Albert Uderzo – Der Grandseigneur des französischen Comics feiert seinen 90. Geburtstag

Ein Einblick in das Asterix-Album Nr. 37, das im Oktober erscheint. © Les Editions Albert René/Uderzo-Goscinny
Albert Uderzo feiert seinen 90. Geburtstag. Bild © Les Editions Albert René/Uderzo-Goscinny
Albert Uderzo feiert seinen 90. Geburtstag. Bild © Les Editions Albert René/Uderzo-Goscinny

Albert (Aleandro) Uderzo muss schon bei seiner Geburt am 25. April 1927 in Fismes ahnen, dass er mit seinen Händen irgendwann Großes vollbringen wird. Die Natur spielt ihm einen Streich und stattet ihn mit sechs Fingern an jeder Hand aus. Alberts aus Italien stammende Eltern lassen ihrem Sohn die überflüssigen Finger jedoch bald entfernen. Kaum kann Albert einen Stift halten, beginnt er auch schon, wie wild, zu zeichnen. Dass diese lieb gewonnene Beschäftigung einmal zu seinem Beruf werden soll, liegt damals noch in weiter Ferne. Albert träumt nämlich davon, ein Clown zu werden. Besonders fasziniert ist er von einem Zirkusplakat, das einen Clown abbildet, der seinen Namen trägt. Uderzo erzählt heute:

„Dieser Albert muss mich später unbewusst zu den Knollnasen meiner Gallier inspiriert haben. So sind Asterix und Obelix an meiner Stelle Clowns geworden.“

Sein Zeichentalent wird jedoch schnell entdeckt. Er begeistert bereits in der Grundschule seine Lehrerin und den Direktor, indem er mit seinen Zeichnungen kleine Geschichten erzählt. Schon mit 14 Jahren wird er von einem großen Pariser Verlag engagiert, um für das Jugendmagazin „Junior“ zu zeichnen. Stolz betrachtet er seine erste Veröffentlichung. Er ist damals, und bleibt bis heute, ein reiner Autodidakt, der auch nach seinen ersten Versuchen als Berufszeichner, nie eine Kunstakademie besucht, sondern sich alles selbst beibringt. Auch seine angeborene Farbenblindheit hat keinen negativen Einfluss auf seine Zeichenkarriere. Damals will Albert am liebsten eines Tages für Walt Disney arbeiten. Dieser Jugendtraum verblasst jedoch langsam, als Albert mit 18 Jahren seine ersten Comic Strips veröffentlicht und feststellt, dass er lieber selbstständig arbeitet.

„Ich wollte mir meine Unabhängigkeit bewahren. Da bin ich ganz wie Asterix!“

Er arbeitet für französische und belgische Zeitungen sowie Illustrierte und bietet verschiedenen Agenturen seine Comics und satirischen Zeichnungen an. Zu diesem Zeitpunkt lässt er sich noch stark von amerikanischen Comics und deren Heldenmythen beeinflussen. Ein Jahr lang quält er sich als Zwischenphasenzeichner bei einer Trickfilm-Produktion, als er eine Kleinanzeige zu einem Comic-Wettbewerb in der Tageszeitung France Soir sieht. Sein erster Titelheld entsteht: Clopinard, der auch umgehend vom Verlag Du Chêne veröffentlicht wird. Angeregt von Werbeplakaten in der U-Bahn, meldet er sich bei der Comic-Zeitschrift O.K, in deren Auftrag eine ganze Reihe von Comic-Helden entsteht.

Der Militärdienst unterbricht diese Arbeit und als er 1949 entlassen wird, gibt es O.K. nicht mehr. Der Zufall bringt ihn zu France Dimanche, wo er als zeichnender Reporter das Tagesgeschehen festhält. Solange, bis er einer belgischen Agentur auffällt, die ihn unter Vertrag nimmt. Bei seinem ersten Besuch in Brüssel trifft er Jean-Michel Charlier und erfindet mit ihm „Belloy, Ritter ohne Rüstung“ und die Abenteuer der beiden tollkühnen Piloten „Tanguy und Laverdure“. Der Begegnung mit Charlier soll jedoch ein viel wichtigeres Treffen folgen: Uderzo begegnet im Jahr 1951 zum erstem Mal René Goscinny. Die beiden werden schnell enge Freunde und entwickeln schon bald gemeinsam ihre erste Comic-Figur, den Indianer „Umpah-Pah“, die allerdings erst viel später, 1958 veröffentlicht wird. Bis dahin entstehen aber zwei andere prominente Comic-Helden, Pitt Pistol und Luc Junior.

Im September 1953 heiratet Albert Uderzo Ada Milani, mit der er bis heute verheiratet ist. Im Juli 1956 kommt Tochter Sylvie zur Welt. Im gleichen Jahr gründet er zusammen mit René Goscinny, Jean-Michel Charlier und Jean Hébard ihr eigenes Pressebüro und eine eigene Werbeagentur: Edipresse und Edifrance. Das Team ist überaus produktiv, die Firmen sind blendend im Geschäft.
Doch Anweisungen und Zwänge seitens der Verleger und Werbekunden wurden zunehmend lästig. So ist 1959 die Zeit gekommen, um etwas Neues zu schaffen. Aus einer Kooperation unter anderem mit dem Radiosender RTL entsteht eine neue, eigene Zeitschrift. Sie ist als Wegweiser für Jugendliche gedacht und erhält den Namen „Pilote“. Kurze Zeit später soll sie zur Wiege des Comichelden Asterix werden.

© Les Editions Albert René/Uderzo-Goscinny
© Les Editions Albert René/Uderzo-Goscinny

Uderzo zeichnet ab der ersten Ausgabe zwei Serien für Pilote: Micheal Tanguy mit Jean-Michel Charlier und Asterix mit René Goscinny. Eigentlich arbeiten Uderzo und Goscinny damals an
einem Comic, in dem Reineke Fuchs im Mittelpunkt stehen soll und wollen damit Klassisches mit Modernem verbinden. Doch dann geschieht die Katastrophe: Drei Monate vor der geplanten Erstveröffentlichung kommt ihnen Jen Trubert mit der gleichen Idee zuvor. Schnellstens muss ein neuer Einfall her. Ein französisches Thema soll es sein, als Antwort auf die Flut von amerikanischen Themen und der Humor darf nicht zu kurz kommen. Beim Rekapitulieren der französischen Geschichte bleiben Uderzo und Goscinny schließlich bei den Galliern und dem Namen des französischen Nationalhelden Vereingetorix hängen. Just entsteht die Idee, die Namen der gallischen Comichelden alle auf –ix enden zu lassen. Nun muss man sich noch einigen, wie dieser neue Held des Widerstands aussehen soll. Uderzo will einen starken Muskelmann nach dem traditionellen Heldenbild. Goscinny dagegen stellt sich eher einen Antihelden, einen unauffälligen, harmlosen Knirps vor. Nach einigen Diskussionen und diversen Neuversuchen, kommt der kleine mutige gallische Krieger „Asterix“ aus dem Kasten: mit gewaltiger Nase, angriffslustig hochgestelltem Schnurrbart, locker sitzenden Fäusten und Flügelhelm. Als Gegenpol entwickeln die beiden Comicgenies „Obelix“: Er ist der große dicke, tapsige Freund von Asterix, der als verfressen, empfindsam, Hinkelsteine werfend und leicht aufbrausend dargestellt wird, und somit alle Fehler übernehmen muss. Das gallische Dorf wird von Uderzo in die Bretagne verlegt, Goscinny verlangte nur einen Ort, nicht zu weit vom Meer entfernt, damit die Gallier einfach reisen können.

1961 übernimmt der Verleger Dargaud die Zeitschrift Pilote, Edipress und Edifrance wird von den leitenden Angestellten übernommen und Albert Uderzo arbeitet wieder freiberuflich.
Keinen Tag zu früh. Denn der Comic über das kleine Gallische Dorf wird ein voller Erfolg und schon 1961 erscheint Asterix zum ersten Mal als längere Geschichte in Form von Comic-Alben, das erste Abenteuer ist „Asterix der Gallier“. In den folgenden Jahren entwickelt sich Asterix nicht nur in Frankreich zu einem der beliebtesten Comics und lässt die verkaufte Auflage schon bald auf über eine Million Exemplare steigen. Uderzo zieht daraufhin mit seiner Frau Ada und Tochter Sylvie von Bobigny nach Paris und erhält mehrere Auszeichnungen für seine Comics. 1965 schickt
Frankreich seinen ersten Satelliten in den Weltraum – er heißt Asterix. 1967 hat der erste Asterix-Zeichentrickfilm Premiere: Asterix der Gallier. 1969 erhält Uderzo – wie auch Goscinny – den Titel eines „Chevalier des Arts et des Lettres“, etwas später den „Ordre national du Mérite“, den französischen Verdienstorden. 1974 gründen Albert und René die Studios Idéfix, um auch die Asterix-Filmprojekte selbst zu realisieren. 1976 kommt der zweite Zeichentrickfilm in die Kinos: Asterix erobert Rom. Asterix ist überhaupt in aller Munde. Die frechen Sprüche aus Alben werden zu geflügelten Worten, selbst General de Gaulle neckt seine Minister mit Namen aus dem gallischen Dorf.

Plötzlich der große Schock: Am 5. November 1977 stirbt René Goscinny völlig unerwartet während eines Belastungstests und hinterlässt nach 26jähriger Zusammenarbeit eine schmerzliche Lücke bei Uderzo. Asterix droht gemeinsam mit Goscinny zu sterben, doch sein Verlag zwingt Uderzo gerichtlich zum Abschluss des laufenden Projekts „Asterix bei den Belgiern“. Was ihm zunächst als
unerträgliche Last erschien, wird ihm später doch zur positiven Selbstbestätigung. Seit dem stellt sich Uderzo der Herausforderung, die Abenteuer des kleinen Galliers in Alleinregie zu zeichnen, zu schreiben und zu verlegen. Er gründet gemeinsam mit der Witwe von Goscinny den Verlag Les Editions Albert René. Dem Debüt „Der große Graben“ folgen bis heute weitere Asterix Geschichten. Natürlich sind die Abstände zwischen den Abenteuern größer geworden: „Früher konnten wir uns die Arbeit eben teilen“, aber vom Aufhören ist bei Uderzo nie die Rede.

Bis heute ist Asterix in weit über 110 Sprachen und Dialekte übersetzt worden und erfreut sich einer breiten Leserschaft. Mehr als 370 Millionen Asterix-Bände sind weltweit verkauft worden, dazu kommen zwölf Zeichentrickfilme. Mal als Zeichentrick, mal mit Schauspielern wie Gérard Depardieu als Obelix. Auch die Leser sind stets begeistert und so ist es nicht verwunderlich, dass Uderzo über die Jahre diverse Preise und Auszeichnungen erhält, unter anderem die „goldene Leinwand“, den „Prix du Génie“, und den „European Video Award“. 2004 wird er auf dem internationalen Comic-Salon in Erlangen mit dem Max und Moritz-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

2011: Die Éditions Albert René gehen über in den Besitz von Hachette Livre. Nach 70 Jahren des Zeichnens entschließt sich Albert Uderzo, die Stifte aus der Hand zu legen. „Er braucht auch ein bisschen Erholung“, erklärt er. Aber mit der Leidenschaft fürs Zeichnen, die er zum Beruf machte, wirkt er voller Begeisterung an seinen Figuren weiter, und arbeitet eng zusammen mit den beiden neuen Autoren Jean-Yves Ferri und Conrad Didier am 35. und 36. Album!

Aktuell arbeiten die beiden am Album 37 „Asterix in Italien“, welches am 19. Oktober 2017 im Handel erscheint. Der Grandseigneur des Comics könnte sich natürlich jeder Zeit komplett
zur Ruhe setzen und sich mit seinen Werken in eine stille Kammer zurückziehen, aber er mischt auch mit seinen 90 Jahren bei den neuen Abenteuern von Asterix immer wieder mal mit. Von seinem Tatendrang geht nichts verloren:

“Ich möchte weitermachen, solange es mir möglich ist und solange man meine Geschichten lesen will. Im Grunde habe ich immer davon geträumt, das zu machen, was ich jetzt mache – ich bin ein Clown, der zeichnen kann. Und ich träume noch immer.“

Ein Einblick in das Asterix-Album Nr. 37, das im Oktober erscheint. © Les Editions Albert René/Uderzo-Goscinny
Ein Einblick in das Asterix-Album Nr. 37, das im Oktober erscheint. © Les Editions Albert René/Uderzo-Goscinny

„Asterix“ erscheint auf Deutsch beim Egmont Ehapa Verlag.

Quelle: Egmont Ehapa Verlag / © 2017 Les Éditions Albert René

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ASTERIX: „Der Papyrus des Cäsar“ – Band XXXVI

(c) Egmont Ehapa Verlag
(c) Egmont Ehapa Verlag

Schon seit ein paar Tagen ist das neueste Abenteuer des kleinen Galliers Asterix im handel zu haben, Band 36. Es trägt den Titel „Der Papyrus des Cäsar“ und ist der zweite Band, der von dem neuen Team Jean-Yves Ferri und Didier Conrad geschrieben wurde. Offenbar ist es bei „Asterix“ üblich, dass jedes zweite Abenteuer in der Heimat spielt, und nach der Reise zu den Pikten im vorigen Album ist nun also eine Geschichte dran, die innerhalb der Grenzen Galliens ihren Lauf nimmt. Gut, mit Einschränkung: Die Helden bleiben innerhalb der Grenzen Galliens, ihren Anfang nimmt die Geschichte aber in Rom, bei Julius Cäsar. Selbiger ist nämlich unter die Autoren gegangen. „Kommentare zum Gallischen Krieg*“ soll das Werk heißen und der Welt die Einzigartigkeit Cäsars vor Augen führen. Seinem Berater Syndicus stößt bei dem Werk nur eine Passage auf: das Kapitel „Rückschläge im Kampf gegen die unbeugsamen Gallier von Aremorica“. Haarklein und ziemlich ehrlich hat Cäsar hier seine Händel mit den Galliern um Asterix und Obelix aufgezeigt. Syndicus ist allerdings der Meinung, dass das niemand zu wissen braucht. Wenn Cäsar diese ganzen Sachen einfach verschweigt, wird er als Held dastehen. Und überhaupt – die Gallier! Wer in Rom weiß schon von denen? Cäsar stimmt zu und so wird eine Rolle aus dem Gesamtpapyrus entfernt. Allerdings gibt es einen nubischen Schreiber namens Bigdatha, der die Rolle in Sicherheit bringt und dem gallischen Aktivisten Polemix zuführt. Polemix will dieses Kapitel aus Cäsars Geschichte unbedingt an die Öffentlichkeit bringen, zuerst muss er sich aber vor den Römern retten. Dazu flüchtet er in das gallische Dorf, von dem in dem Papyrus so viel die Rede ist. Doch Syndicus lässt nicht locker und will die Herausgabe der Papyrusrolle mit Hilfe der Truppen, die um das gallische Dorf stationiert sind, erzwingen. Miraculix sieht nur eine Möglichkeit, die Wahrheit ans Licht zu bringen: Während das Dorf die römischen Legionen ablenkt, brechen er, Asterix, Obelix und Polemix in den Karnutenwald auf. Dort soll Archäopterix, der weiseste der Druiden, sich den Inhalt der Rolle einprägen, damit die Geschehnisse mündlich überliefert werden können…

Das neue Abenteuer nimmt – ganz in der Tradition von Asterix – neben den historischen auch deutliche Bezüge zur Gegenwart. Polemix etwa wurde nach dem Wikileaks-Aktivisten Julian Assange gestaltet und auch die Handlung lehnt sich an dessen Geschichte an: Unbequeme Wahrheiten, die die Regierenden gern verschweigen möchten, ein kleiner Einzelkämpfer aber ans Licht bringen möchte. Auch wird wieder Gegenwartstechnologie ins Asterix-Zeitalter übertragen, etwa mit den Brieftauben, die zum Versand von Kurznachrichten gedacht sind. Sehr originell finde ich auch die Idee, dass die Gallier ihr Horoskop lesen, das aber nicht nach Sternzeichen, sondern ganz in keltischer Tradition nach Bäumen aufgeteilt wird. Auch hier gibt es kritische Anmerkungen zum Zeitgeschehen, etwa wenn Methusalix und Obelix ihr Horoskop zu ernst nehmen und Miraculix dazu meint, dass es ein seltsames Phänomen sei, wenn die Menschen alles glauben, nur weil es aufgeschrieben wurde.

Der Geschichte selbst liegt eine raffinierte Idee zugrunde und Einzelgags, Runninggags und die Handlung selbst bilden eine gute Einheit. Die Gags wirken nie aufgesetzt oder in die Handlung hineingezwungen und die Übersetzung tut ihr übriges, den Spaß ins Deutsche herüberzubringen. Bestes Beispiel der Leistung der Übersetzung ist eine Kaskade von Wortspielen über Bäume in einer Szene, als sich ein paar Römer als Bäume tarnen, um das gallische Dorf auszuspionieren.
Natürlich ist nicht jede Szene und jeder Gag vollständig gelungen. Etwas merkwürdig fand ich beispielsweise die Einhörner im Karnutenwald**, aber nach dem Besuch in Atlantis in „Obelix auf Kreuzfahrt“ sind wohl auch pure Fantasy-Momente Teil des Asterix-Kosmos. Der Handlung geliegt es aber, die Schwächen auszugleichen, beziehungsweise, sie macht es einfach, darüber hinweg zu sehen.

Conrad, dem Zeichner, gelingt es immer noch, den Zeichenstil von Uderzo fast perfekt zu kopieren. Alle Figuren, die man bereits kennt, sehen exakt so aus wie von Uderzo gezeichnet, und neue Figuren passen sich perfekt in das Bild ein. Ein eigener Stil blitzt ab und zu, allerdings sehr selten einmal durch.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir das neue Album sehr gut gefallen hat. Es ist zwar kein großer Klassiker, aber eine gute Geschichte, die zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. „Asterix“ befindet sich mit diesem Zeichner/Autoren-Team auf einem guten Weg. Habe ich was vergessen? Ach ja, die traditionelle Schlussformel, mit der man offenbar jede Asterix-Rezension beenden muss: BEIM TEUTATES!

„Asterix 36: Der Papyrus des Cäsar“ als Comic-Album, Hardcover und eBook kann unter anderem hier bestellt werden.***

Am 5. November escheint die Luxusedition des Bandes, limitiert auf nur 999 Exemplare! Auf 128 Seiten finden sich das Comicabenteuer, ein umfangreiches Making-of und die Original-Bleistiftzeichnungen des neuen Asterix-Zeichners Didier Conrad. Diese Luxusedition erscheint im Überformat, mit Spotlackierung und in Leinen gebundenen Rücken. Sie kann hier bestellt werden.***

*= Das hat einen realen Hintergrund, denn der echte Julius Cäsar schrieb das Werk „Comentarii de Bello Gallico„. Cäsars „Macke“, die in den Asterix-Alben immer dargestellt wird, nämlich dass er von sich selbst in der dritten Person („er“) spricht, stammt aus dem „Bello Gallico“. Cäsar hat dieses tatsächlich auch in der dritten Person verfasst, um den Anschein der Objektivität vorzugeben.

**= Streng genommen muss man aber auch sagen: Da der Karnutenwald selbst in dieser Form nie existiert hat (Goscinny und Uderzo haben sich vom gallischen Volk der Karnuten und ihren Gebräuchen inspirieren lassen, den Wald allerdings erfunden), können dort selbstverständlich auch Einhörner leben. Ich fand’s nur ein wenig merkwürdig.

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Die Gallier sind zurück! – Das Cover des 36. Asterix-Albums ist enthüllt: „Der Papyrus des Cäsar“

DER PAPYRUS DES CÄSAR, Band 36 der Abenteuer von Asterix dem Gallier, ist ab dem 22. OKTOBER 2015 im Handel erhältlich. Heute wurde das COVER feierlich im Rahmen einer Pressekonferenz in Paris enthüllt!

(c) Egmont Ehapa Verlag
(c) Egmont Ehapa Verlag

Das Szenario des neuen Albums entstammt der Feder von Jean-Yves FERRI, die Zeichnungen von Didier CONRAD. Beide gehören inzwischen zu den Stars der Comicszene und müssen ihr Talent nicht mehr unter Beweis stellen. Ferri und Conrad haben sich 2013 kennengelernt und zusammen an ASTERIX BEI DEN PIKTEN gearbeitet. Der Druck war groß, die Erwartungen hoch: Es war das erste Asterix-Album, das von neuen Autoren erdacht und verfasst wurde – unter dem wohlwollenden Blick von Albert Uderzo, der drei Jahre zuvor beschlossen hatte, seinen Stift nach über 70 Jahren Karriere als Zeichner niederzulegen. Acht Jahre lang hatten die Fans in aller Welt mit Spannung und Ungeduld auf einen neuen Band gewartet. Das Album wurde weltweit ein Riesenerfolg (über 5,4 Mio. Exemplare in 24 Sprachen und Dialekten wurden verkauft) und das Highlight des Jahres 2013.

Getragen von der Begeisterung der Leser und dem Vertrauen, das Albert Uderzo und Anne Goscinny (Tochter von René Goscinny) ihnen schenkten, stürzten sich die beiden Autoren voller Tatendrang in die Schöpfung eines neuen Abenteuers. Ihr Leitsatz: die Tradition dieser von den beiden genialen Comic-Autoren Goscinny und Uderzo ins Leben gerufenen und weltweit erfolgreichen Serie zu respektieren.

Der Erfolg des vorigen Albums lieferte ihnen die Idee zu dem neuen Werk. Zwei Jahre lang tauschten sich Conrad und Ferri aus, skypten, schickten sich Skizzen, Entwürfe, Korrekturen und Änderungen hin und her, und präsentierten schließlich DER PAPYRUS DES CÄSAR: ein Abenteuer in bester Asterix-Tradition. Der vorige Band führte unsere gallischen Helden zu den schottischen Klans nach Kaledonien, daher spielt der neue Band wieder in Gallien. Cäsar wird also aus Rom anreisen müssen, um sich mit seinen Lieblingsfeinden unterhalten zu können!

Während alle Welt gespannt auf das Erscheinen des neuen Abenteuers wartet, wurden bereits erste Details bekannt gegeben. Uderzo verkündete in heiterem und auch stolzem Ton, er sei schwer beeindruckt von der genialen Intrige, die das Autorenduo mit den Ereignissen des Gallischen Krieges verflochten habe: Geschichte in der Geschichte sozusagen!

Und weil eine gute Geschichte immer auch einen guten Bösewicht braucht, wurde kurz darauf die Figur des Bonus Promoplus, der Berater Cäsars, enthüllt. Er soll eine wohldosierte Mischung aus verschiedenen zeitgenössischen Persönlichkeiten sein. Spannend! Aber worum geht es nun in dem Papyrus? Welche Rolle spielt Cäsar in diesem Abenteuer? Werden die Gallier das Römische Reich wieder zum Erzittern und Julius zur Weißglut bringen?

Am 29. Oktober 2015 feiert Asterix seinen 56. Geburtstag. Es verspricht, ein rauschendes Fest zu werden; die Faszination, die der Gallier auslöst, ist ungebrochen. Das Geheimnis seiner ewigen Jugend ist natürlich im großartigen Talent seiner Schöpfer begründet – und dem Talent derjenigen, die ihr Erbe angetreten haben.

Hinter dem Erscheinen dieses neuen Abenteuers verbirgt sich vor allem eine zutiefst menschliche Geschichte, die Geschichte zweier Jungs, die eine Leidenschaft für Comics im Allgemeinen und für Asterix im Besonderen teilen. Jean-Yves Ferri und Didier Conrad sind beide im selben Jahr wie der schnurrbärtige Gallier geboren. Sie sind mit seinen Reisen und den Nöten der Bewohner im Dorf der Verrückten aufgewachsen. Heute halten sie den Stift in der Hand und erfüllen diese Figuren mit Leben.

Albert Uderzo war immer überzeugt davon, dass Asterix weiterleben und den Millionen von Lesern der Serie noch viel Freude bereiten müsse. Ferri und Conrad liefern dafür einmal mehr den Beweis: Asterix wird noch viele Abenteuer erleben und sie mit der ganzen Welt teilen.

Quelle: Egmont Ehapa

Titeländerung Asterix-Band 36: Der Papyrus des Cäsar

Die Situation gab es bei Asterix schon einmal: Der Band, der korrekt übersetzt eigentlich den Titel „Rose und Schwert“ („La Rose et le Glaive“) tragen müsste, durfte in Deutschland nicht so heißen, weil es schon ein literarisches Werk mit diesem Titel gab. Also einigte man sich auf den deutschen Titel „Asterix und Maestria“.

Mit dem neuen Band 36, der am 22. Oktober erscheinen soll, ist nun etwas ähnliches passiert. Der Band trägt im Original den Titel „Le Papyrus de César“, auf Deutsch sollte er „Cäsars Geheimnis“ heißen. Nun stellte sich heraus: das geht aus rechtlichen Gründen nicht, denn es gibt schon ein Buch, das so genannt wurde. Egmont Ehapa hat nun verkündet, dass der deutsche Titel geändert und damit an den Originaltitel angepasst wird. Band 36 wird „Der Papyrus des Cäsar“ heißen.

50 Jahre Idefix – „Asterix – Tour de France“ als limitierte Sonderausgabe zum Jubiläum ab 26. Juni 2015 im Handel!

(c) Egmont Ehapa Verlag
(c) Egmont Ehapa Verlag

Vor 50 Jahren erschien die Erstauflage des Asterix-Albums Tour de France. Dort taucht auch ein kleiner weißer Hund mit schwarzen Schwanz- und Ohrenspitzen das erste Mal auf und wird schnell zum Liebling der Leser, von denen er in einem Wettbewerb den Namen Idefix erhält. Fortan begleitet die niedliche Spürnase jedes Abenteuer der beiden Gallier Asterix und Obelix als treuer Gefährte.
Anlässlich der beiden Jubiläen erscheint am 26. Juni 2015 der Band Asterix – Tour de France bei Egmont Ehapa Media (Softcover, 6,50 Euro) als limitierte Sonderausgabe mit 16 redaktionellen Seiten mehr. Erhältlich im Handel und im Ehapa Shop: http://www.ehapa-shop.de/asterix-6-sonderausgabe

Asterix und Obelix schließen eine Wette mit dem römischen Generalinspektor Lucius Nichtsalsverdrus ab und unternehmen eine dem berühmten Radrennen nachempfundene Reise durch Gallien. Von jeder Etappe wollen sie eine gallische Spezialität mitbringen und Nichtsalsverdrus auf einem Bankett servieren – doch beim Festmahl erhält er eine besondere Spezialität des Dorfes… und Obelix bemerkt nun endlich den kleinen Hund, der ihm die ganze Zeit gefolgt ist.

Quelle: Egmont Ehapa Verlag

Cäsars Geheimnis – Titelbekanntgabe des 36. Abenteuers von Asterix und Obelix

(c) Egmont Ehapa
(c) Egmont Ehapa
(c) Egmont Ehapa

Cäsars Geheimnis – So lautet der Titel des 36. Abenteuers von Asterix dem Gallier! Den Autoren Jean-Yves Ferri und Didier Conrad bereitete es ein fast schelmisches Vergnügen, den Titel im italienischen Bologna anlässlich der Internationalen Kinderbuchmesse bekannt zu geben – vor einem begeisterten Publikum und unter den wohlwollenden Blicken von Asterix-Schöpfer Albert Uderzo und Anne Goscinny, der Tochter des inzwischen verstorbenen René Goscinny.

Ein paar Worte zur Vorgeschichte: Wir befinden uns im Jahre 2013, als Jean-Yves Ferri und Didier Conrad zum ersten Mal Bekanntschaft mit den Asterix-Lesern machen. Die Stimmung ist emotional geladen, die Erwartungen sind hoch – es steht viel auf dem Spiel. Acht Jahre zuvor hatte Albert Uderzo beschlossen „den Stift niederzulegen“ – seitdem hat es für den kleinen gallischen Helden kein neues Abenteuer mehr gegeben. Uderzo ist bereit, seine Charaktere einem neuen Autorenduo anzuvertrauen … Der Rest ist Geschichte: Der Band ASTERIX BEI DEN PIKTEN wird weltweit ein Riesenerfolg und das Highlight des Jahres 2013.

Seitdem warten die Fans voller Spannung: Wird es einen weiteren Band geben? Wenn ja, welche Story wird sich entspinnen? Wohin geht die Reise? Wird es neue Charaktere geben? Und sind die Schöpfer bereit, dem neuen Autorengespann ein weiteres Mal zu vertrauen?
Da stellen Jean-Yves Ferri und Didier Conrad ihre Idee für ein neues Abenteuer vor – Albert Uderzo ist begeistert und gibt seinen Segen. Das Autorenduo wird auch für Band 36 der Asterix-Reihe verantwortlich zeichnen.

Im Januar 2015 kündigen sie das Erscheinungsdatum des neuen Albums an. Mehr können sie nicht verraten, da sie noch mitten im Schöpfungsprozess sind. Doch es genügt, um die sozialen Netzwerke heiß laufen zu lassen! Der neue Band wird schon jetzt sehnsüchtig erwartet.

Ein weiteres geschichtliches Detail: Zur Tradition der Asterix-Reihe gehörte es bisher, dass die gallischen Helden jedes zweite Abenteuer in einem fremden Land erleben. Sei’s drum! Die neuen Autoren geloben, auch in diesem Band die von den Schöpfern begründete Tradition in jeder Hinsicht zu respektieren: Daher bleiben die Gallier diesmal in Gallien. Doch die Aufgabe, vor der sie stehen, ist keine leichte. Zwei Jahre lang tauschen sie sich über eine Entfernung von 6.000 km hinweg am Bildschirm aus, diskutieren, streichen durch, lachen, zanken sich (ohne Fisch!), kritzeln, radieren und spinnen den Plot weiter, bis die Geschichte steht. (Wenn uns das nicht an ein prominentes Duo erinnert!)

Aber gibt es überhaupt noch eine Region Galliens, die unsere Gallier nicht erforscht haben? Welchen Schwerpunkt legt man – Politik, Gesellschaft …? Mit welcher List wird Cäsar dieses Mal versuchen, sein Ziel zu erreichen?

Ja, es wird wieder Schlägereien geben, bestätigen die Autoren. Ja, es wird neue Figuren geben und darunter eine besonders böse; ja, es wird wieder Zaubertrank im Spiel sein; ja, es wird wieder Backpfeifen für die Römer hageln; ja, die Handlung wird vielschichtig und spannend sein, und ja, die Autoren werden auch wieder ein typisches Phänomen unserer modernen Gesellschaft auf die Schippe nehmen …

Cäsars Geheimnis erscheint am 22. Oktober 2015.

 

Quelle: Egmont Ehapa Verlag

Das Phantastische Projekt 2013: Asterix bei den Pikten [Comicrezension] [Video]

Wir schreiben das Jahr 2013 n. Chr. Ganz Europa hat keine Ahnung, welches Schicksal Asterix und seinem Kumpel Obelix widerfahren wird. Ganz Europa? Nein, ein Team, das aus dem Zeichner Didier Conrad und dem Texter Jean-Yves Ferri besteht, leistet der Ungewissheit Widerstand. Zusammen haben sie den Band 35 der ASTERIX-Reihe erarbeitet: „Asterix bei den Pikten“. Kann der Band den Vergleich mit den ASTERIX-Klassikern standhalten?
„Asterix bei den Pikten“ kann unter anderem hier bestellt werden: http://bit.ly/AsterixbeidenPikten

Direkter Link zum Video: http://youtu.be/gCdufNi8YE4

„Asterix bei den Pikten“ – eine crossmediale Rezension

Comics sind aus unserer Kultur nicht mehr wegzudenken, auch wenn es Menschen gibt, die das bedauern. Dabei sind die Comicstile so unterschiedlich wie die Länder oder Regionen, aus denen sie stammen. Während in den USA Comichefte lange Zeit „Lese- und Wegwerfgut“ waren, entwickelte sich in Europa eine Comickultur der „Alben“, also großformatige Hefte mit mehr als 30 Seiten. Entwickelt hatte sich das aus Magazinen, die mehrere verschiedene Comics enthielten. Eines dieser Magazine war das 1959 gestartete „Pilote“ aus Frankreich. Ziel war dabei nicht nur, die Leser zu unterhalten, sondern auch irgendwie Bildung und Information einfließen zu lassen. Der Zeichner Albert Uderzo und der Texter René Goscinny wollten für „Pilote“ eine Fortsetzungsgeschichte schreiben, die einen Teil der französischen Geschichte beleuchten sollte.

Da ihnen spontan keine Idee kam, welche Epoche sie nehmen sollten, gingen sie die verschiedenen Zeitabschnitte chronologisch durch, angefangen bei den Höhlenmenschen. Doch schon beim Zeitalter der Kelten, genauer gesagt, den keltischen Galliern, blieben sie hängen. Ganz Gallien von den Römern erobert, nur ein kleines Dorf leistet Widerstand… das schien ihnen ein passendes Thema zu sein für eine Reihe, die aktuelle Themen (der französische Widerstand gegen Besatzer) mit Historie (Gallien, die Römer und Europa der Antike) miteinander zu verbinden. Sie suchten eine Erklärung, warum ausgerechnet das kleine Dorf, in dem die Haupthelden lebten, sich gegen die Römer zur Wehr setzen konnte, und fanden sie bei den keltischen Druiden, die dafür bekannt waren, allerlei magische Tränke zuzubereiten. Der Zaubertrank war also die Geheimwaffe der Gallier. Dann ließen sie sich allerhand Wortspiele für vermeintliche antike Namen einfallen, indem alle männlichen Galliernamen auf -ix enden, die ihrer Frauen auf -ine, alle Römer auf -us, alle Briten auf -ax… und so weiter.

Der Hauptheld bekam den Namen „Asterix“, sein Freund wurde „Obelix“ genannt. Uderzo machte ein paar Probezeichnungen mit einem „typischen Helden“, groß, muskulös… doch bald war klar, dass Asterix anders sein und die Probleme in seinen Geschichte nicht nur mit Gewalt, sondern auch mit Köpfchen lösen sollte. So wurde das Duo zu „Anti-Helden“, Asterix klein und eher hager, Obelix groß, rund und dick. Die Forsetzungsreihe in „Pilote“ wurde von Anfang an ein großer Erfolg, so dass die Geschichten als Comicalben nachgedruckt wurden. So dauert seit 1959 die „Ära Asterix“ an. Vor ein paar Tagen ist Band Nr. 35 erschienen, und um die Bedeutung dieser Geschichte zu verstehen, müssen wir einen Blick auf die Entwicklung der Reihe werfen:

Der Aufstieg von ASTERIX


Die ersten fünf Bände der Reihe bauten das ASTERIX-Universum sozusagen auf, der Leser erfuhr etwas über das kleine Dorf, über die Welt, in der die Protagonisten lebten und folgte ihren ersten Reisen. Außerdem wurden die Running Gags installiert, die fester Bestandteil der Geschichten werden sollten, wie etwa Obelix‘ Spruch „Die spinnen, die Römer“ oder die Piraten, denen die Gallier auf ihren Reisen immer wieder begegnen, wobei die Begegnung meistens mit dem Versenken des Piratenschiffes endet. In Band 5 kam das letzte Mitglied der „Stammbesetzung“ neu dazu: Der Comic hieß „Tour de France“ und ging um eine Reise durch das antike Frankreich, um den Römern zu beweisen, dass sie die Gallier nicht einsperren können. Bei einem Stop in Lutetia, dem heutigen Paris, sitzt ein kleiner, schwarz-weißer Hund vor einer Metzgerei, der den Helden spontan nachläuft und von Obelix schließlich als Haustier behalten wird. Sein Name wird „Idefix“, dieser wurde über einen Leserwettbewerb bestimmt.

In den weiteren Bänden bereisen Asterix und Obelix die antike Welt, wobei die Autoren viel mit neuzeitlichen Klischees spielen (militaristische Deutsche, bürokratische Römer, pingelige Engländer) und auch auf aktuelle Ereignisse oder Politik anspielen. Der Erfolg von ASTERIX war ungebrochen. Während der Arbeit an Band 24, „Asterix bei den Belgiern“, kam es 1977 allerdings zu einem tragischen Ereignis: René Goscinny starb, bevor die Geschichte abgeschlossen werden konnte. Obwohl Goscinny Uderzo gebeten hatte, das Album nicht ohne ihn zu beenden, bestand der Verlag Dargaud auf der Einhaltung des Vertrags. Uderzo musste „Asterix bei den Belgiern“ zwangsweise fertigstellen. Das führte zum Bruch zwischen ihm und dem Verlag und zur Gründung eines eigenen, der „Editions Albert René“.

Die Solo-Klassiker von ASTERIX


Viele Menschen machten sich Gedanken, wie es wohl nach dem Tod von René Goscinny weitergehen würde, oder ob Asterix sein letztes Abenteuer erlebt hatte. Das Gegenteil war der Fall, Uderzo verkündete, fortan allein zu arbeiten. Die nächsten vier Bände, „Der große Graben“, „Die Odysee“, „Der Sohn des Asterix“ und „Asterix im Morgenland“, schlossen nahtlos an die Reihe an. Auch wenn Uderzo vermehrt phantastische Elemente einbaute (wie etwa den fliegenden Teppich in der „Morgenland“-Geschichte“ oder den „Gadget-Streitwagen“ des Druiden Nullnullsix), waren es gute Geschichten, die zu Klassikern wurden. Doch so sollte es leider nicht bleiben.

Der Fall des ASTERIX


Kritiker bemängelten immer mehr, dass Uderzo zwar gute einzelne Einfälle hätte, aber es werde immer offensichtlicher, dass diese nicht ausreichten, um eine große Geschichte zu erzählen. Ein einseitiger Comic, den Uderzo gezeichnet hatte, zeigte dabei das tiefe Problem der ganzen Sache. In diesem Comic sieht man ihn und Goscinny in einem Bistro sitzen und überlegen, was für eine ASTERIX-Geschichte sie als nächstes machen könnten. Lange fällt ihnen nichts ein, bis einer von beiden plötzlich eine Idee hat. Und schon geht es los: beide inspirieren sich gegenseitig, neue Gags sprudeln förmlich aus den beiden raus, bis sie am Ende von einer Ambulanz abgeholt werden, die der besorgte Wirt des Bistros gerufen hat.

Genau das war es – Uderzo braucht ein Gegenüber, jemand, der gute Ideen erkennt, selber Ideen einbringt, andere Ideen oder Gags weiterentwickelt oder auch mal sagt: nein, das ist nicht gut, das lassen wir lieber. Und jemand, der das alles in eine Geschichte einbinden kann. Allen Kritiken zum Trotz beschloss Uderzo, allein weiterzumachen. Bei den nächsten fünf Bänden war nur einer dabei, der gut war – was daran lag, dass es sich um eine Zusammenfassung von ASTERIX-Kurzgeschichten handelte, die teilweise schon Jahre vorher erschienen waren. Die anderen Bände zeichneten einen langsamen Absturz des gallischen Kriegers. Es waren zwar Themen, aus denen man sehr wohl etwas hätte machen können, deren Umsetzung allerdings weniger gelungen war. Tiefpunkt – zumindest für mich persönlich – war der unsagbar schlechte Band Nr. 33: „Gallien in Gefahr“. Nicht nur, dass Uderzo das ASTERIX-Universum endgültig sprengte, indem er eine Science-Fiction-Geschichte mit Außerirdischen schrieb, das ganze war auch noch eine Allegorie auf einen „Kampf der Comic-Kulturen“, denn die verfeindeten außerirdischen Völker repräsentierten den Comicstil von Amerika und die japanischen Mangas. Die Geschichte selbst enthielt so wenig Substanz, dass sie mit über mehrere Panels gehenden Bildern gestreckt wurde. Der Tiefpunkt des Tiefpunkts war dabei ein Bild, das eine ganze Seite einnahm und eigentlich nichts zeigte außer dem gallischen Dorf, über dem das Raumschiff des Außerirdischen schwebte. Und dieses Raumschiff war nicht einmal besonders spektakulär, es war eine eintönige, goldene Kugel ohne Struktur oder Aufbauten. Doch nicht einmal diese Maßnahmen reichten, denn: das Album war eine Seite zu kurz. Die letzte Seite verschwendete Uderzo an ein Nachwort, in dem er dem „großen Druiden Walt Disney“ dankte, eine Verbeugung, die meiner Ansicht nach völlig überflüssig war. Uderzo hat selbst genug geleistet, er braucht sich nicht klein zu machen – ausgerechnet vor Disney.

Über Band Nr. 34, der anlässlich des 50jährigen Jubiläums herauskam, kann ich gar nicht viel sagen. Die Enttäuschung über Band 33 hat dazu geführt, dass ich diesen bislang nicht gelesen habe. Aber die Geschichte geht weiter.

ASTERIX – die Auferstehung

Ehrlich gesagt war es nach Band 34 eine Erleichterung zu hören, dass Uderzo die Arbeit an ASTERIX in andere Hände geben wollte. Genau das fehlte nämlich seit ein paar Bänden: frischer Wind und neue Ideen. Frédéric Mébarki, Uderzos Assistent, war der Auserwählte. Doch der gab das ganze rasch auf. In einigen Berichten wird behauptet, er sei mit dem Erwartungsdruck nicht klargekommen, in anderen heißt es, Uderzo sei mit seiner Arbeit nicht zufrieden gewesen. Was auch immer es war, jedenfalls wurde die Fortführung von ASTERIX nun einem Team übergeben, dem Zeichner Didier Conrad und dem Texter Jean-Yves Ferri. Mitte 2013 wurde dann zumindest bekannt, wie der neue Band heißen sollte: „Asterix bei den Pikten“. Mehr wurde nicht herausgegeben – und durfte auch nicht. Mitarbeiter und Geschäftspartner des Verlags wurde eine hohe Konventionalstrafe angedroht, wenn sie Einzelheiten vor Erscheinen des Heftes auf dem Markt weitergeben würden. Am 24. Oktober 2013 war es dann soweit:

ASTERIX BEI DEN PIKTEN


Ein ungewöhnlich harter Winter hat Aremorica und das kleine Dorf der Unbeugsamen im Griff. Kleine Klugscheißerei am Rande: da in „Asterix und Kleopatra“ ebenfalls Winter herrscht, können wir nicht mehr das Jahr 50 vor Christus haben, sondern mindestens 48. Da in „Asterix in Spanien“ allerdings erwähnt wird, dass selbige Episode am 17. März 45 vor Christus beginnt, befinden wir uns also mindestens im Jahr 44. Allen Unkenrufen zum Trotz: Die Zeit schreitet bei Asterix also doch fort, zwar sehr langsam, aber sie schreitet fort.

Zurück zum Thema: Da der Winter ungewöhnlich hart ist, können Asterix und Obelix keine Wildschweine jagen. Stattdessen gehen sie an den Strand, um Austern zu suchen. Zwischen allerhand Treibgut finden sie einen riesigen Eisblock, in dem ein Mensch eingefroren ist. Sie tragen ihn zum Druiden Miraculix, der den Fremden anhand seiner Tätowierung als Pikte, einen Schotten, identifiziert. In Miraculix‘ Hütte wird der Eisblock aufgetaut und erstaunlicherweise hat der Fremde die ganze Prozedur gut überstanden: Er leidet lediglich an einer Stimmlosigkeit. Das macht es schwierig, den Galliern zu erklären, wo er herkommt. Miraculix versucht es mit einem Zaubertrank, der allerdings nur dazu führt, dass der Pikte unzusammenhängend irgendwelche Liedtexte zitiert. Als Obelix ihm zum Zeitvertreib das Hinkelsteine schlagen beibringen will, meißelt er eine Karte in den Stein. Damit wissen die Gallier, wohin sie den Fremden bringen müssen. Sie starten zur Fahrt nach Kaledonien. Als sie auf dem Meer die obligate Begegnung mit den Piraten haben, findet der Pikte seine Stimme wieder und erzählt seine Geschichte: Sein Name sei Mac Aphon. Er habe um die Hand von Camilla, der Tochter des verstorbenen Piktenkönigs Mac Nifizenz angehalten, als er von seinem Rivalen Mac Abberh an einen Baumstamm gekettet in einen Loch geworfen worden sei, von wo aus es ihn nach Aremorica trieb. Als die drei Kaledonien erreichen, ist die Wiedersehensfreude bei Mac Aphons Clan groß, doch es gibt eine schlechte Nachricht: Mac Abberh hat Camilla entführt und will sich zum König der Pikten ausrufen lassen. Mac Aphon, Asterix und Obelix wollen das verhindern. Was niemand ahnt: Mac Abberh hat sich mit den Römern verbündet. Eine komplette Garnison ist unter der Leitung des Zenturios Habdenblus in Kaledonien an Land gegangen. Ihr Auftrag: Sollten die Clanchefs sich weigern, Mac Abberh als den König der Pikten anzuerkennen, sie mit Waffengewalt dazu bringen. Damit Mac Aphon bei der Versammlung seine Stimme gegen Mac Abberh erheben kann, brauchen die Gallier den Stimmentrank von Miraculix, doch den hat ihnen ein Seeungeheuer abgenommen. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, das rettende Fläschchen wiederzufinden…

„NEIN, DU WIRST NICHT ZÄHLEN! NEIN, DU WIRST NICHT ZÄHLEN!“


Fangen wir mit der Kritik mal bei der Technik an. Ich finde es nämlich erstaunlich, wie sehr es Didier Conrad gelingt, Uderzos Zeichenstil nachzuahmen. Es ist fast ein bisschen zu wenig eigener Stil zu erkennen, die Unterschiede sind nur in den kleinen Details zu sehen. Vieles wurde auch bei der Gestaltung beibehalten. Wie Uderzo, so hat auch Conrad bekannte Personen in den Darstellungen einzelner Figuren persifliert. Der Bösewicht Mac Abberh beispielsweise ist dem Filmbösewicht Vincent Cassel nachempfunden und ein piktischer Barde trägt die Züge von Johnny Halliday. Mac Aphon sieht dem Indianer Umpah-Pah (aus einer anderen Comicserie, die Goscinny und Uderzo entwickelt haben) ähnlich.

Die Geschichte… ja, um eine kurze Einschätzung vorweg zu nehmen: Sie ist gut. Sicherlich kein Klassiker, aber besser als das, was zuletzt in der Reihe veröffentlicht wurde. Es fehlen die kleinen Raffinessen, aber vielleicht muss sich das neue Team da erst hinarbeiten. Im Gegensatz zu „Gallien in Gefahr“ muss ich sagen, dass ich an mehreren Stellen des Albums laut gelacht habe. Anders als bei der grafischen Umsetzung haben Ferri und Conrad bei der Geschichte dann auch mehr eigene Dinge eingebracht. So wird beispielsweise Idefix diesmal tatsächlich zu Hause zurückgelassen oder der Schmied Automatix verprügelt nicht Troubadix, sondern einen im Dorf anwesenden römischen Volkszähler mit den Worten „Nein, Du wirst nicht zählen!“ Ja, auch der Volkszähler, ein römischer Bürokrat, ist ein Einfall des Autorenduos, der innerhalb der Geschichte einen Running Gag hat. Etwas verwundert hat mich das Ende. Ohne zu viel verraten zu wollen ist es doch die erste Asterix-Geschichte (zumindest soweit ich mich erinnere) in der angedeutet wird, dass einer der Figuren echter Schaden an Leib und Leben und entsteht. Manche der Gags zünden auch nicht so ganz aus meiner Sicht, etwa die Poplieder, die Mac Aphon zitiert, als er noch nicht ganz von seiner Sprachlosigkeit geheilt ist. Ein Witz – so es einer sein soll – hat mich da besonders ratlos zurückgelassen: Miraculix bezeichnet die Liedtexte von Mac Aphon als „Borborygmus“. Mal ganz davon abgesehen, dass ich das Wort erstmal nachschlagen musste („Borborygmen“ sind Darmgeräusche), verstehe ich auch jetzt den Witz noch nicht wirklich.

Natürlich sind bekannte Elemente ebenso vorhanden, Majestix, Verleihnix, Automatix, Troubadix, und die Frauen der Dorfbewohner, die einen gewissen Gefallen an dem muskulösen Pikten und seiner Kleidung finden, genauso wie die Piraten, denen wieder einmal das Schiff versenkt wird. Gut getan hat der Geschichte aber auch, dass die Handlung ansonsten etwas völlig Eigenständiges ist und man nicht Nebenfiguren von früher wieder aufgewärmt oder gar eine Fortsetzung eines klassischen Asterix-Bandes geschrieben hat.

Mein persönliches Fazit: „Asterix bei den Pikten“ macht Lust auf mehr. Es bleibt zu hoffen, dass sich Conrad und Ferri im nächsten Band vielleicht auch ein bisschen mehr trauen, eigene Dinge einzubringen und die Gags und Anspielungen ein wenig subtiler werden, beziehungsweise, die Waage zwischen brachialen und subtilen Gags ein bisschen besser auszugleichen. Dann ist Asterix bereit für eine Reise in eine neue Ära.

Asterix bei den Pikten, erschienen auf Deutsch im Egmont Ehapa Verlag.

[Dieser Post erscheint nochmal in Videoform!]