Flash Gordon

Die tönerne Armee des Kaisers von China.

Trotz Corona und allem, was da mit dranhängt, gab es 2020 noch andere Dinge, die leider – zumindest teilweise – unter den Tisch fallen mussten, da die Menschen gerade andere Probleme haben. Zum Beispiel das Jubiläum des Europa-Park (45 Jahre), das des Phantastischen Projekts (35 Jahre) und auch das Jubiläum der Veröffentlichung des Films „Flash Gordon“ von Dino DeLaurentiis im Jahr 1980 (also vor 40 Jahren). Anlässlich dieses Jubiläums wurde eine überarbeitete Version des Films auf DVD und Blu-Ray in einem Set für Sammler herausgegeben. Da ich ein Fan bin, habe ich mir das Set geleistet und das, was ich darin vorfand, hat eine Idee in meinem Kopf wieder nach oben geholt, die ich schon seit Jahren (oder noch länger hatte), und die nun in dieser kümmerlichen Artikelreihe auf einem zehntklassigen Blog endlich ihre Veröffentlichung findet.

Ich habe mich nämlich immer mal wieder mit Flash Gordon beschäftigt und mir die Veröffentlichungen betrachtet. Ich habe die Originalcomics – erschienen im Verlag Pollischansky – gelesen und die Hörspielreihe von EUROPA gehört. Ich habe lange bevor das „berüchtigte“ dritte Serial von Flash Gordon überhaupt synchronisiert war, selbiges auf Videocassette erstanden und angeschaut. Und irgendwie wollte ich immer was draus machen. Ich habe sogar schon angefangen, eine Artikelreihe zu schreiben, die damals noch in gedruckter Form in einem Fan-Magazin erscheinen sollte, aber aus Gründen, die ich heute nicht mehr nachvollziehen kann, blieb das Werk unvollendet. Aber da ich ja gestern etwas über den kaputten Adventskalender vom Phantastischen Projekt schrieb, kam mir die Idee, das Thema nochmal aufzugreifen. Und hier sind wir.

Okay, Flash Gordon. Wie ich erfahren habe, ist sein eigentlicher Name Gordon Ferrao. Er ist Absolvent der Universität Yale und ein Polo-Spieler in den USA der 1930er Jahre. Da er so schnell ist, hat man ihm den Spitznamen „Blitz Gordon“ (Flash Gordon) gegeben. Anfang des Jahres 1934 scheint die Welt am Abgrund zu stehen, denn ein fremder Planet (abwechselnd auch als „Komet“ bezeichnet) rast auf die Erde zu. Eine Kollision würde das Ende der Erde bedeuten. Doch es gibt einen Wissenschaftler, den genialen und begnadeten Doktor Hans Zarkov, der Tag und Nacht an einer Lösung arbeitet. Diese ist so brutal wie einleuchtend: Man muss eine Rakete starten und diese mit dem fremden Planeten zusammenstoßen lassen. Der Aufprall würde diesen aus seiner Bahn werfen und die Erde retten. Da Zarkov aber bis zur Erschöpfung gearbeitet hat, vernebelt sich sein Geist. So schätzt er die Situation völlig falsch ein, als zwei Leute mit dem Fallschirm auf seinem Grundstück landen. Es handelt sich um zwei Passagiere eines Transkontinentalflugs, besagten Flash Gordon und eine Mitreisende mit Namen Dale Arden. Das Flugzeug wurde von Bruchstücken des sich nahenden Kometen1 getroffen, die beiden mussten sich mit dem Fallschirm retten (interessanterweise hängen beide an einem Fallschirm, wobei Dale sich an Flash festhält). Zarkov glaubt ihre Erklärung nicht, er vermutet, es handele sich um Spione. Damit sie der Welt nicht verraten können, was er vorhat, zwingt er die beiden kurzerhand mit Waffengewalt, in eine Rakete zu steigen und mit ihm ins Weltall zu fliegen. Ziel ist der unbekannte Planet. Doch kurz vor dem Aufprall bekommt es Zarkov mit der Angst zu tun, da er nicht sterben will. Es kommt zu einem Handgemenge zwischen ihm und Gordon, an dessen Ende die Rakete auf dem fremden Himmelskörper abstürzt. Dabei stellt sich heraus, dass dieser bewohnt ist. Herrscher des Planeten ist ein gewisser Ming, genannt „der Gnadenlose“ (Ming the Merciless), der sich selbst als „Herrscher des Universums“ bezeichnet. Er will Dale Arden als Frau behalten und Flash Gordon zum Sklaven machen. Doch Flash Gordon setzt sich zur Wehr und zieht dabei die Aufmerksamkeit von Mings Tochter Aura auf sich…

Die tönerne Armee des Kaisers von China.
Emperor Qinshihuang’s Mausoleum Site Museum, Xi’an, China – Photo by Manoj kumar kasirajan on Unsplash

Heilige Sch***e, ist das rassistisch!

Der Autor dieses Artikels über den Comic

Bei dem Sammlerset anlässlich des Jubiläums des Flash-Gordon-Films von 1980 befand sich ein kleines Booklet, in dem die ersten Abenteuer, gezeichnet von Alex Raymond, als original Faksimile wiedergegeben wurden. Und heilige Sch***e, ist das rassistisch! Natürlich ist mir schon beim Lesen der Pollischansky-Ausgaben nicht entgangen, dass Flash die Bewohner des fremden Planeten verdächtig oft als „gelbe Leute“ oder sogar „gelbe Hunde“ bezeichnet, aber die Farbgebung des Originals legt nochmal eine Schippe drauf.

Betrachten wir es jedoch der Reihe nach: Wie der fremde Planet heißt, wird erst in Folge drei des Comics quasi nebenbei mitgeteilt, als der Erzähltext beschreibt, Flash müsse in der Arena „den roten Affen von Mongo“ gegenübertreten. Kurz zuvor hat Flash dem Imperator / Kaiser des Planeten kennengelernt, der erstmal nur mit diesem Titel bezeichnet wird. Aber das Bild spricht Worte: Er und seine Gefolgsleute haben gelbe Haut (überzeichnete gelbe Haut), lange, klauenartige Fingernägel, überzeichnete Oberlidfalten2 und sind in stereotype chinesische Gewänder gehüllt. Der bis dahin namenlose Imperator zum Beispiel trägt eine rote Robe mit weiten Ärmeln und einem hoch aufgestellten Kragen, dazu Schnabelschuhe, außerdem trägt er einen stereotypen Spitzbart, einer seiner Generäle hat einen chinesischen Drachen als Verzierung auf seiner Rüstung. Seine Tochter trägt ein Diadem, wie man es von traditionellen Kostümen aus Indonesien kennt. In Folge 9 schließlich wird – wiederum nebenbei im Erzählertext – dem Imperator der Name „Ming“. Dabei handelt es sich um den Namen einer chinesischen Kaiserdynastie (wohlgemerkt, das ist nur die Bezeichnung der Dynastie, es gab nie einen Kaiser Ming). Und der Planetenname „Mongo“ leitet sich eindeutig von den Mongolen ab.

Damit sind wir also mitten in den rassistischen Weltansichten des so genannten „Westens“ in den 1920er und 1930er Jahren. Die ursprüngliche Idee für die Serie war eigentlich ziemlich profan: King Features Syndicate, die Comics für Zeitungen produzierten, war das Konkurrenzprodukt „Buck Rogers“ ein Dorn im Auge. Alex Raymond, ein talentierter junger Zeichner, arbeitete damals für King Features und wurde vom Präsidenten der Firma, Joe Conolly persönlich angesprochen. Conolly wollte eine neue Serie in den Zeitungen unterbringen. Comics in Zeitungen gab es damals in mehreren Formen, als kurze Streifen („strips“, daher „comic strips“) in täglicher Form und schwarz-weiß gedruckt3, doppelte Streifen in schwarz-weiß oder für die Wochenendausgabe als Sonntagsseite in Farbe.

Joe Conolly wollte also Buck Rogers Konkurrenz machen und einen Comic in Farbe für die Sonntagsseite produzieren. Es sollte ein fantastisches Abenteuer im Stil von Jules Verne sein. Interessanterweise ist das Vorbild Buck Rogers bei den Stereotypen sogar noch etwas deutlicher, während bei Flash Gordon die Bösewichte klischee-asiatisch aussehen, aber eigentlich Außerirdische sind, wird Buck Rogers im 20. Jahrhundert in Stasis versetzt, um 500 Jahre später wieder aufzuwachen und die Erde unter asiatischer Diktatur vorzufinden, gegen die er in regelmäßigen Abenteuern kämpfen darf.

Alex Raymond war eindeutig talentiert, was das Zeichnen betraf, was die Geschichte betraf, ließ auch er sich von den rassistischen Vorurteilen seiner Zeit leiten. In einer Dokumentation wurde mal gesagt, hätte Raymond Flash Gordon zehn Jahre später erfunden, hätten dessen Gegner vermutlich Pickelhauben getragen und unter der Führung eines Imperators Adolf dem Gnadenlosen gestanden. Das mag sein. Nichtsdestotrotz ist es erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit hier eine ganze Volksgruppe, die ja immerhin auch in Amerika lebte, als finstere, sinistre Bösewichte gebrandmarkt wurde. Damit komme ich nochmal zurück zur Farbgebung: die überdeutliche gelbe Haut der Fremden inmitten des bunten Comics springt den Leser natürlich an. Und auch sonst hat sich der Autor weidlich in der asiatischen Kultur bedient, Statuen, die an Buddha-Statuen erinnern oder dass die Bewohner von Mongo an einen Gott, glauben, der „Tao“ heißt.

Was die Handlung ansonsten betrifft, so ließ sich Raymond hier völlig von seiner Vorstellungskraft treiben. Allerdings macht es nicht den Eindruck, als ob er lange im Voraus plante. Manchmal sieht es sogar so aus, als habe er irgendwelche Handlungsverläufe noch in letzter Sekunde geändert. Deutlich wird das besonders am Anfang, als die Bezeichnung für den fremden Himmelskörper ständig zwischen „Planet“ und „Komet“ wechselt. Als Zarkovs Rakete auf den Himmelskörper zusteuert, sieht es im ersten Panel von Folge 2 noch so aus, als sei der „Komet“ gerade mal doppelt so groß wie die Rakete selbst, aber vier Panels später fliegt sie über eine Stadt hinweg und der Himmelskörper scheint doch eher Planetengröße zu haben. Damit stellt sich wiederum die Frage, ob Zarkov wirklich glaubte, mit seinem „Raketchen“ einen Planeten aus der Bahn werfen zu können.

Merkwürdig ist auch, wie Raymond Handlungsstränge zu „vergessen“ scheint, um sie eventuell irgendwann oder vielleicht auch nie wieder aufzugreifen. In dem Moment, da Flash Gordon und seine Gefährten auf Mongo landen, ist der Umstand, dass der Planet mit der Erde zusammenzustoßen drohte, einfach irgendwie vergessen. Es wird nie erwähnt, ob denn noch eine Kollision droht. Es wird auch nie geklärt, woher Mongo denn genau gekommen ist und wieso er sich auf Kurs in Richtung Erde befand. Genauso wie eine Zeitlang Zarkov einfach vergessen wird. Nach der Crashlandung auf Mongo sind Dale und Zarkov bewusstlos. Gordon schnappt sich Dale, um sie in die Stadt zu tragen, die er in der Ferne gesehen hat. Dabei werden sie von den Truppen des Imperators Ming aufgegriffen. Gordon erwähnt dabei aber nicht, dass in dem Wrack der Rakete noch ein weiterer Verletzter liegt und Zarkov verschwindet für viele Folgen einfach aus der Reihe, bevor er und Gordon sich zufällig wieder begegnen. Die Struktur ist dabei sehr inkohärent, Gordon hangelt sich von gefährlicher Begegnung zu gefährlicher Begegnung, bis es endlich irgendwann zum „Showdown“ zwischen ihm und Ming kommt. Und selbst danach gehen seine Abenteuer einfach noch weiter.

Auf Mongo findet Gordon sehr viele Völker, die Hybriden aus Menschen und Tieren sind, wie etwa Löwenmenschen, Haimenschen … und so weiter. Dabei handelt es sich meistens um Wesen in grundsätzlich menschlicher Form, denen Tierattribute hinzugefügt wurden (Prinz Thun von den Löwenmenschen hat zum Beispiel eine Löwenmähne und einen Schweif, sieht ansonsten aber eigentlich aus wie ein muskulöser Mensch).

Es ist wie mit vielen Werken aus dieser Zeit, man kann sie heute nur noch mit einem kritischen Auge im historischen lesen. Ich frage mich, was für ein Gefühl ein chinesischstämmiger Mensch in den USA in den 1930er Jahren wohl hatte, wenn er die Zeitung aufschlug und ein stereotyp verzerrtes Bild von ihm Bösewicht in einem Fantasycartoon sein durfte, noch dazu benannt nach einer chinesischen Hochkultur, der außerdem vom weißen, amerikanischen Held4 als „gelber Hund“ beschimpft wurde.

Die Adaptionen, die es schließlich von Flash Gordon gab, ließen den offensichtlichen Rassismus etwas in den Hintergrund treten. Die Comics fassten in Europa nie wirklich Fuß, so dass der „weltbekannte Polo-Spieler Gordon Ferrao“ dort ziemlich unbekannt blieb. Erst mit Star Wars und der danach folgenden Adaption durch Dino DeLaurentiis wurde er auch hier etwas bekannter. Und das ist die Form, in der ich ihn zuerst kennengelernt habe. Bei DeLaurentiis ist eine gewisse Ästhetik noch vorhanden, der Rassismus wurde aber getilgt. Ausnahme bildet die Namensgebung von Imperator und Planet, was aber wahrscheinlich schwer hätte geändert werden können, ohne das amerikanische Publikum zu verprellen. Immerhin ist der Comicstrip Flash Gordon dort ohne Unterbrechung bis zum Jahr 2003 erschienen. Alex Raymond hat einen Großteil des Erfolgs seiner Schöpfung nicht mehr miterlebt: Er starb im Jahr 1956 mit nur 46 Jahren bei einem Autounfall.

Das war eine kleine Einführung in den Hintergrund. Ich möchte in anderen Artikeln noch ein wenig auf die Flash-Gordon-Medien eingehen, die mich direkt beeinflusst haben.


1= Wie ich oben schrieb, wechseln sich die Bezeichnungen für den Himmelskörper ab und werden von Autor Alex Raymond teilweise Synonym verwendet. Auf den Bildern, die die Situation beschreiben, ist von einem „Planeten“ die Rede (man sieht diesen auch, er hat ungefähr ein Zehntel der Größe der Erde), als Gordons Flugzeug von einem Trümmerteil getroffen wird und als Zarkov später davon redet, wird er als „Komet“ bezeichnet, ebenso auf einem Bild, in dem sich Zarkovs Rakete dem Himmelskörper nähert.

2= Als Epikanthus medialis (altgriechisch ἐπί epí, deutsch ‚auf, darüber‘; altgriechisch κανθός kanthós, deutsch ‚Augenwinkel‘; lateinisch medialis „zur Mitte hin“), auch Epikanthus-Falte oder einfache Oberlidfalte, wird eine oftmals genetisch bedingte sichelförmige Hautfalte am inneren Randwinkel des Auges bezeichnet, die das Auge mandelförmig erscheinen lässt. Im Gegenzug zur Mongolenfalte bleibt diese Lidfalte auch bei geschlossenem Augenlid bestehen. Der Epikanthus medialis ist charakteristisch für viele Angehörige der ost- und südostasiatischen Völker von der Mongolei bis Thailand. Zum Beispiel haben die meisten Mongolen, Han-Chinesen, Hui-Chinesen, Tibeter, Koreaner, Japaner, Vietnamesen und Thais Epikanthus-Falten, aber auch Angehörige sibirischer und einige Turkvölker, wie etwa die Tungusen, Tuwiner, Selkupen, Jakuten, Altaier, Kirgisen, Kasachen, Dolganen und Uiguren. Des Weiteren kommt die einfache Oberlidfalte bei indigenen Völkern Amerikas einschließlich Grönlands, sowie bei Khoikhoi-Völkern im südlichen Afrika vor. | Quelle: Wikipedia, Eintrag zu Epikanthus medialis, Autoren siehe dort

3= Viele bekannte Comics sind auf diese Weise entstanden, zum Beispiel die „Peanuts“ oder Garfield. Das erkennt man an dem drei oder vier Panels umfassenden, klassischen „Streifen“, der das Format dieser Comics darstellt.

4= Das ganze wird nicht nur durch die Bilder transportiert, indem Flash Gordon ein blonder, hellhäutiger Jüngling ist, sondern auch durch den Text. Als beispielsweise der Löwenmensch Thun auf Gordon trifft, sagt er überrascht: „Beim großen Gott Tao! Fast noch ein Jugendlicher – und weiß!“ (Hervorhebung im Original!)

Der Phantastische Adventskalender ist kaputt

Ein Adventskalender mit Päckchen

Unglaubliche acht Jahre ist es her, da habe ich „hochoffiziell“ den Videokanal des Phantastischen Projekts eröffnet mit einer Idee: Warum nicht einsteigen mit einem Adventskalender – also vom 1. bis zum 24. Dezember jeden Tag ein kurzes Video auf YouTube veröffentlichen mit den ganzen Inspirationen, die quasi zum Projekt geführt haben. Schon damals gab es gewisse Schwierigkeiten, als ich beim Hochladen einzelner Episoden merkte, dass der Algorithmus gewisse Dinge nicht mag. Damit war es aber nicht vorbei. Es ging Stück für Stück weiter und heute ist der Phantastische Adventskalender leider kaputt.

Ein Adventskalender mit Päckchen
Photo by Markus Spiske on Unsplash

Immer wieder mal kam es zu den merkwürdigsten Dingen beim Hochladen von Videos. Musik zum Beispiel, für die ich eine Lizenz erworben hatte, wurde plötzlich „geclaimt“, wie es im YouTube-Sprech heißt. Manchmal kamen solche „claims“ wegen verwendeten Ausschnitten und in den letzten Jahren sind gerade auch Studios und Anstalten, von denen ich das nicht gedacht hatte, zu einer rüden „Wir akzeptieren gar nichts mehr!“-Politik übergegangen. Denn tatsächlich, wenn man über etwas berichtet, gilt das Zitatrecht. Man darf Ausschnitte verwenden, wenn diese in einem berichtähnlichen Kontext stehen. Natürlich, wer ganze Szenen ohne Kontext oder gar Folgen einer Serie oder Filme hochlädt, verstößt eindeutig gegen das Urheberrecht, aber eben, bei kurzen Ausschnitten gilt das Zitatrecht. Und ursprünglich war der Phantastische Adventskalender in seiner Form ganz abrufbar.

Im Lauf der Zeit änderte sich das. Die BBC beispielsweise machte das mit „Per Anhalter durch die Galaxis“, andere Studios zogen nach. Normalerweise erlebt man es bei solchen Claims, dass der Urheberrechtsinhaber die Werbeeinnahmen einstreicht. Das ist ärgerlich genug, wenn ich eine lange Episode produziert habe und wegen einem Ausschnitt, der ein paar Sekunden dauert, sämtliche Werbeeinnahmen verliere. Das steht in keiner Relation, ist aber bis heute vor allem bei Claims wegen irgendwelcher Musik üblich. Aber mittlerweile sperren die Studios solche Videos einfach.

Natürlich kann man Einspruch dagegen erheben und erklären, warum man der Meinung ist, dass der Anspruch ungerechtfertigt ist. Wenn man zum Beispiel die Lizenz für ein Musikstück hat, verlangt YouTube, dass man dem „Claimer“ diese Lizenz zugängig macht (ich benutze dabei immer Dropbox, was mich etwas ärgert, da die Lizenzvereinbarung zwischen mir und dem Musikproduzenten niemanden was angeht, aber bitte!). Bei Videoausschnitten kann man sich erklären und darauf hinweisen, dass es sich um ein Zitat handelt.

Dann wird der Einspruch geprüft – und zwar von dem, der den Claim gemacht hat. Ja, ganz richtig, es gibt bei YouTube keine unabhängige Stelle, die diese Ansprüche und Einsprüche überprüft, derjenige, der schon von Anfang an der Meinung ist, ich hätte etwas falsch gemacht, schaut selber nach. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Der Anspruchsteller zieht seinen Claim zurück und bestätigt damit, dass ich recht habe. Oder er bekräftigt, dass er recht habe und besteht auf der Maßnahme, die er ergriffen hat (Monetarisierung abgreifen oder Video sperren). Wenn der Anspruchsteller den Claim zurückzieht, ist soweit alles okay.

Wenn er das nicht tut… hat man Pech gehabt. Theoretisch gäbe es eine Möglichkeit, noch einen Schritt weiterzugehen, aber YouTube sagt einen dann in einer sehr drastischen Sprache, dass es zu juristischen Auseinandersetzungen kommen kann. Da es bei (auch vermeintlichen) Urheberrechtsverletzungen schnell mal um große Summen gehen kann, ist das ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko. Und schließlich, nur weil man sich sicher ist, das Recht auf seiner Seite zu haben, heißt das nicht, dass irgendein Richter das genauso sieht. Da es sich bei den Anspruchstellern sehr oft um amerikanische Konzerne handelt, würde das Verfahren vermutlich sogar in den USA laufen, und da ist man nicht gerade bekannt dafür, freundlich zu kleinen Produzenten zu sein. Mal ganz davon abgesehen, dass die USA berühmt-berüchtigt sind für ihre Klagen mit Mond-Geldbeträgen, das finanzielle Risiko ist also umso größer.

Mal ganz ehrlich: Wer würde dieses Risiko eingehen, nur damit ein kleines, ungefähr fünf Minuten langes Video auf YouTube stehenbleibt? Ich nicht. Und so treten immer größere Lücken im Phantastischen Adventskalender auf. Nachträglich korrigieren geht nicht ganz so einfach. Handelt es sich um ein Musikstück, könnte man die Tonspur austauschen. Das Problem ist, dass dabei auch die Dialoge verloren gehen, da man die Musik nicht vom gesprochenen Wort trennen kann. Wenn es sich um einen Filmausschnitt handelt, kann man nichts tun, außer diesen online aus dem Video herauszuschneiden. Aber ja, dann ist der Ausschnitt komplett weg. Einschließlich des Tons. Nur das Bild zu entfernen oder gar durch etwas anderes zu ersetzen, das geht nicht. Also bleiben die Videos zur Gänze verschwunden.

Und zuletzt zeigt sich hier auch die Schönfärberei, die YouTube gerne betreibt: Vor nicht allzu langer Zeit gab es nämlich die so genannte „Qualitätsoffensive“. Damit wollte YouTube sicherstellen, dass nur noch „qualitativ hochwertige“ Kanäle auch Werbung in ihren Videos schalten können. Und wie misst YouTube Qualität? Natürlich durch Quantität! Nur wer eine bestimmte Anzahl an Abonnenten und eine bestimmte Zeit erreicht, die in einem Jahr an Videomaterial aus dem eigenen Kanal angeschaut wird, qualifiziert sich zur Teilnahme am Werbeprogramm. Alle kleinere Kanäle, die die Vorgaben nicht erreichten, waren die Monetarisierung auf einen Schlag ganz los.

Aber um es mit Asterix zu sagen: „Ganz los? Nein…“ Ja, tatsächlich ist „Schönfärberei“ für das, was hier passiert noch zu freundlich ausgedrückt, es ist einfach heuchlerisch. Denn wenn zum Beispiel ein Anspruchsteller einen Claim auf eines meiner Videos anmeldet und dabei bleibt, dass er diesen Anspruch hat, dann kann er Werbung einblenden lassen und die Einnahmen einstreichen. Und das auch wenn der YouTube-Kanal die Qualifikation für das Werbeprogramm eigentlich nicht erreicht. Auf einmal zählt die „Qualitätsoffensive“ nichts mehr.

Eine Sache muss ich allerdings noch erwähnen, die angeblich verbessert wurde: Zuvor war es so, dass der Anspruchsteller einfach alle Werbeeinnahmen abgreifen konnte, egal wie groß sein „Beitrag“ zu einem Video war. Wenn also jemand ein 90 Minuten langes Video produziert hatte, in dem ein drei Minuten langes Musikstück verwendet wurde, auf das jemand einen Anspruch stellte, hatte der Videoproduzent Pech gehabt. Der Anspruchsteller bekam die ganzen Werbeeinnahmen, der Produzent nichts. Ich habe nun gehört, dass es mittlerweile so sein soll, dass ein Anspruchsteller die Werbeeinnahmen auch nur zum Teil kriegen kann. Wie das funktionieren soll, weiß ich allerdings nicht, ich habe es auch noch nie gesehen. Als ich noch Teil des YouTube-Werbeprogramms war, gab es nur hop oder top: Entweder ich habe alles gekriegt oder der Anspruchsteller.

Mittlerweile fehlen einige Episoden des Phantastischen Adventskalenders, andere sind „geclaimt“ und machen Geld für andere Leute. Der Adventskalender ist leider kaputt. Ich war auch sonst etwas nachlässig, was Videos auf dem Kanal betrifft, aber irgendwie fehlte mir die Initiative. Ich habe gelesen, ich solle mal wieder was zum Thema „Star Wars“ machen. Mir schwirren auch so ein paar Ideen im Kopf herum, aber die Muse, diese niederzuschreiben und zu produzieren, habe ich bis jetzt nicht gefunden.

Einen neuen Phantastischen Adventskalender zu produzieren, dafür hatte ich 2020 – aus hoffentlich verständlichen Gründen – nicht die Zeit und nicht die Nerven. Vielleicht fällt mir aber auch noch was ein, ich habe ja jetzt ein Jahr Zeit, mir Gedanken darüber zu machen.

Empfehlung zum Schauen: #FERNGESPRÄCH: Genfrei – Bio & Co | Mit Hoaxilla, M. Moder, H. G. Hümmler, J. Blohm, S. Schmalz & T. Krappweis

Photo by Roberto Lopez on Unsplash

Ich muss heute hier im Blog eine „Anschau-Empfehlung“ loswerden. Eigentlich würden solche Videos ja auf der projekteigenen Videoseite erscheinen, aber die Einbettungen von Twitch funktionieren nicht so ganz, wie ich mir das vorstelle. Deswegen halt eben ein Link, der zum Kanal von WildMics auf Twitch führt. Tommy Krappweis („RTL Samstag Nacht“, „Bernd das Brot“, „Ghostsitter – Geister geerbt“, „Die Phantastischen Fälle des Rufus T. Feuerflieg“) hat hier eine Gesprächsreihe gestartet, soweit ich mich richtig erinnere ursprünglich während des so genannten „Lockdowns“ durch Corona. In dieser Reihe, die sich „Ferngespräch“ nennt, bespricht er – in aller Ruhe! – mit Experten verschiedene Dinge des Lebens, über die häufig Gerüchte kursieren. Thema waren schon Prophezeiungen, Impfungen, Homöopathie und vieles mehr. Die neueste Folge von heute Abend handelt von Gentechnik in der Landwirtschaft, Bio-Landbau und auch vom verteufelten Glyphosat.

Ich finde, sehr viel mehr Leute sollten diese Reihe schauen, es ist jede Woche wieder ein Fest der Wissenschaft. Aber wie gesagt, mit dem Einbetten ist das nicht so ideal, deswegen schaut es Euch auf Twitch an. Wenn Ihr live dabei seid, könnt Ihr Euch außerdem auch am Chat beteiligen.

Momentan gibt es jeden Dienstag um 20.00 Uhr eine neue Folge, und zwar genau hier:

WildMics auf Twitch!

„ACELS – Die Reihe“ hat gleich Premiere

Auf in neue Welten!
Auf in neue Welten!
Photo by Kai Dahms on Unsplash

Wenn dieser Artikel erscheint, hat die geneigte Leserin, der geneigte Leser noch ziemlich genau 15 Minuten Zeit, dann beginnt die Premiere der neuen Sektion innerhalb des Phantastischen Projekts: ACELS. In diesem Artikel möchte ich das wichtigste beleuchten, was es darüber zu sagen gibt. Und es würde mich freuen, wenn das neue Projekt ein paar Abonnenten finden würde.

In einem anderen Artikel habe ich es schon erwähnt, ich habe zwei oder drei Mails erhalten, in denen eine Frage gestellt wurde, die ich interessant fand. Und zwar ging es darum, dass in den ganzen Kanälen der unterschiedlichen Abteilungen des Phantastischen Projekts ja auch Geschichten erzählt werden. Teilweise überschneiden sich diese Geschichten in den unterschiedlichen Kanälen und am Schluss gehören sie alle in die gleiche Geschichtenwelt (ich schrecke etwas zurück vor dem Gebrauch des Wortes „cinematic universe“, weil der ist in letzter Zeit etwas überstrapaziert worden). Die Frage lautete nun konkret: Wenn man sich die ganze Geschichte erschließen will, die sich auf den Videokanälen entfaltet, in welcher Reihenfolge muss man dann die einzelnen Episoden anschauen?

Das war eine interessante Frage, denn in der Tat gibt es da eine Reihenfolge, aber die hatte ich mehr oder minder lose in meinem Kopf. Auf YouTube verteilt sich das ganze auf mehrere Kanäle, beziehungsweise außerhalb von YouTube auf mehrere Webseiten. Und so entstand die Idee zu „ACELS“. ACELS ist der Name der Welt der Ersten, der ältesten Wesen der Galaxis, die in den Science-Fiction-Teilen der Geschichten irgendwie im Hintergrund umherspringen und ein bisher nicht näher definiertes Interesse an der Erde und der primitiven Menschheit haben. ACELS ist auch der Name der Wesen selbst, zumindest nennen sie sich so. Da alle die Geschichten in ihrer Welt spielen, erschien es mir nur logisch, die Zusammenfassung so zu nennen.

Und was passiert bei ACELS genau? Auf der Webseite (https://acels.phan.pro) werden ab heute die Videoepisoden in der richtigen Reihenfolge veröffentlicht, und zwar – wie es sich für eine ordentliche Serie gehört – eine Folge pro Woche. Dabei beginnt die Geschichte heute mit einer speziell produzierten Pilotepisode, die in die Geschichte einführen und so ein bisschen als Werbung dienen soll. Mit dieser Pilotepisode geht es auch zurück an den Anfang des Phantastischen Projekts, denn vorausgesetzt bei YouTube klappt alles mit den Rechten, wird diese Folge mit dem Soundtrack von John Barry aus „The Black Hole“ untermalt, der mir vor vielen Jahren als Inspiration für eigene Science-Fiction-Geschichten diente. Falls es mit den Rechten nicht klappt, wird der Sountrack einfach ersetzt durch die Overtüre aus „Wilhelm Tell“… oder so.

Wichtig ist: Es handelt sich dabei nicht um einen eigenen Videokanal. Die ACELS-Pilotepisode erscheint im Kanal vom Phantastischen Projekt, die Episoden in der richtigen Reihenfolge werden auf der ACELS-Webseite einfach wiedergegeben. Daher kann man die ACELS-Serie auch nicht bei YouTube abonnieren, und das ist auch nicht Sinn der Sache. Man kann ein Abonnement auf der Webseite selbst abschließen, was auch den Vorteil hat, dass man auf jeden Fall über die neuen Folgen Woche für Woche informiert wird (im Gegensatz zu YouTube, wo eben nicht jeder Abonnent zuverlässig über Neuerscheinungen unterrichtet wird).

Zur gleichen Zeit, wo dieser Artikel freigeschalten wird, wird auch die erste Folge auf ACELS freigeschalten, sie trägt den passenden Titel „Ouvertüre„. Die Premiere der Episode selbst wird auf YouTube um 20.15 Uhr sein. Also, es wird Zeit…

Ein Hinweis noch: Auf der Webseite von ACELS ist Steady installiert. Das heißt nicht, dass die Beiträge dort hinter einer Paywall stecken, den Hinweis kann man einfach wegklicken. Aber vielleicht findet sich ja der eine oder andere, der das Projekt unterstützen möchte. Mit Werbeeinnahmen ist jedenfalls kein Staat mehr zu machen…

35 Jahre Phantastisches Projekt

Ein Portal der Welten
Ein Portal der Welten
Photo by bantersnaps on Unsplash

Schon wieder mal ein Jahr vorbei und ein neues Jubiläum des Phantastischen Projekts steht an. Heute allerdings sind es 35 Jahre, also sollte man eigentlich irgendwas besonderes machen. Sowas wie ein Fantreffen oder eine Liveübertragung im Internet oder so Zeugs. Ich weiß allerdings nicht, ob die geneigte Leserin oder der geneigte Leser es mitbekommen hat, aber wir haben zurzeit immer noch eine Pandemie, die so durch die Lande grassiert. Ein Fantreffen fällt also flach, mal ganz davon abgesehen, dass man für das Treffen diesen alten Witz von Otto (Waalkes, Ihr erinnert Euch?) recyclen könnte: Alle Fans vom Phantastischen Projekt treffen sich zum Jubiläum… in einer Telefonzelle…

Ach je, die Zeit vergeht und den Witz versteht auch keiner mehr, weil keiner mehr weiß, was eigentlich eine Telefonzelle ist. Ja, vor den Zeiten des Mobiltelefons waren die Menschen gezwungen, wenn sie von unterwegs irgendwie anrufen wollten, ein öffentliches Telefon zu benutzen. Die waren meistens in Zellen untergebracht, damit man beim Telefonieren zumindest ein bisschen Privatsphäre hatte und sahen meistens so aus:

Telefonzelle in einer Straße
Photo by OH DANBI on Unsplash

So, hat den Witz jetzt auch jeder verstanden? Gut, also wie gesagt, Treffen fällt flach. Zu wenig Interessierte und die Pandemie lässt es sowieso nicht zu. Eine Liveübertragung im Internet wäre sicherlich spaßig gewesen, aber da auf dem YouTube-Kanal vom Phantastischen Projekt in letzter Zeit eher weniger gelaufen ist, stellt sich die Frage, ob das genügend Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte. Und eine Liveübertragung, die mehr oder minder ein langer Monolog ohne Interaktion ist, bringt’s irgendwie auch nicht wirklich.

Orry hat vorgeschlagen, eine kleine Plauderei aufzunehmen, in der ich so einiges über das Projekt, seine Ursprünge und meine Ideen erzähle. Wir haben tatsächlich auch was aufgezeichnet. Aber ich weiß echt nicht, ob das jemanden interessiert.

Dann also ein kleiner Artikel und eine neue Aufbereitung des Projekts, die heute startet. Es ist nichts wirklich Neues, aber zwei oder drei Fans haben da eine interessante Frage gestellt, der ich nachgehen musste. Daraus wurde dann das, was jetzt „ACELS“ heißt. ACELS startet heute. Es ist kein Neustart, es ist… etwas anderes. Wenn es jemanden interessiert, lasst Euch überraschen, im Verlauf des Tages gibt es einen weiteren Artikel hier im Blog. Und die Premiere ist heute Abend.

So ein Jubiläum ist eigentlich auch immer ein Punkt, um in die Vergangenheit zu schauen und was alles war. Aber wie ich mich kenne, vergesse wieder wichtige Dinge. Außerdem habe ich diese Dinge schon für die Chronologie der Hauptseite aufbereitet. Wer möchte, kann es also dort nachlesen, beginnend mit dem 7. August 1985.

Jetzt bleibt nur noch, abzuwarten und zu schauen, was noch kommt, sowohl für das Projekt, als auch generell. Denn die Herausforderung, die diese Pandemie bildet, ist noch nicht vorbei. Dagegen ist so ein Projekt nur eine Kleinigkeit, aber es ist meine Kleinigkeit.

Danke fürs Lesen!

Ein Jubiläumstag, der nicht übersehen werden sollte

Thorsten Reimnitz
Thorsten Reimnitz
Thorsten Reimnitz

Derzeit ist jemand sehr bemüht, ein Jubiläum vorzubereiten. Durch die Situation mit Corona und allem läuft natürlich auch das nicht wie geplant. 2020 scheint ein blödes Jahr für Jubiläen zu sein. Aber sie lassen sich nicht vermeiden. Deswegen finde ich es wichtig, dass ein bestimmter Jubiläumstag nicht einfach so vergessen wird. Natürlich spreche ich vom Geburtstag desjenigen, der das hier alles verbrochen hat. Ich weiß, dass er es nicht mag, in den Mittelpunkt gesetzt zu werden, einfach weil er existiert. Aber dieses Jahr ist etwas besonderes, deswegen mache ich es einfach mal. Ich verspreche auch, nicht zu viel Details zu verraten. Vielleicht wird es auch gar nicht peinlich.

Wer es immer noch nicht verstanden hat, es geht natürlich um Thorsten. Siehe Bild. Ich kenne ihn seit langer Zeit, seit Jahrzehnten. In unserer Grundschulzeit gab es ein Ereignis, durch das wir uns kennengelernt haben. Ich würde das gerne genauer ausbreiten, aber auch hier weiß ich, dass ihm das nicht recht wäre. Vielleicht erfahrt ihr die Geschichte irgendwann mal. Ich versichere, sie passt zu ihm und seiner Persönlichkeit. Unglaublich nachdenklich, umsichtig, freundlich und clever, so habe ich ihn damals erlebt. Und seit damals immer wieder. Dass unsere Freundschaft so lange angehalten hat, ist seiner unglaublichen Geduld geschuldet. Sie möge ihm niemals ausgehen! Und ich bin nur der erste, es gibt noch andere Menschen, mit denen er seit Jahrzehnten befreundet ist. Seine Freundschaften verteilen sich über den ganzen Globus und wäre das hier irgendein wichtiges Magazin, müsste ich an der Stelle den Begriff „Kosmopolit“ fallen lassen. Falls jemand nicht weiß, was das bedeutet, schaut es nach. Es ist eine seiner vielen Eigenschaften, und das im besten Sinn.

Dank seiner Geduld und Beharrlichkeit arbeitet er auch immer noch an dem, was ihm Spaß macht. Und das ist dieses Projekt, das „Phantastische Projekt“, wie er es genannt hat. Und das seit 35 Jahren. Seine soziale Ader hat ihn in einen sozialen Beruf gebracht, in dem er lange Jahre gearbeitet hat. Der Rettungsdienst war eine große Herausforderung aufgrund von ein paar persönlichen Rückschlägen ganz am Anfang. Aber er hat es durchgezogen, bis es eine neue Herausforderung gab. Jetzt bildet er die nächste Generation an Rettungsdienstlern aus, während er sich gleichzeitig in einem Pädagogikstudium abmüht.

Das soll es auch schon gewesen sein. Heute ist sein Geburtstag, ein runder Geburtstag. Welcher genau? Ist das wichtig? Ich glaube nicht. Mir war es nur wichtig, dass der Tag nicht untergeht vor lauter Pandemie und dem Jubiläum, um das er sich gerade kümmert. Denn wie es seine Art ist, arbeitet er schon wieder unermüdlich an etwas neuem. Was das ist, werdet Ihr an dieser Stelle zum gegebenen Zeitpunkt erfahren.

Ich wünsche meinem ältesten Freund (pun not intended) auf diese Weise alles Gute zum heutigen Geburtstag und wünsche ihm, dass noch viele solche Geburtstag folgen werden.

Und jetzt: Weitergehen! Es gibt hier nichts mehr zu sehen!

STAR TREK: Strange New Worlds – Neue Serie um Captain Christopher Pike angekündigt

Star Trek
Star Trek
Photo by Stefan Cosma on Unsplash

CBS und Paramount haben verkündet (beziehungsweise, sie haben es durch die entsprechenden Schauspieler verkünden lassen), dass es eine neue STAR-TREK-Serie geben wird. Der Titel: STAR TREK – Strange New Worlds. Der Schauplatz: Offenbar die USS ENTERPRISE NCC 1701 unter dem Kommando von Captain Christopher Pike. Wann kommt sie heraus: Irgendwann… ein genaues Datum wird in dem Ankündigungsfilm nicht genannt. Aufgrund der äußeren Umstände können wir aber davon ausgehen, dass die Serie sich erst in der Vorproduktion befindet (und solange Corona nicht ausgestanden ist, wird das vermutlich auch so bleiben). Also werden wir vor nächstem Jahr hier vermutlich gar nichts zu sehen bekommen.

Ich persönlich bin dabei ziemlich gespalten. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, einerseits hat mir der Handlungsstrang bei „Star Trek Discovery“, in dem Christopher Pike die Discovery als Captain übernimmt, gut gefallen, andererseits ist es schon wieder ein Prequel. Das heißt, wir werden uns auf weitere Anachronismen einstellen müssen. Was mich aber wiederum etwas hoffen lässt, ist die Aussage von Anson Mount (der Darsteller von Pike), dass es um die Zukunft und um Hoffnung gehen wird. Das ist etwas, das ich gerade in der ersten Staffel von „Star Trek Discovery“ schmerzlich vermisst habe. Ich lasse mich mal überraschen. Vielleicht gelingt es den Produzenten und Autoren ja, mich nach „Star Trek Picard“ ein zweites Mal zu überzeugen.

Hoffentlich lassen sie diesmal aber das Spiegel-Universum außen vor…

STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers – Das Finale

STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers - Poster (c) Disney Company / Lucasfilm
STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers - Poster (c) Disney Company / Lucasfilm
STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers – Poster (c) Disney Company / Lucasfilm

„May the Fourth“ – Star Wars Day

Ein bekanntes Lied beginnt mit den Worten „This is the End, my Friend…“ und genauso könnte ich diese Rezension auch beginnen, denn Episode IX ist das offizielle Ende der Skywalker-Saga. Für den Moment zumindest, aber ich wage zu behaupten, dass sich zumindest in der näheren Zukunft niemand bei Lucasfilm daran traut, doch noch George Lucas‘ ursprüngliche Vision von 12 Episoden zu verwirklichen. Warum ich das denke, darum soll es in dieser Rezension gehen. Und um vieles andere. Und natürlich um das große Finale selbst.

Die Entstehungsgeschichte von Episode IX

Als damals entschieden wurde, an die bekannten Episoden I bis VI nochmal drei Teile dranzuhängen, hatte man beschlossen, dass drei verschiedene Kreative für jeweils einen Teil verantwortlich sein sollten. J.J. Abrams sollte mit Episode VII den Grundstein legen, Rian Johnson mit Episode VIII weitermachen, bevor Colin Trevorrow mit der neuen Episode IX nicht nur die neue Trilogie, sondern auch die Skywalker-Saga an sich abschließen sollte. Dabei sollte den dreien recht große Freiheiten gewährt werden, was die Ausgestaltung ihrer Geschichten betraf. Das kann durchaus ein fruchtbarer Prozess sein. Ich selbst habe auch schon mit anderen zusammen an einem Storykonzept gearbeitet und gerade der Umstand, dass man einen guten Mittelweg zwischen eigener Erzählung und den Elementen der anderen finden muss, kann zu einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit führen. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich an die Regeln der Zusammenarbeit hält. Bevor nun die Rian-Johnson-Hasser sich auf diese Bemerkung stürzen: Man kann dabei auch neue und vielleicht ungewöhnliche Wege gehen, aber alle müssen sich darauf einlassen. Und genau daran krankte die Vorarbeit von Episode IX.

Wir alle wissen mittlerweile – denke ich zumindest – was passiert ist: J.J. Abrams hat mit „Episode VII: Das Erwachen der Macht“ quasi ein Remake von „Episode IV: Eine neue Hoffnung“ abgeliefert, mit ein paar neuen Charakteren und einen noch größeren Planetenkiller. Da es allerdings auch darum ging, Star-Wars-Fans aller Art abzuholen und wieder in die Galaxis „weit, weit von hier entfernt“ zurückzubringen, kann man das verschmerzen. Immerhin wurde eine spannende Ausgangssituation geschaffen, die geheimnisvolle „Erste Ordnung“, die aus der Asche des Imperiums entstanden ist, Kylo Ren, der Darth-Vader-Fanboy, der sich unbedingt was beweisen muss und das tut, indem er seinen eigenen Vater umbringt, Lukes Lichtschwert, das er in Episode V verloren hat, das wieder auftaucht, Rey, die von ihren Eltern auf Jakku zurückgelassen wurde…

Rian Johnson hat das alles aufgenommen und in „Episode VII: Die letzten Jedi“ konsequent neue Wege beschritten, indem er ständig die Frage stellt, welches Vermächtnis jemand hinterlässt und wie man mit der eigenen Vergangenheit umgehen soll. Außerdem wagte er einen Blick hinter die Kulissen des Kriegsgeschäfts und zeigte sehr deutlich, dass es natürlich auch in Star Wars Profiteure des Konflikts gibt. Wenn man genau hinsieht, hat er sogar eine sehr schöne Allegorie auf das Fandom (von Star Wars im Speziellen, aber vermutlich gibt es das in den meisten erfolgreichen Franchises) geschaffen: Auf der einen Seite Rey, die aus den Mythen um die Jedi Inspiration ziehen will, auf der anderen Seite Kylo Ren, der – wie ich schon schrieb – ein Darth-Vader-Fanboy ist und „genauso cool“ sein will wie der Sith-Lord. Kylo repräsentiert dabei auch die toxische Seite des Fandoms, die alles und jeden verachtet, der dem „wahren Geist“ widerspricht. Das Sahnehäubchen auf der Allegorie ist Mark Hamill als Luke Skywalker, der sich praktisch selbst spielt. Wie Luke sich von der Macht abgewandt hat, nachdem er Kylo Ren erschaffen hat, hat sich auch Hamill von den Star-Wars-Fans abgewandt, nachdem er gesehen hat, wie völlig überdreht die toxischen Fans sein können. Dass Luke Rey im Film fragt, was er denn tun solle, ob er mit einem Laserschwert heraustreten und sich der gesamten Ersten Ordnung entgegen stellen soll, spiegelt die Verwirrung des Schauspielers wieder, der nicht einordnen kann, was diese Hardcore-Fans, die ihn mit seiner Rolle verwechseln, eigentlich von ihm wollen. Aber so wie Luke in die Handlung zurückkehrt, hat auch Hamill wieder in die Rolle gefunden.

Ich fand Johnsons Entscheidung, den Obersten Anführer Snoke in dieser Folge sterben zu lassen, mutig, aber ich muss zugeben, ich war im Kinosaal völlig hin und weg. Als Snoke in zwei Teilen von seinem Thron stürzte und etwas später den eindeutig toten Körper sah, habe ich innerlich jubiliert. Ein neuer Weg! Wir haben in Episode I bis VI gesehen, wie Anakin Skywalker zu Darth Vader wurde, aber letztlich den Imperator stürzte und damit Erlösung erfuhr. Kylo Ren hat im Gegensatz dazu „seinen“ Imperator getötet, um diesen Platz einzunehmen. Wohin würde die Geschichte jetzt wohl gehen, da Kylos Pfad ein wesentlich dunklerer ist als der von Vader?

Colin Trevorrow übernahm die Geschichte von Rian Johnson und lieferte wohl auch ein Drehbuch ab, doch nach der Veröffentlichung von Episode VIII geschahen mehrere Dinge, die Episode IX zu dem formen sollten, was sie nun ist. Das erste geschah allerdings schon vorher: Trevorrow wurde geschasst. Warum? Zunächst wurde die allgemeine Ausrede von „kreativen Differenzen“ gewählt, die im eigentlich nur heißt, dass irgendwelche Studiobosse andere Ideen hatten und der Regisseur nicht mitspielen wollte. Dann wurde Kathleen Kennedy in einem Interview etwas deutlicher:

Colin war enorm im Nachteil, weil er nicht an ‚Star Wars: Das Erwachen der Macht‘ und zum Teil auch nicht an den früheren Gesprächen teilgenommen hat und wir aber schon ein allgemeines Gespür dafür hatten, in welche Richtung die Story gehen sollte.

(…)

Wir hatten einen Zeitplan, wie so oft bei Filmen, und mussten eine schwere Entscheidung treffen, ob oder ob wir es nicht rechtzeitig schaffen werden. Und wie ich bereits sagte, Colin war im Nachteil, weil er nicht in allem involviert war, seitdem wir mit Episode VII anfingen.

Kathleen Kennedy in einem Interview mit „Gizmodo“, zitiert nach vip.de

Trevorrow wurde September 2017 aus dem Projekt entlassen, also knapp drei Monate vor dem Kinostart von Johnsons Episode VIII. J.J. Abrams wurde verpflichtet, nun auch Episode IX zu produzieren. Und angesichts dessen, was er ablieferte, klingt Kennedys Begründung etwas seltsam. Denn als nächstes geschah etwas, das ganz offensichtlich großen Einfluss auf die Handlung von Episode IX hatte. Es war so massiv, dass es sogar eine Bezeichnung bekam:

Star Wars: The Fandom Menace

Rian Johnson wurde viel gelobt für seine mutigen Entscheidungen. Für manches an seiner Ausführung wurde er kritisiert, aber kein Film ist perfekt. Und dann zeigte das toxische Star-Wars-Fandom sein hässliches Gesicht.

Um gleich mal eins klarzustellen: Man ist nicht verpflichtet, einen Film zu mögen. Auch nicht, wenn „Star Wars“ draufsteht. Man darf diesen Film – oder einzelne Ideen daraus – schlecht oder schlecht umgesetzt finden. Alles kein Problem. Das Problem beginnt dort, wo aus Kritik Mobbing wird. Dort, wo aus „nicht mögen“ oder „hat mir nicht gefallen“ blanker Hass wird. Dort, wo man anderen verbietet, einen Film zu mögen. Wo man diesen Leuten sagt, sie seien keine „wahren Star-Wars-Fans“, wenn sie diesen Film mögen. Genau das geschah nun aber. Mit einem geradezu radikal-religiösem Eifer wurde Hass über Beteiligten an Episode VIII ausgeschüttet. Kelly Marie Tran, die Darstellerin der Rose Tyco, wurde persönlich und – da sie vietnamesischer Abstammung* ist – rassistisch beleidigt, so dass sie sich schließlich ganz aus den sozialen Medien zurückzog. Rian Johnson wurde zum Hass-Objekt, da er Star Wars „zerstört“ habe. Extrembeleidigte stellten sogar eine offizielle Petition ins Internet, die Disney und Lucasfilm dazu bringen sollte, Episode VIII aus dem offiziellen Canon zu streichen. Patrick H. Willems, ein Filmanalyst und YouTuber, brachte die absolute Sinnlosigkeit dieser Aktionen gekonnt auf den Punkt:

It’s just a series of fun kids movies about space wizards.

Patrick H. Willems

Was auch immer bei Disney vorging, ich weiß es nicht. Immerhin wurde der sinnfreien Petition nicht stattgegeben. Stattdessen arbeitete J.J. Abrams nun an Episode IX und es wurde das große Versprechen gegeben, dass diese nicht nur einen Schlusspunkt der neuen Trilogie, sondern ein großes Finale der ganzen Skywalker-Saga sein würde. Dann wurde in Trailern erstmals angedeutet, dass der Imperator – oder sein Erbe – irgendeine Rolle spielen würde. Ich selbst war ehrlich begeistert. Da ja immer wieder betont wurde, man wisse um die Bedeutung einer Episode IX, ging ich davon aus, dass das Handling passen würde. Und natürlich wäre es logisch, den Imperator in die Geschichte zu involvieren, wenn man schon ein großes Finale für die ganze Saga plante.

Der von mir bereits erwähnte Patrick H. Willems zeigte sich geradezu als Prophet, als er versuchte vorherzusagen, was die Übernahme der Führung durch Abrams bedeuten könnte. Er analysierte dazu andere Werke von Abrams auf wiederkehrende Motive. Und er war erstaunlich treffsicher.

Wenn man sich Abrams‘ Arbeiten ansieht, wird deutlich, dass er ein spezielles Interesse für Geschichten hat, in denen Figuren Probleme mit ihren Eltern haben, ganz besonders mit den Vätern.

Ben [Covington aus Abrams‘ Fernsehserie „Felicity“] hasst seinen prügelnden, alkoholkranken Vater, der nie für ihn da ist, bevor er sich mit ihm in der letzten Staffel versöhnt.

Und das andere Thema, das bei Abrams immer wieder auftaucht, ist die eigene Familie zu suchen und auszuwählen. Die letzte Szene in „Felicity“ zeigt sie [Felicity], wie sie mit der Familie, die sie sich in den letzten vier Jahren zusammengesucht hat, feiert.

Was bedeutet das für Episode IX? Weiß ich nicht. Rey keht nach Jakku zurück, aber nun beherrscht sie was von dem Jedi-Zeugs, außerdem hat sie ein paar neue Freunde im Widerstand. Kylo Ren versöhnt sich mit seinem Vater, was er nicht wirklich kann, weil der tot ist.

Als ich das Video [über „Felicity“ und Episode IX] machte, habe ich klar gesagt, dass Abrams es in anderen Geschichten immer vermeidet, einen echten Schluss zu schreiben und damit ein Bekenntnis abzugeben. Am Ende von „Felicity“ hat sie sich kaum verändert außer dass sie ein paar neue Freunde gefunden hat. Daher habe ich mir Gedanken gemacht über Star Wars und ob [Abrams] eine Geschichte schreiben kann über Veränderungen, die etwas bedeuten und einen Eindruck bei den Figuren hinterlassen.

Die Zeit ist gekommen, dass er die Karten auf den Tisch legt und endlich etwas bedeutungsvolles sagt. Nicht einfach nur „Freunde sind toll“ und „Geheimnisse machen Spaß“, sondern dass [er] ein Ende schreibt, das eine wirkliche Idee rüberbringt.

Deswegen war „Der Aufstieg Skywalkers“ ein echter „Der Kaiser ist nackt**“-Moment für mich.

Patrick H. Willems: „Cats! Michael Bay! Music Biopics! The Big Follow-Up Video

Am heutigen Star-Wars-Tag ist es nun also soweit: Episode IX kommt heraus für den Hausgebrauch, also auf DVD, auf Blu-Ray und auf Disney+. Und damit werde ich nun meine eigenen Eindrücke wiedergeben. Ich habe mich dazu entschlossen, das in mehreren Abschnitten zu tun. Erst gibt es eine kurze Abhandlung über die Handlung, dann möchte ich mir explizit ansehen, was mir gefallen hat, war ich mittelmäßig fand und was mir gar nicht gefallen hat, bevor ich das ganze abschließe. Und natürlich: ACHTUNG, SPOILER! Also dann, es war einmal vor langer Zeit, in einer Galaxis weit, weit von hier entfernt…

STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers – Die Handlung

Die Toten sprechen! Also, der Imperator. Er hat eine Radioübertragung an die ganze Galaxis gesendet. Kylo Ren will das Phantom des Imperators zur Strecke bringen, um selbst über die Galaxis zu herrschen. Dazu bricht er nach Mustafar auf, wo einst Vaders Zitadelle stand. Dort holt er sich einen der zwei Sith-Wegfinder, ein Navigationsgerät, das ihm den Weg zur versteckten Sith-Welt Exegol zeigt, irgendwo in den Unbekannten Regionen. Dort angekommen stellt Ren fest, dass der Imperator nicht ganz so tot ist, wie er gedacht hat. Sein vor sich hin verrottender Körper ist allerdings an ein Gestellt gefesselt, mit dem er sich einigermaßen bewegen kann. Der Imperator lässt Kylo Ren – und den verdutzten Zuschauer – wissen, dass er, Sheev Palpatine, hinter Snoke steckt. Er hat ihn erschaffen. Er war jede Stimme in Kylos Kopf, die er in den letzten Jahren gehört hat. Jetzt bietet er Ren eine Flotte aus unzähligen Sternzerstörern an, die er die „Letzte Ordnung“ nennt. Ren muss dazu lediglich Rey töten. Die ist gerade dabei, unter den wachsamen Augen von Leia ihr Jedi-Training fortzuführen, während Poe, Finn und Chewbacca ein Treffen mit einem Kontaktmann haben: In der Ersten Ordnung gib es einen Maulwurf, der den Widerstand mit Informationen versieht. So weiß nun auch der Widerstand über die Rückkehr von Palpatine Bescheid. Nun geht es darum, den zweiten Sith-Wegfinder aufzuspüren, um die Flotte des Imperators aufzuhalten, bevor sie zum Einsatz kommt…

Die drei Kategorien

Ich kann es gleich vorweg sagen, im Gegensatz zu Episode VIII hat mich das hier nicht gerade vom Hocker gehauen. Irgendwie ist der Film ein großes Durcheinander, da es zwischendrin immer wieder Dinge gibt, wo ich begeistert sagte: „Na also, es geht doch!“ Leider kommen dann immer wieder Dinge, die all das Konterkarieren. Ich habe deswegen beschlossen, hier diese Dinge, eingeteilt in drei Kategorien aufzulisten und zu erklären, warum sie für mich in der jeweiligen Kategorie gelandet sind. Los geht’s!

Was mir gefallen hat

Ja, es gab tatsächlich etwas, das mir explizit gefallen hat. Und genau deswegen ist der Film für mich so ein Durcheinander. Also:

„Die Toten sprechen.“

Tatsächlich hat der Anfang des Films mir gleich große Hoffnung gegeben. Immerhin wussten wir schon, dass Palpatine irgendwie mit der Geschichte zu tun haben wird und Abrams ist den Weg gegangen, kein großes Geheimnis daraus zu machen, das die Figuren erst im Verlauf des Films aufdecken. Damit geht er auch den klassischen Weg des „in medias res“, für den Star Wars nun mal bekannt ist. Ein sehr gelungener Einstieg.

Jedi-Heilkräfte / Erweiterung der Machtfähigkeiten

Dazu muss ich eins sagen: Ich wusste bereits, dass es Jedi-Heilkräfte gibt. Diese wurden 1987 im „Star Wars Roleplaying Game“ beschrieben und funktionieren genauso wie im Film: Ein Jedi kann Energie von sich auf jemand anderen Übertragen und damit heilen. Damit ist diese Fähigkeit auch limitiert, denn wie wir im Film sehen, kann ein solcher Transfer den Tod desjenigen bedeuten, der die Energie überträgt. Dass Rey und Ben diese Fähigkeit haben, wurde von vielen kritisiert. Interessanterweise wird dem alten Canon sonst immer nachgetrauert. Und ich möchte darauf hinweisen: nach dem allerersten Film (der heute Episode IV ist) gab es nur zwei Jedi-Fähigkeiten, nämlich die Gedankenmanipulation und dass man mit dem Lichtschwert kämpfen kann, ohne sehen zu können. Selbst das telekinetische Bewegen von Gegenständen wurde erst in Episode V eingeführt. Also kann man durchaus auch immer noch neue Machtfähigkeiten entdecken.

Rey überzeugt C3PO, sein Gedächtnis löschen zu lassen

Die Szene, in der Rey C3PO überzeugt, dass er sich der gefährlichen Behandlung von Babu Frikk unterziehen soll, ist großartig geschrieben. Rey zeigt hier, dass sie ein unglaubliches Einfühlungsvermögen hat, indem sie auf den Droiden eingeht und ihn zum Nachdenken bringt, anstatt ihm einfach zu befehlen, er solle das jetzt mit sich machen lassen. Wie ich sagte, ist das eine der Szenen, wo gutes Storywriting durchblitzt.

Der Verrat von General Hux

Hux ist also der Maulwurf in der Ersten Ordnung und auch diese Idee hat mir sehr gut gefallen. In Episode VIII und auch in diesem Film sehen wir bei mehreren Gelegenheiten, wie Kylo mit Hux umspringt. Sehr gefallen hat mir auch, dass er nicht plötzlich ein „Guter“ ist, sondern seine Motivation so egozentrisch ist, wie man es erwartet. Er will einfach nicht, dass Kylo Ren gewinnt. Wenn er den Film überlebt hätte, hätte er vielleicht sogar seine eigene Legende vom „Widerstandskämpfer im Herzen der Ersten Ordnung“ stricken können.

Leias Sterbeszene und Chewies Reaktion

Auch sehr gut gehandhabt wurde die Szene von Leias Tod und wie Chewbacca darauf reagiert. Das Wehklagen des Wookies ist einfach herzzerreißend.

Han Solos Rückkehr

Genau auf den Punkt finde ich die Szene, in der Han Solo seinem Sohn erscheint und mit ihm redet. Manche haben darüber spekuliert (bzw. sich darüber verächtlich gemacht), ob Han nun auch ein Machtgeist ist. Diese Leute muss ich fragen: Habt Ihr überhaupt zugehört? Es wird sogar sehr deutlich gesagt, alles das findet in Bens Kopf statt und zeigt, dass dieser nicht so weit auf der dunklen Seite ist, wie er selbst gedacht hat. Die Szene zeigt, dass man „Fan-Service“ auch gut schreiben kann.

Der letzte Kampf und die Lichtschwertübergabe von Rey an Ben

Die letzte Konfrontation zwischen Rey und Ben auf der einen und dem Imperator auf der anderen Seite zieht sich an manchen Stellen etwas in die Länge, hat aber wiederum ihre gute Momente. Die Lichtschwertübergabe durch „Machtteleportation“ von Rey an Ben fand ich raffiniert und die Möglichkeiten, die vorher bereits etabliert wurden, konsequent ausgenutzt.

Was ich für verschwendetes Potential hielt

Zwischen der dunklen und der hellen Seite der Kritik gibt es auch eine Mitte. Es gab nämlich ein paar Dinge, die ich eigentlich nicht schlecht fand, die ich aber für nicht gut genug eingesetzt hielt. Also nach dem Motto: „Da hätte man mehr draus machen können…“

Mustafar

Der Planet, auf dem Kylo Ren den ersten Sith-Wegfinder entdeckt, ist – und das wurde auch offiziell bestätigt – Mustafar. Aber das erfährt man nicht genau im Film, da sich die Oberfläche von Mustafar verändert hat (da gibt es tatsächlich auch eine Geschichte dazu). Dabei könnte ich mir vorstellen, dass der Planet gerade für Kylo ein besonderer Ort sein muss. Das ist der Planet, auf dem Vaders Zitadelle stand! Stattdessen hetzt Abrams durch die Ereignisse, Kylo bringt ein paar Leute um, bringt den Wegfinder an sich und wusch! Ist er unterwegs nach Exegol.

Die desertierten Sturmtruppler

Auf Endor tauchen auf einmal desertierte Sturmtruppler auf. Die Idee an sich fand ich ja gar nicht schlecht, aber erstens wird sich sehr auf eine Figur (Jannah) konzentriert, und zweitens sind sie auch bei der letzten Schlacht einfach nur Beiwerk. In einem Script von Colin Trevorrow, das mittlerweile veröffentlicht wurde, hat dieser einen Aufstand der Sturmtruppen gegen die Erste Ordnung beschrieben, hier hätte man das Potential der Deserteure viel besser verwenden können.

Die Stimmen der Jedi

Es ist ja ganz nett, dass man irgendwie alle Jedi aus allen Episoden nochmal zusammenbringen wollte, aber warum nur als Stimmen? Wenigstens ein Cameo hätte ihnen doch vergönnt sein dürfen.

Palpatines Ende

Dieser Punkt hätte es fast auf die positive Seite geschafft, diese Szene leidet aber leider an etwas, das man in Episode VII bei Abrams schon gesehen hat: Es wird etwas gezeigt, dem etwas mehr Kontext gut getan hätte, aber der fehlt einfach. Bei Episode VII war es zum Beispiel die Neue Republik. Abrams hat sich das Genörgel der Fans um endlose politische Debatten in Episode I*** zu sehr zu Herzen genommen und zeigt uns nun gar nichts aus der politischen Situation. Bei Palpatines Ende habe ich oft die Kritik gehört, dass es total unlogisch ist, warum er von Rey getötet werden kann, obwohl er vorher doch gesagt hat, dass sein Geist dann auf Rey überspringt. Nein, es gibt sogar eine Erklärung, aber offenbar wird die gern übersehen. Palpatine regeneriert sich selbst durch die Energie, die er Ben und Rey entzieht. Das macht die ganze Sache mit „mein Geist springt in Deinen Körper über“ unnötig und das ist Palpatine wahrscheinlich lieber, als in einem fremden Körper leben zu müssen. Allerdings macht ihn das auch verwundbar. Und so kann Rey ihn vernichten. Nehmen wir diese Szene für diese Kritik auch stellvertretend für manche Szene, der etwas mehr Kontext gut getan hätte.

Was mir nicht gefallen hat

Und damit willkommen auf der dunklen Seite der Kritik. Leider hatte ich tatsächlich einiges an dem Film, das mir nicht zusagte.

Palpatine ist zurück

Ja, ich war gespannt, was passieren würde, als ich mitbekam, dass Palpatine irgendeine Rolle spielen würde. Gleichzeitig hoffte ich aber, dass man nicht dem „Dark Empire“-Erzählungsstrang aus dem alten „Expanded Universe“ folgen würde, in welchem Palpatine als Klon zurückkehrt. Und zack! Genau das ist passiert. Wenn es irgendeine Intrige gewesen wäre, die über den Tod des Imperators hinaus wirksam ist, oder ein fanatischer Anhänger des Imperators oder auch wenn Palpatine als Sith-Spuk die Trümmer des Todessterns heimsucht, alles das hätte mir besser gefallen als diese Lösung. Noch dazu, da weder in Episode VII noch in Episode VIII auch nur irgendeine Andeutung gemacht wurde, dass er zurückkehren könnte. Sein Auftreten wirkt und seine Erklärung, er stecke hinter Snoke ist irgendwie halbgar und unausgegoren.

Die völlige Arroganz gegenüber Rose Tyco

Da gibt es nichts zu beschönigen: Die Hater haben gewonnen. Sie haben ihren Hass über der Figur Rose Tyco und der Schauspielerin Kelly Marie Tran ausgekübelt und wurden dafür belohnt. Abrams hat Rose aus einem Großteil des Films rausgeschrieben und sich dabei nicht einmal die Mühe gemacht, einen plausiblen Grund für ihr Fernbleiben auszudenken. Stattdessen wurden gleich mehrer neue Charaktere einführt, die man sich hätte sparen können. Rose hätte statt dieses Ich-bin-in-zwei-Szenen-Wurmwesens am Anfang an Bord des Falken sein können (ernsthaft: Wie kann dieses Lebewesen Mechaniker sein?), sie hätte Dominik Monaghans Dialog übernehmen können… die Möglichkeiten wären da gewesen. Abrams hat sich dagegen entschieden.

Chewbaccas Tod und seine Auferstehung

Okay, gleich vorneweg, ich will mit diesem Abschnitt nicht sagen, dass Chewie hätte unbedingt sterben müssen in diesem Film. Es geht mir lediglich darum, wie Abrams davor kneift, dass Taten Konsequenzen haben. Entweder, ich entschließe mich dazu, diesem Film eine tragische Note zu verleihen, indem ich eine beliebte Figur sterben lasse, dann muss ich aber auch die Konsequenzen tragen und es durchziehen. Oder wenn ich mich schon rauswinden will, dann lasse ich das Publikum nicht eine Szene später bereits wissen, dass Chewie noch lebt. Wenn wir es zusammen mit Rey erfahren, ist das viel gehaltvoller. Aber ja, hier sieht man sehr deutlich das, was Patrick Willems gesagt, Abrams weicht echten Konsequenzen, die echte Veränderungen bei den Figuren verusachen, gern aus.

Die Ritter von Ren

Die Ritter von Ren haben eine Bedeutung. Schätze ich mal. Sind irgendwie wichtig. Schade nur, dass wir nie erfahren, warum. Und das ist das Problem, das ich mit ihnen habe, sie tauchen in ein paar Szenen auf und werden durch das In-Szene-Setzen bedrohlich dargestellt, es wird aber wieder einmal kein Kontext geliefert. Unter den finsteren Helmen könnten auch Graham Chapman, Terry Jones, John Cleese, Eric Idle und Terry Gilliam**** stecken, die im Schatten Kokosnussschalen hervorziehen und sich klappernd durch die Szenerie bewegen, als würden sie auf Pferden sitzen, während sie darüber diskutieren, wie schnell wohl eine unbeladene Schwalbe fliegt. Die Ritter von Ren wurden in Episode VII aufgebaut, hier machen sie ihren Abgang – und dazwischen ist nichts.

Poes Vergangenheit als Schmuggler

Nichts zeigt deutlicher, dass Abrams verdammt viel Handlungsspielraum gekriegt hat, als die Entscheidung, aus Poe, der in Episode VII wie ein Han-Solo-Abbild wirkte, nun einen vollen Han-Solo-Ersatz zu stricken. Denn diese kriminelle Vergangenheit widerspricht dem, was bis zu dem Zeitpunkt über Poes Vergangenheit im neuen Expanded Universe erzählt wurde. Es ist nicht sonderlich originell und war bisher vermieden worden, ich vermute mal, um genau solchen Vorwürfen, er sei ja eh nur „Han Solo in jung“ entgegen zu wirken. Tja, das hat sich damit auch erledigt. Eigentlich gibt es eine so genannte Storygroup bei Lucasfilm, deren Aufgabe es ist, darüber zu wachen, dass solche Widersprüche nicht passieren. In dem Fall begnügte man sich mit der Aufgabe, den Widerspruch irgendwie in Poes Lebenslauf reinzuschustern.

Rey ist Palpatines Enkelin

Auch hier eine Klarstellung, es geht mir nicht um die Diskussion, ob eine Frau sich mit „Pruneface“ Palpatine einlassen würde. Im alten Expanded Universe wurde die Aussage getroffen, dass der Imperator Konkubinen hatte, eine davon könnte also durchaus – vielleicht auch zwangsweise – seinen Nachwuchs tragen. Es geht mir darum, dass Abrams hier Johnsons Beitrag einfach wegwischt und eine der Aussagen von Episode VIII relativiert. Dort ging es nämlich darum, dass es egal ist, aus welcher Familie man stammt, jeder kann Großes vollbringen. Auch wenn man eben nicht von Anakin Skywalker abstammt. Es war eine starke Aussage, dass Reys Eltern „niemand“ sind, denn damit wurde klar, dass man sich nicht über die Abstammung zu definieren braucht.

Hier hat Rian Johnson auch ordentlich Feuer gekriegt, interessanterweise ausgerechnet auch von Amerikanern. Eine solche „Erbliniengläubigkeit“, wie ich es mal nennen möchte, hätte ich eigentlich eher in einer Kultur vermutet, die, so wie wir hier in Europa, ständig mit Nachrichten und Nichtigkeiten aus so genannten „Adelshäusern“ bombardiert wird. Damit wird einem ja schon von Kindesbeinen eingeimpft, dass die Adeligen irgendwas besonderes sein müssen, für das sich das „gemeine Volk“ zu interessieren habe. In den USA ist es ja eher die Kultur des „jeder kann alles werden“. Wie dem auch sei, Abrams hat den Ruf der geplagten Nerds gehört und Rey eine echte Blutlinie verpasst. Von diesem Moment an, da das im Film ausgesprochen wurde, habe ich gehofft, dass es nicht stimmt. „Der Imperator lügt“, habe ich mir gesagt, „natürlich lügt er, er ist der Imperator, der Manipulator, der Strippenzieher.“ Leider war das nicht der Fall.

Die unschlüssige Astronomie von Endor

Vielleicht bin das auch nur ich, aber kann es sein, dass die Gestalt des Systems, in welchem Endor liegt, völlig durcheinander geraten ist? In Episode VI wird gesagt, Endor sei ein Mond, es wird sogar ein Planet namens Sanktuarium ins Spiel gebracht, den Endor umkreist – und jetzt hat Endor selbst einen Mond? Zumindest, wenn man Episode IX glaubt, denn unsere Helden reisen nach Kef Bir, einem Endor-Mond.

Rey und der Skimmer

Ich bin ja bereit, viel mitzumachen, letztlich handelt es sich ja nur um „Kinderfilme über Weltraumzauberer“, aber so ein bisschen Logik wäre schon nicht auch schlecht… Kaum sind unsere Helden auf dem Sanktuarium-Mond-Mond Kef Bir angekommen, macht Rey sich unbeliebt, indem sie den rebellischen Ex-Sturmtrupplern einen Skimmer stiehlt, um damit zu den Trümmern des Todessterns zu fahren, die im Wasser liegen. Bei dem Skimmer handelt es sich um eine Art mechanischen Katamaran, der über eine Zahnradmechanik gesteuert wird. Kann mir jemand erklären, wie Rey weiß, wie man mit sowas umgeht? Okay, Raumschiffe steuern, das hat sie drauf, weil sie es schon gemacht hat, aber sowas? Ich kann Autofahren. Das habe ich mal gelernt. Und ich war mal auf einem Segelboot unterwegs und wäre trotzdem verloren, müsste ich so ein Ding allein steuern.

Jeder Sternzerstörer ist ein eigener Todesstern

Da haben sich die Leute über das Holdo-Manöver aus Episode VII aufgeregt, und jetzt… Jeder der hunderttausend (oder mehr) Sternzerstörer, die der Imperator heimlich hat bauen lassen (noch so’n Ding), hat Todessterntechnologie an Bord und kann Planeten zerstören. Also, wenn das Holdo-Manöver dazu führt, dass sich fortan Piloten des Widerstands mit Freude als Kamikaze-Piloten betätigen und große Schiffe des Widerstands in Schiffe der Ersten Ordnung rammen, was hindert eigentlich irgendjemand daran, neue Sternzerstörer mit großer Wumme zu bauen? Dieser Handlungspunkt schreit „ich habe keine neuen Ideen“ so deutlich wie nochmal was.

Die Sith-Loyalisten

Ja, offenbar sind die Typen in den Roben, die auf Exegol herumhängen, Sith-Loyalisten. Fast schon Abrams-typisch erfahren wir keinen Kontext. Wer sind sie? Wo kamen sie her? Wo gehen sie hin? Was machen sie beruflich? Haben sie Hobbies? Gibt es weibliche Sith-Loyalisten, die Single sind? Wichtige Fragen, die nicht geklärt werden, macht aber nix, sind am Ende vom Film eh tot. Das mag zynisch klingen. Ist auch so gemeint.

Kylo Rens Erlösung

Kylo Ren macht also die gleiche Wandlung durch wie einst Vader. Nun habe ich geschrieben, dass mir die Szene, in der Ben sich mit der Vision seines Vaters unterhält, für sehr gut halte. Das halte ich auch weiterhin, die Szene ist verdammt gut geschrieben und erfüllt ihren Zweck. Das Problem ist der Handlungsbogen, den sie vorantreibt. Es wäre mal etwas neues gewesen, wenn wir gesehen hätten, wie Kylo Ren seinen eigenen Untergang betreibt und eben nicht erlöst wird.

Der Kuss

Herzlich willkommen in unserer Kategorie mit dem Titel „Wo zum Teufel kommt denn jetzt das her?“ Leute haben sich über den Kuss von Rose beschwert, den sie Finn am Ende von Episode VII gab, aber die beiden haben zumindest einige Zeit verbracht und dabei extreme Dinge erlebt. Sie hatten Zeit, eine Verbindung aufzunehmen. Auch wenn diese vielleicht nur einseitig von Rose kommt. Aber zwischen Ben und Rey? Da gab es nichts. Alle Interaktionen zwischen den beiden liefen eigentlich nur darauf raus, dass Kylo Rey „haben“ wollte, um die Galaxis zu beherrschen.

„Ich bin Rey Skywalker.“

Und der zweite Eintrag zum Thema „Wo zum Teufel kommt denn jetzt das her?“ Ja, wie Patrick Willems festgestellt hat, spielt es voll in Abrams Vorlieben in Bezug auf „ich wähle meine eigene Familie“ rein, aber ansonsten? Es passt einfach nicht und hat kein Gewicht für die Geschichte. Das ist ungefähr so, als würde Rotkäppchen am Ende von dem Märchen den bösen Wolf heiraten, da würde man auch sagen „wo kommt denn jetzt das her?“

All die unbeantworteten Fragen

Von einem Film, der nicht nur ein Finale für die Sequel-Trilogie, sondern auch für die gesamte Skywalker-Saga ist, hätte ich erwartet, dass ein paar mehr Fragen beantwortet werden. Die Liste ließe sich bestimmt fortsetzen, hier nur ein paar Beispiele:

  • Wo ist nun Lukes Lichtschwert hergekommen, das er in Bespin (Episode V) verloren hat?
  • Wie genau war das nun mit Snoke und dem Imperator?
  • Was ist zwischen Rose und Finn? Das hätte zumindest eine kurze Erklärung verdient, aber Abrams hat Rose ja lieber ignoriert.
  • Was wollte Finn Rey sagen, als sie im Treibsand versanken? Da wird ein Storyelement aufgebaut und kurz darauf wieder fallengelassen, und man hört nie wieder davon.
  • Was ist der „Aufstieg Skywalkers“? Und falls das mit Reys „Ich bin Rey Skywalker“ zusammenhängt: Inwiefern ist das ein Aufstieg? Wohin?

Conclusio

Wer zählen kann, der wird feststellen, dass ich wesentlich mehr negative als positive / neutrale Punkte aufgezählt habe. Finde ich den Film also schlecht? Nein, nicht unbedingt. Das meine ich mit dem Durcheinander. Es gibt tatsächlich Filme, die habe ich einmal gesehen und dann befunden, dass ich sie mir nie wieder anschauen muss. Hier geht mir das nicht so. Abrams schafft es schon, den „Geist“ von Star Wars einzufangen, so ist es nicht. Aber dann hört es auf. Ein Großteil ist dem von Patrick Willems beklagten Fehlen eines großen Themas zu verdanken. Wir haben nur diese vage Andeutung von „wenn Du mit Deiner Familie nicht klarkommst, suche Dir eine neue“, leider ist aber auch das Thema nicht konsistent.

Das erwartete epische Finale der Skywalker-Saga ist leider nur ein „Film zum halt mal anschauen“, mehr nicht. Aber es ist kein Grund, Abrams mit Hass zu überschütten oder Disney per Petition zu zwingen, Episode IX neu zu verfilmen. Ich bin stattdessen gespannt auf das, was noch kommt. Ich bereue es nicht, diesen Film gesehen zu haben und habe mir tatsächlich auch die Blu Ray gekauft. Allerdings habe ich diesen Film – im Gegensatz zu den anderen und vor allem im Gegensatz zu „Die letzten Jedi“ – im Kino nur einmal gesehen.

Appendix: Was ich anders machen würde

Ich werde ab und zu mal gefragt, was ich anders gemacht hätte, wenn mit ein Film oder Elemente daraus nicht gefallen. Ich dachte mir, ich hänge hier mal ein paar Gedanken zu Episode IX an, möchte allerdings betonen, dass es wirklich nur Gedanken und Ideen sind. Ich möchte meine Energie nicht darauf verschwenden, mir den Plot einer Geschichte auszudenken, mit dem ich dann nichts anfangen kann. Ich möchte die Energie lieber für eigene Projekte verwenden.

Also:

  • Wenn diese Episode ein großes Finale sein soll, hätte ich mehr Orte auch aus der Prequel-Trilogie mit eingebracht. Warum waren unsere Helden eigentlich nicht auf Naboo? Immerhin ist das der Geburtsort von Palpatine.
  • Ich hätte den Imperator nicht zurückkehren lassen, allenfalls – wie schon beschrieben – als Sith-Spuk, der die Trümmer des Todessterns heimsucht. Vielleicht hätte man einen Plot schreiben können, in dem Kultisten versuchen, den Imperator wieder auferstehen zu lassen und man sie daran hindern muss.
  • Wenn Palpatine schon unbedingt zurückkehren muss, hätte ich Rey nicht zu seiner Enkelin gemacht. Alles das hätte eine Lüge sein können, die Palpatine erzählt, um Reys Schwächen auszunutzen.
  • Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, dass Palpatine selber betrogen worden wäre, dass die Konkubine, die er für seine Nachkommenschaft „auserwählt“ hat, nicht das Kind des Imperators tragen wollte. In dem Fall hätte Rey Palpatine vernichten können, weil er nicht in sie übergehen kann, hätte das aber natürlich zu spät festgestellt.

Ja, hätte, hätte, Fahrradkette. Nun ist es anders gekommen.

„STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers“ ist ab heute, anlässlich des STAR-WARS-Tags zu erhalten. Falls jemand den Film kaufen möchte, geht das zum Beispiel über folgende Werbung:


*= Wohlgemerkt: Kelly Marie Tran ist vietnamesischer Abstammung, sie ist in den USA geboren.

**= Der Witz wirkt im Original besser, da Kaiser auf Englisch „Emperor“ heißt.

***= Und ja, es war Genörgel. Weiß jemand, wie lang die „endlosen Debatten“ in Episode I sind? Ich kann es Euch sagen, es sind nicht einmal fünf Minuten! Man hält also nicht einmal fünf Minuten aus, weil Politik ist „laaaaangweilig“. Kein Wunder, dass Trump in den USA Präsident werden konnte!

****= Für diejenigen, die das nicht verstehen (hallo, Ihr zwei!): Das sind die Mitglieder der britischen Comedytruppe „Monty Python“.

Neue Studie belegt: Leute glauben alles, was sie im Internet lesen

Photo by Fusion Medical Animation on Unsplash
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Kleine Frage zum Einstieg: Warum sind Sie hier gelandet? Hat Sie die Frage neugierig gemacht? Ging es um den Erkenntnisgewinn? Oder sind Sie mit der festen Überzeugung hier eingetroffen, den Autor zu widerlegen? Egal wie, eines gleich vorweg: Es gibt keine Studie, die belegt, dass Leute alles glauben, was sie im Internet lesen. Aber mit dem, was Leute im Internet lesen und Studien gibt es ein Problem. Oder zwei.

In den Zeiten von Corona tauchen wieder einmal verstärkt Memes und Behauptungen in den sozialen Medien auf, die manchmal als die „Pest des Internes“ bezeichnet werden. Es sind kleine Beiträge, die schmissige, griffige Aussagen enthalten und vorgeblich zum Nachdenken anregen wollen. Nur ist das oft leider ein vorgeschobener Grund, eigentlich wollen diese Memes und Beiträge dem Leser ihre Meinung überbügeln. Nicht selten wird dabei auf Studien verwiesen ohne diese allerdings zu benennen. Als Beispiel nehmen wir einfach mal meine provokante Überschrift: „Studien beweisen: Leute glauben alles, was sie im Internet lesen“. Da könnte man noch was schönes dazuschreiben, um damit ein Kopfnicken bei denen zu provozieren, die „es ja schon immer wussten“. Man kommt sich dabei so schön kritisch vor, denn „Studien“ haben es ja bewiesen. Wissenschaftlich auch noch.

Wenn man den Behauptungen allerdings auf den Grund zu gehen versucht, kriegt man meistens Probleme, besagte Studien überhaupt zu finden. So kann jemand den Inhalt einer Aussage nicht widerlegen, wenn er die Studie, auf die sich berufen wird, nicht mal findet. Das gehört natürlich zur Strategie dieser Aussagen dazu, sie wollen keinen kritischen Beitrag leisten, sie gaukeln Wissenschaftlichkeit vor, indem sie sich auf „Studien“ berufen und obwohl sie behaupten, nur „kritisch zu hinterfragen“, möchten sie selbst bitte gar nicht kritisch hinterfragt werden.

Im Zuge solcher Memes und Behauptungen kam es immer mehr auf, genau diese Quellen einzufordern. Keine Quellen – unglaubwürdig, der Trend setzt sich langsam durch, zu langsam, fürchte ich. Aber immerhin kam es dazu. Und das war die Stunde, in der die Meme- und Beitragsersteller zurückschlugen. Seit einiger Zeit beobachte ich einen neuen Trend.

Hier wird eine schmissige Aussage getätigt und direkt auf eine Studie verwiesen. Alles in Butter demnach? Nein, nicht ganz. Offenbar verlassen sich einige der Ersteller solcher Aussagen darauf, dass schon keiner sich die Mühe macht, die entsprechende Studie wirklich zu lesen. Das Problem ist, dass solche Studien (und oft handelt es sich um Bachelor-, Master- oder Doktorarbeiten) in spezialwissenschaftlichem Jargon geschrieben sind, viele Tabellen beinhalten, Zahlen und Ergebnisse präsentieren. Das kostet Zeit und man muss sich wirklich reinarbeiten. Die Zeit hat natürlich nicht jeder.

Wenn sich aber kaum jemand die Mühe macht, solche Studien zu lesen, wird auch kaum jemandem auffallen, dass in diesen schmissigen Beiträgen Aussagen gemacht werden, die durch die angegebene Studie überhaupt nicht unterstützt werden. Erst vor ein paar Tagen ging etwas herum, in dem behauptet wurde, das Tragen von Gesichtsmasken sei so schädlich, dass Probanden einer Studie die Masken nur 30 Minuten tragen durften. Wenn man sich die Studie aber durchlas, stellte man fest, dass die behauptete Schädlichkeit mitnichten nachgewiesen wurde und die 30 Minuten daher kamen, dass man das Ausgangsmaterial der Masken testen wollte. Die Durchführenden der Studie befürchteten, dass durch die Feuchtigkeit in der Ausatemluft die Materialeigenschaften der Masken verändert werden. Da die Feuchtigkeit der Ausatemluft aber von sehr individuellen Bedingungen abhängt, hätte sich bei jedem Probanden das Material unterschiedlich verändert und das Testergebnis verfälscht. Mit der Beschränkung auf 30 Minuten wollte man dem vorbeugen. Das ist alles.

Wir sind bei den Behauptern also mittlerweile von „ich sage, das ist wissenschaftlich erwiesen, nenne aber keine Quelle“ zu „ich sage, das ist wissenschaftlich erwiesen, hier ist eine Quelle, die überhaupt nicht das aussagt, was ich sagen“ gekommen. Nur weil jemand eine Quelle angibt, ist das noch lange kein Grund, von Seriösität auszugehen.

Wenn man aber keine Zeit hat, sich selbst durch alles durchzuackern, was einem da so präsentiert wird, sind Seiten wie Mimikama umso wichtiger. Die Geschichte mit der schädlichen Maske haben sie hier aufgegriffen (allerdings nicht wegen den 30 Minuten, sondern wegen der Aussage über die Schädlichkeit generell), und auch sonst fahren sie in den Zeiten von Corona Sonderschichten, um so schnell wie möglich alle diese Falschinformationen, die gestreut werden, zu entlarven. Und weil ihre Arbeit so wichtig ist, kann man sie unterstützen, über PayPal, Steady oder Patreon. Also, schauen Sie sich das mal an und überlegen Sie sich, ob Sie vielleicht den einen oder anderen Euro übrig haben.

Die Arbeit ist schon immer wertvoll gewesen, jetzt allerdings umso mehr!

Verschwörungsmythen und die neue Hexensalbe

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In Geschichten ist es spannend zu lesen: Ein paar Ereignisse werden in Gang gesetzt. Jemand unternimmt Untersuchungen und stellt fest, dass es jemandem im Hintergrund gibt, der die Fäden zieht. Jemand – ein Ermittler oder auch ein Mensch, der mehr oder minder zufällig in die Sache gerät – entwirrt Stück für Stück das Netz, das da gespannt wurde. Bekannte Geschichten, die das zum Inhalt haben, sind unter anderem die Reihe um Robert Langdon aus der Feder von Dan Brown oder die Prequel-Trilogie von „Star Wars“. Fast allen diesen Geschichten ist gemein, dass derjenige, der die Fäden zieht, immer auch Glück braucht, dass seine Pläne so wunderschön aufgehen. Und das zeigt eine der Schwachstellen solcher Verschwörungen in der Realität, denn da fällt nie alles, was jemand plant, so wunderschön an seinen Platz.

Eine zweite Schwachstelle, die in den Geschichten gerne mal unter den Tisch fallen gelassen wird, ist die Verschwiegenheit. Gerade wenn es sich – wie bei Dan Brown – um Verschwörungen handelt, in die sehr viele Leute über lange Jahre (oder gar Jahrhunderte) verwickelt sind, ist es unwahrscheinlich bis unmöglich, dass diese Verschwörung noch nie ans Licht gekommen sind. Aber deswegen sind es eben Geschichten.

Ich selbst habe in meinen Geschichten versucht ein kohärentes Universum aufzubauen mit seinen eigenen Regeln. Doch mit Erschrecken stelle ich fest, dass es offenbar immer mehr Menschen gibt, die solche Geschichten Ernst nehmen. Ich lese Beiträge in sozialen Netzwerken, die den Plot einer puren Science-Fiction-Geschichte beschreiben, von bösen Außerirdischen, die die Politik unterwandern, Völker vernichten wollen und dergleichen mehr – nur dass es sich nach Ansicht der Leute, die das weiterverbreiten, eben nicht um Science Fiction handelt, sondern um die Wahrheit. Verschwörungsmythen greifen immer mehr um sich und je mehr ich darüber lese, desto mehr bin ich demotiviert, selber weiterzuschreiben. Denn das Schlimme ist: Dass es Science-Fiction-Geschichten gibt, die ähnliche Plots haben (wie zum Beispiel John Carpenters „Sie leben„) wird nicht als Widerspruch angesehen, sondern als Bestätigung: Die Filmindustrie ist Teil der Verschwörung und verhöhne die Menschen, indem sie ihnen die Wahrheit als Fiktion vorführe. Solche oder ähnliche Argumente kommen immer wieder.

Doch es braucht nicht mal Außerirdische für einen ordentlichen Verschwörungsmythos: „die Eliten“ reicht schon. Genau genommen reicht irgendeine Gruppe, die jemandem suspekt vorkommt und auf die man seine Wut projizieren kann. Dann ist diese Gruppe auf einmal der große Strippenzieher in der Weltverschwörung. Für diejenigen, die das für bare Münze nehmen, hat das einen Vorteil, denn „Es ist eine Verschwörung!“ ist eine wesentlich einfachere Erklärung als die Realität sie bereit hält. Ja, es gibt Ungleichheit in der Welt und es gibt Menschen, die ein Interesse daran haben, dass diese Ungleichheit bestehen bleibt. Und ja, es gibt auch echte Verschwörungen. Aber in den meisten Fällen sind es einfach komplexe Vorgänge, die nichts miteinander zu tun haben.

Verkaufserfolge alleine verbürgen noch keine Qualität. Menschenverachtung und Verschwörungsgeschwurbel werden seit Jahrhunderten stark nachgefragt.

Michael Blume: „Adrenochrom und Satanskulte – Die dualistischen Verschwörungsmythen…“

Der Mensch mag es nicht, wenn er dem Zufall ausgeliefert ist. In vielen Fällen ist es aber so. Man gerät beim Vorstellungsgespräch zufällig an einen Mensch aus der Personalabteilung, der einen nicht leiden kann und deswegen die Bewerbung ablehnt. Das ist tragisch und unprofessionell, aber kein Beleg dafür, dass dieser Mensch Teil einer Verschwörung ist, die den Bewerber daran hindern soll, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Mein erster Roman wurde von allen Verlagen abgelehnt, die ich kontaktiert hatte. Jeder Verlag hatte sicherlich eigene Gründe, aber solche Ablehnungen werden von den Verlagen in der Regel im Ablehnungsschreiben nicht begründet (da hätten sie viel zu tun). Trotzdem war es keine Verschwörung gegen mich, um zu verhindern, dass mein Buch auf den Markt kommt.

Da kommen wir zu einem weiteren Aspekt: Durch Verschwörungsglauben kann man sich wichtig fühlen und bestätigt in dem, was man tut. Jeder Mensch hat irgendwo eine Unsicherheit, aber diese lässt sich leichter niederbügeln, wenn man auf aus eigener Sicht ungerechtfertigten Widerstand stößt. Und manche möchten gerne herausstechen „aus der Masse“. Das können sie tun, indem sie etwas anhängen, das viele Leute ablehnen. Widerspruch ist dann Bestätigung, wenn sich jemand die Mühe macht, einem zu widersprechen, kann es ja nicht so falsch sein. Und man kann durch jede Alltäglichkeit einen Heldenstatus erlangen. „Die“ haben sich gegen mich verschworen, „die“ wollen nicht, dass ich eine Arbeitsstelle kriege, „die“ wollen nicht, dass mein Buch herausgebracht wird… Seht her, ich bin wichtig, denn „die“ gehen aktiv gegen mich vor.

Dann kommt irgendwann ein neues Problem dazu, denn ähnlich einer Droge müssen solche Dinge immer wieder erneuert und gesteigert werden. Irgendwann interessiert es halt niemand mehr, dass „die“ einen daran hindern, eine Arbeit aufzunehmen. Nicht wenige landen dann in Bereichen, wo wirklich jemand auf sie aufmerksam wird und versucht, ihr Handeln zu unterbinden: Die Staatsmacht nämlich. Solche Menschen fangen an, Straftaten zu begehen. Es kann auch sein, dass das schon früher beginnt, je nachdem welche Gruppe („die“) man hinter der Verschwörung vermutet, kann es sein, dass man sich der Volksverhetzung schuldig macht. Vorher schon kommt es zur sozialen Ausgrenzung, da sich Freunde und / oder Familie von einem abwenden. Kritik am eigenen System wird auch hier wieder als Bestätigung genommen, die anderen durchschauen die Verschwörung nur nicht. Die Presse, die versucht, aufzuklären, ist natürlich Teil der Verschwörung.

Und dann steht man als Autor da und verzweifelt. Ich möchte gerne weiterschreiben, aber ich möchte auch niemandem Ideen liefern, die dafür sorgen, dass er in einer Wahnwelt versinkt. Leider sehen wir das jetzt, zu Zeiten von Corona, sehr viel häufiger. Zumindest ist das mein Eindruck. Michael Blume beschreibt aus aktuellem Anlass in seinem Podcast den Zusammenhang zwischen der so genannten „Hexensalbe“ und dem heutigen Verschwörungsmythos um Adrenochrom. In einem Blogbeitrag beschreibt er hier das generelle Problem mit dem Verschwörungsglauben. Und ich fürchte, das ist alles, was ich tun kann: das Wissen darum weiterverbreiten.

Denn wir sehen auch eine große Gefahr: Während sich Leute mit großen Getöse an nicht-existierenden Gefahren abarbeiten, werden reale Bedrohungen zur Seite gewischt. Im Fall von Donald Trump wird er, der einen unqualifizierten Ratschlag nach dem anderen raushaut, sogar als Erlöserfigur gefeiert. Das heißt, der Verschwörungsglauben nutzt denjenigen, die wirklich Schaden anrichten, da er von ihnen ablenkt oder sie gegen Kritik immunisiert. Michael Blume selbst formuliert das so:

Die gesamte Welt wird gespalten in die vermeintlich absolut gute Eigengruppe, eine absolut böse Superverschwörergruppe und dazwischen der vermeintlich naive Rest. Im Zustand des pathologischen Dualismus kann keine Demokratie mehr gelingen und kein Dialog, keine ergebnisoffene Forschung und auch keine seriöse Medizin.

Michael Blume: „Was ist das Problem mit Verschwörungslgauben?“

Und was bedeutet das für mich? Ich glaube, ich mache mal weiter mit dem Schreiben. Das Tragikomische ist: Es ist völlig egal, wie absurd und abgedreht eine Geschichte ist, es kann sich doch noch jemand finden, der sie für die Wahrheit hält.

Mal sehen, was dabei rauskommt.