres Bonmot geht verloren, als Bond der Französin Marie das Bikinioberteil auszieht, wobei er sagt: „There’s something I like to take off your chest.“ (wörtlich: „Ich möchte Ihre Brust um etwas erleichtern.“, im übertragenen Sinne bedeutet es allerdings, „eine Last vom Herzen nehmen“). Wieder die Doppeldeutigkeit, zuerst wirkt seine Anspielung sexuell, dann allerdings schlingt er das Oberteil um Maries Hals und macht deutlich, was er wirklich will: Informationen über Blofelds Aufenthaltsort.

In Amsterdam, als Bond Peter Franks, der mittlerweile aus dem Polizeigewahrsam geflohen ist, aufhalten will, tut er so, als sei er ein Einheimischer, spricht dabei allerdings zuerst Deutsch (er sagt sehr deutlich „Guten Abend!“). Sein künstlich radegebrochenes Englisch („Are you English? I speak English!“) wurde nicht ins Deutsche übertragen. Etwas später, als Bond dem toten Franks seine eigene Brieftasche zusteckt und so die Rollen tauscht, sagt er – quasi über sich selbst – „Man lebt eben doch zweimal.“ Der Bezug auf den gleichnamigen Bond-Film kommt im Original nicht vor, dort heißt es „No one is indestructable.“

Als Bond die Diamanten mit Hilfe der Leiche des toten Peter Franks in die Vereinigten Staaten einschmuggelt und sein Freund Felix Leiter den Sarg kontrolliert, findet er nichts, worauf Bond eine Anspielung auf Sherlock Holmes macht: „Elementary, Doctor Leiter.“ Im Deutschen verrät er ihm, wo die Diamanten versteckt sind: „Im Magen-Darm-Trakt, Doktor Leiter!“

Eine weitere anzügliche Anspielung konnte ebenfalls nicht direkt übertragen werden: Als Bond im Kasino in Las Vegas Plenty O’Toole trifft, stellt sie sich mit den Worten vor: „Hi there, I’m Plenty!“ Bond blickt in ihren Ausschnitt und meint nur: „But of course you are!“ Das Wort „plenty“ bedeutet „viel“ oder „eine Menge“, das Wortspiel ließ sich nicht übertragen, deswegen heißt Plenty auf Deutsch auch „Penny“. Das Gespräch allerdings wurde wörtlich übersetzt, es enthält eben nur keine Anspielung mehr.

Zuletzt ist noch auf die Synchronstimme von Doktor Metz einzugehen, über die sich die Geister schieden. Der Sprecher gab Metz nämlich einen sächsischen Dialekt, aber das geschah in Anlehnung an das Original: Metz ist Deutscher, und er spricht Englisch mit deutschem Akzent. Auch Klaus Hergesheimer („Sektion G!“) spricht eigentlich mit Akzent, aber der wurde nicht übertragen.

  • Ein Blick auf die Story

Nachdem im Anschluss an „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ klar war, dass George Lazenby Bond nicht mehr spielen würde, wurde nach jemand anderem gesucht. Da der letzte Film nicht so gut gelaufen war, gerieten die Produzenten in die Versuchung, James Bond dem Markt anzupassen. Er sollte (Zitat) „amerikanischer“ werden. Zu diesem Zweck wurde sogar ein Amerikaner, nämlich John Gavin, für die Rolle engagiert. Dann jedoch besann man sich auf Connery, der mit viel Geld und der Zusage zu zwei weiteren „Nicht-Bond“-Filmen überredet werden konnte, wieder in die Rolle des Geheimagenten zu schlüpfen.

Man kehrte auch wieder zu Bonds altem, etwas brutalerem Stil zurück. Sehr deutlich ist das im Teaser zu sehen, als Bond Blofeld finden will und er brutal mit den Informanten, sogar mit der Frau, umspringt. Allerdings wird auf das Ende von „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ nicht weiter eingegangen, nicht auf Bonds tote Ehefrau und auch nicht auf die Tatsache, dass dieser kurzfristig seinen Dienst für Königin und Krone quittiert hatte. Bond ist eben wieder da, das ist alles. Es wirkt ein wenig so, als wollte man den letzten Film schnell abschütteln, ihn wie eine missglückte Episode abschütteln.

Im Zuge dessen kehrte man zum Gigantismus zurück: Blofeld bedroht mit einem Lasersatelitten die ganze Welt. Welches Land am Meisten zahlt, dessen Atomwaffen werden nicht vernichtet. Die ganze Welt ist Blofelds Geisel – und wieder gibt es ein raffiniertes Versteck, das am Ende in die Luft fliegt. Ein Spektakel – und ein krasser Kontrast zu Lazenbys Bond, der tatsächlich sowas wie Tiefe aufbaute. Connerys Bond lässt nicht in sich hineinblicken, er erledigt seinen Job – wie drückt er sich doch aus, als er auf Blofelds Ölbohrplattform kommt: „Wir reinigen die Welt, und bei Ihnen fangen wir an!“

Dass man mit diesem Film eine Art Wiedergutmachung leisten wollte, zeigt auch, dass hier ungewöhnlich viele Szenen der Schere zum Opfer fielen, die ihn nur langatmiger gemacht hätten. Man ist beim Schreiben etwas übers Ziel hinausgeschossen, etwa als für eine Sequenz in Whytes Hotel Sammy Davis Junior persönlich gewonnen wurde. Auf Experimente verzichtete man weitgehend, und so kam eine nette James-Bond-Abenteuergeschichte heraus, die aber leider auch nicht mehr ist. Einige Flüchtigkeitsfehler trüben das Bild zudem, etwa als die Bauarbeiter in der Wüste eine Pipeline verlegen, ohne zu merken, dass der bewusstlose Bond in einer der Röhren liegt oder als Tiffany Case den als Frau verkleideten Blofeld an seiner weißen Katze erkennt, obwohl sie ihn nie zuvor gesehen hat.

Nach Abschluss der Arbeiten verkündete Sean Connery zum wiederholten Male seinen Abschied von der Rolle des James Bond. Die Produzenten standen also erneut vor der Aufgabe, einen Nachfolger zu finden. Denn wie schon Tradition, so war auch bei diesem Film die Fortsetzung im Abspann schon angekündigt: „Live and Let Die“.

Ende? Nein, nicht ganz. James Bond wird zurückkehren in:

AGENT MIT BESONDERER NOTE: Roger Moore ist James Bond

Agent mit Herz: George Lazenby ist James Bond

Nach den Ereignissen von „Feuerball“ ist Bond offenbar in die Klinik „Shrublands“ zurückgekehrt, um sich weiteren Behandlungen zu unterziehen. Denn als er uns zum Beginn seines neuesten Abenteuers begegnet, sieht er mindestens neun Jahre jünger aus. Außerdem hatte er offenbar Zeit, sein Leben zu überdenken. Er zweifelt an seiner Arbeit und ob es wirklich das Richtige für ihn ist, vor allem, nachdem er einer unbekannten Schönen begegnet.

IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT

Bonds Suche nach Ernest Stavro Blofeld gerät ins Stocken, als er der Gräfin Teresa – genannt Tracy – di Vicenzo über den Weg läuft. Sie ist die Tochter des notorischen Gauners Marc Ange Draco, der Bond wertvolle Informationen über Blofeld liefern könnte. Draco bietet Bond eine Million Pfund Sterling, wenn er Tracy heiratet, doch das muss er gar nicht mehr: Bond hat sich verliebt – und es ist offenbar etwas anderes als seine bisherigen Liebschaften. Außerdem kann Draco wertvolle Informationen liefern, so dass Bond Blofeld auf die Spur kommt, der inzwischen in der Schweiz residiert, auf dem „Piz Gloria“, und versucht, sich den Adelstitel „Vicomte de Bleauchamp“ vom königlichen Heraldik-Institut bestätigen zu lassen. Bond gibt sich als der Heraldiker Sir Hillary Bray aus und wird in Blofeld Hauptquartier gelassen, als jedoch seine Tarnung auffliegt, muss er flüchten – und landet geradewegs in Tracys Armen. Noch immer gejagt von Blofelds Häschern trifft der Agent eine folgenschwere Entscheidung: Er will seine Karriere beim Geheimdienst aufgeben und Tracy heiraten…

  • Synchronisation

Ein neuer Darsteller des James Bond – aber keine neue Stimme: Auch George Lazenby wird von Gerd Günter Hoffmann gesprochen. Allerdings ist bei der Synchronarbeit offenbar niemanden aufgefallen, dass man sich eine Tricks bedient hat, wenn Bond Sir Hillary Bray verkörpert. Es ist nämlich nicht Lazenbys Stimme, die man in diesen Szenen hört, sondern die des Darsteller von Sir Bray, George Baker. Damit sollte klargemacht werden, dass Bonds Tarnung nahezu perfekt ist. An anderen Stellen wurde teilweise mehr eingedeutscht, zum Beispiel der italienische Hotelconcierge, der mit Akzent und italienischen Phrasen spricht (so schwärmt er von Tracy: „Que bello!“, sagt auf Deutsch aber: „Eine Schönheit!“). Selbst das Lied „Do you know how Christmas Trees are grown?“, das bei Bonds Ankunft unterhalb von Piz Gloria im Hintergrund zu hören ist, wurde durch die deutsche Version „Wovon träumt ein Weihnachtsbaum im Mai?“ (gesungen von Katja Ebstein) ersetzt. Und als Bond sich zu Irma Bund in die Kutsche setzt und sie ihn fragt, ob er bequem sitzt, ist seine Antwort: „Yes, Fraulein, very comfortable.“, auf Deutsch aber: „Mehr warm als bequem.“ Der Polizist schließlich, der am Ende des Films neben Bonds Auto anhält, hat im Original gar keinen Text, darf im Deutschen aber eine Frage stellen.

Bei der Bearbeitung des Films für die „Ultimate Edition“ auf DVD wurde eine Szene eingefügt, die man aus dem Film entfernt hatte: Während Bond in das Büro der Anwaltskanzlei Gumboldt einbricht, unterhalten sich Tracy und Draco darüber, was zwischen Bond und ihr läuft. Die Szene musste nachträglich synchronisiert werden, dabei wurden leider andere Sprecher als bei der ursprünglichen Synchro verwendet.

  • Ein Blick auf die Story

Nachdem Connery den Ausstieg aus der Bond-Reihe verkündet hatte, musste ein Ersatz gefunden werden. Der Australier George Lazenby wurde durch einen Werbespot entdeckt, man traute ihm zu, die Geschichte, die man mit Bond vorhatte, glaubwürdig herüberzubringen. Den Produzenten war nach „Man lebt nur zweimal“ klar geworden, dass man den Gigantismus nicht beliebig würde steigern können, also wollte man die Handlung auf den Boden zurückholen. Der Einsatz der „Gadgets“ der Abteilung Q wurde zurückgefahren und außerdem durfte 007 sowas wie ein Gefühlsleben entwickeln. Seine Liebe zu Tracy sollte so stark sein, dass er für sie sogar seinen Beruf an den Nagel hängen würde. Das tragische Schicksal, das sie am Ende des Films ereilt, war auch schon vorgezeichnet und das Drehbuch so geschrieben, das es zwei Versionen hätte geben können: Eine, bei der der Film in dem Moment beendet gewesen wäre, da das Auto der frisch verheirateten davonfuhr und die Szene, in der Tracy von Blofeld erschossen wird, am Anfang des nächsten Films gekommen wäre; die zweite wurde aber letztlich verwendet, nämlich dass Tracys Tod das Ende darstellte. Und das war ein Glücksfall, denn Lazenby sollte keinen weiteren Bond-Film mehr machen. Die Beteiligten der Filmproduktion gaben in Interviews Jahre später zu, dass Lazenby so eine Art Sündenbock war, denn er wurde dafür verantwortlich gemacht, dass der Film „nicht ganz so“ erfolgreich lief, wie seine Vorgänger, und gefeuert.

„Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ ist ein für diese Reihe ungewöhnlicher Film. Zwar weiß Bond sich immer noch mit seinen Fäusten – und allerlei anderen Waffen – zur Wehr zu setzen, doch es gibt Momente, da zeigt er Persönlichkeit. Er ist keine Killermaschine, sondern ein Mensch, der auch Gefühle hat. Etwas merkwürdig kommt es einem nur vor, dass Bond so unsterblich in Tracy verliebt ist, aber auf Piz Gloria mit mehreren der dort zur Kur weilenden Frauen eine Affäre beginnt. Mit Telly Savalas in der Rolle von Blofeld hat man Bond zugleich einen Bösewicht von Format ausgesucht. Eigentlich hatte der Film also gute Zutaten. Leider war die Presse schon skeptisch, als sie erfuhr, dass es einen Nachfolger für Connery geben würde und der relativ unbekannt war. Mit Genuss wurden Geschichten weiterverbreitet, etwa dass Diana Rigg, die Darstellerin der Tracy, angeblich Lazenby aufdringlich fand und vor den Kussszenen absichtlich Knoblauch zu sich nahm, damit er es nicht übertrieb. Bond war also schon angeschlagen, bevor der Film überhaupt in den Kinos lief. Nicht einmal die Tatsache, dass George Lazenby als „Bester Nachwuchsdarsteller“ mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde, half weiter.

„Versöhnung der Technik mit der Natur“, so lautet die Inschrift auf dem Piz Gloria, die in einer Szene zu sehen ist. Man könnte es als Credo für diesen Film sehen, denn die Technik, die in den letzten Produktionen überhand genommen hatte, wurde wieder etwas zurückgefahren, um dem Menschlichen Platz zu machen. Bond bekam Tiefe, wenn auch hauptsächlich nur für diese Folge. Offenbar war die Zeit noch nicht reif für den „Mensch James Bond“, sondern nur für den Superhelden.

Ende? Nein, nicht ganz. James Bond wird zurückkehren in:

„AGENT IM WIEDEREINGLIEDERUNGSPROGRAMM: Sean Connery ist (mal wieder) James Bond“

Agent auf Anfang: Sean Connery ist James Bond

England, in den 1950er Jahren. Ein junger Mann aus einer wohlhabenden Familie tritt nach mehreren Studiengängen und Erfahrungen in der britischen Marine seinen Dienst bei der Auslandsabteilung des britischen Geheimdienstes MI-6 an. Er ist für diese Arbeit prädestiniert, denn er ist Vollwaise, unverheiratet und hat keine Kinder. Sein Name ist Bond, James Bond, und er wird in den folgenden Jahren zum wertvollsten Mitarbeiter des Geheimdienstes werden. Er erhält die „Lizenz zum Töten“ und bekommt die Codenummer „007“.

JAMES BOND JAGT DOKTOR NO

Auf Jamaika verschwinden der Kontaktmann des britischen Geheimdienstes, Strangways, und seine Sekretärin spurlos. Der Spitzenagent James Bond wird auf diesen Fall angesetzt. Er findet heraus, dass Strangways auf seiner Suche nach einer Störquelle, die amerikanische Raketen von ihrem Kurs ablenkt, eine Insel mit Namen „Crab Key“ und deren Besitzer Doktor No im Auge hatte. Nachdem ihm mehrfach aufgelauert wird, arbeitet er mit dem CIA-Agenten Felix Leiter und dem Eingeborenen Quarrel zusammen, um auf die Insel zu kommen. Dort trifft er nicht nur auf die nach Muscheln suchende Honey Rider, sondern auch auf einen Drachen und eine wahre Armee von Wachmannschaften. Endlich jedoch steht er dem Gebieter der Insel gegenüber: Doktor No in Person…

  • Synchronisation

Wenn man den Film heute betrachtet, fällt einem zuallererst die deutsche Stimme von Sean Connery auf. Dabei handelt es sich um Klaus Kindler, der das nur in diesem Film machte. In allen weiteren Bond-Filmen wird Connery von Gerd Günther Hoffman gesprochen. Die Qualität der Synchro ist ganz ordentlich, es wurden ein paar Anpassungen vorgenommen, zum Teil auch zum Vorteil. Etwa als Bond von einem Leichenwagen verfolgt wird, der dann einen Abhang herunterstürzt. Bond wird gefragt, was passiert sei. Im Original antwortet er: „Die hatten es wohl eilig, zu einer Beerdigung zu kommen.“ Im Deutschen wird daraus: „Die hatten es wohl eilig, zu ihrer eigenen Beerdigung zu kommen.“ Der deutsche Satz passt viel besser zu dem Zynismus, den man Bond zugeschrieben hat (dazu später mehr).
Abgeschwächt wurde hingegen die Erklärung, was eine Lizenz zum Töten sei. Im Original ist es eindeutig – Bond „darf“ andere töten. In der deutschen Fassung wurde „im Notfall“ eingefügt, so dass es so klingt, als sei seine „Lizenz zum Töten“ nichts weiter als eine erweiterte Notwehrerlaubnis.
Chaotisch wird die Synchro bei Doktor No und der Organisation, der er angehört. Offenbar dachten die Übersetzer nicht an die Möglichkeit einer Fortsetzung, so dass diese Organisation in „Doktor No“ den Namen „GOFTAR“ bekam, später zuerst „Phantom“ und schließlich wie im Original „SPECTRE“ genannt wurde. „Spectre“ ist ein Ausdruck der Vorliebe der Engländer für „sprechende Abkürzungen“. „Spectre“ als Wort bedeutet soviel wie „Gespenst“ oder „Phantom“, es ist hier aber gleichzeitig die Abkürzung für „SPecial Executive for Counterspionage, Terrorism and REvenge“. Die Doppeldeutigkeit wurde in „Doktor No“ weggelassen und dafür versuchte man, die Bedeutung wörtlich zu übertragen: „GOFTAR“ bedeutet „GeheimOrganisation Für Terror, [Spionage], Angriff und Rache“. Noch dazu behauptet No im Deutschen, er wäre „Präsident“, während er im Englischen lediglich ein „member“ ist. In der Fortsetzung „Liebesgrüße aus Moskau“ wird auch nur noch davon geredet, dass No ein „Mitarbeiter“ von SPECTRE gewesen sei.

  • Ein Blick auf die Story

Dass eine Reihe von James-Bond-Filmen erfolgreich werden könnte, erkannten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman bereits sehr früh unabhängig voneinander. Allerdings hatten Sie ein Problem: „Casino Royale“, der eigentlich den Auftakt für die Buch-Reihe bildete, war bereits vom amerikanischen Fernsehsender CBS verfilmt worden und die Filmrechte von daher nicht verfügbar. Anfang der 1960er Jahre hatten schließlich Ian Fleming, Kevin McClory und Jack Whittingham in Gemeinschaftsarbeit ein Konzept entwickelt, das entweder die Pilotfolge einer Fernsehserie über James Bond werden sollte, oder aber der erste Film. Als die Überlegungen zu einem solchen Projekt ins Stocken gerieten, wurden die Arbeiten an dem Drehbuch aufgegeben, aber Fleming verwendete sie für seinen neuesten Roman: „Thunderball“. Da er seine Mitschreiber nicht angegeben hatte, kam es zu Rechtsstreitigkeiten, die zu dem Zeitpunkt, da endlich ein Bond-Film gedreht werden sollte, noch nicht beendet waren. Deswegen fiel auch dieses Konzept von vornherein flach.

Dann begann man die bisher erschienenen Romane zu durchsuchen und fand „Dr. No“ am geeignetsten. Eine andere Wahl wäre „Leben und sterben lassen“ gewesen, doch an den traute man sich noch nicht heran, weil der Bösewicht hier ein Farbiger war, und man sich nicht dem Vorwurf des Rassismus aussetzen wollte. Dafür nahm man ein paar Anpassungen vor, zum Beispiel in Bezug auf den Jamaikaner Quarrel oder den CIA-Agent Felix Leiter, die Bond beide im Roman bereits kennt, hier aber erst noch kennenlernen muss. Die Einführung der Verbrecherorganisation SPECTRE diente dazu, die Geschichten zu „entpolitisieren“, wo immer das für nötig befunden wurde. Hauptsächlich war das in „Liebesgrüße aus Moskau“ der Fall, dort ist in der Romanvorlage der russische Geheimdienst Bonds Gegner. SPECTRE wurde ursprünglich im Rahmen des „Thunderball“-Konzepts erfunden.

Der Auftakt hat noch nicht alles, was Bond später auszeichnet, und im Vergleich zu späteren Filmen nimmt er sich fast bescheiden aus. Bond erhält zum Beispiel als einzigen Ausrüstungsgegenstand von der Abteilung Q (deren Leiter allerdings als „Major Boothroyd“ angesprochen wird) seine neue Dienstwaffe, eine Walter PPK. Maurice Binder hatte den Einfall, den Film mit einer Sequenz zu beginnen, bei der man Bond durch den Lauf einer Pistole sieht – damit war das Markenzeichen der Serie schlechthin geboren. Monty Norman komponierte die Musik und das „James-Bond-Thema“ – und den letzten Schliff für die Figur gab Hauptdarsteller Sean Connery selbst. In einer Szene fährt Bond bei der britischen Botschaft vor. Auf dem Rücksitz seines Wagens sitzt die Leiche eines Handlangers von Doktor No, der sich, nachdem Bond ihn überwältigt hatte, selbst mit Zyankali vergiftete. Laut Drehbuch sollte Bond einfach aussteigen und in die Botschaft gehen, vorbei an dem Wachposten, dem kurz darauf auffällt, dass der Passagier im Wagen tot ist. Regisseur Terence Young gefiel das nicht, ihm fehlte etwas. Also sagte er zu Connery: „Improvisiere. Sag irgendwas zu dem Wachposten.“ Dieser überlegte kurz, dann wurde die Szene gedreht. Connery fährt vor, die Leiche auf dem Rücksitz. Er steigt aus, geht auf die Wache zu, deutet auf den Toten und meint: „Passen Sie auf, dass er sich nicht verdrückt.“ Der Satz ist die Geburtsstunde des typischen Bond-Zynismus, mit dem dieser in Zukunft viele seiner Handlungen kommentieren wird.

Aus heutiger Sicht wirkt „Doktor No“ natürlich ein wenig antiquiert. Manche Kampfszenen wirken ein wenig hölzern und mancher Blue-Screen-Effekt ist deutlich sichtbar (trotz der Bearbeitung des Videomaterials für die DVD-Veröffentlichung). Auch kommt meiner Ansicht nach nicht ganz klar raus, warum Doktor No eigentlich die amerikanischen Raketen mit Hilfe seiner Strahlen in die Irre lenkt. Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen Klassiker, der die Starthilfe für das Genre des Agentenfilms gab und den ersten Schritt zu einer der erfolgreichsten Filmserien aller Zeiten darstellt.

LIEBESGRÜSSE AUS MOSKAU

Den britischen Geheimdienst erreicht eine Nachricht aus Istanbul. Tatjana Romanova, Mitarbeiterin der russischen Botschaft, hat sich in das Passbild des britischen Agenten James Bond verliebt. Sie will ihn kennenlernen und bietet an, eine „Lektor“, eine russische Dechiffriermaschine zu beschaffen. Alles was man tun muss, ist, ihr zur Flucht zu verhelfen. Geheimdienstchef M wittert eine Falle – und er hat mehr recht, als ihm lieb ist: Hinter der Aktion stecken nicht die Russen, sondern die Verbrecherorganisation „Phantom“ (Spectre). Der Plan ist, Bond büßen zu lassen für den Tod von Doktor No und gleichzeitig mit den Russen ein gutes Geschäft zu machen, wenn man ihnen ihre Dechiffriermaschine zurückbringt. Bond begibt sich nach Istanbul, stets überwacht von dem Phantom-Agenten Red Grant…

  • Synchronisation

Was natürlich als erstes zu bemerken ist, ist Gerd Günther Hoffman, der ab diesem Film Connerys Stammsprecher wurde. Als zweites fällt auf, dass man nun doch auf die Idee kam, den Namen der Organisation „Spectre“ besser zu übersetzen, und zwar mit „Phantom“. Das passt recht gut, dummerweise gibt es dazu aber keine Abkürzung wie im Orginal. In der Kinovorschau führte das zu einer recht witzigen Situation, wenn man die englische und die deutsche Version des Vorschaufilms vergleicht, denn hier wurde mit großen Buchstaben auf SPECTRE hingewiesen und gleich die Bedeutung geliefert: „Special Executive…“ Im Deutschen kommt an der Stelle PHANTOM, sowie der Hinweis, dass es sich um eine internationale Verbrecherorganisation handelt. Für ein wenig Verwirrung beim deutschen Publikum sorgte die Tatsache, dass der in dieser Folge nur von hinten zu sehende Spectre-Chef Blofeld von Friedrich Jolow gesprochen wurde. Jolow hatte zuvor in „James Bond jagt Doktor No“ dem Titelbösewicht seine Stimme geliehen und so war nicht klar, ob Doktor No und der geheimnisvolle Fremde dieselbe Person sein sollen. Blofelds Name wird übrigens nicht genannt, auch in der Originalfassung nicht, er ist lediglich „Nummer 1“. Im Abspann jedoch wird er erwähnt, allerdings ist kein Darsteller angegeben, lediglich ein „?“.

  • Ein Blick auf die Story

Das ursprüngliche Konzept sah vor, den Zuschauer ein wenig aufs Glatteis zu führen. Die Geschichte sollte mit der Rekrutierung von Tatjana Romanova durch Rosa Klebb beginnen, so dass der Zuschauer zuerst glauben sollte, die Russen stecken hinter allem. Erst später wäre die Szene in Venedig gefolgt, in der klar wird, dass der Plan von „Phantom“ eingefädelt wurde und Klebb nicht mehr dem russischen Geheimdienst angehört. Auch die Szene, in der Red Grant ein James-Bond-Double tötet, sollte erst später kommen. Als die erste Schnittfassung erstellt wurde, kam man darauf, die Szenen umzustellen. Dabei erfand man ein weiteres Markenzeichen zukünftiger Bond-Filme sein sollte: die Auftaktsepisode, kurz „Teaser“. Die Szene mit Red Grant wurde herausgenommen und zwischen den Anfang mit dem Pistolenlauf und der Titelsequenz gesetzt.
Was die Titelsequenz betrifft, dieser merkt man an, dass Maurice Binder nicht verfügbar war. Die Idee, die Titel auf den Körper einer Bauchtänzerin zu projizieren, ist nett, mehr aber auch nicht. Der Ideenreichtum Binders fehlt völlig, aber dieser sollte erst wieder ab „Feuerball“ die Gestaltung des Titels in die Hand nehmen. Zudem wurde für die Sequenz nicht die von Matt Munroe gesungene Fassung des Liedes „From Russia with Love“ genommen, sondern eine instrumentale.

Die Haupthandlung des Films wurde ebenfalls neu zusammengestellt und die Venedigszene, in der der Plan von „Phantom“ erklärt wird, an den Anfang genommen. Zwar musste die Szene dazu nachsynchronisiert werden, damit der Text in die neue Handlungsanordnung passt, aber es hat dem Film nur gut getan. Da der Zuschauer nun von Anfang an über das doppelte Spiel von „Phantom“ Bescheid weiß, kommt ein zusätzliches Spannungsmoment hinzu, wann James Bond endlich merkt, wer der Gegner wirklich ist.

Erstmals taucht in diesem Film Desmond Llewelyn als Waffenmeister „Q“ auf, und erstmals darf er Bond mit den „Gadgets“ ausstatten, für die die Filmreihe auch berühmt werden sollte. In diesem Fall ist es ein speziell ausgestatteter Koffer mit diversen Geheimfächern und der Sicherung durch eine Tränengaspatrone.

Natürlich wirkt auch diese Handlung etwas antiquiert angesichts des typischen „Kalter-Krieg“-Konflikts, aber die Reihe und ihre Technik hatten sich entwickelt. Der Kampf zwischen Bond und Red Grant in dem Zugabteil wurde so real wie möglich umgesetzt, dass selbst bei der Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen mehr als zwanzig Jahre später überlegt wurde, diese Szene wegen ihrer Brutalität zu kürzen. Gegenüber dem Roman hat die Handlung des Films wesentliche Änderungen erfahren. „Phantom“ wurde hineingeschrieben, damit es zu keinem diplomatischen Zwischenfall mit den Russen kommen konnte, wären diese als Bösewichte dargestellt worden. Und das Kinoplakat, durch das der bulgarische Attentäter Krilencu flüchtet, ist im Roman nicht ein Bild von Anita Ekberg, sondern Marilyn Monroe. Das Plakat gab den Produzenten allerdings eine Möglichkeit, Schleichwerbung für den im gleichen Jahr erschienenen Film „Call me Bwana“ zu machen.

„Liebesgrüße aus Moskau“ ist eine solide Abenteuergeschichte, mit der der Weg von James Bond an die Spitze der Kinounterhaltung abgesteckt wurde. Der Erfolg war entsprechend und lieferte die Möglichkeit, den folgenden Film noch aufwändiger zu gestalten.

Dass es einen weiteren Film geben würde, daran ließen die Produzenten keinen Zweifel, nicht nur dadurch, dass die Identität Blofelds nicht aufgedeckt wurde, sondern auch an dem Satz, der ab da in jedem Abspann zu lesen sein sollte: „James Bond will return.“

GOLDFINGER

Der britische Geheimdienst hat ein Auge auf den Millionär Auric Goldfinger geworfen. Dieser schmuggelt Gold in großen Mengen, und Bond wird auf ihn angesetzt, um herauszufinden, was dahinter steckt. Bei seinem ersten Treffen überführt Bond Goldfinger des Falschspiels, was seine Geliebte ausbaden muss: Sie wird getötet, indem man sie mit Gold überzieht. Bond folgt Goldfinger in die Schweiz, wo dieser eine Fabrik hat, und erfährt, dass er eine große Aktion plant, die den Namen „Unternehmen Grandslam“ trägt. Der Geheimagent wird überwältigt und in die USA verschleppt. Dort wird klar: das Ziel von „Unternehmen Grandslam“ ist das Golddepot der Vereinigten Staaten in Fort Knox. Doch Goldfinger will nichts stehlen, im Gegenteil…

  • Synchronisation

Leider entgeht dem englischsprachigen Publikum etwas, nämlich Gert Fröbes Originalstimme. Sein gesamter Part wurde von Michael Collins nachsynchronisiert, da Fröbe zu unverständlich sprach. Lediglich in einem Trailer, der nicht synchronisiert wurde, ist er im Original zu hören, wie er den Satz „No, I expect you to die!“ sagt. Ein paar Anpassungen gab es wieder gegenüber dem Original, etwa den Satz „Shocking… positively shocking.“, der sich nicht wörtlich übertragen ließ (Bond sagt dies, nachdem er den Angreifer im Teaser mit Hilfe eines ins Badewasser geworfenen Heizstrahlers erledigt hat).

  • Ein Blick auf die Story

Mit „Goldfinger“ zog der Gigantismus in die Agentenreihe ein. Während bei „Doktor No“ lediglich ein paar Raketen fehlgelenkt wurden und es in „Liebesgrüße aus Moskau“ um eine Dechiffriermaschine ging, nahmen die Bedrohungen ab sofort regelmäßig globale Ausmaße an (zumindest war aber eine größere Menge Menschen in Gefahr). In diesem Film ging es um die Weltwirtschaft, die ins Chaos gestürzt worden wäre, hätte Goldfinger seinen Plan durchziehen können, die Goldvorräte der USA in Fort Knox radioaktiv zu verseuchen (hm… möglicherweise hat ein Nachfahre von Goldfinger diese Pläne im September 2008 erfolgreich zu Ende gebracht?). Doch die Geschichte ist solide und nicht zu übertrieben. Das „Delta-9-Nervengas“ habe ich im Internet allerdings nicht gefunden (lediglich Delta-9-Tetrahydrocannabinol, kurz „THC“, dem Bestandteil von Cannabis). Auch Goldfingers Riesenlaser gehörte in den 1960er Jahren noch nicht zur Standardausstattung von Verbrechern. Allerdings waren die Offiziellen von Fort Knox beeindruckt, wie gut das Innere des Tresors wiedergegeben sei, obwohl keiner vom Filmteam aus Sicherheitsgründen Zutritt zu diesem Raum hatte. Und zum ersten Mal darf der Zuschauer in diesem Film einen Blick auf die Werkstatt von Waffenmeister Q werfen, der mit dem trickreichen ASTON MARTIN DB5 das erste der großen Gadgets konstruiert, für die Bond berühmt ist.

Erneut war Maurice Binder für die Gestaltung des Haupttitels nicht verfügbar, also griff man auf die Idee von „Liebesgrüße aus Moskau“ zurück, nur projizierte man diesmal Ausschnitte aus den vergangenen beiden Filmen auf den Körper der jungen Dame, die ganz mit Gold überzogen wurde. Nicht sehr einfallsreich, aber zum Film passend. Shirley Bassey sang das Titellied, und diesmal wurde nicht die Instrumentalversion für den Einstieg verwendet.

„Goldfinger“ setzte einen Maßstab als Film, nicht nur für die James-Bond-Reihe, sondern auch für andere Werke. Die Serie hatte nun alle Bestandteile, die in Zukunft Synonym für den Namen „James Bond“ sein sollten: exotische Schauplätze, schöne Frauen, Abenteuer, eine große Gefahr, eine wohlklingende Titelmusik und Qs Spielereien.

FEUERBALL

SPECTRE / Phantom ist zurück. Durch gewiefte Manipulation gelingt es ihnen, zwei Atombomben zu erbeuten und die Welt zu erpressen. Bond, der zufällig Zeuge eines Teils dieser Manipulation geworden ist, verfolgt eine Spur auf die Bahamas, nach Nassau. Dort trifft er auf Emilio Largo, einem der Handlanger von Phantom. Er hat den Plan eingefädelt und ausgeführt und möchte jede Gefährdung durch Außenstehende vermeiden – erst recht durch einen britischen Geheimagenten. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, die Atombomben zu finden und unschädlich zu machen, bevor sie zur Explosion gebracht werden…

  • Synchronisation

„Schwitze, Gräflein, schwitze schnell, schwitzen macht die Äuglein hell… hrm…“

Die Synchronisation nahm sich ein paar Freiheiten heraus. Das kleine Liedchen trällert Bond, nachdem er Graf Lippe, Helfershelfer von Phantom, im Schwitzbad eingeschlossen hat – aber nur in der deutschen Fassung. An anderer Stelle mussten gewitzte englische Wortspiele übertragen werden, was leider nicht immer funktionierte. So sagt Bond zum Beispiel, nachdem er einen von Largos Handlangern mit einer Harpune erschossen hat: „I think he’s got the point.“, was im übertragenen Sinne soviel bedeutet wie „Ich glaube, jetzt hat er’s kapiert.“, aber auch wörtlich mit „Ich glaube, er hat die Spitze abgekriegt.“ übersetzt werden kann. Die Doppeldeutigkeit konnte leider nicht ins Deutsche übertragen werden, und so sagt Bond dort lediglich: „Einer weniger von den Strolchen.“ Der Titel des Films selbst musste angepasst werden, da „Donnerball“ („Thunderball“) im Deutschen nach nichts klingt (und phonetisch verdammt nahe an „Donnerbalken“ ist). Das ließ sich gut arrangieren, da es sich bei dem Begriff lediglich um den Codenamen für die Aktion des britischen Geheimdienstes handelt.

  • Ein Blick auf die Story

Die Geschichte von „Thunderball“ ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Nein, wirklich! Ursprünglich wurde das Konzept als Pilotfilm einer James-Bond-Fernsehserie entworfen, dann als erster Film für eine Kinoreihe, nachdem beides so nicht realisiert wurde, schrieb Fleming es in einen Roman um. Dummerweise hatte er aber die Geschichte nicht allein entworfen und versäumte es sträflich, seine Co-Autoren Kevin McClory und Jack Whittingham zu erwähnen. Ein Gerichtsverfahren folgte, schließlich einigte man sich darauf, dass die Autoren an den Umsätzen beteiligt würden und Kevin McClory erhielt zudem das Recht, den Roman nach Ablauf von 10 Jahren neu zu verfilmen.

Allerdings war „Thunderball“ nicht die erste Wahl für den neuen Film. Eigentlich wollten die Produzenten „On Her Majesty’s Secret Service“ verfilmen. Das scheiterte daran, dass ein Großteil dieser Geschichte im Schnee spielt und der Produktionsplan nicht auf den Winter ausgerichtet war. Daher wurde „On Her Majesty’s Secret Service“ zweimal verschoben. „Feuerball“ setzt den in „Goldfinger“ begonnen Gigantismus konsequent fort und bietet eine weitere spannende Abenteuergeschichte an exotischen Schauplätzen, die allerdings durch die Unterwasserschlachten manchmal etwas langatmig wirkt. Dennoch war das Publikum beeindruckt, so beeindruckt, dass das Militär bei der Produktionsfirma anrief und sich für die kleine Atemapparatur interessierte, die Bond benutzt. Sehr enttäuscht war man allerdings, als der Produzent mitteilen musste, dass dieses kleine Gerät, mit dem Bond für ein paar Minuten Luft bekommen sollte, nur getrickst war.

Bleibt nur noch auf die Rückkehr von Maurice Binder hinzuweisen, der fortan bei jedem Film für die Titelsequenz verantwortlich zeichnete. Binders Titel geben eine gute Einstimmung auf den jeweiligen Film und sind zweifellos eines der Markenzeichen der Reihe geworden.

MAN LEBT NUR ZWEIMAL

Eine Rakete der Amerikaner, besetzt mit zwei Astronauten, wird von einem unbekannten Raumschiff abgefangen und entführt. Die Amerikaner verdächtigen die Russen und drohen mit Krieg. Lediglich die Briten bewahren die Ruhe und weisen darauf hin, dass der unbekannte Flugkörper offenbar in Japan gelandet sein muss und setzen Bond auf den Fall an. Dazu täuschen sie dessen Tod vor und bringen in ihn Kontakt mit „Tiger“ Tanaka, dem japanischen Geheimdienstchef. Bond kommt dahinter, dass die Operation von einem Chemiekonzern, Osata Chemicals, versorgt wird. Stützpunkt des fremden Raumschiffs ist ein erloschener Krater, und hinter der Sache steckt (natürlich) niemand anderes als SPECTRE. Der Plan ist, die Amerikaner und Russen in einen Krieg zu provozieren, damit eine dritte Macht aufsteigen kann. Und endlich machen wir Bekanntschaft mit Spectre Nummer 1: Ernest Stavro Blofeld…

  • Synchronisation

Das Chaos über den Namen der Organisation, gegen die Bond kämpft, ist mit diesem Film komplett: Erst GOFTAR, dann PHANTOM, nun SPECTRE auch im Deutschen. Es gab auch noch weitere Anpassungen, deren Sinn nicht ganz klar wird. So bleibt Bond in der Szene der Sumo-Arena einmal stumm, während er im Original „domo arigato“ sagt. Als er auf der Ning-Po gefangen ist und von Helga Brandt verhört wird, zeigt ihn diese ein Skalpell und fragt: „Wissen Sie, was das ist?“ Im Englischen sagt Bond: „I’d rather not.“, im Deutschen nichts. Und als Tanaka und Bond die Badezeremonie begehen, fordert Tanaka die Mädchen mit einem „Ich bin der Hausherr!“ auf, ihn ebenfalls einzuseifen, während er im Original Japanisch spricht.

Im U-Boot wirft Moneypenny Bond ein Sprachlexikon zu, worauf jener sagt: „Du vergisst, dass ich in Cambridge Sprachen studiert habe. Doswidanje!“ Das letzte Wort ist natürlich als Scherz gemeint, da es Russisch und nicht Japanisch ist, kommt aber in der englischen Fassung nicht vor. Stattdessen heißt es dort, Bond habe „oriental languages“ studiert.

Das relativ niedliche „Pfannkuchengesicht“, das Tanaka der Frau bescheinigt, die Bond als Tarnung heiraten soll, ist im Original wesentlich härter: „She’s got a face like a pig!“ Und als diese Frau Bond Austern zum Abendessen serviert und dann darauf besteht, in getrennten Betten zu schlafen, sagt der Agent: „Then I won’t need these.“ als sexuelle Anspielung, was im Deutschen verharmlost wurde mit: „Dann will ich auch keine Austern.“

  • Ein Blick auf die Story

Ein aufwändiges Versteck, das am Ende in die Luft gesprengt wird, das sollte es ab diesem Film noch häufiger bei Bond geben. Dass es dazu kam, dafür sorgte der Umstand, dass sich ein Teil von Flemings Roman nicht umsetzen ließ. Der Autor hatte nämlich ein Schloss am Meer als Blofelds Versteck entworfen. Dummerweise bauten die Japaner in der Nähe des Meeres aber keine Schlösser, weil die Gefahr von Taifunen (die schon Wickie nicht froh machten) viel zu groß war. Also suchte man im Hubschrauber, der von einem ehemaligen Kamikaze-Piloten gesteuert wurde, nach etwas Neuem und kam auf die Idee, das Versteck in einem erloschenen Vulkankrater zu bauen. Dazu wurde die bis dahin größte Filmkulisse in den Pinewood Studios gebaut. Was am Ende in die Luft gesprengt wurde, war aber ein Modell.

Für die Rolle der Helga Brandt wurde die deutsche Schauspielerin Karin Dor engagiert. Leider gab es ein Problem, da sie eine Arbeitserlaubnis brauchte. 1966, als der Film gedreht wurde, war nun gerade Fußball-Weltmeisterschaft in England und es kam zum Endspiel zwischen Deutschland und England. Sean Connery höchstpersönlich brachte Karin Dor und ihrer Managerin einen Fernseher aufs Hotelzimmer, damit sie das Endspiel sehen konnten (Fernseher waren damals in Hotels noch keine Selbstverständlichkeit) und meinte im Gehen: „Das könnte ein Problem geben. Wenn die Deutschen das Spiel heute gewinnen, krieg Karin die Arbeitserlaubnis nie!“ Nun, die Deutschen haben das Spiel nicht gewonnen, zumindest nicht offiziell. Die deutsche Sprache war nach dem Spiel um den Begriff „Wembley-Tor“ reicher und Karin Dor bekam ihre Arbeitserlaubnis.

Eine andere Rolle bereitete auch Probleme: Erstmals sollte Ernest Stavro Blofeld wirklich zu sehen sein, aber der Schauspieler, der zuerst engagiert worden war, wirkte zu freundlich. Donald Pleasance sprang ein und wurde mit einer Narbe verunstaltet, um den Erzbösewicht abzugeben.

„Man lebt nur zweimal“ vervollkommnete den Bond-Gigantismus in zweierlei Hinsicht: Zum ersten Mal ging es wirklich um die Vernichtung großer Teile der Welt durch einen Atomkrieg, zum zweiten war Blofelds Versteck wirklich riesig. Der Erfolg des Films sprach für sich, auch wenn Kritiker die Figuren durch die riesigen Kulissen und Spezialeffekte etwas in den Hintergrund gedrängt sahen und Abnutzungserscheinungen sahen. Letzteres kann aber auch der Tatsache geschuldet sein, dass Connery nach diesem Film seinen Ausstieg aus der Reihe verkündete. Im Abspann war aber bereits angekündigt: „James Bond will return in ‚On Her Majesty’s Secret Service'“. Damit begann das Rätselraten darum, wer wohl als nächstes den Anzug von Bond tragen durfte.

Sean Connery hatte der Reihe einen sehr guten Start verschafft und die Figur massgeblich geprägt, zum Teil durch seine Schauspielerei, aber auch durch seine Ideen (wie etwa den Zynismus, den er in „Doctor No“ prägte). Ein Nachfolger, soviel war klar, würde es sehr schwer haben. Es würde sogar noch schwieriger werden…

Das Ende? Nein, nicht ganz. James Bond wird zurückkehren in:

„AGENT MIT HERZ: George Lazenby ist James Bond“

„Bond. James Bond.“

1953 wurde ein von dem Briten Ian Fleming geschriebenes Buch veröffentlicht: „Casino Royale“. In den ersten Seiten des Romans passiert etwas ungewöhnliches: Die Hauptfigur wendet sich an den Leser selbst. Bond sei sein Name, teilt er mit, James Bond, Agent im Geheimdienst ihrer Majestät, der englischen Königin. Auch seine Kennnummer erfährt der Leser: 007. Die doppelte Null bedeute, so Bond weiter, dass er die „Lizenz zum Töten“ habe. Die haben nur die neun besten Agenten und – das gibt 007 unumwunden zu – bedeute, dass er ein „Mann fürs Grobe“ sei, einer, der die Drecksarbeit mache. Wenn beispielsweise ein ungeliebter Politiker einen merkwürdigen, tragischen Unfall erleide, dann war das in der Regel ein Doppelnull-Agent. Mit dieser Selbsteinschätzung beginnt die berühmteste Agentenkarriere der Welt, und Fleming hatte ein neues Genre erschaffen.

55 Jahre später sind 14 Bücher um James Bond aus der Feder von Ian Fleming erschienen, und die Kinopremiere des 22. (offiziellen) Films steht bevor. Und deswegen wollen wir einen Blick auf die Film-Reihe werfe und uns mit verschiedenen Fragen beschäftigen. Bereits „Casino Royal“ war ein solcher Erfolg beschert, dass kurz darauf die Filmrechte an das amerikanische Fernsehen vergeben wurde, wo 1954 die erste verfilmte Version des Stoffes ausgestrahlt wurden. Als Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre sich die Produzenten Harry Salzman und Albert R. „Cubby“ Broccoli um die Filmrechte bemühten, bekamen sie diese für „Casino Royale“ nicht – aber für die anderen Romane. Die Rechte wurden von einer unabhängigen, extra zu diesem Zweck gegründeten Firma übernommen: DANJAQ, deren Name sich von den Vornamen der Ehefrauen von Salzman und Broccoli ableitete, Dana und Jacqueline.

Da „Casino Royale“ nicht gemacht werden konnte, musste ein anderer Roman den Auftakt bilden.  Man nahm den Ende der 1950er Jahre erschienen „Dr. No“ – und die Reihe konnte ihren Anfang nehmen.

Fleming hatte ein gewisses Stammpersonal entwickelt, das für die Filme übernommen und ausgebaut wurde. Da ist Bonds Vorgesetzter, den man nur unter dem Buchstaben „M“ kennt, und der gern etwas mürrisch über Bonds Eskapaden ist. Seine Sekretärin Miss Moneypenny, die so gern einmal mit Bond ausgehen würde, aber es nie darf. Nicht zu vergessen Q, der Waffenmeister. Besonders seine Rolle wurde für die Filme stark erweitert, da die Romane zwar einen Hauch Exotik hatten, Bond aber nie die Gadgets wie in den Filmen bekommt.

Manche Dinge ließen sich nicht so ohne weiteres von den Romanen übernehmen. So wird die überwiegende Anzahl der Bösewichter in den ersten Romanen von den Russen oder Ex-Nazis gestellt. Immerhin herrschte der kalte Krieg. Für die Filme beschloss man, dass es besser sei, die Politik etwas in den Hintergrund zu stellen und erfand eine fiktive Verbrecherorganisation. Man wollte diplomatische Verwicklungen auf alle Fälle vermeiden.

Auch die Filme selbst haben ihre besonderen Markenzeichen erhalten. Neben dem von Monty Norman komponierten und von John Barry arrangierten James-Bond-Thema ist vor allem die von Maurice Binder entworfene „Gun Barrel Sequence“ hier am Bekanntesten. Alle Filme seit „Dr. No“ beginnen mit einer Sequenz, die durch einen Pistolenlauf gefilmt wurde, Bond kommt von rechts ins Bild, als er ungefähr auf der Mitte ist, dreht er sich zum Zuschauer und schießt. Diese Sequenz wurde oft und gern von anderen Filmen und Serien parodiert.

Eine der großen Fragen, die immer aufkamen, war, ob die Hauptfigur in all den Filmen ein und dieselbe Person ist. Das lag daran, dass im Laufe der Zeit die Schauspieler wechselten und nicht erklärt wurde, warum sich Bonds Aussehen änderte (und zumeist auch verjüngte). Allerdings wurden Hinweise gestreut, aus denen man herauslesen kann: Ja, es ist dieselbe Person.

Der erste Wechsel war von Sean Connery zu George Lazenby in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“. In diesem Film betrachtet sich Bond, als er seinen Dienst quittieren will, Souvenirs aus vergangenen (Connery-)Abenteuern. Auf die Hochzeit, die im gleichen Film stattfindet, wird in „In tödlicher Mission“ Bezug genommen, als Bond – inzwischen von Roger Moore dargestellt – das Grab seiner Frau besucht. Ebenfalls erwähnt wird die Hochzeit in „Lizenz zum Töten“, Bond wird hier von Timothy Dalton verkörpert. Und auch als Pierce Brosnan die Rolle spielt, gibt es Anspielungen; der Titel des Films „Die Welt ist nicht genug“ ist der Wappenspruch der Familie Bond, was in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ enthüllt wurde. Zudem sieht man einige Souvenirs vergangener Abenteuer in „Stirb an einem anderen Tag“, unter anderem aus „Octopussy“ (mit Roger Moore) und „Feuerball“ (mit Sean Connery).

Der große Bruch kam erst, als die Produzenten endlich die Rechte an „Casino Royale“ erhalten hatten und diesen Geschichte mit einem neuen Darsteller verfilmten. Anstatt einen Film zu produzieren, der vor „Dr. No“ spielt, ließ man die Geschichte um 007 in der Gegenwart beginnen. Bond muss sich seine Doppel-Null-Lizenz erst verdienen, die „Gun Barrel Sequence“ kommt erst zum Beginn des Titellieds und das Bond-Thema erst am Ende, wenn der Agent sich zum ersten Mal mit der Formel „Bond. James Bond.“ vorstellt. Außerdem ist es Bond – entgegen der bisherigen Filmreihe – auch völlig egal, ob sein Wodka Martini geschüttelt oder gerührt ist.

In den folgenden Tagen wollen wir anlässlich der demnächst stattfindenden Filmpremiere einen Rückblick auf die bisherigen Abenteuer machen einer Reihe von Filmen, die ihren Abschluss fand und nochmal von vorn gestartet wurde. Aber wie soll man diese Reihe sehen? Vielleicht kann man alles das vergleichen mit parallelen Universen, über die vor allem in Science-Fiction-Geschichten berichtet wird. Es gibt ein Universum, in dem Bonds erstes Abenteuer „Casino Royale“ im Jahr 1953 ist, das Fleming auf dem Papier erschaffen hat. In einem weiteren Universum ist „Dr. No“ Bonds 1962 erstes Abenteuer, und der Agent wird über 40 Dienstjahre arbeiten, in deren Verlauf er sich immer mal wieder auf wundersame Weise verjüngt. Und in einem weiteren Paralleluniversum ist James Bond ein Kind unserer Zeit, der 2006 in „Casino Royale“ seine Lizenz zum Töten erhält und gegen einen seltsamen, übermächtigen Gegner antreten muss.

Wenn wir einen Blick auf diese Paralleluniversen werfen, müssen wir uns jeweils einem besonderen Unterpunkt zuwenden: der deutschen Synchronisation, die manchmal ihre eigenen Wege gegangen ist. Die Artikel werden durch die Filmreihe gehen und nach dem jeweiligen Hauptdarsteller zusammengefasst. Das gibt einen, wie ich hoffe, interessanten und ein wenig neuen Einblick in das Leben des wohl berühmtesten Geheimagenten der Welt.

„Ich bewundere Ihren Mut, Miss…?“
„…Trench. Sylvia Trench. Ich bewundere Ihr Glück, Mister…?“
„…Bond. James Bond.“

(aus Dr. No)

STAR WARS – Episode 3: Die Rache der Sith [Rezension]

Drei Jahre dauern die Klon-Kriege bereits an, als die Separatistenbewegung ein riskantes Manöver unternimmt: Sie ziehen ihre Kräfte über Coruscant zusammen und überfallen die Hauptstadt der Republik. Im Zuge dieses Handstreichs gelingt es ihnen, den Obersten Kanzler Palpatine gefangen zu nehmen. Anakin Skywalker und Obi-Wan Kenobi werden zurückbeordert. Sie befreien den Kanzler und Anakin tötet Count Dooku. Leider entkommt der General der Separatistenarmee, ein Wesen, halb Droide, halb Mensch: Grievous.
Während die Jedi Obi-Wan allein losschicken, um nach diesem zu suchen, muss Anakin mit einer Reihe verwirrender Eindrücke fertigwerden: Padmé ist schwanger, er bekommt neue Alpträume, dass sie bei der Geburt des Kindes stirbt, auf Betreiben von Palpatine wird ihm ein Sitz im Rat der Jedi gewährt, allerdings ohne dass er zum Meister befördert wird. Die Jedi ahnen nicht, dass der letzte Schritt der Sith, die Falle für die Jedi zuschnappen zu lassen, kurz bevorsteht…

  • Rezension

Teil 3 markiert die größte Not, in die die Galaxis im Verlauf der Saga stürzen wird. Nun endlich kommen all‘ die kleinen Spiele ans Licht, nur dummerweise haben sich die Jedi so sehr gefangen nehmen lassen, dass sie sich nicht mehr befreien können. Ihr Untergang steht bevor. Und auch diesmal, bevor ich weitermache, die Warnung: Dies ist keine gewöhnliche Rezension, um die Motive der Episode zu ergründen, komme ich nicht umhin, Plotverläufe und zukünftige Entwicklungen – und damit verbundene eventuelle Überraschungen – offen zu legen. Lesen Sie bitte nur dann weiter, wenn Ihnen damit nicht zu viel verraten wird.

„Die Rache der Sith“ beginnt handlungstechnisch, bildlich und musikalisch mit einem Paukenschlag. Nachdem das Vorwort vorbei ist, tauchen wir mitten ein in die Schlacht von Coruscant. Lucas‘ Erzählart, eine Geschichte nicht am Anfang, sondern sozusagen „in medias res“ zu beginnen, wird damit auf die Spitze getrieben. Anakin Skywalker und Obi-Wan Kenobi sind mit ihren Jägern mitten in der Schlacht und suchen das Schiff von General Grievous, um den entführten Kanzler Palpatine zu befreien. Dieser ist, wie Obi-Wan später erwähnt, mit seinen 13 Jahren Amtszeit weit über die übliche Zeit eines Regierungschefs der Republik hinaus. Nur durch Sonderverordnungen und -vollmachten ist ihm das gelungen, ein Treiben, das die Jedi mit zunehmenden Argwohn betrachten. Was dahinter steckt, nämlich dass Palpatine und der Sith-Lord Darth Sidious ein und dieselbe Person sind, erkennen sie nicht. Sie halten es lediglich für Manöver eines machtbesessenen Politikers, der seinen Stuhl nicht räumen will.

Nachdem Obi-Wan und Anakin in Grievous‘ Schiff eingedrungen sind, finden sie den Kanzler – und treffen auf Count Dooku. Es kommt zum erneuten Duell zwischen den dreien. Dooku gelingt es, Obi-Wan außer Gefecht zu setzen, doch Anakins Kräfte sind in der Zwischenzeit gewachsen. Er überwindet den Sith-Lord und schlägt ihm die Hände ab. In dem Moment befiehlt Palpatine, Anakin sollte ihn töten. Schließlich sei er ein Sith und zu gefährlich, um am Leben zu bleiben. Anakin kämpft mit sich selbst, weil dieser Mord gegen den Kodex der Jedi verstößt, doch dann tut er es. Die Flucht gelingt allerdings nicht, und die Jedi werden mit dem neuen General der Separatisten konfrontiert: Grievous, einem ehemaligen Lebewesen, der jetzt zum größten Teil ein Droide ist. In der folgenden Auseinandersetzung gelingt ihm die Flucht, wobei er sein eigenes Flaggschiff dem Untergang geweiht zurücklässt. Anakin gelingt es jedoch, dieses mit einer Bruchlandung zu Boden zu bringen.

Auf Coruscant trifft Anakin auf Padmé, die ihm eröffnet, von ihm schwanger zu sein. Ihre heimliche Beziehung hat sich damit noch verkompliziert, doch Anakin freut sich, was sich kurz darauf ändert: Wie Jahre zuvor bei seiner Mutter bekommt er nun Visionen von Padmé, die stirbt – bei der Geburt des Kindes. Doch er ist wild entschlossen, sie zu retten.

Palpatine will Anakin wegen seiner besonderen Verdienste zu „Augen und Ohren der Republik“ im Jedi-Rat machen. Er geht dabei sehr subtil vor. Einerseits versucht er, Anakins Gewissenskonflikt um den Mord an Count Dooku zu zerstreuen, andererseits sät er Zweifel gegenüber den Jedi. Anakin weiß, dass er gegen den Kodex der Jedi verstoßen hat, doch Palpatine bezeichnet es als eine „natürliche Reaktion“, er habe sich nur dafür rächen wollen, dass ihm Dooku den Arm abgeschlagen hat. Wieder sieht man Palpatines / Sidious‘ Talent, Leute zu seinen Gunsten in die Irre zu führen: Er redet Anakin ein, dass es sein Wunsch gewesen sei, Dooku zu töten, obwohl er es erst getan hat, nachdem der Kanzler ihn dazu angestachelt hatte. Diese seine eigene Rolle bei der Sache lässt er allerdings unter den Tisch fallen. Zweifel gegenüber den Jedi sät Palpatine, indem er diese verdächtigt, einen Staatsputsch zu planen und behauptet, er halte lediglich Anakin für vertrauenswürdig genug, deswegen solle er den Sitz im Rat erhalten und ihn warnen, falls die Jedi etwas gegen die Republik planen.

Natürlich weiß Palapatine, dass die Jedi von seinem Vorstoss nicht sehr erfreut sind, aber das ist sogar eingeplant. Denn so fügen sich die Jedi seinem Wunsch, aber sie verweigern Anakin die Ernennung zum Meister. Als kurz darauf zur Sprache kommt, dass Obi-Wan nach General Grievous suchen soll, verwehren sie ihm diesen Auftrag. Anakin ist wütend und enttäuscht, obwohl Obi-Wan ihn zu beruhigen versucht. Er sei das jüngste Mitglied im Rat der Jedi, darauf solle er stolz sein.

Weiter verunsichert wird Anakin durch ein Gespräch mit Meister Yoda. Er führt dies wegen seiner Visionen um den Tod von Padmé. Doch anstatt ihm erwartungsgemäß einen Rat zu geben, was er tun kann, um diese Ereignisse zu verhindern, sagt ihm Yoda, dass man um die, die in die Macht eingehen, nicht trauern soll. Das widerspricht Anakins Gefühl, und in die Lücke springt mal wieder Palpatine, der von Darth Plagues dem Weisen erzählt. Er habe die Midichlorianer so manipulieren können, dass sie Leben erschufen, womit er das Sterben der Menschen verhindern konnte. Als Anakin nachfragt, ob man diese Fähigkeit lernen könnte, antwortet der Kanzler: „Jedenfalls nicht von einem Jedi.“

Die Jedi hingegen begehen einen weiteren Fehler, indem sie umgekehrt Anakin auf den Kanzler ansetzen. Sie misstrauen ihm, geben sie unumwunden zu, und wollen wissen, was passiert, wenn der Krieg wirklich beendet wird – ob Palpatine dann alle seine Sondervollmachten wie versprochen wieder zurückgebe. Doch damit „bestätigen“ sie das Misstrauen, das Palpatine schon zuvor ausgesprochen hat: die Jedi planen eine Verschwörung, die Republik zu übernehmen. Sie verstoßen damit auch gegen ihre eigenen Regeln, nicht in die Politik einzugreifen, genauso wie es die Sith geplant haben. Die Sith haben die Jedi dadurch, dass einer der ihren im höchsten politischen Amt sitzt, quasi dazu gezwungen, gegen den eigenen Kodex zu handeln. Dadurch wird es später einfacher, gegenüber dem Volk und den Senatoren zu behaupten, die Jedi hätten einen Aufstand geplant.

Obi-Wan reist unterdessen nach Utapau, wo er Grievous stellt und töten kann. Anakin wird auf Coruscant beauftragt, dem Kanzler die Botschaft zu übermitteln. An seiner Reaktion darauf wollen sie ablesen, was zu tun ist. Palpatine überrascht Anakin mit sehr viel Wissen um die dunkle Seite der Macht – und da erkennt er, dass er Darth Sidious vor sich hat. Er meldet seine Erkenntnis dem Jedi-Rat weiter. Wieder zeigt der Sith-Lord höchste Flexibilität in seinem Plan: Zuerst lässt er seinen Schüler Dooku töten, weil ihm klar war, dass Anakin sehr viel machtvoller sein wird, nun überlässt er Anakin scheinbar die Entscheidung, ob er zum Rat geht oder nicht. Ihm ist bewusst, dass Anakin zwischen zwei Welten schwankt und er pokert hoch. Anakin geht in der Tat zu Mace Windu und teilt ihm mit, was er herausgefunden hat. Mace geht mit einigen Jedi zum Kanzler, um ihn festzusetzen. Dieser lässt dabei alle Masken fallen und verteidigt sich mit einem Laserschwert, das er hervorragend zu führen versteht.

Anakins innerer Konflikt ist indessen auf dem Höhepunkt. Er quält sich mit seiner Entscheidung. Einerseits ist er ein Jedi – andererseits will er Padmé retten. Schließlich bricht auch er zum Büro des Kanzlers auf. Dort angekommen ist dieser von Mace Windu in die Enge getrieben worden. Seine Machtblitze werden vom Laserschwert des Jedi-Meisters zurückgeworfen und entstellen ihn. Windu will den Sith töten, da er zu gefährlich sei, um am Leben zu bleiben. Anakin will ihn lebendig, um wenigstens die Chance darauf zu haben, von seinem Wissen um Leben und Tod für Padmé zu profitieren. Er hält Windu auf, indem er ihm beide Hände abschlägt, worauf Sidious den Jedi-Meister aus dem Fenster seines Büros in die Straßenschluchten von Coruscant schleudert.

An diesem Punkt hat sich alles so weit kummuliert, dass Anakin bereit ist, sich für die dunkle Seite zu entscheiden. Sidious benutzt auch immer noch Tricks, indem er beispielsweise behauptet, wenn Anakin die Separatisten vernichtet (die der Sith ja selbst angestachelt hat), herrsche endlich Frieden in der Galaxis. Die Jedi erklärt er zu Feinden der Republik und schickt Anakin mit einigen Klon-Batallionen in den Jedi-Tempel. Gleichzeitig lässt er an alle in der Galaxis verteilten Truppen die „Order 66“ ausgeben. Dieser geheime Befehl war den Klon-Truppen während ihrer Herstellung auf Kamino einprogrammiert worden. Sie wenden sich damit gegen die sie befehlenden Jedi und töten sie. Nur Yoda, der einen Feldzug auf Kashyyk geleitet hat, entkommt mit Hilfe der dort lebenden Wookiees, sowie Obi-Wan, der bei einem Schuss aus dem Hinterhalt knapp verfehlt und für tot gehalten wird.

Zurück auf Coruscant müssen die beiden von Anakins Taten erfahren, der im Jedi-Tempel selbst die Jünglinge nicht verschonte. Yoda bestimmt, dass es Obi-Wans Aufgabe sei, seinen ehemaligen Schüler aufzuhalten, während er selbst Sidious konfrontieren werde. Selbiger ist gerade dabei, eine Rede vor dem Senat zu halten. Er bezichtigt die Jedi der Kollaboration und des Verrats der Republik und verkündet gleichzeitig die Umformung dieser in das erste „Galaktische Imperium“, dessen Imperator er sein wird. Die Senatoren spenden Beifall, was Padmé zu der entsetzten Feststellung treibt: „So geht die Demokratie unter. Mit tosendem Applaus!“

Die Beispielse ähnlicher Situationen in der Geschichte der Menschheit sind vielfältig, wenngleich es natürlich kein direktes Vorbild gibt. Die wenigsten Anführer, die sich schließlich zu Tyrannen entwickelten, hatten ihre Machtübernahme so minutiös geplant. Meistens war es der Fall, dass sie am Anfang noch tatsächlich aus höheren Motiven handelten, dann aber von der erlangten Macht so berauscht waren, dass sie sie nicht mehr abgeben wollten. „Cäsaren-Wahn“ nennt man so was auch, und das gibt es im großen wie im kleinen. Prominentestes Beispiel für eine solche Machtübernahme, die tatsächlich auch von vorneherein einem Plan folgte, ist sicherlich Adolf Hitler, dessen Partei das deutsche Parlament zunächst mit Verfahrensfragen blockierte und dann Schritt für Schritt die Macht an sich riss, bis das „Dritte Reich“ ausgerufen wurde. Wieder griff hier – wie auch bei Palpatine – das Argument, dass Demokratie viel zu kompliziert sei, weil es so viele Leute mit so vielen Meinungen gäbe, und dass es sehr viel einfacher wäre, wenn ein starker Mann alle Staatsgeschäfte regelt, ohne dass ihm jemand reinredet.

Nachdem er sich zum Imperator erklärt hat, wird Palpatine von Yoda konfrontiert. Das Duell geht unentschieden aus, auch wenn die beiden dabei den halben Senat zerlegen. Yoda kann Palpatine nicht besiegen und flieht mit Hilfe von Senator Bail Organa von Alderaan.

Obi-Wan spricht mit Padmé und erzählt ihr von Anakins Taten. Besorgt folgt diese Anakin zum Planeten Mustafar, wo dieser die Anführer der Separatisten ermordet hat. Obi-Wan fliegt als blinder Passagier in ihrem Schiff mit. Als Anakin ihn sieht, verdächtigt er Padmé, sich auch gegen ihn gewandt zu haben. Er würgt sie, als er sie loslässt, bleibt sie bewusstlos liegen. Es kommt zunächst zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen ihm und Obi-Wan, der beide Seiten nochmal aufzeigt. Obi-Wan wirft Anakin vor, er habe sich manipulieren lassen, worauf Anakin die Jedi der Lüge bezichtigt. Wütend bezeichnet er Padmé quasi als sein Eigentum („Ihr habt sie gegen micht aufgehetzt!“ – „Ihr werdet sie mir nicht wegnehmen!“), Obi-Wans Einwand, dass sein Verhalten das bereits getan hätte, wischt er beiseite („Erteilt mir keine Lektion!“). Er brüstet sich damit, Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit für „sein“ neues Imperium gebracht zu haben. Obi-Wan erwidert, seine Loyalität läge bei der Republik und der Demokratie. Zum zweiten Mal geht Anakin auf sein Argument nicht ein: „Wenn Ihr nicht auf meiner Seite steht, dann seid Ihr mein Feind!“ Damit macht er klar, dass das Duell nicht mit Argumenten auszutragen sei. Wenn Obi-Wan nicht seine Ansicht teilt, ist er sein Feind. Basta! Damit beginnt das berühmte Duell zwischen Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker, einer der Dreh- und Angelpunkte der STAR-WARS-Saga.

Bei dem Duell stolpert Anakin über seine Selbstüberschätzung. Obi-Wan ist ihm tatsächlich überlegen, dennoch bringt er es nicht über sich, ihn zu töten, als er ihn schwer verletzt hat. Die Hitze eines Lavastroms setzt ihn schließlich in Brand. Obi-Wan hält ihn für so gut wie tot, nimm sein Laserschwert mit und verlässt den Ort mit der ebenfalls verletzten Padmé.

Nun kommt es zu einer sehr symbolischen Geburtsszene: Während Padmé ihre Kinder auf die Welt bringt (es sind Zwillinge, wie sich überraschend herausstellt) und ihnen den Namen Luke und Leia gibt, wird Anakin in einem Behandlungsraum von Medo-Droiden versorgt. Seine abgetrennten Gliedmaßen werden durch mechanische Implantate ersetzt, seine Atmung durch ein Lebenserhaltungssystem unterstützt und sein verbranntes Gesicht hinter einer schwarzen Maske versteckt. Aus Anakin Skywalker ist endgültig Darth Vader geworden. Und wie er es vorausgesehen hat, stirbt Padmé kurz nach der Geburt an gebrochenem Herzen. Ihre Kinder aber leben, Leia wird von Senator Organa adoptiert und Luke zu Owen Larrs und Beru nach Tatooine gebracht. Obi-Wan wird in seiner Nähe bleiben und auf ihn achten. Yoda geht auf einen Sumpfplaneten namens Dagobah ins Exil. Und das neue „Galaktische Imperium“ beginnt mit dem Bau einer Superraumstation von der Größe eines kleinen Mondes.

Alles, was die Jedi versucht haben, hat sich in dieser Episode gegen sie gewendet. Selbst die Klone, die die Republik so bereitwillig eingesetzt hat, obwohl ihre Herkunft mehr als zweifelhaft war. Vielfach wurden die Fallstricke von ihren eigenen, starren Regeln gezogen, die sie dann gezwungen waren zu brechen. So gesehen hat sich die Prophezeiung des Auserwählten schon zur Hälfte erfüllt, wenn auch auf eine sehr grausame Weise. Wenn in den nächsten drei Episoden die Sith zu Fall kommen, wird es danach die Aufgabe der Erben der Jedi sein, einen neuen Orden aufzubauen, der keine so strikte Einteilung nach heller und dunkler Seite vornimmt. Denn jeder Mensch hat beides in sich, Licht und Schatten. Eine Seite davon abzulehnen bedeutet, sich selbst abzulehnen. Man muss lernen, damit umzugehen. Und außerdem ist es nicht so, dass man einmal eine Entscheidung für eine Seite trifft, die dann das ganze Leben beeinflusst. Die Entscheidung muss man ständig treffen. Man ist nicht gefeit vor der einen oder der anderen Seite. Das leugnen wir im wahren Leben gern, genauso wie es die Jedi geleugnet haben. Selbst Obi-Wan gab zu, Gefühle entwickelt zu haben, brüderliche Gefühle für Anakin Skywalker. Seine Enttäuschung, ja seine Wut darüber, dass Anakin sich der dunklen Seite angeschlossen hat, ist ihm deutlich anzumerken. Und die Gefühle sind es auch, die ihn daran hindern, selbst Hand an den schwer verletzten Schüler zu legen. So überlebt Darth Vader, damit er letztlich den Imperator zu Fall bringen kann. Erst dann ist der Ausgleich erreicht – und man kann nochmal neu anfangen.

Die Episoden 1 bis 3 sind von manchen Fans sehr hart kritisiert und abgelehnt worden. Ich persönlich denke, dass das jeder mit sich selbst ausmachen sollte. Es ist die Wiedergabe vieler bekannter Motive aus der wirklichen Welt in einer Galaxis „weit, weit von hier entfernt“. Insofern sind die Episoden 1 bis 3 sogar vielschichtiger als 4 bis 6. In 4 bis 6 waren die Fronten nämlich sehr deutlich und klar gezeichnet, die Geschichte eingeteilt in „gut“ und „böse“. In 1 bis 3 kann man sich nie zu sicher sein. Wie ich zu Beginn dieser Rezensionsreihe schon erwähnte, hängt das vermutlich mit George Lucas‘ persönlicher Entwicklung zusammen. Die Episoden 1 bis 3 sind im letzten Schliff nochmal geprägt worden von unserer Gegenwart.

Man muss sie nicht mögen, Kritikpunkte gibt es sicher viele. Aber das ist weder ein Grund noch eine Rechtfertigung für die teilweise groben Beleidigungen, die hier die Runde machen. Das erinnert ja fast an die schlimmsten Zeiten des Konflikts „Star-Wars-Fans gegen Star-Trek-Fans“.

Mit dieser Geschichte war die erste Trilogie abgeschlossen. Ungefähr 20 Jahre sollte die Galaxis unter der Herrschaft des Imperiums leiden, bevor die Handlung von Episode 4 einsetzt und deren Untertitel zufolge „Neue Hoffnung“ bringt. Mehr Ereignisse von diesem Zeitraum soll uns eine Serie nahebringen, die demnächst produziert werden soll. Da darf man gespannt sein.

Die Saga ist noch lange nicht beendet…

STAR WARS – Episode 2: Angriff der Klonkrieger [Rezension]

Zehn Jahre nach den Kämpfen um Naboo: Die Handelsföderation hat die Schmach nicht vergessen, die man ihr zugefügt hat. Aus dem Aufstand ist eine Bewegung der Separatisten geworden. Immer mehr Systeme wenden sich gegen die Republik. Der Senat diskutiert die Möglichkeit, eine große Armee aufzustellen, um die Separatisten zu bekämpfen. Als die Senatorin Amidala von Naboo auf Coruscant eintrifft, wird sie beinahe Opfer eines Attentats. Zu ihrem Schutz werden die Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker abgestellt, die ein weiteres Attentat verhindern können. Dabei kommen sie einem Kopfgeldjäger auf die Spur, der Kontakt zu den Hintermännern haben könnte.

Deswegen müssen sich die Jedi trennen: Obi-Wan verfolgt eine Spur, die ihn nach Kamino bringt, wo eine gewaltige Armee aus Klonen geschaffen wurde. Angeblich wurde die Armee von dem Jedi-Meister Sifo-Dyas für die Republik über zehn Jahre zuvor in Auftrag gegeben. Sifo-Dyas war zu dem Zeitpunkt aber bereits tot. Obi-Wan hat einen Kopfgeldjäger namens Jango Fett im Auge, der das genetische Material für die Klone spendete.

Anakin Skywalker begleitet Amidala auf ihren Heimatplaneten. Während sie untertaucht, um weiteren Attentätern kein Ziel zu bieten, soll er ihr Beschützer sein. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Romanze, die aber von Alpträumen überschattet wird, die Anakin von seiner Mutter hat. Schließlich brechen er und Amidala nach Tatooine auf, um nach ihr zu suchen.

Auf Coruscant wird die Lage kritisch, als die Jedi eine Botschaft von Obi-Wan empfangen, der dem Kopfgeldjäger Fett nach Geonosis gefolgt ist. Offenbar sind die Separatisten gerade dabei, eine riesige Droidenarmee aufzustellen, die in einen Krieg gegen die Republik geführt werden soll. Da es keine Armee der Republik gibt, lässt sich Kanzler Palpatine über einen geschickten Schachzug Sondervollmachten durch den Senat erteilen, um eine solche aufzubauen. Damit ist auch klar: Die Republik braucht die Klone von Kamino…

  • Rezension

Episode 2 ist das Mittelstück der Geschichte, die die Prequels erzählen, und damit in einer etwas undankbaren Position. Im Mittelstück kommt traditionell die größte Not zum Tragen, die normalerweise mit dem letzten Teil wieder aufgelöst wird. Das geht hier aber nicht, denn die Auflösung von Episode 3 ist eigentlich der absolute Niedergang. Bevor ich fortfahre, auch hier wieder der Hinweis: Da dies eine sehr ausführliche Betrachtung dieser Episode ist, komme ich nicht umhin, Plotverläufe aus zukünftigen Episoden – und damit verbundene Überraschungen – offen zu legen. Sollten Sie also tatsächlich die Filme noch nie gesehen haben und sich überlegen, ob Sie das mal tun sollten, ist diese Rezension für Sie nicht so sehr geeignet. Entscheiden Sie selbst, ob sie weiterlesen wollen.

Sie sind noch da? Schön, machen wir weiter.

Zehn Jahre sind seit dem Ende von Episode 1 vergangen, zehn Jahre, in denen sich die Situation nicht zum Besten gewendet hat. Im Gegenteil, die Handelsföderation sinnt auf Rache für die Schmach vergangener Tage. Gleichzeitig schließen sich immer mehr Republikwelten den Separatisten an. Padmé Amidala, die mittlerweile nicht mehr Königin von Naboo ist, sondern für ihren Heimatplaneten im Senat spricht, lehnt jedoch eine Idee gänzlich ab: Die Aufstellung einer großen Armee der Republik. Sie befürchtet einen endlosen Bürgerkrieg, wenn das geschieht und setzt weiter auf Verhandlungen. Deswegen kommt sie am Anfang von Episode 2 persönlich nach Coruscant, um im Senat eine Rede zu halten. Dabei fällt sie beinahe einem Attentat zum Opfer.

Kanzler Palpatine ist (vorgeblich) in Sorge: Padmé will sich von dem Attentatsversuch nicht einschüchtern lassen. Auf sein Drängen akzeptiert sie es schließlich, dass zwei Jedi zu ihrem Schutz abgestellt werden: Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker. Der Gedanke, Amidala wieder zu begegnen, macht Anakin nervös. Einerseits wartet er sicher seit zehn Jahren darauf, anderer bereitet es ihm Unbehagen, dass sein so lang gehegter Wunsch endlich Erfüllung geht. Sehr deutlich wird das dabei, dass er bei der Begegnung in alte Verhaltensmuster zurückfällt. Als Padmé von dem Attentat erzählt, verspricht Anakin ihr, den Attentäter ausfindig zu machen. Obi-Wan widerspricht heftig; das sei nicht ihr Auftrag. Anakin versucht, wie in Episode 1, Padmé zu beeindrucken. Damals tat er es mit dem Droiden und dem Podrenner, diesmal damit, dass er ihr seine Tatkraft unter Beweis stellt und sie beschützen will. Der Beschützerinstinkt ist sehr stark in Anakin, was noch Komplikationen geben wird, in dieser Episode, wenn es um seine Mutter geht; und in Episode 3, wenn es um Padmé geht.

Der junge Padawan ist aber gleichzeitig sehr enttäuscht. Padmé hat ihn kaum wiedererkannt, und ganz bestimmt hat sie ihn nicht so vermisst, wie er sie. Während er vor der Tür ihres Quartiers noch mit Obi-Wan diskutiert, schwebt ein Droide von außen an ihr Fenster und lässt zwei giftige Tiere, die Tausenfüsslern ähneln, in den Raum gleiten. Die Jedi können die Tiere im letzten Moment töten; als Obi-Wan den Schwebdroiden entdeckt, springt er aus dem Fenster und hängt sich an diesen in der Hoffnung, er werde ihn zum Attentäter führen. Doch dieser Attentäter, ein Changeling (Wechselbalg) mit Namen Zem Wessel, kann in einem Schwebgleiter entkommen. Als kurz darauf Anakin mit einem weiteren Gleiter eintrifft, kommt es zu einer wilden Verfolgungsjagd, die in einer Bar endet. Obi-Wan überwältigt Zem und bringt sie nach draußen. Sie weigert sich zunächst, die Hintermänner preiszugeben, als Anakin sie wütend anbrüllt, will sie reden – wird aber von einem Unbekannten in einer Schutzrüstung erschossen.

In der Szene wird Anakins teilweise unbeherrschter Charakter zum Ausdruck gebracht. Mehrmals bereits hat ihn Obi-Wan tadeln müssen. Denn Anakin, der ohne Vater aufgewachsen ist, hat ein sehr deutliches Problem mit Vaterfiguren und ist sehr schnell bereit, gegen diese zu rebellieren. Kanzler Palpatine – Darth Sidious – macht sich das zunutze, er ist der einzige, der Anakin ermutigt und fördert. Nach dem Attentat soll Amidala als Flüchtling getarnt anonym auf ihren Heimatplaneten zurückkehren. Palpatine setzt sich dafür ein, dass Anakin sie als ihr Beschützer begleiten soll – und hat Erfolg. Das hinterlässt bei Anakin natürlich bleibenden Eindruck. Alle anderen kritisieren ihn, manche Jedi haben sogar Angst vor ihm, nur Palpatine will ihm augenscheinlich Gutes tun. Der junge Padawan hat in seiner Kindheit nicht gelernt, dass ein Vater nicht immer nur nachgebend sein kann, sondern auch mal streng sein muss – so wie Obi-Wan. Stattdessen sieht er in seinem Mentor jemanden, der versucht, ihn zu bremsen.

Auf Naboo kommen sich Anakin und Padmé näher. Auch hier verfällt Anakin zuerst wieder in sein altes Verhaltensmuster, indem er versucht, Padmé mit seinen Jedi-Künsten zu beeindrucken. Bei einem Picknick im Grünen reden beide über unverfängliche Dinge, kommen aber auch auf die Politik zu sprechen. Hierbei zeigt sich Anakins Ansicht von Politik, die so einfältig wie konsequent ist: Wenn Politiker nicht fähig sind, sich zu einigen, was das beste für das gesamte Volk ist, sollte sie jemand zu einer Einigung zwingen, jemand, der Weise ist. Als Padmé einwirft, dass das sehr nach einer Diktatur klingt, meint Anakin lapidar: „Na ja. Wenn es funktionert…“ Die Senatorin ist verunsichert, kurz darauf aber bereit, alles für einen Scherz zu halten. Aber so scherzhaft war das gar nicht gemeint. Immerhin hat die gleiche Politikverdrossenheit schon so manchem Diktator den Weg geebnet. Demokratie, so wird stets argumentiert, funktioniert nicht, weil es zu viele Meinungen und Ansichten gibt. Es braucht immer einen, der die Richtung vorgibt. Dass aber dieser Einzelne erst recht nicht nach dem entscheidet, was das beste für das gesamte Volk ist, wird bei einer solchen Argumentation gern unter den Tisch fallen gelassen. Natürlich kommt eine Diktatur auch den Ansichten der Sith entgegen, für die ja die Macht des Einzelnen zählt. Dadurch, dass die Sith die Separatisten anstacheln, versuchen sie, den Boden vorzubereiten für eine Diktatur, indem sie vorgeblich beweisen können, dass die Demokratie versagt hat und es einen „starken Mann“ braucht, die Völker der Republik zusammen zu halten.

Dann kommt es zu der Szene, die unter den Fans wohl am häufigsten diskutiert wurde: Anakin gesteht Padmé seine Liebe. Hölzern sei das, wurde behauptet, George Lucas könne alles, nur keinen Text für eine solche Szene schreiben. Ist das wirklich so? Holen wir uns nochmal zurück: Anakin hat Padmé zehn Jahre lang aus der Ferne verehrt. Er hat nie eine Beziehung gehabt, da Jedi das ja nicht haben dürfen. Er hat keine Erfahrung mit dem anderen Geschlecht und die Schwärmerei oder Verliebtheit eines Neunjährigen in einer absolut verklärten Vorstellung von Romantik in seine Jugend und das frühe Erwachsenenleben herüber gerettet. Möglicherweise gab es viele Momente, in denen er sich in seiner Fantasie ausgemalt hat, wie es sein wird, wenn er ihr ihre Liebe gesteht. Womöglich hat er den Text sogar „einstudiert“, weil er im entscheidenden Moment alles richtig machen wollte. Unter diesen Gesichtspunkten ist die Szene richtig, auch die kitschige Umgebung passt genau in das Bild hinein.

Interessant ist Padmés Reaktion an der Stelle. Sie sagt nie, dass eine Beziehung zwischen den beiden keine Chance hätte, weil sie nicht das gleiche für ihn empfindet. Sie nennt rationale Gründe, sie wären gezwungen, ihre Beziehung zu verheimlichen und müssten eine Lüge leben. Falls Padmé an der Stelle noch keine starken Gefühle für Anakin hatte, stolpert sie möglicherweise über ihre eigene Rationalität. Die Beziehung darf nicht sein, aber was nicht sein darf, ist stets von besonderem Reiz. Vielleicht macht sie sich auch noch viele andere Gedanken, etwa über den Altersunterschied, letztlich kann sie aber nicht entkommen. Denn ihr Herz hat seinen eigenen Kopf. Und auch wenn die beiden „beschließen“, dass sie keine Beziehung haben wollen, Gefühle lassen sich nicht „wegentscheiden“.

Vorerst aber gibt es eine Art von Ablenkung in Form von Anakins Alpträumen, die dieser seit einiger Zeit hat. Seine Mutter kommt darin vor, und er hat große Angst um sie. Schließlich brechen er und Padmé nach Tatooine auf, um nach ihr zu sehen. Doch als sie die Werkstatt von Wattoo in Mos Espa aufsuchen, erfahren sie, dass er Shmi Skywalker verkauft hat – an den Feuchtfarmer Cliegg Lars. Empört berichtet Wattoo, dieser habe ihr die Freiheit geschenkt und sie sogar geheiratet. Als der Jedi und die Senatorin bei Lars‘ Feuchtfarm ankommen, lernen sie dessen Sohn Owen Lars und seine Freundin Beru kennen. Owen ist zu Anakin sowas wie ein Halbbruder – aber nur sehr weit gefasst, denn er ist lediglich Shmis Stiefsohn und kein leibliches Kind, also mit Skywalker nicht verwandt. Von Cliegg Lars erfährt Anakin, dass seine Mutter vor einiger Zeit von Tusken-Räubern – auch „Sandleute“ genannt – entführt worden sei. Anakin bricht auf, sie zu suchen. Er findet das Lager der Sandleute und seine Mutter, die durch die Gefangenschaft so geschächt ist, dass sie in seinen Armen stirbt. Daraufhin ergibt er sich ganz seinem Hass und metzelt das ganze Tusken-Dorf nieder. Weit entfernt auf Coruscant spürt selbst Yoda seinen Schmerz und hört die Stimme des in die Macht eingegangenen Qui-Gon Jin, der verzweifelt ruft: „Anakin! Anakin! Neeeeeeeeein!“

Qui-Gon Jin hat einen Weg gefunden, der in Episode 3 als „der Pfad zur Unsterblichkeit“ beschrieben wird, nämlich eins mit der Macht zu werden, aber dennoch bei den Lebenden zu bleiben. Aber trotzdem kann er Anakin nicht von seiner Tat abhalten. Es offenbart sich hier die Tücke, die die Lehren der Jedi für den Padawan bereithält. Ihm ist sehr wohl bewusst, dass er mit seinem Verhalten gegen den Kodex der Jedi verstösst, aber in dem Moment ist es ihm egal. Und später, als er den Leichnam seiner Mutter zu Cliegg Lars‘ Feuchtfarm zurückgebracht hat, kann er sein Verhalten – ähnlich einem trotzigen Kind – nicht richtig reflektieren. Stattdessen schiebt er die Schuld auf Obi-Wan, der ihn angeblich die ganze Zeit daran hindere, vorwärts zu kommen. Obi-Wan ist schuld, dass seine Mutter tot ist, Obi-Wan ist schuld, dass er die Tusken ermordet hat, Obi-Wan ist nur neidisch auf seine Fähigkeiten. Der Entschluss, den er dann trifft, wird in Episode 3 sein Schicksal besiegeln: Er will der Mächtigste aller Jedi werden und das Sterben der Menschen verhindern. In gewisser Weise nimmt er damit bereits einen Teil der Sith-Denkweise in sich auf. Denn während die Jedi den Tod als Teil des Lebens betrachten, sehen ihn die Sith als Feind. Da sie so selbstbezogen sind, sind sie natürlich der Auffassung, die Galaxis könne ohne sie nicht weiterexistieren. Doch je mehr Wertschätzung sie sich selbst entgegen bringen, desto weniger schätzen sie andere Lebewesen. Sidious beispielsweise ist immer wieder bereit, seinen Schüler über die Klinge springen zu lassen, wenn er einen findet, der besser ist als der bisherige. Count Dooku erfährt das am eigenen Leib in Episode 3, und in Episode 6 sogar Darth Vader. Sidious wäre bereit, diesen sterben zu lassen, damit er Platz für den nächsten macht. Vader wird dabei noch besonders in die Irre geführt, indem Sidious behauptet, er hätte vorausgesehen, dass er selbst von Vaders Sohn getötet wird und Vader dann mit diesem über die Galaxis herrschen kann.
Vader ist überhaupt das Paradebeispiel für den Drang der Sith, den Tod überlisten zu wollen. Während Qui-Gon und später Obi-Wan und Yoda in die Macht eingehen und als Geistwesen zurückkehren, wird Vaders Körper durch Implantate und Maschinen am Leben erhalten. Die Jedi blicken in ihrem Streben auf die nächste Ebene, die Sith sind ganz und gar in der materiellen Welt verhaftet.

An diesem Punkt empfängt Anakin einen Notruf von Obi-Wan. Als sich die Wege der beiden trennten, war der Jedi-Meister den Spuren nachgegangen, die er von dem Changeling hatte. Dieser war mit einem speziellen Giftpfeil getötet worden, wie ihn die Kaminoaner benutzen. Doch als Obi-Wan die Position des Planeten Kamino aus der Datenbank der Bibliothek erfragen will, findet er – nichts. Es sieht ganz so aus, als hätte jemand den Planeten aus dem Speicher gelöscht. Obi-Wan kann dessen Position aber rekonstruieren und steuert den Wasserplaneten an. Sehr zu seiner Überraschung hat man dort schon auf ihn gewartet. Die Kaminoaner sind Kloner, sie haben im Auftrag des Jedi-Meisters Sifo-Dyas für die Republik eine Armee von Klon-Kriegern produziert. Das ist seltsam, denn Sifo-Dyas ist längst tot, und außerdem hatte der Rat nie die Erlaubnis erteilt, eine solche Armee in Auftrag zu geben.

Obi-Wan trifft auf den Mann, der sein genetisches Material für die Klone zur Verfügung gestellt hat, einen Kopfgeldjäger namens Jango Fett. Er erkennt ihn als den Mann wieder, der den Giftpfeil auf den Changeling abgefeuert hat. Jango behauptet, von einem Mann namens Tyranus für die Klon-Armee angeheuert worden zu sein. Bevor Obi-Wan ihn festnehmen und zur Befragung nach Coruscant bringen kann, entkommt er zusammen mit seinem Sohn Boba Fett. Der Jedi kann jedoch einen Peilsender an dessen Schiff anbringen, wodurch er ihm nach Geonosis folgt. Dort befinden sich die Fabriken, in denen die Separatisten ihre Kampf-Droiden bauen lassen. Obi-Wan belauscht ein Gespräch, durch das er herausfindet, dass Count Dooku, ein abtrünniger Jedi, eine Allianz verschiedener Mächte, unter anderem der Handelsföderation, der Technokratie-Union und des Bankenclans, gegen die Republik anführt. Vizekönig Nute Gunray ist es auch, der den Tod von Padmé verlangt, als Gegenleistung dafür, dass er die Separatistenvereinigung unterstützt. Gerade als Obi-Wan seine Funkmeldung an Anakin absetzt, wird er von Kampfdroiden aufgebracht und gefangen genommen.

Auf Coruscant, wo die Nachricht ebenfalls ankommt, gerät man aus dem Häuschen: Die Republik wird nicht in der Lage sein, sich gegen die Separatisten zu verteidigen, wenn diese angreifen sollten. Man bräuchte eine Armee… aber praktischerweise gibt es ja eine, die Klon-Armee auf Kamino. Braucht es also nur noch eins: Eine Notstandsverordnung, die den Kanzler berechtigt, eine solche Armee aufzustellen. Und hier kommt Jar Jar Binks ins Spiel. Seitdem die Gungan und die Naboo in Episode 1 Frieden geschlossen haben, sind auch beide Völker Vertreter ihres Planeten im Senat. Jar Jar wurde vor ihrer Abreise von Padmé beauftragt, die Vertretung zu übernehmen. Er ist einfacher, ehrlicher Geist und sieht sich nun in der Pflicht. Die Republik kann sich nicht verteidigen und braucht eine Armee? Die soll sie haben. Jar Jar bringt im Senat den Antrag ein, den Kanzler mit Sondervollmachten auszustatten, damit er diese Armee aufstellen kann. Der Gungan übersieht in seinem Eifer völlig, dass eine Armee der Republik eigentlich gegen Padmés Willen ist.

Hier geht eine weitere Stufe des Planes von Darth Sidious auf. Dass Nute Gunray auf Padmés Tod besteht, kommt ihm eigentlich ganz recht, denn damit sind zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Padmé kann nicht Stimmung gegen eine Armee der Republik machen und die Handelsföderation wird das Bündnis gegen die Republik unterstützen. Dass Padmé zwar nicht tot ist, sondern nur abwesend, ist egal, Hauptsache, der Kanzler erhält die Sondervollmachten. Damit wird Jar Jar zu einer der tragischsten Figuren in der ganzen Geschichte, denn während Anakin über seinen eigenen Hochmut und seine Arroganz fällt, treibt den Gungan nur die Sorge um die Republik um. Wenn man jedoch die Geschichte als Ganzes sieht, kann man natürlich auch sagen, er nimmt die Rolle ein, die ihm vorbestimmt ist. Denn nur so werden letztlich die Jedi fallen, nur so kann der erste Schritt auf dem Weg des Ausgleichs der Macht getan werden.

Vermutlich hätte es viele Möglichkeiten gegeben, diesen Ausgleich zu erreichen. Da aber die Jedi nicht von ihrem starren Konzept abweichen wollten, kam es letztlich, wie es kommen musste. Je mehr sie sich dagegen wehrten, desto mehr betrieben sie ihren eigenen Untergang.

Den Anfang nimmt das Ganze damit, dass Yoda nach Kamino aufbricht, um sich die Klon-Armee anzusehen. Gleichzeitig werden alle verfügbaren Jedi nach Geonosis geschickt, zur Rettung von Obi-Wan. Dieser wird als Gefangener von Count Dooku verhört, der seine Motivation zu erklären versucht: Die Republik sei verdorben, die Sith hätten die Kontrole übernommen. Er behauptet, mit seinem Kampf in Wirklichkeit für die Ideale der Republik und gegen die Sith zu kämpfen und bietet Obi-Wan an, ihn zu unterstützen. Doch Obi-Wan lehnt ab.

Mittlerweile sind auch Anakin und Padmé, begleitet von den Droiden C3PO und R2D2 auf Geonosis angekommen, werden allerdings ebenfalls gefangen genommen. Sehr zur Freude von Nute Gunray sollen alle drei in einer Arena hingerichtet werden. Bevor sie dorthin gebracht werden, gesteht Padmé Anakin ihre Liebe. Der bevorstehende Tod in der Arena habe für sie keinen Schrecken, denn sie sei seit der erneuten Begegnung mit Anakin jeden Tag ein kleines Stück gestorben. Ihre unterdrückten Gefühle haben sich Bahn gebrochen.

Doch ganz so aussichtslos ist die Lage nicht, Padmé, Anakin und Obi-Wan gelingt es, sich von ihren Fesseln zu befreien. Mitten in den Kampf gegen ihre Wärter platzen die Jedi, worauf die Separatisten ihre Kampfdroiden auffahren. Schon scheint die Lage verloren, als Yoda mit der Klon-Armee eintrifft. In der Schlacht, die nun beginnt, verfolgen Obi-Wan und Anakin den flüchtenden Count Dooku und können ihn in einem Hangar stellen. Da Anakin entgegen Obi-Wans Anweisung wütend vorprescht, wird er von Dooku außer Gefecht gesetzt. Obi-Wan kann Dooku nicht überwinden, als Anakin wieder in den Kampf eingreift, schlägt der dunkle Lord ihm den Arm ab. Schließlich kommt Yoda hinzu. Er und Dooku sind gleichwertig, und letzterem gelingt nur mit einem Trick die Flucht: Er lässt mit Hilfe der Macht Teile aus der Decke des Hangars brechen, die Anakin und Obi-Wan zu erschlagen drohen. Yoda gelingt es, die Trümmer abzulenken, kann sich aber dafür nicht mehr auf Dooku konzentriert. Der entflieht.

Kurz darauf kommt Dooku auf Coruscant an und trifft sich mit Darth Sidious, der ihn „Tyranus“ nennt. Damit ist klar, dass er den Kopfgeldjäger Jango Fett, der während der Schlacht von Geonosis ums Leben gekommen ist, für die Klon-Armee angeheuert hat. Das Ziel der Sith war, den Kanzler mit Sondervollmachten auszustatten und die Republik in einen Krieg zu stürzen. Beides haben sie geschafft. Sie haben es sogar geschafft, der Republik und den Jedi die Klon-Armee unterzuschieben, was sich für letztere in Episode 3 noch fatal auswirken wird.

Doch die Klon-Armee ist nicht die einzige Fehleinschätzung der Jedi. Eine weitere ist die, dass sie Count Dooku anfangs für unfähig halten, einen Verrat zu begehen. Immerhin sei er ein Jedi gewesen, damit seien ihm solche Gedanken fremd. Nicht einmal die Tatsache, dass er dem Jedi-Orden den Rücken zugewandt hat, lässt sie daran zweifeln. Ein weiteres Beispiel, wie tief die erstarrten Regeln bei ihnen sitzen.

Letztlich ist auch ihr Befinden über Skywalkers Situation eine Fehleinschätzung: Er kehrt mit Padmé nach Naboo zurück und heiratet diese heimlich. Eine offizielle Verbindung ist ihm als Jedi nun mal verboten. Dass er es trotzdem tut, scheinen sie trotz allem Misstrauen, das sie ihm gegenüber haben, nicht zu merken.

Episode 2 endet damit, dass riesige Raumschiffe mit Klonen beladen werden und zu den Schlachten der Kriege aufbrechen, die nun begonnen haben: die Klon-Kriege. In der letzten Einstellung sehen wir Senator Bail Organa von Alderaan, der das Gesicht abwendet. Neben vielen anderen war er es, der das hatte verhindern wollen. Doch die Separatisten und die Republik haben sich gegenseitig in Zugzwang gesetzt. „Zugzwang“ kommt aus dem Schach, und es bedeutet, dass der Spieler, der am Zug ist, keine seiner Figuren bewegen kann, ohne die Partie zu verlieren. Beim Schach bedeutet das normalerweise, dass der Spieler aufgibt und seine Niederlage eingesteht. Beim Krieg nicht unbedingt.

Fortsetzung folgt…

STAR WARS – Episode 1: Die dunkle Bedrohung [Rezension]

Die dunkle BedrohungIn der Galaktischen Republik kommt es zur Krise, als die Handelsrouten zu weit entfernten Sternensystemen besteuert werden sollen. Aus Protest dagegen fährt die Handelsföderation eine Armee von Raumschiffen auf und versucht, den Planeten Naboo zu besetzen. Allerdings zieht Darth Sidious, ein undurchsichtiger Charakter, im Hintergrund die Fäden der Invasion, Vizekönig Gunray von der Handelsföderation ist nicht ganz Herr über seine Lage.
Mit Hilfe der Jedi-Ritter Qui-Gon Jin und Obi-Wan Kenobi gelingt der Königin Amidala von Naboo die Flucht, bei der allerdings ihr Raumschiff beschädigt wird. Da sie so Coruscant, den Zentralplaneten der Republik, nicht erreichen können, müssen sie auf dem entlegenen Planeten Tatooine notlanden. Beim Versuch, Ersatzteile zu beschaffen, wird Qui-Gon auf einen kleinen Jungen mit Namen Anakin Skywalker aufmerksam, der über ungewöhnliche Fähigkeiten verfügt. Die Jedi kennen eine alte Prophezeiung, dass ein Auserwählter kommen wird, der der Macht das Gleichgewicht zurückgeben wird. Qui-Gon ist sich sicher, diesen Auserwählten gefunden zu haben. Er bringt ihn nach Coruscant, doch die anderen Jedi sind nicht zu enthusiastisch wie er, mal ganz davon abgesehen, dass die Krise um Naboo im Vordergrund steht.
Hier offenbart sich, wie verkommen die Republik mittlerweile ist: Anstatt eine Lösung zu finden, wird das Problem vertagt. Als Königin Amidala empört den regierenden Kanzler Valorum angreift und dessen Abwahl verlangt, lässt sich Palpatine, der Senator von Naboo, für die Neuwahl aufstellen. Amidala aber kehrt nach Naboo zurück. Sie will ihr Volk selbst von der Handelsföderation befreien. Qui-Gon Jin, Obi-Wan und Anakin begleiten sie, nicht ahnend, dass Darth Maul, der Schüler von Darth Sidious, bereits auf sie wartet…

  • Rezension

George Lucas hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich bei seiner Geschichte von klassischen Mythen und ihren Strukturen beeinflussen ließ. Und genau so eine mythische Geschichte ist STAR WARS. Episode 1 ist eine relativ linear verlaufende Abenteuerstory, die innerhalb dieses Mythos die Funktion hat, den Boden vorzubereiten. In der Mythologie nennt man das „die Welt des Helden“, der Zuschauer (oder Leser, falls es sich um einen Roman handelt) wird vertraut gemacht mit der Umgebung, in der die künftigen Ereignisse stattfinden werden. Bevor ich ins Detail gehe, möchte ich darauf hinweisen, dass ich nicht umhin komme, teilweise Plotverläufe aus zukünftigen Episoden offen zu legen. Sollte dies also tatsächlich jemand lesen, der STAR WARS nur vom Hörensagen kennt und sich überlegt, ob er es mal anschauen soll, so möchte ich warnen: Das ist keine Rezension im üblichen Sinn, hier wird die ganze Geschichte – einschließlich eventueller Überraschungen – dargestellt.

Sie sind noch hier? Freut mich! Dann lassen Sie uns weitermachen mit der „Welt des Helden“.

Als erstes lernen wir von dieser „Galaxis weit, weit von hier entfernt“, wie uns das Vorwort informiert, dass es eine so genannte Republik gibt. Diese Republik umfasst offenbar die Welten der ganzen bekannten Galaxis, was uns der Sitzungssaal im Senat deutlich vor Augen führt. Abertausende Podien befinden sich dort, mit den Senatoren, die Abgeordnete ihrer jeweiligen Welten sind. Doch die Republik befindet sich keinem guten Zustand. Die Bürokraten haben dort das Ruder in die Hand genommen. Jede noch so gut gemeinte Initiative wird mit bürokratischen Verfahrensfragen überhäuft und in ihr Gegenteil verzerrt. Einzelne Welten sind inzwischen so weit, dass sie zu Separatisten geworden sind – in Episode 2 wird es sich um eine ganze Bewegung handeln. Zum Zeitpunkt, da die Geschichte beginnt, drückt die Handelsföderation ihren Protest gegen die Besteuerung von Handelsrouten auf eine sehr aggressive Weise aus: Sie bringt eine Invasionsarmee zu dem kleinen Planeten Naboo und will dessen Königin Amidala dazu zwingen, ein Abkommen zu unterzeichnen, das die Invasion legitimiert. Im Film wird es nicht herausgearbeitet, aber vermutlich wäre Naboo damit Teil der Föderation geworden – und Handelszölle würden dann wegfallen. Der Kanzler der Republik, Valorum, ist sich des Dilemmas sehr wohl bewusst. Naboo liegt sehr weit entfernt vom Zentralplaneten Coruscant, bis man verlässliche Nachrichten von dort hat, die die Senatoren überzeugen würden, innerhalb des Senats gegen die Handelsföderation vorzugehen, würde viel zu viel Zeit vergehen. In der Zwischenzeit würde die Föderation die nötigen Schritte unternommen haben, die Invasion zu legitimieren. In seiner Not wendet sich der Kanzler an die Jedi.

Die Jedi, oder Jedi-Ritter, sind ein Orden mit einer sehr langen Tradition. Sie sind Meister der so genannten Macht, einem mystischen Energiefeld, das von allen lebenden Dingen erzeugt wird. Wie wir etwas später erfahren, ist dafür eine mikroskopisch kleine Lebensform verantwortlich, die man Midichlorianer nennt. Das Konzept der Midichlorianer wurde von George Lucas erst bei Episode 1 eingeführt, und er ernetete dafür herbe Kritik. Er habe der Macht damit die Mystik geraubt, hieß es. Doch das muss nicht notwendigerweise sein. Immerhin handelt es sich bei der Galaxis, in der die Geschichte spielt, um eine hochtechnisierte Welt. Wenn es also etwas gibt, das wissenschaftlich belegt, dass es eine Macht geben muss, ist das ein großer Fortschritt. Ich möchte dazu einen Vergleich hernehmen: Es gibt verschiedene Theorien, die besagen, dass die Menschen ein kollektives Unterbewusstsein haben. Beweisen konnte man das bisher nicht, es gibt nur sehr vage Hinweise, die sich nicht immer belegen lassen. Stellen wir uns einmal vor, Neurologen würden morgen in den Nachrichten verkünden, sie hätten den Bereich im menschlichen Gehirn identifiziert, der tatsächlich Kontakt mit dem kollektiven Unterbewusstsein hat, über das der Mensch unbewusst Informationen von anderen Menschen aufnehmen kann. Dann wäre es endlich möglich, in eine bestimmte Richtung zu forschen, wie der Mensch mit den Kollektiv Kontakt aufnimmt, gleichzeitig wären die ganzen Diskussionen beendet, die die Existenz eines solchen Unterbewusstseins anzweifeln. Es gibt das kollektive Unterbewusstsein – basta! Lasst es uns erforschen.

So ähnlich stelle ich mir das mit den Jedi und den Midichlorianern vor. Über die Midichlorianer können Menschen in Kontakt mit der Macht kommen und verschiedene Dinge tun (Gegenstände bewegen, ohne sie zu berühren, andere Menschen geistig manipulieren und mehr). Als die Jedi das erfuhren, konnten sie ihre Erforschung der Macht in eine bestimmte Richtung lenken. Es war dann auch keine Glaubensfrage mehr, man konnte belegen: Ja, es gibt die Macht, auch wenn es Menschen gibt, die ihre Anwesenheit offenbar nicht wahrnehmen können. Es gibt Menschen, die für die Botschaften der Midichlorianer empfänglich sind, andere sind es nicht. Leider sorgte das dafür, dass sich die Jedi ziemlich vom Rest der Welt abgekanzelt haben. Zwar spielen sie innerhalb der Republik die Rolle der Friedenshüter, aber die meiste Zeit bleiben sie unter sich. Sie haben sehr starre Regeln aufgestellt, um der hellen Seite der Macht zu folgen. Das ist ihr oberstes Prinzip. Alles, was zur dunklen Seite gehören könnte, lehnen sie ab. Aus diesem Grund wird die Jedi-Ausbildung auch in frühester Kindheit begonnen, damit man die Kinder besser lenken kann. Ähnlich einem Mönchsorden gibt es verschiedene Gefühle und Regungen innerhalb der menschlichen Natur, die bei den Jedi verpönt sind. Romantische Liebe gehört beispielsweise dazu, ebenso Hass, Wut oder Angst. Furcht, so erfahren wir, ist der Pfad zur dunklen Seite der Macht. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu Leiden. Das einfache Rezept der Jedi lautet: Unterbrich die Kette! Keine Furcht, keine Wut, kein Hass. In Episode 2 wird die fatalistische Komponente dieses Prinzips sogar nocht deutlicher dargelegt: Um tote Freunde soll man nicht trauern, sondern froh sein, dass sie in die Macht eingehen durften. Denn natürlich führt auch Trauer zu Wut. Trauer ist eine Komponente der Liebe, denn man betrauert ja nur ein Lebewesen, für das man etwas empfunden hat. Also lautet auch hier das „Patentrezept“ der Jedi: Rotte das Übel mit der Wurzel aus. Abhängigkeit aus Liebe ist verboten. Und wenn die Jedi ihre Schüler bereits im Kleinkindalter von den Eltern wegholen, können sie sicher sein, dass sie die emotionale Bindung zu diesen überwinden können.

Die ersten Jedi in Episode 1, die wir kennenlernen, sind der Meister Qui-Gon Jin und sein Padawan-Schüler Obi-Wan Kenobi. Qui-Gon ist ein sehr ungewöhnlicher Jedi, denn er pfeift auf die Regeln, wenn sie einer guten Sache im Weg stehen. Eigentlich wäre er in den Rat berufen worden, dem Organ der geistigen Führer der Jedi, aber er hat es abgelehnt. Er hat seinen eigenen Kopf und ist offen für neue Ideen, ganz im Gegensatz zu allen anderen, denen offenbar nur daran gelegen ist, den „Status Quo“ zu erhalten. Die Aufgabe der beiden Abgesandten ist scheinbar ganz einfach: Sie sollen mit dem Vizekönig der Handelsföderation, Nute Gunray, Verhandlungen führen, die Blockade von Naboo aufzugeben. Qui-Gon bezeichnet die Abgesandten der Föderation gegenüber Obi-Wan als Feiglinge und schätzt, dass die Verhandlungen nicht sehr lange gehen. Etwas später meint Obi-Wan ironisch, Qui-Gon hätte recht gehabt – lange hätten die Verhandlungen nicht gedauert: Statt zu verhandeln versucht Gunray, die Jedi zu töten.

Dieses Manöver irritiert Qui-Gon. Was er nicht weiß: Die Handelsföderation handelt nicht ganz aus eigenem Willen. Darth Sidious, ein dunkler Lord der Sith ist die treibende Kraft bei der Invasion. Die Sith sind das genaue Gegenteil der Jedi, sie sind Anhänger der dunklen Seite der Macht. Wo die Jedi sich vor Emotionen scheuen, da gehen sie ganz hinein. Leidenschaft, Furcht und Macht über andere, das ist ihr Credo. Der letzte Konflikt zwischen den Sith und den Jedi ist 1000 Jahre her und war eigentlich für die Sith fatal gewesen, so dass die Jedi davon ausgingen, dass sie damals ausgelöscht wurden. Tatsächlich überlebten die Sith und wirkten im Geheimen, verborgen vor ihren Gegnern. Ihnen war klar geworden, dass sie die Jedi mit ihren eigenen Waffen schlagen müssen, und dass die Taktik „Auf sie mit Gebrüll!“ nicht immer zum Ziel führt. Insofern ist die Handelsföderation nur eine Schachfigur in dem Spiel, das die Sith eröffnet haben, und dessen Ziel lange nicht klar. Dazu kommen wir gleich noch ausführlicher.

Nun haben wir in unserer Geschichte also die zwei Gegenpole, wie sie deutlicher nicht sein könnten: Hier die „gute Seite“, die helle Seite der Macht, verkörpert durch die Jedi und die Republik, dort die „böse Seite“, die dunkle Seite der Macht, verkörpert durch die Sith und ihrer Handlanger.

Qui-Gon und Obi-Wan gelingt es, nach Naboo zu entkommen. Dabei stößt Qui-Gon auf ein Wesen mit Namen Jar Jar Binks, einem Gungan. Diese intelligente amphibische Lebensform lebt ebenfalls auf Naboo, will aber mit den Menschen nichts zu tun haben. Jar Jar, der von seinem eigenen Volk verbannt wurde, begleitet die beiden Jedi fortan, zunächst noch als Führer. In der Geschichte nimmt er die Rolle des Narren ein, der einfach nur im Leben zurecht kommen will und damit sehr häufig schlichtweg überfordert ist. Er ist aber kein „weiser Narr“, also einer, der nur so tut, als wäre er einfältig, er ist es wirklich. Das wird dazu führen, dass man seine Einfältigkeit ausnutzen wird, so dass er eigentlich – neben Anakin Skywalker – zu einer der tragischsten Figuren der ersten drei Teile wird.

Durch Jar Jahrs Hilfe gelangen Qui-Gon und Obi-Wan schließlich zur Hauptstadt des Planeten, wo sie mit Königin Amidala Kontakt aufzunehmen. Die junge Königin der Naboo will ihrem Volk bei dieser Invasion beistehen, sieht schließlich jedoch die Notwendigkeit ein, vor dem Senat zu sprechen und um Unterstützung zu bitten, damit die Handelsföderation in ihre Schranken gewiesen werden kann. Die Jedi befreien gefangene Piloten, die aus der besetzten Hauptstadt entkommen, sie selbst fliehen mit einem Raumschiff. Es gelingt ihnen dank des Astromech-Droiden R2D2, die Blockade zu durchbrechen, dabei wird das Schiff aber so schwer beschädigt, das es aus eigener Kraft nicht mehr nach Coruscant kommen kann. Der nächstgelegene Planet, der für eine Landung und die notwendigen Reparaturen geeignet scheint, ist die Wüstenwelt Tatooine im Outer Rim.

Auf Tatooine lernen wir eine weitere Seite der Republik kennen: die benachteiligten Regionen. Der Planet ist so weit entfernt von der Hauptwelt, dass hier andere Gesetze gelten. Die Hutts, eine Gangsterbande von Nal Hutta, haben den Planet unter ihre Kontrolle gebracht. Gerechtigkeit gibt es hier nicht, alles hängt vom Wohlwollen der obersten Gangster ab. Es gibt hier sogar Sklaverei, obwohl die Republik Sklaverei verboten hat. „Die Republik existiert hier draußen nicht!“, mit diesen Worten fasst Shmi Skywalker die Situation zusammen.

Shmi ist die Mutter eines neunjährigen Jungen, Anakin Skywalker, der als Sklave bei dem Schrotthändler Wattoo arbeitet. Wattoo ist Toydarianer, einem Volk, das immun ist gegen die geistige Manipulation der Jedi mit Hilfe der Macht („Geistige Tricks funktionieren bei mir nicht – nur Geld!“). Daher konnte Qui-Gon Wattoo nicht davon überzeugen, Geld in Form der Standardwährung der Republik für die nötigen Ersatzteile anzunehmen. Während er noch versucht, auf eine Lösung zu kommen, wird er von Anakin zu sich nach Hause eingeladen. Hier erfährt er, dass Anakin trotz seines jungen Alters ein routinierter Podfahrer ist. Dabei handelt es sich um Rennen, bei denen der Fahrer in einer Kapsel sitzt, die von starken Antigravitationsmotoren gezogen wird. Menschen können normalerweise bei den unglaublichen Geschwindigkeiten nicht schnell genug reagieren, das bringt Qui-Gon auf die Idee, dass der Junge etwas besonderes sein muss. Er lässt dessen Midichlorianer-Wert überprüfen – und siehe da, dieser ist höher als bei jedem bisher bekannten Jedi.

Hierbei handelt es sich um die erste Schlüsselstelle der Geschichte. Später im Verlauf der Geschichte wird die Rede davon sein, dass es bei den Jedi eine Prophezeiung gibt: Eines Tages soll der Auserwählte kommen, der der Macht das Gleichgewicht zurückbringt. Denn das Gleichgewicht ist in der Tat aus den Fugen geraten. Die Jedi deuten die Prophezeiung aber falsch, zumindest vordergründig, sie gehen nämlich davon aus, dass es bedeutet, dass die Sith endgültig vernichtet werden. Warum das ein Irrtum ist, dazu komme ich gleich.

Was von vielen Fans mit Befremden aufgenommen wurde, ist die Verbindung zwischen Anakin und Padmé, die sich bereits in diesem Film abzeichnet. Padmé ist angeblich eine Dienerin von Königin Amidala, die Qui-Gon auf seinem Ausflug auf Tatooine begleitet, in Wahrheit ist sie aber die Königin selbst, die ein doppeltes Spiel spielt, um sich zu schützen. Was einem irritierend vorkommen mag: Anakin ist neun Jahre alt, Padmé über zwanzig. Aber es kommt vor, dass auch bei einem Jungen in diesem Alter die Gefühle etwas verrückt spielen und er sich – um dieses etwas aus der Mode gekommen Wort zu verwenden – „verknallt“, auch in bereits erwachsene Frauen. Man kann das sehr deutlich daran sehen, wie Anakin versucht, Padmé zu imponieren, er zeigt ihr den Droiden C3PO, den er selbst konstruiert hat, und den Podrenner, den er gebaut hat. Eigentlich gehört es zum Reifeprozess eines Jungen, mit solchen Verliebtheiten klarzukommen. Normalerweise unterstützt diesen dabei der Prozess des „Erwachsenwerdens“, wenn die Hormone dazukommen und man sich in gleichaltrige Mädchen verliebt. Anakin wird diese Möglichkeit aber genommen, denn er wird am Ende dieser Episode dem Jedi-Orden beitreten und damit quasi zölibatär leben. Er kompensiert das auf seine Weise, indem er seine kindliche Liebe zu Padmé Aufrecht erhält und vermutlich etwas zelebriert, das der so genannten „Minne“, der höfischen Liebe des Mittelalters, gleichkommt. Es gibt allerdings einen großen Unterschied: Die „Minne“ war rein platonisch, zwar hegte ein Ritter für seine Dame „freundlich liebende Gedanken“ und machte ihr den Hof, aber ihm war bewusst, dass daraus nicht mehr folgen würde. Bei Anakin ist das anders, wie wir erfahren werden, er hat zwischen Episode 1 und Episode 2 zehn Jahre Zeit, sich Padmé in seinen Gedanken zur „idealen Geliebten“ hochzustilisieren.

Padmé selbst ist in Episode 1 gegenüber Anakin noch relativ indifferent, sie weiß, was sie ihm dadurch, dass er das Podrennen fährt und letztlich auch gewinnt, zu verdanken hat. Romantische Gefühle sind dabei für sie nicht im Spiel, allerhöchstens Gefühle, wie sie eine große Schwester für ihren kleinen Bruder empfindet.

Mit dem erfolreich absolvierten Podrennen kommt ein großer Einschnitt in Anakins Leben. Qui-Gon hat zuvor mit Wattoo gewettet, zum einen um die Ersatzteile, die er für das Raumschiff benötigt, zum anderen wollte er eigentlich auch den Jungen und seine Mutter im Fall des Sieges freikriegen, aber darauf ließ sich der Schrotthändler nicht ein. Er wettete nur um einen seiner Sklaven, der (von Qui-Gon mittels Jedi-Kräften manipulierte) Glückswürfel entschied, dass es Anakin sein würde. Nach dem Sieg ist er frei – seine Mutter nicht. Was wir hier erleben, ist der so genannte „Ruf des Abenteuers“, Anakin steht frei, mit Qui-Gon nach Coruscant zu gehen und ein Jedi zu werden. Anakin reagiert klassisch auf die Situation, denn er muss seine Mutter verlassen, um dem Ruf zu folgen. Ein Held – und das ist Anakin in der Geschichte – wird nicht leichtfertig aufbrechen, er muss immer etwas zurücklassen. Doch damit wird ein weiterer Grundstein für seinen späteren Fall gelegt; die ständige Furcht um das Wohlergehen seiner Mutter werden in Episode 2 Anakins schlimmste Eigenschaften offenbaren.

Dass er diese bereits in sich trägt, wurde leider beim letzten Schnitt aus Episode 1 herausgenommen. Es gab ursprünglich eine Szene, in der sich Anakin nach dem Podrennen mit einem Rodianer-Jungen namens Greedo prügelt. Der Rodianer behauptet, Anakin hätte gemogelt, um zu gewinnen. Qui-Gon geht dazwischen und verlangt Mäßigung von Anakin. Das Gespräch geht ungefähr so:

Anakin: Er hat behauptet, ich hätte beim Rennen gemogelt!
Qui-Gon: Und – hast Du gemogelt?
Anakin: Nein!
Qui-Gon: (zu Greedo) Bist Du immer noch der Meinung, Anakin habe gemogelt?
Greedo: Aber ja!
Qui-Gon: (zu Anakin) Siehst Du, Deine Schläge haben ihn nicht vom Gegenteil überzeugen können. Du weißt, dass Du nicht gemogelt hast, aber Du wirst seine Meinung akzeptieren müssen.

Die Szene zeigt, dass Anakin in Rage geraten kann, wenn etwas passiert, was seinem Gerechtigkeitsempfinden widerspricht. Die Betonung liegt dabei auf „seinem Gerechtigkeitsempfinden“. Anakin ist offenbar der Ansicht, dass es eine einzige große Wahrheit gibt, die man mit allen Mitteln durchsetzen muss (was er in Episode 2 noch deutlicher sagen wird), es fällt ihm schwer zu akzeptieren, dass das nicht immer geht, vor allem, wenn viele Menschen mit vielen unterschiedlichen Ansichten zusammen sind. In einer Kritik zu Episode 1 im „Spiegel“ wurde geäußert, dass man sich gar nicht vorstellen könne, dass Anakin sich im Verlauf der Geschichte zum Bösewicht wandeln wird, weil der junge Anakin-Darsteller Jake Lloyd so niedlich sei und sich in der Episode zudem als Mustersohn zeige. Hätte man die Prügelszene mit Greedo im Film gelassen, hätte man diesen Eindruck sicherlich abmildern können. Aber mal ganz davon abgesehen: Wenn der neunjährige Anakin bereits böse gewesen wäre, hätte die Kritik bestimmt gelautet, es handle sich um ein Klischee. Immerhin geht es in den Prequels ja darum, Anakins Abstieg zu zeigen. Und dies ist sein Ausgangspunkt.

Bei Start von Tattoine trifft Qui-Gon auf einen Fremden in dunkler Kapuze, der sich auf die Künste der Jedi versteht und sehr gut mit der Waffe der Jedi, dem Lichtschwert, umgehen kann. Dabei handelt es sich um Darth Maul, den Schüler von Darth Sidious, der über eine Funkübertragung den Aufenthaltsort der Königin ausfindig gemacht hat. Als Qui-Gon bemerkt, dass er Maul so nicht besiegen kann, bricht er den Kampf ab und flieht an Bord des Raumschiffs, das ins Weltall entkommt.

Die Abordnung trifft endlich auf Coruscant ein. Amidala trifft auf Senator Palpatine, der ihren Heimatplaneten im Senat vertritt. Er macht ihr keine allzu großen Hoffnungen, was ihre Petition im Senat betrifft. Zwar sei Kanzler Valorum auf der Seite von Naboo in dieser Invasion, aber sein Ruf sei durch unberechtigte Korruptionsvorwürfe beschädigt wurden. Das Verfahren würde an einen Ausschuss abgegeben werden, der entscheiden müsste, was geschehen soll. Das würde zu viel Zeit beanspruchen, weil Valorum aufgrund seiner geschwächten Position sich nicht trauen würde, das Verfahren zu beschleunigen. Es gäbe zwei Möglichkeiten: Entweder sie drängt darauf, einen neuen, stärkeren Kanzler zu wählen, der dem Senat vorsteht – oder sie ruft die Gerichte an. Aber das Gerichtsverfahren würde ebenfalls viel Zeit in Anspruch nehmen.

Was Palpatine hier tut, ist eine Manipulationstechnik, die man den „Fehlschluss der falschen Alternative“ nennt. Doch in seinem Fall ist das besonders perfide, denn was Amidala natürlich nicht ahnt: Palpatine und Darth Sidious sind identisch. Die Situation, in der sich Naboo befindet, hat der ehrgeizige Senator selbst heraufbeschworen, und auch die Tatsache, dass der Senat immer wieder mit Verfahrensfragen behindert wird. Nun stellt er ihr die scheinbar einzigen beiden Alternativen vor: Entweder wird Valorum abgewählt, oder man nimmt ein langwieriges Gerichtsverfahren in Kauf. Amidala kann das zunächst nicht glauben, doch als sie vor dem Senat spricht und von den Abgeordneten der Handelsföderation scharf attackiert wird, die die Einrichtung eines Ausschusses fordern, schnappt seine Falle zu: Sie sieht mit eigenen Augen, wie die Bürokraten die Republik in Grund und Boden regulieren. Ein langwieriges Gerichtsverfahren will sie nicht riskieren, also was tut sie? Sie fordert die Abwahl von Kanzler Valorum. Das Plenum stimmt ihr lautstark zu.

An Palpatines süffisantem Lächeln sieht man, wie er es genießt, dass sein Plan aufgeht. Denn die Sympathien, die der Senat dem armen, gebeutelten Planeten Naboo entgegen bringt, verwandeln sich nun in einen Bonus für ihn selbst: Er wird als Kandidat für die Kanzlerwahl aufgestellt und kann davon ausgehen, auch gewählt zu werden. Damit ist der erste Teil des Plans, den die Sith verfolgen, abgeschlossen: der dunkle Lord ist selbst direkt im Zentrum der Macht, von wo aus er die weiteren Pläne lenken kann, die Republik zu stürzen. In dieser Phase nutzt er noch die Unzufriedenheit der Leute mit diesem bürokratischen Monster, zu dem die Republik geworden ist.

Dann jedoch macht die Königin etwas, womit er nicht gerechnet hat. Amidala ist klar, dass es trotz der Kanzlerwahl noch immer zu lange dauern würde, bis die Situation ihrer Heimatwelt bereinigt wäre. Also beschließt sie, nach Naboo zurück zu kehren und die Handelsföderation zu bekämpfen. Doch Palpatine, obwohl er ihr dringend von ihrem Plan abrät, ist flexibel genug, auf diesen neuen Umstand zu reagieren. Im Gegensatz zu den Jedi.

Der Rat der Jedi hat mittlerweile Bekanntschaft mit Anakin Skywalker gemacht. Diesem Rat stehen die Jedi-Meister Yoda und Mace Windu vor, die das genaue Gegenteil von Qui-Gon Jin verkörpern. Daher teilen sie auch seinen Enthusiasmus nicht, was Anakin betrifft. Im Gegenteil, sie spüren, dass der Junge gefährlich ist. Und sie haben nicht ganz Unrecht. Die Prophezeiung über den Auserwählten besagt nämlich, dass er der Macht das Gleichgewicht zurückbringen wird. Die Jedi beziehen diese Aussage nur auf die Sith, obwohl sie selbst damit ebenfalls gemeint sind. Genau genommen ähneln sich die Jedi und die Sith, nur das sie eben auf gegenüberliegenden Seiten stehen. Die Jedi sind erstarrt in ihren Regeln und lehnen alles ab, was auch nur im Ansatz mit der dunklen Seite zu tun haben könnte. Die Sith hingegen besitzen hohe Flexibilität und lehnen alles ab, was zur hellen Seite gehört. Bei den Jedi zählt die Gemeinschaft, der einzelne fast nichts (deswegen sind sie auch befremdet über einen Auserwählten), die Sith hingegen setzen persönliche Bedürfnisse und Macht über die Gemeinschaft. Um einen Ausgleich zu erreichen, müssen beide Seiten in ihrer jetztigen Form zu Fall gebracht werden. Damit ist Anakin natürlich eine Gefahr für die Jedi. Qui-Gon ist da viel aufgeschlossener, er begrüßt die Veränderung, die der Auserwählte mit sich bringt. Die Jedi hingegen wollen ihre Regeln und ihr System nicht ändern. Deswegen lehnen sie es zunächst ab, Anakin in den Jedi-Orden aufzunehmen. Die Entscheidung soll verschoben werden, auch weil Königin Amidala nach Naboo zurückkehren soll. Die Jedi befürchten, dass der geheimnisvolle Angreifer wieder zuschlagen wird. Ob er wirklich ein Sith ist, da sind sich die Jedi noch nicht sicher.

Zurückgekehrt nach Naboo erleben wir die Art und Weise, wie Amidala die Dinge anpackt: Mit Diplomatie. Ihr ist bewusst, dass die Naboo selbst gegen die Übermacht der Handelsföderation nichts ausrichten können und Verbündete brauchen. Diese finden sie in den Gungans. Sie schafft es, den alten Konflikt zwischen diesen und den Naboo beizulegen und Boss Nass, den Anführer der Gungans, zum Kampf gegen den gemeinsamen Feind zu bewegen. Jar Jar Binks wird rehabilitiert, da er einen gewissen Anteil daran hat, dass das Bündnis zustande kommt. Gleichzeitig enttarnt sich Amidala und Anakin – und Qui-Gon und Obi-Wan – wird bewusst, dass die vermeintliche Dienerin Padmé in Wahrheit die Königin selbst war. Das verwirrt ihn noch ein Stück mehr.

Als die Handelsföderation mitbekommt, dass sich die Gungans sammeln, stellen sie ihre Droidenarmee auf. Da sie nur aus Robotern besteht, hat die Armee den Vorteil, dass man Soldaten weder rekrutieren noch ausbilden muss. Herstellen, programmieren, fertig! Einen Schwachpunkt jedoch haben die mechanischen Soldaten – sie werden von einem Kontrollschiff aus gelenkt. Der Plan der Königin ist nun, mehrgleisig vorzugehen. Die Gungans kämpfen gegen die Droidenarmee, während mehrere Gruppen der Naboo versuchen, in die Hauptstadt einzudringen. Eine Gruppe wird versuchen, mit Raumjägern zu starten und gegen das Droidenkontrollschiff im Orbit zu kämpfen. Die andere wird versuchen, Vizekönig Gunray gefangen zu nehmen.

Der Plan geht zunächst auf. Während die Gungans kämpfen, gelangen die Naboo unter der Führung von Amidala in den Palast der Hauptstadt. Die Piloten starten mit den Jägern – darunter auch Anakin, der sich in einem Jäger versteckt und aus Versehen den Autopiloten aktiviert. Als die Gruppe weiter in den Palast eindringen will, stellt sich ihnen Darth Maul in den Weg. Qui-Gon und Obi-Wan kämpfen mit ihm.

Daraufhin kommt es zu einer klassichen „Tod und Wiedergeburt“-Situation: Die Gungans kommen gegen die Übermacht der Droiden nicht an und müssen kapitulieren. Anakin rast mit seinem Raumjäger durch die Schlacht im Weltraum über Naboo und landet aus Versehen im Hangar des Droidenkontrollschiffes, wo sein Jäger überhitzt und manövrierunfähig liegenbleibt. Und Amidala und ihre Leute werden von Kampfdroiden eingekreist und zur Aufgabe gezwungen. Das ist der Moment des symbolischen Todes. Das, wofür diese Menschen gekämpft haben, scheint verloren.

Dann der Moment der Wiedergeburt: Amidalas Doppelgängerin taucht plötzlich auf. Verwirrt von der Situation begeht Nute Gunray einen Fehler und wird prompt selbst zum Gefangenen. Die Systeme von Anakins Jäger regenerieren sich gerade rechtzeitig, bevor ihn die Droidenwachen erreichen. Er kann starten und zwei Torpedos abschießen, die im Hauptreaktor des Schiffes einschlagen. Anakin kann entkommen, das Kontrollschiff aber explodiert. Dadurch werden die Droiden, die die Gungans gefangen nehmen sollen, deaktiviert. Die Niederlage hat sich in einen Sieg verwandelt.

Anders ist die Situation allerdings bei Qui-Gon, Obi-Wan und Darth Maul. Obi-Wan wird durch einen Energievorhang von Qui-Gon und Maul getrennt und muss ohnmächtig mit ansehen, wie der Sith seinen Meister mit dem Lichtschwert durchbohrt. Dann kämpft er selbst mit dem dunklen Lord und kann diesen im letzten Moment überwinden. Sein Meister jedoch stirbt in seinen Armen, nicht ohne ihn vorher zu bitten, die Ausbildung von Anakin zu übernehmen. Denn er ist der Auserwählte.

Eine Delegation der Republik trifft auf Naboo ein, und Trauer und Freude mischen sich. Yoda verkündet, dass Obi-Wan zum Meister ernannt wird, lehnt sein Anliegen, Anakin Skywalker als Padawan auszubilden, aber kategorisch ab. Er mag der Auserwählte sein, aber durch die Ausbildung bestehe Gefahr. Er sei zu alt. Obi-Wan widerspricht, schließlich habe er Qui-Gon sein Wort gegeben. Als er sogar darauf besteht, Anakin auch ohne Billigung des Rates auszubilden, lenkt Yoda ein. Bei der Zeremonie, bei der Qui-Gons Leichnam verbrannt wird, erklärt Obi-Wan Anakin, dass er nun sein Schüler sei. Gleichzeitig diskutieren Yoda und Mace Windu über den fremden Angreifer, der zweifellos ein Sith gewesen sei. Aber von denen gäbe es immer zwei, einen Meister und einen Schüler. Welcher wurde nun vernichtet?

Zur Delegation der Republik gehört auch der neue Kanzler, Palpatine. Er hat es tatsächlich geschafft, die Wahl zu gewinnen. Und während die Naboo und die Gungan den Frieden und die gemeinsame Freiheit feiern, blickt ihre Galaxis in eine ungewisse Zukunft.

Fortsetzung folgt…

STAR WARS – Ein Blick darauf, darunter und dahinter

Die Alte Republik war die Republik der Legende, die Raum und Zeit überwand. Einst wuchs und gedieh die Republik unter der weisen Regentschaft des Senats und dem Schutz der Jedi-Ritter. Aber wie es so oft geschieht, wenn Wohlstand und Macht das Erstrebenswerte übersteigen und in den Bereich des Ehrfürchtigen kommen, dann erscheinen jene bösen Gestalten, die ihre Habsucht befriedigen wollen.

So geschah es, als die Republik auf ihrem Höhepunkt war. Wie einer der größten Bäume, der jeder Gefahr von Außen trotzen kann, verfaulte die Republik von innen, obwohl man die Gefahr von Außen nicht sehen konnte.

Ermutigt und unterstützt durch ruhelose, machthungrige Individuen innerhalb der Regierung und den mächtigen Handelsorganisationen schaffte es der ehrgeizige Senator Palpatine, sich zum Präsidenten der Republik wählen zu lassen. Er versprach, die Unzufriedenen zu vereinen und den Glanz der Republik wieder herzustellen.

Doch als er fest im Amt war, erklärte er sich selbst zum Imperator und verschloss sich vor der Bevölkerung. Die Rufe der Leute nach Gerechtigkeit erreichten seine Ohren nicht mehr.

Nachdem sie die Jedi, Hüter der Gerechtigkeit, durch Täuschung und Verrat vernichtet hatten, begannen die imperialen Regierungsbeamten und Bürokraten, eine Herrschaft des Terrors über die entmutigten Welten der Galaxis auszubreiten. Viele benutzten die imperialen Truppen und den Namen des immer mehr isolierten Imperators, um ihren eigenen politischen Ehrgeiz voran zu treiben.

Aber eine kleine Anzahl von Systemen rebellierte gegen diese Verbrechen. Sie erklärten sich zur Opposition gegen die Neue Ordnung und begannen den großen Kampf, um die Alte Republik wieder herzustellen.

Von Anfang an waren sie in der Unterzahl zu den Systemen, die der Imperator in Leibeigenschaft hielt. In diesen ersten dunklen Tagen schien es fast so, als werde die die helle Flamme des Widerstands ausgelöscht, bevor es ihr gelingen würde, das Licht der neuen Wahrheit in die entfernsten Winkel dieser Galaxis von Unterdrückten und Geschlagenen zu bringen…

(Eine Version des Vorworts zur STAR WARS Saga)

Die Gedanken zu diesem Artikel trage ich schon lange mit mir herum und zu einem Zeitpunkt hatte ich die Idee, ihn mit dem Titel „STAR WARS – Lanzenbrechen für George Lucas“ zu überschreiben. Ich habe es aber bleiben gelassen wegen der albernen Wortspiele, die man im Deutschen mit dem Wort „brechen“ machen kann. Ganz besonders deswegen, weil ich es wagen werde, eine Meinung zu vertreten, die man scheinbar selten findet in diesen Tagen, nämlich dass auch die drei Prequel-Episoden von STAR WARS eigentlich ganz in Ordnung gehen. Dass ich es gerade jetzt und heute tue, hat natürlich mit dem Start des Kinofilms „The Clone Wars“ zu tun. Aber bleiben wir in der Reihe. Dieser Beitrag hier soll eine Art Vorwort bilden, bevor ich mir die einzelnen Episoden vornehmen werde. Fangen wir also am Anfang an.

In den 1970er Jahren hatte George Lucas das Konzept für eine Filmreihe erstellt, die er „The Star Wars“ nannte – und hatte damit ein Problem. Er war nämlich ein Neuling in dem Geschäft und hätte es nie geschafft, ein Studio davon zu überzeugen, eine Reihe von mehreren Kinofilmen zu finanzieren (die Zahl der Episoden variiert, mal waren es 12, mal 9, bevor es schließlich 6 Teile wurden). Als er schließlich den Teil herausnahm, der ihm am „einfachsten“ zu realisieren schien, war die Inhaltsbeschreibung immer noch zu lang. Einige Arbeit war nötig, bevor endlich der Film mit dem Titel „Star Wars“ in die Kinos kommen konnte. Der unglaubliche Erfolg bescherte Lucas einen Aufschwung und er sah die Möglichkeit, seine Reihe doch noch zu vollenden – in 6 Episoden. Zuerst produzierte er die zwei Fortsetzungen des ersten Films – jetzt offiziell „Episode 4“ genannt, aber es dauerte noch bis Ende 1990er Jahre, bevor er sich an die ersten drei Teile machte.

„Wenn Ihr nicht auf meiner Seite steht – dann seid Ihr mein Feind!“ – „Nur ein Sith kennt nichts als Extreme!“

Damit begann eine Art Aufspaltung der Fangemeinde. Interessanterweise scheint es nur zwei Positionen zu geben, entweder einem gefallen die drei „Prequel“-Episoden – oder aber man lehnt sie so total ab, dass man George Lucas wahlweise die Pest oder Wüstenflöhe (oder beides) an den Allerwertesten wünscht. Gemäßigte Meinungen („Hey, 1 – 3 sind nicht meine Lieblingsepisoden, aber was soll’s?“) hört man kaum. Und am Lautesten sind die negativen Meinungen, die mittlerweile händeringend nach Superlativen suchen, um George Lucas in Grund und Boden zu rammen (eine Auswahl an Umschreibungen für die Trilogie, entnommen dem „Spiegel“: seelenlos, langweilig, dämlich, schlimm, unwürdig, mittelmäßig). Ein „ordentlicher“ STAR-WARS-Fan fasst die Episoden 1 bis 3 nicht mal mit der Kohlenzange an, und sollte er aus Versehen eine Szene oder mehr daraus nochmals sehen, so wäscht er sich die Augen mit Kernseife aus.

„… ich will Ihnen einen Menschen vorstellen. Kommen Sie, folgen Sie mir in die Welt meiner Fantasie, ihn zu sehen…“

Vollziehen wir nun eine kleine Änderung des Blickwinkels. Gibt es jemanden, der sich vorstellen kann, dass es auch umgekehrt sein kann? Ich habe es erlebt, an einer Kollegin, die von STAR WARS zwar (natürlich) vorher schon gehört hatte, aber die Teile 4 bis 6 noch nie gesehen hatte (auch das gibt es). Sie war von 1 bis 3 sehr angetan und war extrem überrascht vom Ende der Episode 3, denn wie sie mir sagte, „ich hatte ja keine Ahnung, dass Anakin der Typ in dem schwarzen Anzug ist“. Da es für sie nun Stoff nachzuholen gab, veranstalteten wir drei STAR-WARS-Abende, die noch mehr Überraschungen für sie bargen.

Als Alec Guiness in Episode 4 zum ersten Mal erschien, war sie fast außer sich: „Das soll Obi-Wan sein?“ Etwas später kommt es zu der „berühmten Szene“ in Obi-Wans Hütte, als Luke eine scheinbar einfache Frage nach seinem Vater stellt:

Luke: Wie ist mein Vater gestorben?
[Meine Kollegin ruft dazwischen: Na los, Obi, sag ihm, was Du gemacht hast!]
Obi-Wan: (zögert) Ein… junger Jedi namens Darth Vader, der mein Schüler war, bevor er dem Bösen verfiel, half dem Imperium dabei, die Jedi zu jagen und zu vernichten. Von ihm wurde Dein Vater verraten und ermordet.
[Meine Kollegin jetzt völlig fassungslos: Was erzählt der da? Das stimmt doch überhaupt nicht!]

Einen weiteren Moment ihrer Fassungslosigkeit durfte ich erleben, als in Episode 5 Yoda das erste Mal auftauchte. „Das ist Yoda?“, waren ihre Worte. „Dieses senile kleine Männchen?“

Aber auch versöhnende Augenblicke gab es, etwa als Luke seinen Vater in Episode 6 nicht tötete und so der böse Imperator zu Fall kam – und besonders gefallen hat ihr, als am Ende die Geistgestalten von Obi-Wan, Yoda und Anakin auftauchten, hauptsächlich deswegen, weil Hayden Christensen nochmal auftauchte (ja, ich habe mir die DVD mit der geänderten Version gekauft).

Ich finde das interessant, denn diese Ansichten sind genau konträr gegenüber dem, was der Fan, der die Episoden 1 bis 3 nicht leiden kann, unter STAR WARS versteht. Natürlich, würde dieser sagen, Alec Guiness ist Obi-Wan. Natürlich, dass Luke angelogen wird, ist der Knackpunkt der Trilogie. Natürlich, Yoda ist ein wundersamer Eigenbrötler, der auf einem Sumpfplaneten lebt. Und natürlich war es Sch…, als man in der neuesten Überarbeitung am Ende von Episode 6 Sebastian Shaw durch Hayden Christensen als Anakin ersetzte.

„Ich werde die Geschichte nicht so erzählen, wie sie passiert ist. Ich werde sie so erzählen, wie ich mich daran erinnere.“ Charles Dickens: „Große Erwartungen“

Das große Problem, das die „neuen“ STAR-WARS-Filme hatten, waren die Erwartungen der Fans. Die meisten von denen hatten die ersten Filme im Jugendalter gesehen und sie waren etwas wirklich besonderes. Etwas vergleichbares gab es zuvor nicht. Und damit, so scheint mir, gingen viele Fans von den falschen Voraussetzungen aus. Mittlerweile war es schwer geworden, nochmal etwas „völlig Neues“ ins Kino zu bringen – und die Zuschauer waren keine Jugendlichen mehr. Als Erwachsener aber nimmt man die Welt um sich herum aber anders wahr, denn als Jugendlicher oder Kind.

Genauso eine Entwicklung hatte auch mit George Lucas selbst stattgefunden. Als er den ersten STAR-WARS-Film machte, war er ein Anfänger, noch nicht mal Mitte dreißig, hatte keine Kinder und „nur“ die Verantwortung für seine Frau und sich selbst. Er war sich noch nicht sicher, wo ihn sein Leben hinbringen würde.

Als er die Prequels machte, hatte er eine Scheidung hinter sich gebracht, drei Kinder und war Boss einer millionenschweren Firma und deren Tochtergesellschaften. Seine persönlichen Erfahrungen prägten natürlich auch seine Geschichten.

Gleichzeitig gab es sehr viel, das in die drei neuen Filme verpackt werden musste – der Sturz der Republik und ihre Wandlung zum Imperium, der Werdegang des Anakin Skywalker vom guten zum bösen Menschen, der Ausblick auf seine Kinder und der verhängnisvolle Zweikampf mit Obi-Wan Kenobi. Die Methoden der Filmmacher hatten sich verbessert und so war die Möglichkeit entstanden, die Geschichten anders zu erzählen als das noch 1977 der Fall war. Viel Stoff, um es unterzubringen, was teilweise dazu führt, dass die Prequels sehr hektisch wirken.

Zuletzt bleibt noch anzumerken, dass der erste Film zu einer Zeit entstand, als ich mir beispielsweise noch nicht vorstellen konnte, wie es sein würde, im 21. Jahrhundert zu leben – und jetzt tue ich’s. Genauso waren die ersten Teile Kinder ihrer Zeit, der 1970er und -80er Jahre. Das ließ sich nicht beliebig ins 21. Jahrhundert transferieren, aber so wurde es augenscheinlich erwartet. Dass diese Erwartung nicht erfüllt wurde, kann schon zu Enttäuschungen führen. Die Frage, die ich mir stelle, ist, ob diese strikte Ablehnung, diese „Alles-Mist“-Dampframmen-Kritik ihre Berechtigung hat. Man kann mit den Prequels nicht einverstanden sein, schön und gut – aber schon der Mensch neben einem kann völlig anderer Ansicht sein. Und der hat auch ein Recht auf seine Meinung. In einer gewissen Ironie wird von vielen „Fans“ das zelebriert, das sowohl die Jedi als auch die Sith getan haben, und das letztlich zum Sturz von beiden (zuerst den Jedi, dann den Sith) geführt hat: die völlige Ablehnung der anderen Seite.

Ein weiser Mensch, an dessen Namen ich mich leider nicht mehr erinnere, meinte einmal, dass „Ent-Täuschung“ nichts weiter sei, als das „Ende der Täuschung“. Wenn es Fans gibt, die von den Prequels „ent-täuscht“ wurden, stellt sich die Frage, wie denn die „Täuschung“ zustande kam. Kann man das einzig und allein George Lucas ankreiden? Oder müssen sich jene an die eigene Nase fassen, die der Meinung waren, ein neuer STAR-WARS-Film würde ein Stück vergangener Jugend zurückbringen? Schade, aber das können die Prequels wirklich nicht. Der 25. Mai 1977 lässt sich nun mal nicht reproduzieren. Man kann natürlich auch aus verschiedensten anderen Gründen keinen Gefallen an Episode 1 bis 3 haben. Wie ich sagte, das ist jedermans persönliche Ansicht. Aber dann soll man bitte nicht so tun, als wären alle, die anderer Meinung sind, Idioten.

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen möchte ich die STAR-WARS-Filme in chronologischer Reihenfolge anschauen und mich dabei einigen Aspekten widmen. Mit in die Reihe einfügen möchte ich auch „The Clone Wars“, den ich bisher noch nicht gesehen habe. Sicherlich werde ich dabei einiges aufwerfen, das man wiederum anders sehen kann. Dieses Blog hat eine Kommentarfunktion, wenn jemand möchte, kann er oder sie seine / ihre Meinung zum Dialog besteuern, solange sie konstruktiv ist und im entsprechenden Ton vorgebracht wird. Beleidigungen oder ein plumpes Rumgebrülle, das im Kern nur „Du hast Unrecht!“ oder „Du hast ja gar keine Ahnung!“ aussagen soll, können mir gestohlen bleiben (und werden unverzüglich ins Datennirvana verschoben). Und falls man mir einen Gefallen tun möchte, im Deutschen gibt es die Groß- und Kleinschreibung, sowie solche merkwürdigen Satzzeichen wie „Komma“ und „Punkt“. Macht davon Gebrauch und verzichtet auf überzählige Ausrufezeichen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

10 Comics, die man gelesen haben sollte (Teil 1)

Um die hervorragende Reihe des G.I. abzurunden, habe ich beschlossen, noch einige Comics von Hergés Nachfahren unter die Lupe zu nehmen. Diese Liste ist natürlich höchst subjektiv. Wer also jetzt schreit: „Aber wo ist denn XY?“, oder: „Comic Blabla ist tausendmal besser!“, dem kann ich nur sagen: Pah! Eloquent, aber deutlich.

Ein paar kurze Worte über mich, die dem geneigten Leser helfen mögen, zu verstehen, nach welchem Kriterium die Comics ausgewählt wurden: Ich bin kein Allesleser. Obwohl ich es immer wieder mal versuche, konnte ich mich beispielsweise noch immer nicht mit Mangas anfreunden. Ich mag es, den individuellen Stil von Zeichnern zu erkennen, was sicherlich bei Manga auch möglich ist, aber ich denke, niemand wird mir absprechen können, dass dieser Comicstil grundsätzlich von seiner immer gleichen Bildsprache lebt. Ein wenig wie Disney.

Zweitens liebe ich Comics, die aufwändig gezeichnet sind. Daher spreche ich häufig von Graphic Novels – klingt wichtig und sondert uns Fans ein wenig von der Kinderecke ab. Schwer fällt mir die Wahl zwischen einer guten Geschichte und einem schönen Zeichenstil. Die schönsten Bilder können eine lahme Story kaum retten. Da halte ich vielleicht zwei Bände lang durch. Eine fantastische Geschichte kann mir durch grässliche Bilder aber erst recht madig gemacht werden. Daher an dieser Stelle eine Bitte um Verzeihung an alle Sandman-Fans: Die Grafik ist schauderhaft – and not in a good way!

Es folgt also in willkürlicher Reihenfolge meine Abhandlung verschiedener Comics, die man einfach kennen sollte.

1. The Dark Knight Returns/Die Rückkehr des dunklen Ritters

  • Vorbemerkungen:
Cover der englischen Ausgabe

Als Comic-Fan kommt man an diesem bahnbrechenden Meisterwerk aus der Feder von Frank Miller kaum vorbei. Auch die Tatsache, dass der Titel des aktuellen Kinofilms recht ähnlich klingt, ist kein Zufall. Als die Geschichte im Juni 1986 erschien, sorgte sie für eine kleine Sensation. Obwohl sich die Batman-Reihe seit den 70ern allmählich von ihren kindischen Wurzeln löste – man denke an die Fernsehserie mit Adam West, die in den Jahren zuvor das Bild von Batman prägte – war dieser Batman etwas völlig Neues. Kälter, realistischer, skrupelloser, zwielichtiger – und nichts für Kinder. Viele Kritiker sehen daher in diesem Comic auch die eigentliche Geburtsstunde des Graphic Novels. Und ja, auch sie nutzten den Begriff vor allem dazu, diese Werke von Comics für Kinder abzuheben. Die Geschichte von Batman spielt nicht in der gleichen Welt wie die Heftserien des DC-Verlags, sondern in einer möglichen nahen Zukunft. Solche Gedankenspiele in der Comicwelt werden heutzutage als „Elseworld“-Comic bezeichnet, ein etwas irriger Begriff, da man Gotham City auch sonst nicht wirklich in einem Atlas entdecken wird.

  • Inhalt:

20 Jahre sind vergangen, seit Bruce Wayne sein Cape an den Nagel hängte. Der Tod seines zweiten Kindpartners Robin, der vom Joker erschossen wurde, hatte ihn derart mitgenommen, dass er kapitulierte. Gotham City ist ein verfallener, schmutziger Ort geworden, in dem Jugendgangs ungezügelt ihr Unwesen treiben, in dem die Medien einen gewaltigen Einfluss auf das Denken der Bevölkerung haben. Als Harvey Dent, besser bekannt als Two-Face, aus der Irrenanstalt entlassen wird und sogleich wieder Verbrechen verübt, streift sich Bruce erneut sein dunkles Outfit über. Auch ein neuer Robin findet sich schließlich, die 13-jährige Carrie, die Batman nur sehr widerstrebend akzeptiert. Doch ob Batman ein Retter oder ein Vigilant ist, der sich über das Gesetz stellt, wird in den Medien zu einer hitzigen Diskussion ausgewälzt. Und die Rückkehr des dunklen Ritters lockt auch alte Feinde aus den Schatten heraus…

  • Kritik:

„Die Rückkehr des dunklen Ritters“ hat Maßstäbe gesetzt. Es ist ein wenig wie mit vielen Trendsettern – sie haben die Dinge nicht erfunden, aber populär gemacht und geprägt. In diesem Batman gibt es Ironie, eine intelligente Handlung, die non-linear erzählt wird. Es gibt also Foreshadowing, Rückblicke, subjektive Sichtweisen. Frank Miller verwendet einen Bildstil, der viel von Licht und Schatten lebt. Dieser Stil wird noch heute in allen Batman-Comics und Filmen kopiert. Die Geschichte funktioniert auf vielen Ebenen: Als Heldensaga, als Zivilisationskritik, Medienschelte, Krimigeschichte, politische Satire oder Endzeitthriller. Und all das mündet in einem furiosen Finale. Woran man sich zweifellos gewöhnen muss, ist Frank Millers Zeichenstil. Dieser scheidet die Geister – man liebt es oder man hasst es. Zumindest hier sind die Bilder noch nicht so abstrakt, obwohl Miller zeitweise durchaus eher grob stilisiert. Doch die Art, wie er teilweise Bilder in Panels unterteilt, zersplittert, neu zusammenfügt, das muss man einfach bewundern.

Die Reihe wurde 2001 von Frank Miller fortgesetzt. „The Dark Knight Strikes Again“ wurde ebenfalls ein Erfolg, konnte aber bei weitem nicht so überzeugen wie der Erstling. Dies lag vor allem an dem radikalen Grafikstil mit sehr groben Skizzierungen und surrealen Farbgebungen. Ich persönlich habe es nicht durchgestanden, die Bilder ließen mich Blindheit herbeisehnen.

Tim und Struppi – Die Reihe (Einblicke / Ausblicke)

In den letzten drei Wochen sind wir alle Abenteuer von Tim, dem „pfiffigen Reporter“, und seinen Weggefährten durchgegangen. Den letzten Wunsch respektierend wurde die Reihe nach Hergés Tod im Jahr 1983 nicht fortgesetzt und auch das unvollendete Werk „Tim und die Alpha-Kunst“ nicht vervollständigt. Das wöchentliche Magazin „Tintin“ wurde bald eingestellt. Der Popularität der Comicfigur ist jedoch ungebrochen, sie ist ein Stück belgisches Kulturgut geworden. Bestes Beispiel ist das Jubiläum, das im Jahr 2004 gefeiert wurde: 75 Jahre Tim. Eine große Zeitung verzichtete an diesem Tag auf sämtliche Fotos, ausnahmslos alle Artikel waren mit Szenen aus den Tim-und-Struppi-Alben bebildert. In dem Fall dürfen sich die Fans schon auf 2009 freuen, wenn es das 80jährige Jubiläum zu feiern gibt.

Hier nochmals alle Beiträge der Reihe über die Alben:
Tim im Lande der Sowjets
Tim im Kongo
Tim in Amerika
Die Zigarren des Pharaos
Der blaue Lotos
Der Arumbaya-Fetisch
Die schwarze Insel
König Ottokars Zepter
Die Krabbe mit den goldenen Scheren
Der geheimnisvolle Stern
Das Geheimnis der „Einhorn“
Der Schatz Rackhams des Roten
Die sieben Kristallkugeln
Der Sonnentempel
Im Reiche des schwarzen Goldes
Reiseziel Mond
Schritte auf dem Mond
Der Fall Bienlein
Kohle an Bord
Tim in Tibet
Die Juwelen der Sängerin
Flug 714 nach Sydney
Tim und die Picaros
Tim und der Haifischsee
Tim und die Alpha-Kunst

Zu Tim gibt es inzwischen auch einiges an Sekundärliteratur. Für all jene, die es bedauern, dass es keine neuen Abenteuer mehr geben wird, ist sicherlich der Comic „Die Abenteuer von Hergé“ ein kleiner Trost. Hier gerät der Zeichner selbst in den Mittelpunkt, es ist quasi eine Biographie in Comicform – was passt wohl besser zu einem Comiczeichner? Hier werden in Episoden Einblicke in Hergés Leben gewährt, wobei man ständig auf verschiedene Tim-Geschichten anspielt. Anlässlich Hergés 100. Geburtstag im Jahr 2007 kam eine neue, erweiterte Auflage heraus, die auf acht Seiten zwei neue Episoden enthält.

Bereits ausführlich an dieser Stelle besprochen habe ich „Auf den Spuren von Tim und Struppi“ von Michael Farr. Der Autor stellt die Entstehung jedes einzelnen Albums dar, welche Dinge Hergé beeinflusst haben und was er alles verarbeitet hat. Der Fokus wird dabei bewusst auf Tim gehalten, andere Arbeiten Hergés (wie etwa „Stups und Steppke“) werden nur am Rand erwähnt.

Auch im Internet gibt es einige Seiten, die sich mit den Abenteuern des ewig jungen Reporters befassen. Die „Comic Radio Show“ beispielsweise würdigt an dieser Stelle das 75jährige Jubiläum der Comic-Reihe, und an dieser Stelle den 100. Geburtstag Hergés. In beiden Artikeln finden sich übrigens Bilder, die nicht so weit verbreitet sind, so zum Beispiel ein Foto, das eine Szene aus dem Realfilm „Tim und das Geheimnis des goldenen Vlieses“ zeigt und das von der Optik her einen recht guten Eindruck macht. Und an dieser Stelle vermeldet die „Comic Radio Show“, man habe im Nachlass von Bob de Moor, Hergés Assistent, der 1993 verstorben ist, ein verschollenes Abenteuer mit dem Titel „Tim in Australien“ wiederentdeckt. Der Leser möge jedoch ganz oben in dem Artikel nachschauen, an welchem Tag dieser veröffentlicht wurde, um ihn zu verstehen.

Tim hat auch mich als junger Leser sehr beeindruckt, was man am Zustand mancher Hefte meiner Sammlung auch sieht. Ich wollte sogar selbst eine zeitlang Comiczeichner werden, doch leider fehlt mir da offenbar ein Stück Talent, die Szenen, die ich mir vorgestellt habe, auch so zu Papier zu bringen, dass man sie erkennt. Die Abenteuer des Reporters haben mir über manche Krankheit hinweg geholfen und über den Verlust meiner Milchzähne. Als ich erfuhr, dass es Kinofilme vom Tim gibt, wollte ich diese unbedingt sehen, hatte aber Pech: 1969 (zu „Der Sonnentempel“) war ich noch nicht geboren und 1973 (zu „Tim und der Haifischsee“) war ich zu jung. Und in den 1970er Jahren war das noch nicht so mit Video anschauen. „Der Sonnentempel“ wurde schließlich Ende der 1970er Jahre in der ARD als Zweiteiler ausgestrahlt, „Tim und der Haifischsee“ Anfang der 1980er Jahre (nicht als Zweiteiler).

Und damit sind wir schon bei der Zukunft Tims, denn die liegt offenbar im Kino. Genau rechtzeitig zum Jubiläum 2009 planen Steven Spielberg („E.T.“, „Indiana Jones“, „Schindlers Liste“) und Peter Jackson („Der Herr der Ringe“) einen computeranimierten Film, respektive, es wird sich um eine Trilogie handeln, basierend auf den Comicbüchern. Spielberg und Jackson waren sich einig, dass Tim das Potential für einen guten Film habe, man aber Hergé nicht gerecht werde, wenn man diesen mit echten Schauspielern produziere. Deswegen wird die Reihe als Computeranimation entstehen, die aber fotorealistisch aussehen soll. Die beiden haben sich da hohe Ziele gesteckt und wir dürfen gespannt sein, was das Resultat betrifft. Kurze Artikel über das Projekt erschienen im Gurdian und bei BBC News.

Die Zukunft des Reporters scheint also gesichert zu sein. Seit 2002 gibt es Deutschland übrigens auch „Tim – Das Magazin“, das vier Mal im Jahr erscheint. Die letzte Ausgabe trägt die Nummer 23 und erschien Winter 2007 / 2008, eine aktuellere scheint im Moment nicht zu geben, ist aber angekündigt. Die Fans dürfen also gespannt sein, wie die Reise des Reporters und seiner Gefährten weitergeht.

Zum Abschluss noch meine persönlichen Favoriten: