Burma – eine Blogger-Aktion (3) und der Tag der deutschen Einheit

Nun steht also fest, was aus der Blogger-Aktion wird: Am morgigen Tag wird mit nur einem einzigen Beitrag auf die Situation in Burma hingewiesen. Die Aktion ist inzwischen richtig groß geworden, was natürlich auch Kritiker auf den Plan ruft. Nun darf man kritisch sein, das ist das Vorrecht in unserer Gesellschaft – zumindest hier. Aber die Kritik nimmt teilweise schon groteske Züge an und wird unsachlich. Allem voran wird natürlich das „Totschlagargument“ gebraucht, die Leute, die sich an der Aktion beteiligen, wollen vorrangig Traffic, Links, Trackbacks. In der Wissenswerkstatt gibt es dazu einen sehr schönen Artikel, der die Argumente der Gegner einer solchen Aktion beleuchtet und interessante Gegenfragen stellt. Noch dazu ist dieser Artikel völlig unaufgeregt und sachlich, was man von einigen Kritiken nicht behaupten kann (der Artikel ist hier). Was nämlich einigen Bloggern entgegenschlägt, sind perfide Drohungen. Wehe, man beteilige sich an der (Zitat) „schwachsinnigen SEO-Aktion“, dann würde man die Konsequenzen tragen müssen. Darüber berichtet Blogging Tom hier. Und einer derjenigen, die die Aktion mit ins Leben gerufen haben, nämlich Robert Basic, schreibt hier über die Kritik daran und die Verantwortung hinter „Free Burma“.

Ich habe mir indessen meine eigenen Gedanken gemacht und jeder mag sich dazu seine eigene Meinung bilden. Ich habe mir Gedanken gemacht, warum uns ausgerechnet diese Ereignisse zu so einer Aktion bewegen. In einem haben die Kritiker zweifellos recht: Auf unserer Erde gibt es genügend Krisenherde. Warum ausgerechnet Burma? Was uns Deutsche betrifft, so habe ich den Eindruck, dass wir stark an unsere eigene Vergangenheit erinnert werden. Nur um das mal auszudrücken: Heute ist der „Tag der deutschen Einheit“. Und dass Deutschland wiedervereinigt ist, dass hat auch mal genau so angefangen wie in Burma: mit friedlichen Protesten. Ich selbst war damals gerade in der weiterführenden Schule nach der Mittleren Reife. Für die Prüfung der Mittleren Reife (1987) habe ich noch gelernt, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass es eine Wiedervereinigung in irgendeiner Form in nächster Zukunft geben werde und die beiden deutschen Staaten noch lange weiter existieren würden. Gerade mal drei Jahre später ist dieses Wissen Makulatur. Dass die Geschichte – oder das Schicksal, wie auch immer man das sehen will – es dabei mit den Deutschen recht gut gemeint hat, wird uns durch die Bilder von Burma wieder einmal drastisch vor Augen geführt. Es war nämlich keineswegs sicher, dass die Demonstrationen in der DDR von 1989 so glimpflich ablaufen, wie sie letztlich abgelaufen sind. Vor allem Erich Honecker, damals noch Staatsratvorsitzender, befürwortete eine „chinesische Lösung“ (bezogen auf das Massaker am Tian’anmen, bei dem im gleichen Jahr ein paar Monate zuvor die Demokratiebewegung brutal niedergeschlagen wurde). Seine Untergebenen waren es, die teilweise Befehle abmilderten, von dem Einsatz von Panzern abrieten und schließlich, als er weiter auf die harte Linie drängte und sich Reformen verweigerte, ihn absetzten. Hätte es unter diesen Leuten nur ein paar gegeben, die auf Honeckers Linie gewesen wären, hätte es auch anders ausgehen können.

Möglicherweise ist es das, was gerade wir Deutschen in Burma sehen: die „dunkle Variante“ unserer eigenen Geschichte, friedliche Proteste für eine Verbesserung der Lebensqualität, die von einem uneinsichtigen Regime mit aller Gewalt niedergeschlagen werden. Zum Glück kam es bei uns nicht dazu.

Deswegen werden wir von diesem Blog bei der Aktion dabei sein. Mehr Informationen gibt es hier: Free Burma!

Burma, Birma, Myanmar – eine Blogger-Aktion (2)

Zu den Zeiten, als das Telefon die einzige Möglichkeit war, sich schnell mit anderen Menschen überall auf dem Globus verständlich zu machen, benutzte man die Redewendung „die Drähte laufen heiß“, wenn man damit ausdrücken wollte, dass viele Menschen sehr viele wichtige Telefonate zu führen hatten. Das war meistens nach Katastrophen oder politisch einschneidenden Ereignissen. Heute möchte ich diese Redewendung wieder auferstehen lassen, denn in der Tat, die Drähte laufen heiß um die Blogger-Aktion für Burma (wir schrieben hier darüber), die sich mittlerweile zu einem Aktionstag ausgewachsen hat. Angedacht ist der 4. Oktober 2007 als Termin und es wurde darum gebeten, es weiterzugeben und möglichst viele Blogger / Webseitenbetreiber zu informieren. Und da darüber schon so viel geschrieben wurde, möchten wir hier einige Berichte (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) über den Aktionstag auflisten, womit gezeigt werden soll, es ist keine kleine Aktion mehr, es wächst:

Basic Thinking Blog: Action: Burma VI
Teddykrieger: Blogger-Tag „Free Burma“ am 04.10.
Visualtainment.at: Aktion „Free Burma“ läuft an
Johannes: Free Burma
Upload-Magazin: Blog-Aktion „Free Burma“
Wissen macht nix: Was in Burma passiert…
trndblog: One Text for Burma
Blogging Tom: Free-Burma-Aktionstag am 4. Oktober
Webmaster Blog: Bloggen für Burma
B-Seite: Blogger bewegen: Free-Burma-Aktionstag am 4. Oktober 2007

Burma, Birma, Myanmar – eine Blogger-Aktion

Das Phantastische Projekt, in dessen Blog Sie gerade lesen, handelt von Zukunftsvisionen. Die Geschichte von morgen, wie sie sein könnte, wobei das „Heute“ nicht außer acht gelassen wird. Natürlich haben wir viel diskutiert, wie diese Zukunftsvision aussehen könnte und wir haben uns letztlich für eine positive entschieden. Man mag uns Optimismus zum Vorwurf machen, aber so sind wir nun mal. Damit aber diese positive Zukunftsvision auf den Weg gebracht werden kann, vielleicht einmal wahr zu werden, gilt es, in der Gegenwart ein paar Entscheidungen zu treffen, die die Zukunft beeinträchtigen können.

Damit sind wir beim Thema: Derzeit wird die Situation in Burma (oder Myanmar, wie die eigene Militärjunta dieses Land benennt) immer unübersichtlicher. Friedliche Proteste von buddhistischen Mönchen und Sympathisanten sind in den Kugelhagel der Militärregierung geraten. Ausgerechnet ein Satire-Blog meldet sich nun zu Wort bittet in einem Artikel, der extra mit dem Zusatz „Satirefrei“ versehen wurde, um Unterstützung bei einer Blogger-Aktion. Da wir die letzten Tage schon überlegt haben, in welcher Form wir dieses Thema hier ansprechen sollen (dass wir es ansprechen müssen, war von Anfang an klar), scheint uns dies nun der geeignete Moment und die geeignete Aktion zu sein. Denn in dem Artikel (siehe hier) des Lupe-Blog wird nicht nur dazu aufgerufen, als Blogger die friedlichen Proteste zu unterstützen, sondern es werden auch die Ereignisse in Burma anhand einer Fotostrecke dargelegt. Es werden außerdem weitere Unterstützer genannt und Quellen, in denen man sich noch mehr informieren kann. Auch wir unterstützen die Aktion und weisen nochmals darauf, wo man die Fotos und weitergehende Informationen finden kann:

 http://swiss-lupe.blogspot.com/2007/09/blogger-fr-burma-untersttzungsaktion.html

Nachlese: Blicke auf die Demonstration „Freiheit statt Angst“ vom Samstag

Nachdem offenbar auch Nachrichtenagenturen auf falsche Teilnehmerzahlen hereingefallen sind und Magazine (gedruckt und im TV) die Demonstration „Freiheit statt Angst“ gegen den „Überwachungswahn“ für nicht so wichtig hielten, als dass man ihr angemessenen Raum geboten hätte, hier eine kleine Auslese von Berichten. Leider kam es – wie schon häufiger – am Rand der Demonstration zu Rangeleien. Auch darüber geben die Berichte ein Bild ab:

freiheitstattangst.de – Der ursprüngliche Aufruf zur Demonstration

heise online: „Tausende Bürger demonstrieren für ‚Freiheit statt Angst'“

netzpolitik.org: „Größte Demonstration für mehr Datenschutz seit 20 Jahren“ und „Meine Rede bei der ‚Freiheit statt Angst‘-Demonstration“

farliblog: „‚Freiheit statt Angst‘-Demo in Berlin“ [hier ist besonders die Diskussion zur Demo in den Kommentaren interessant]

silentblog: „Demo für mehr Datenschutz und Freiheit“ [nennt die Seiten, die mit unterschiedlichen Teilnehmerzahlen hantieren]

Blog Age: „Ganz offline: Demo gegen Datenspeicherung“ [verweist auf weitere Berichte und Seiten mit Bildern]

klitsch.net: „15000 waren heute auf der Straße“ [mit Bildern der schönsten Schäuble-Parodien, u. a. als „Big Brother“ aus „1984“]

Hanno’s Blog: „Der doofe Block“ [über die Provokateure der Rangeleien – auf Seiten der Demonstranten und der Staatsmacht]

Und irgendwann kam der Tag…

„Und irgendwann kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde als das Risiko zu blühen.“
Anaiis Nin

Ob es wohl gerade die Zeit für Änderungen und Umwälzungen ist? Vor ein paar Tagen hat der Internet-Dienst „Blogscout“ ziemlich überraschend seine Arbeit eingestellt und wird auf Ende September völlig verschwinden. Dirk Olbertz, der diesen Dienst ins Leben gerufen hat, nennt dafür durchaus nachvollziehbare Gründe. Er wollte einen Wegweiser durch die so genannte „Blogosphäre“ schaffen, wurde diesem Anspruch selbst aber nicht gerecht, da der „Longtail“, also die Blogs, die nicht so viele Leser und Beachtung haben, völlig untergingen, während die „üblichen Verdächtigen“, die sowieso schon hohe Zugriffszahlen haben, stets und scheinbar unverrückbar festbetoniert die vordersten Plätze der Hitliste einnahmen. Eigentlich war seine Absicht gewesen, hier etwas Bewegung hinein zu bringen. Nachdem ihm dies nicht gelungen war und er auch keine Möglichkeit sah, das zu ändern, stellt Dirk Olbertz den Dienst nun ganz ein, ohne ihn zu verkaufen. Ein mutiger und angesichts der Lücke zwischen eigenem Anspruch und Realität auch konsequenter Schritt. Danke auch von dieser Stelle für den Service.

Auch wir können nachvollziehen, dass es nicht einfach ist, aber dass man gewisse Schritte manchmal einfach gehen muss, um ein Ziel zu erreichen, denn wie es im Zitat zum Anfang dieses Beitrags heißt: „Und irgendwann kam der Tag…“ . Bei uns ist das genau so, dieses Projekt hat gerade in diesem Jahr einige Änderungen und Wandlungen erfahren, die einiges, das wir aufgebaut hatten, ziemlich über den Haufen geworfen haben. So haben wir uns an der „Technorati“-Link-Kette mit dem „Phantastischen Blog“ beteiligt, allerdings, als dieses noch bei WordPress direkt lag. So schnell kamen neue Ideen auf, dass wir damals noch nicht ahnten, dass das Blog bald wieder Geschichte sein würde. Aber so ist es gekommen. Möglicherweise liegt das an unserem 20. Jubeljahr, dass wir besonders kreativ und experimentierfreudig sind. Aber wir hoffen, dass wir jetzt gefunden haben, was wir eigentlich gesucht haben.

Drei Projekte sind derzeit in der Planung, die wir „X-2“, „X-3“ und „X-4“ genannt haben. Über deren Entwicklung werden wir weiter berichten, sobald es etwas interessantes gibt. Für heute sei aber mal genug mit dem selbstreferenziellen Zeugs. Tut uns leid, falls wir damit auf den Wecker fallen.

“The Simpsons – Der Film”, ein Treffen, eine Petition und andere merkwürdige Ereignisse am oder um den 18. August 2007

Da sieht man mal, was dabei herauskommt, wenn ein paar Leute mit Gedanken im Kopf sich alle auf einmal treffen. Es gab einen angenehmen Tag zu verbringen, zusammen mit einem Kino-Abend, sowie verschiedene Dinge beim Essen zu besprechen.

Fangen wir mit dem an, was sich am Schnellsten abhandeln lässt: Die Simpsons – Der Film. Warum lässt sich das am Schnellsten abhandeln? Weil darüber schon so viel geschrieben wurde, dass man kaum mehr etwas ergänzen muss oder kann. Lediglich die Meinung aller Beteiligten: gut gemacht! Empfehlenswert, anschauen (wer es noch nicht getan hat)!

Nun zu den anderen, etwas ernsteren Dingen, betreffend das „Phantastische Projekt“ und dieses Blog. Seit Stefan Niggemeiers Abmahnung, die mit der Begründung erfolgt ist, er habe einen Kommentar „zu spät“ gelöscht und solle in Zukunft jeden Kommentar in seinem Blog VOR der Veröffentlichung prüfen, sind etliche Blogger dazu übergegangen, genau das zu tun. Andere meinen, man solle sich nicht aufregen, solange nichts entschieden sei (zwischen Niggemeier und dem Abmahner ist ein Rechtsstreit im vollen Gange). Schließlich sei doch schon früher festgestellt worden, dass es nicht zumutbar sei, alle Kommentare in Blogs oder auch Foren zu überprüfen.
Genau zu dem Thema meldete sich dann ein Kommentar auf unserem Blog, dessen Kommentar erst einmal vom Akismet-Spamfilter abgefangen wurde. Der Grund für das Abfangen war vermutlich die Tatsache, dass dieser Kommentar in exakt dem gleichen Wortlaut in verschiedenen Blogs wiedergegeben wurde. Der Kommentator stellt fest, dass sich sein Mitleid für Niggemeier und andere Blogger in Grenzen halte, da sich dieser nie so sehr als Befürworter einer Meinungsfreiheit hervorgetan hätte. Eine Überprüfung des Kommentars und seines Kommentators ergab, dass jener damit eine nach (politisch) stark rechts gewandte Meinung meinte. Im Klartext: Weil sich der Kommentator von Stefan Niggemeier zu unrecht… ja, was eigentlich? Also, Niggemeier hat die Meinung vom rechten Rand offenbar nicht stark genug toleriert. Und weil der Kommentator das für Unrecht hält, ist es nur richtig, dass Niggemeier jetzt selbst wiederum Unrecht widerfährt, dass damit aber nur am Rande zu tun hat. Wir haben dann beschlossen, den Kommentar einfach in Akismet zu belassen, wo er in ein paar Tagen in die Schrottpresse kommt und zu frischen Bits und Bytes recycled wird.

In dem Zusammenhang möchten wir auf eine Petition aufmerksam machen, die beim Deutschen Bundestag eingereicht wurde und das bestehenden Recht in der Hinsicht ändern, dass eine Abmahung nicht mehr möglich ist, wenn sie zuvor nicht kostenlos und ohne Einschaltung eines Anwalts angekündigt wurde; bzw. wenn eine Abmahnung ohne vorherige Ankündigung erfolgt, dass der Abmahner dann 2/3 der Anwaltskosten zu tragen hat, auch wenn die Abmahung berechtigt sein sollte. Für Online-Petitionen benutzt der Deutsche Bundestag die Seite einer schottischen Universität (das ist KEIN Witz, sondern deswegen so, weil sich das Ganze noch im Experimentalstadium befindet). Über die Petition kann man sich hier informieren und wenn man will, gleich eintragen: Petition „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“. Die Aktion geht noch bis zum 3. September. Jede Stimme zählt! (gefunden hier: PHP-Developer-Blog)

Außerdem haben auch wir inzwischen Probleme mit einem Beitrags-Klauer. Unter der Domain „Tradeboard“ wurde ein Blog eingerichtet, in das offenbar kaum oder keine eigenen Beiträge geschrieben werden. Stattdessen wird das Internet auf Beiträge in anderen Blogs abgegrast und diese wortwörtlich und mit allen Bildern übernommen. Bei uns betraf das sogar einen Beitrag in eigener Sache – dem, in dem wir einem Mit-Blogger zum Geburtstag gratuliert haben [völliger Blödsinn, das in einem anderen Blog zu veröffentlichen, da der Inhalt rein privater Natur und als nette Geste innerhalb dieses Blogs gedacht war]. Offenbar sitzt der Betreiber des Blogs in den Niederlanden. Auf der Hauptseite der Domain ist noch kein Inhalt hinterlegt, es ist daher nicht klar, was der Mensch / die Menschen, der / die dahinter steckt / stecken damit bezweckt / bezwecken. Es ist einfach nur ärgerlich. Warum werden solche Leute eigentlich nicht abgemahnt?

Unter all‘ diesen Eindrücken ging es darum, was wir nun tun, mit diesem Blog und dem „Phantastischen Projekt“. Wir haben im Moment die Projekte X-2, X-3, X-4 und X-5 in der Entwicklung und sind zu keinem rechten Schluss gekommen, in welcher Form wir weitermachen wollen. Nur über das „ob“, da sind wir uns einig: Ja! Trotzdem kann es sein, dass es hier zu einer kleinen, kreativen Pause kommt.

„Denn die Meinungsfreiheit, die wir meinen, ist frei von jeder Meinung!“
Terry Jones: Erik, der Wikinger

Post aus der Zukunft…

Eine Frage: Gibt es tatsächlich so viele Leute, die mit dem Umgang des Internets so unsicher sind, dass sie auf die offensichtlichsten Tricks hereinfallen?

Heute habe ich zwei Mails bekommen. Schnell zur ersten: Eine Mail, die angeblich von der Anwaltskanzlei Olaf Tank stammt. Ich soll xxx,00 Euro zahlen. Nein, das „xxx“ stammt nicht von mir, das steht so in der Mail. Weitere Informationen erhalte ich, wenn ich den Anhang – eine ZIP-Datei – betrachte. Natürlich handelt es sich um den plumpen Versuch, mir einen Virus oder Trojaner auf den Rechner zu bugsieren. Mehr darüber gibt es hier und hier nachzulesen.

Und während ich diesen Beitrag schreibe, erreicht mich schon wieder eine Mail von der gleichen Anwaltskanzlei. Der Inhalt: Absolut identisch. xxx,00 Euro soll ich zahlen, in den Anhang schauen, blabla… Der einzige Unterschied ist die Betreffzeile. Während sie bei der ersten Mail „AZ:“ und eine Nummernkombination lautet, wurde die Abkürzung in der zweiten Mail mit „Aktenzeichen“ ausgeschrieben. Interessanterweise ist dann in der Mail selber nur vom „Aktenzeichen XXXXXXXX/XX“ die Rede. Also, wer auch eine solche Mail erhält, in der behauptet wird, man hätte sich auf irgendeiner Homepage angemeldet und damit einen rechtsgültigen Vertrag geschlossen – den Anhang nicht herunterladen und nicht anschauen.

Dann habe ich noch eine zweite Mail bekommen… aus der Zukunft!

Ja, richtig, denn laut den Angaben wurde diese Mail an mich am 18. März 2029 verschickt. Will etwa jemand aus der Zukunft mit mir Kontakt aufnehmen? Der (anonyme) Schreiber macht mich auf ein Objekt aufmerksam, das man in der Berliner U-Bahn gefunden habe, einen (Zitat) „unbekannten Flugkoerper“, der allerlei komische Sachen mache und eine „Totzone“ errichtet habe. Mehr könne ich erfahren, wenn ich auf den in der Mail angegebenen Link klicke.

Okay, Schluss mit „Akte X“… auch diese Mail hatte das Ziel, mir einen Virus unterschieben, diesmal über den Weblink. Das habe ich nicht selbst ausprobiert, sondern nach Recherchen im Internet gefunden (Bericht dazu hier).

Was lernen wir daraus? Unbekannten Absendern darf man nicht trauen, nicht mal denen aus der Zukunft. Aber wussten wir das nicht schon vorher?

2057 – Unser Leben in der Zukunft

„Du wirst mit einem Roboter eine Familie gründen.“
„Du wirst mit dem Fahrstuhl zu den Sternen reisen.“
„Du wirst Sicherheitskopien Deiner wichtigsten Organe besitzen.“

Soweit die Werbung. Nein, es geht nicht um eine neue Versicherungsform, sondern um eine dreiteilige Dokumentarreihe des ZDF mit dem Titel „2057 – Unser Leben in der Zukunft“. Der erste Teil, „Der Mensch„, lief am letzten Sonntag. Und hinterließ einen schalen Nachgeschmack.

Moderiert wird die Dokumentation von Frank Schätzing, dem Schriftsteller. Und da beginnt es. Schätzing präsentiert die „schöne neue Welt“ sehr unreflektiert. Kurz zur Handlung dieser Episode: der Arzt Alain Degas will morgens zu seiner Arbeit. Als sein automatisches Badezimmer Alkohol in seinem Atem feststellt, verlangt es, der Arzt solle in die Toilette urinieren. Grund: in der Toilette wird der Urin auf seine Bestandteile untersucht und das Ergebnis an die Krankenkasse weitergeleitet. Doch Degas schummelt, er hat Becher mit alten Urinproben im Schrank stehen und kippt einen von denen in die Toilette. Doch als er kurz darauf über einen Reiniungsroboter stolpert, aus dem Fenster stürzt und mit einem Polytrauma ins Krankenhaus kommt, fällt die Diskrepanz zwischen der Urinprobe im Bad und einer neuen im Krankenhaus auf. Die Folge: der Doktor bekommt seinen Versicherungsschutz gestrichen und wird in die „unterste Klasse“ der Medizin verfrachtet, einer menschenunwürdigen Aufbewahr-Anstalt.

Die Handlung wird immer wieder unterbrochen, da dem Zuschauer erklärt wird, wie man darauf kommt, dass das Leben in 50 Jahren so aussehen könnte. So wird die „intelligente Kleidung“ (über die ich mich in einem meiner Romane schon ausgelassen habe) vorgestellt, deren Vorläufer es heute schon gibt, oder Drucker, die lebendes Gewebe ausdrucken können.

Leider stellt Schätzing nur ein einziges Mal die Frage nach dem moralischen Hintergrund, nämlich als es ums Klonen geht. Ansonsten wird uns völlig unkritisch eine Zukunft präsentiert, die mich persönlich ehrlich gesagt eher erschreckt hat und die ich so nicht erleben möchte. So wird im Film kurz angesprochen, dass Doktor Degas die Hälfte (!!) seines Gehaltes dafür aufwenden muss, Krankenkassenbeiträge zu zahlen. Dafür ist er in der so genannten „Platin-Klasse“. Wer sich das nicht leisten kann… tja, Pech gehabt. Als Degas der Versicherungsschutz entzogen wird, erlebt er für eine Nacht, wie es sich „am unteren Rand“ der Gesellschaft lebt: ein gekachelter Raum, in dem so ungefähr zehn bis zwanzig Krankenbetten dicht an dicht stehen. Wie ich es oben schon formulierte: eine Aufbewahr-Anstalt. Die bereits angesetzte Herzoperation, die Degas hätte kriegen sollen, wurde abgesagt. Und niemand stellte die Frage, ob das erstrebenswert ist. Ich war entsetzt. Ein Mensch, der ein Tier so einpfercht, wird wegen Tierquälerei bestraft.

Besonders zynisch erscheint mir in dem Zusammenhang eine Radiowerbung für diese Sendung, die ich am selben Tag noch gehört habe: eine weibliche Stimme, die meint, man solle sich keine Sorgen machen, denn „ich werde für Dich sorgen – ich, Deine Zukunft!“ Einen Dreck wird die Zukunft tun, jedenfalls wenn es nach dieser Vision geht. Versorgt ist nur, wer das Geld dazu hat. Alle anderen können sehen, wo sie bleiben. Und die Krankenkassen haben eine Allmacht, die nicht nur an George Orwell erinnert, nein, er wird sogar noch übertroffen, denn so schlimm hat er sich das selbst nicht mal ausgedacht. Ständig wird man überwacht, wie man lebt, was man isst (oder ob man zu viel Alkohol trinkt), und dann wird der Versicherungsbeitrag entsprechend angepasst. Und das Schlimmste: die Krankenkasse musste Degas‘ Manipulation nicht mal nachweisen, es reichte, dass der Computer eine „80%ige Wahrscheinlichkeit“ einer Manipulation errechnete, um ihm den Versicherungsschutz KOMPLETT zu entziehen. Eine einzelne vermutete Manipulation – und es folgt die Höchststrafe. So werden vor Gericht nicht mal Mörder behandelt (wie oft wird wirklich die Höchststrafe verhängt – und wie oft wird sie auch wirklich durchgezogen?).

Die Vision erinnert in einem erschreckenden Maße an MAX HEADROOM, einer Fernsehserie über die Macht und die Entwicklung des Fernsehens. Zwar war hier nicht Krankenkassenbetrug, sondern Kreditbetrug das schwerste Verbrechen, aber es ähnelt sich alles doch sehr. Wollen wir so eine Zukunft wirklich?

In meinem Beruf sieht man alle Schichten des Lebens und alle Schichten der Gesellschaft. Die Schere geht schon weit genug auseinander. Und die Zukunft ist schließlich für alle da, nicht nur für die Reichen. Anderenfalls würde diese Zukunft nämlich einen gefährlichen Zündstoff bergen, der unter Umständen in einem Bürgerkrieg münden könnte, dann nämlich, wenn die „Unterpriviligierten“ sich gegen die, die alles haben und alles kriegen, auflehnen.

Aber das wäre dann schon eine Handlung für eine neue Dokumentation: „2058 – Unser Sterben in der Zukunft“.

Wir haben es in der Hand, denn die Grundsteine für die Zukunft legen wir. Ich möchte diese Zukunft so niemandem zumuten, nicht mir (ich bin dann 87 Jahre alt und auf ärztliche Unterstützung vermutlich angewiesen), nicht meiner Familie oder meinen Freunden – und erst recht nicht meinen Kindern. Den Nutzen zu mehren, die Gefahren vermeiden, das sollte das Credo für die Zukunft sein.

Und so eine Zukunft würde mir keine Angst machen.

Mitglied der USS EUROPE

Wie ich zur USS EUROPE kam, ist ein großer Zufall. Durch mein wiederentdecktes „Fantum“ für Star Trek war ich auf der Suche nach Merchandise und fand im Katalog des wunderbaren Bücherversandes „Transgalaxis“ ein Kochbuch. Ja, ein Kochbuch, „Recipies through Time and Space“ hieß es. Ich habe es mir bestellt, da ich zu der Zeit gerade dabei war, nach vorne zu blicken und irgendwann mit eigener Wohnung auf eigenen Beinen stehen wollte. Also, wenn ich mich schon ein Kochbuch zulegte, warum dann nicht eins von Star Trek?

In diesem Kochbuch befand sich eine Werbeseite für den Star-Trek-Fanclub „Starfleet“, denn eine Abteilung dieses Clubs hatte das Kochbuch zusammengestellt. Ich fand das aufregend, ein Club, der wie die Sternenflotte organisiert war. Vielleicht bot sich so die Möglichkeit, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Tatsächlich fand ich auch eine Abteilung in meiner Nähe, nämlich die USS EUROPE. Und schließlich war ich im Oktober zum ersten Mal bei einem Treffen dabei, auch wenn Tübingen ein ganzes Stück von mir zu Hause weg war. Aber so war es nun mal, der Süden Deutschlands war ein großer, weißer Fleck auf der Star-Trek-Fankarte.

Der Newsletter der USS EUROPE vom Oktober 1993, zusammen mit anderen Dingen. Bild: Thorsten Reimnitz

Aus dieser Begegnung ist viel hervorgegangen, langjährige Freundschaften und ein neuer Schub für mein Projekt. Einstweilen veröffentlichte ich meine Geschichten im Newsletter der EUROPE, dem „Ambassador“.